Verbindungsoffizier

Auf die richtige Verbindung kommt es an

Auf die richtige Verbindung kommt es an

  • Radio Andernach
  • Streitkräfteamt
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Intensiver Austausch, schneller Informationsfluss und nicht zuletzt belastbare persönliche Kontakte, die gegenseitiges Vertrauen stiften - die Bundeswehr legt großen Wert auf enge Verbindungen zu ihren verbündeten Streitkräften. Ein Einblick in das Aufgabenspektrum und den Alltag eines Verbindungsoffiziers. 

Zwei Soldaten, der eine deutsch der andere amerikanisch, blicken gemeinsam auf eine Landkarte.

Ein Verbindungsoffizier vom Panzerpionierbataillon 130 aus Minden unterhält sich mit einem amerikanischen Soldaten am Gefechtsstandfahrzeug im Rahmen der multinationalen Übung Saber Guardian 2017 in Ramnicu Valcea/Rumänien.

Bundeswehr/Dorow

Verbindung zu halten, ist eine der Grundaufgaben eines jeden Soldaten. Ob im Gefecht oder im Tagesdienst – engen Kontakt zu pflegen, regelmäßig Informationen auszutauschen und darüber Vertrauen aufzubauen, ist wesentlich für die Zusammenarbeit. Der institutionalisierten Verbindung zu insbesondere verbündeten Streitkräften kommt für die Bundeswehr eine besondere Bedeutung zu. Diese wichtige Aufgabe nehmen in erster Linie Soldaten wahr, die im sogenannten Verbindungswesen tätig sind und im Auftrag der Bundeswehr ihren Dienst an Standorten und bei Verbänden ausländischer Streitkräfte verrichten.

Die Koordination – Aufgabe des Streitkräfteamtes

Die Fäden für die Koordination der 114 Verbindungsoffiziere, die für Bundeswehr derzeit bei ausländischen Streitkräften im Einsatz sind, laufen allesamt beim Streitkräfteamt (SKA) zusammen. Die in Bonn sitzende Kommandobehörde bildet die planerische und administrative Zentrale, die hinter dem gesamten Verbindungswesen steht. In enger Abstimmung mit den jeweiligen militärischen Organisationsbereichen der Truppe, die Bedarfe anmeldet und geeignetes Personal zur Verfügung stellt, bereitet das SKA den Einsatz der Verbindungssoldaten zu unseren Partnern vor. Oberst Cord von E., der verantwortliche Sachgebietsleiter im SKA, schildert Hintergründe, Strukturen und die Idee, die die Bundeswehr mit der Entsendung von Verbindungsoffizieren verfolgt:

Was ist Verbindungswesen?
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Nie mehr falsch verbunden - Verbindungsoffizier, Austauschoffizier und Militärattaché im Kurzporträt

Neben dem Verbindungsoffizier gibt es noch zwei weitere Uniformträger, deren Aufgabe darin besteht, Verbindung zu ausländischen Stellen zu halten. Auch sie sind Soldaten, unterscheiden sich in ihren Aufgaben allerdings deutlich vom Verbindungsoffizier. In herausgehobener Funktion ist dabei der Militärattaché für die Bundesrepublik Deutschland unterwegs. Formal an das Auswärtige Amt abgeordnet, erhält er selbst Diplomatenstatus und ist in den Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Experte und Ansprechpartner für militärische Angelegenheiten. Damit zählt er offiziell zum diplomatischen Corps unseres Staates. Ein Austauschoffizier hingegen bekleidet einen Dienstposten in den Streitkräften des Gastgeberlandes. Er ist zwar Bundeswehrsoldat, aber für die Zeit seines Austausches in einer Verwendung innerhalb der Militärstruktur des jeweiligen Landes. Im dortigen Tagesdienst lernt der Austauschoffizier auf diese Weise beispielsweise hautnah Einsatzgrundsätze oder Waffensysteme unserer verbündeten Armeen – quasi von innen heraus - kennen. Nicht unüblich ist es, dass Austauschoffiziere sogar mit in den Einsatz ihrer ausländischen Verbände gehen. Einen kurzen Überblick über Aufgaben und Befugnisse der verschiedenen Verwendungen liefert im Gespräch Oberst Cord von E., Sachgebietsleiter „Verbindungswesen“ im Streitkräfteamt (SKA):

Aufgaben und Befugnisse der verschiedenen Verwendungen.
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Weiterführende Eindrücke aus dem Leben eines Militärattachés bietet außerdem folgender Artikel

Wichtig und unersetzlich: der persönliche Kontakt

Einen Dienstposten im Verbindungswesen zu bekleiden, erfordert neben den dienstlichen Obliegenheiten im engeren Sinne auch einen hohen persönlichen Einsatz vor Ort. Die Tätigkeit eines Verbindungsoffiziers erschöpft sich nicht nur darin, acht Stunden aus dem Dienstzimmer heraus zu arbeiten, sondern die Erwartung ist, dass man sich in das gesellschaftlich-kulturelle Leben am Einsatzort einbringt. Hier gibt es Unterschiede je nach Gastland und Kultur. Allen gemein ist aber, dass ein deutscher Verbindungsoffizier gern gesehener Gast auch bei außerdienstlichen Veranstaltungen ist – und dies mit seiner ganzen Familie. Die Entscheidung, einen solchen Posten wahrzunehmen, sollte der Soldat daher vorab mit seinem privaten Umfeld gut abgestimmt und vorbereitet haben, so Oberst Cord von E. im Gespräch:

Der Tagesablauf eines Verbindungsoffiziers.
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Unter 45.000 amerikanischen Kameraden in Fort Benning 

Auf einem besonderen Dienstposten sitzt Oberstleutnant Siegfried B. Er ist der deutsche Verbindungsoffizier bei den amerikanischen Streitkräften in Fort Benning. Alleine die Dimensionen dieses Standorts lassen erahnen, wie außergewöhnlich der Tagesdienst für ihn dort immer wieder ist: Mit rund 45.000 Soldaten auf einer Fläche so groß wie Hamburg zählt das Fort im Grenzgebiet der beiden USUnited States-Bundesstaaten Georgia und Alabama zu den drei größten Standorten in den Vereinigten Staaten. Dort hat das USUnited States-Militär seine infanteristische Herzkammer und Tausende Soldaten werden jährlich auf zahlreichen Lehrgängen vor allem „grün“ ausgebildet. Für den deutschen Verbindungsoffizier ein spannender Dienstort, der von ihm allerdings weitaus mehr als rein militärisches Engagement abverlangt. Es sind nicht zuletzt die persönlichen Begegnungen im Rahmen von „Social Events“, die ihm Türen öffnen, Kontakte ermöglichen und Gelegenheit auch für informelle Gespräche bieten. Sich auf diesem Parkett zu zeigen und sicher bewegen zu können, ist unerlässlich für einen vertraulichen Informationsfluss zwischen den Bündnispartnern. Oberstleutnant B. berichtet aus seinem Dienstalltag als Verbindungsoffizier in Fort Benning:

Verbindungsoffizier in den USA. (1 von 2)
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Auch er betont, wie wichtig es ist, die eigene Familie vor Ort beim Wahrnehmen sozialer Verpflichtungen einzubeziehen, und schildert augenzwinkernd, warum er und seine Familie in den USA noch einmal zu Führerscheinprüfungen antreten mussten:

Verbindungsoffizier in den USA. (2 von 2)
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Der umgekehrte Blick: Liaison Officer (LNO) der USUnited States-Army in der Bundeswehr 

Oberstleutnant Matthew C. wiederum dient als amerikanischer Verbindungsoffizier am Amt für Heeresentwicklung der Bundeswehr in Deutschland. Zugleich ist er der Verbindungsmann zwischen TRADOC, dem Training und Doctrine Command der USUnited States-Streitkräfte mit dessen Hauptquartier in Fort Monroe im USUnited States-Bundesstaat Virginia, und dem Ausbildungskommando des Heeres in Leipzig. Zu seinen Aufgaben gehört, enge Verbindung zwischen diesen Dienststellen der Bündnispartner herzustellen. Für ihn bedeutet dies, täglich neuen Herausforderungen ausgesetzt zu sein und viel Zeit auf Reisen zu verbringen. Aber für ihn ist persönliche Präsenz vor Ort unerlässlich – etwas, was durch digitale Kanäle auch nicht zu ersetzen. An einer wichtigen Schnittstelle zwischen der USUnited States-Army und dem deutschen Heer sitzend sorgt er bei vielen streitkräftegemeinsamen Projekten und Kooperationen für schnellen und direkten Informationsfluss. Dazu muss er die deutsche Sprache gut beherrschen, da Übersetzungen bei den allermeisten Besprechungen in deutschen Dienststellen die Ausnahme sind. Von amerikanischer Seite wird daher sehr großen Wert auf vertiefte Sprachkenntnisse im jeweiligen Einsatzland gelegt. Für Oberstleutnant C. ein Glück, profitiert er doch davon, in Deutschland aufgewachsen zu sein und Deutsch bereits von Kindesbeinen an gelernt zu haben.

Tagesablauf als Verbindungsoffizier beim Amt für Heeresentwicklung.
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Im Gespräch berichtet Oberstleutnant C. über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen USUnited States-Army und Bundeswehr:

Die Unterschiede der USUnited States Army im Vergleich zur Bundeswehr.
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Für die Bundeswehr beim Bundesheer 

Spracherwerb steht zwar für Oberstleutnant B., dem deutschen Verbindungsoffizier im österreichischen Graz, nicht im Vordergrund, allerdings wird auch er auf seinem Dienstposten in der Alpenrepublik gelegentlich mit begrifflichen Besonderheiten konfrontiert, die ihn als Nicht-Österreicher vor Rätsel stellen. In sehr vielen Bereichen, so seine Erfahrung, spiegeln sich aber die Jahrhunderte zurückreichende gemeinsamen historisch-kulturellen Wurzeln beider Länder auch in den jeweiligen Streitkräften wider. Deutsche Bundeswehr und österreichisches Bundesheer ähneln sich in seiner Wahrnehmung sichtbar, was den Führungsprozess, das Professionsverständnis und die Mentalität im Allgemeinen angeht. Dies macht es in der Zusammenarbeit spürbar leichter, die zahlreichen Kooperationsprojekte, Ausbildungsvorhaben und gemeinsamen Einsatzvorbereitungen auf den Weg zu bringen. Auskunft über die Besonderheiten im Dienst als deutscher Verbindungsoffizier beim Bundesheer gibt Oberstleutnant B. hier:

Der deutsche Verbindungsoffizier in Österreich sorgt dafür, dass alle Seiten bei Projekten im Gespräch und Informationen erhalten bleiben. Warum das trotz gemeinsamer Sprache nicht immer ganz so einfach ist, erfahren Sie hier.
Audio-Transkription
von Rolf Pauthner