Camp Castor in Gao

Abwassermonitoring für den Gesundheitsschutz

Abwassermonitoring für den Gesundheitsschutz

Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Es sind unscheinbare silberne Kästen, die im Camp Castor rund um die Uhr das Abwasser aus den Wohnbereichen der Soldatinnen und Soldaten der UNUnited Nations-Mission MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali überwachen. Mit den Ergebnissen dieses Abwassermonitorings ist es dem Gesundheitsaufseher vor Ort möglich, eventuelle Corona-Infektionsherde zu entdecken und bei Bedarf schnell Maßnahmen einzuleiten.

Ein Soldat kontrolliert eine automatische Messeinrichtung für Abwasser

Oberfeldwebel Christian K. überwacht die automatische Probenentnahme aus dem Abwasser im Camp Castor

Bundeswehr/Claas Gärtner

Regelmäßig ist Oberfeldwebel Christian K. auf dem Weg durch das Camp Castor, der Einsatzliegenschaft der Bundeswehr in Mali, mit seinen mehr als 1.000 deutschen Soldatinnen und Soldaten. Der 37-Jährige ist Gesundheitsaufseher im Camp und verantwortlich für die Einhaltung der Maßnahmen zur Seuchenverhütung und -bekämpfung. Heute aber ist er nicht unterwegs, um schädliche oder gefährliche Tiere zu fangen. Heute interessieren ihn die Abwasserleitungen im Camp.
Modernste Messtechnik überwacht diese an insgesamt drei Punkten der Wohnbereiche. Kontinuierlich nehmen die Anlagen Proben des Abwassers. Einmal am Tag werden sie untersucht. „Durch diese Überwachung sind wir in der Lage, beispielsweise Corona-Ausbrüche frühzeitig zu entdecken“, erklärt Oberfeldwebel Christian K., „und wir können daher schnell Gegenmaßnahmen umsetzen, um eine Weiterverbreitung von Krankheitserregern zu erschweren.“ Bei Bedarf stehen ihm vor Ort drei weitere mobile Systeme zur Verfügung. In der gleichen Funktion ist der Familienvater auch in Deutschland tätig. Dort arbeitet er in einer Überwachungsstelle für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes, dem Gesundheitsamt der Bundeswehr.

Fundierte Entscheidungen treffen

Ein Soldat mit Gummihandschuhen arbeitet in einem Labor mit Pipette und Probenröhrchen

Die Abwasserproben werden in einem Labor im Camp auf Krankheitserreger untersucht, um Infektionen frühzeitig zu entdecken

Bundeswehr/Claas Gärtner

Die regelmäßigen Proben aus den Abwasserleitungen liefern Hinweise auf Krankheitsausbrüche. Eine erste Auswertung erfolgt direkt im Labor des Camps. Um noch genauere Daten zu erhalten, schickt Christian K. Proben zusätzlich einmal pro Woche nach Deutschland. In München werden sie in einem speziellen Labor des Sanitätsdienstes der Bundeswehr untersucht. Für bestimmte Krankheitserreger wird dabei routinemäßig auch eine Genomsequenzierung durchgeführt. „Im Verbund mit anderen Maßnahmen erhalten wir so ein präzises Bild der Gesundheitslage für das Kontingent“, erklärt Oberfeldwebel Christian K.
Insgesamt 44 Messstellen sind über das ganze Camp verteilt. Wenn an bestimmten Zusammenflüssen der Abwasserrohre Erreger nachgewiesen werden, kann Christian K. mit seinen mobilen Systemen weitere Entnahmestellen einrichten. So ist es möglich, Infektionsherde bis auf ein einzelnes Gebäude einzugrenzen. „Ich suche dann das Gespräch mit dem jeweiligen Verantwortlichen“, erklärt er. „Gemeinsam schauen wir, ob es vielleicht Personen mit Symptomen gibt.“ Wenn keiner der Bewohnerinnen oder Bewohner offensichtliche Krankheitszeichen zeigt, könnten im Extremfall sogar alle auf Infektionskrankheiten getestet werden. Sicherheit geht vor. Dabei arbeitet er eng mit der Sanitätseinsatzstaffel im Camp zusammen. „Unser wichtigstes Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft des Kontingents aufrechtzuerhalten.“

Angepasste Schutzmaßnahmen

Ein Soldat mit einem Kontrollzettel an einem Sickerbecken

Die Abwässer im Camp Castor werden vor Ort gereinigt. Christian K. muss regelmäßig die Sickerbecken kontrollieren, um eine Besiedlung mit Mückenlarven zu verhindern.

Bundeswehr/Claas Gärtner

Um größere Ausbrüche von Infektionskrankheiten zu vermeiden, verfügt das Camp neben zahlreichen verpflichtenden Hygienemaßnahmen auch über einen Stufenplan. „Wir haben darin bestimmte Schwellenwerte definiert, ab denen Maßnahmen auf Befehl des Kontingentführers umzusetzen sind.“, erklärt Christian K. Sollte es also zu einem Krankheitsausbruch kommen, werden bei einer bestimmten Anzahl Erkrankter beispielsweise Gemeinschaftseinrichtungen geschlossen oder dürfen nur noch unter Auflagen benutzt werden. Zusätzlich verfügt das Camp Castor über einen eigenen Isolationsbereich, in dem erkrankte Soldatinnen und Soldaten medizinisch betreut werden, solange sie ansteckend sind. „Gerade bei Corona ist es wichtig, dass wir ein mögliches Ausbruchsgeschehen frühzeitig entdecken“, sagt Oberfeldwebel K. „Nur so können wir schnell und angemessen reagieren.“ Das Abwassermonitoring im Camp Castor leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

von Claas  Gärtner

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