Schwerlasttransportfahrer in Litauen

Ich bin iM EINsatz: Ständig auf Achse für die Einsatzbereitschaft der Battlegroup

Ich bin iM EINsatz: Ständig auf Achse für die Einsatzbereitschaft der Battlegroup

  • Ich bin im Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht vor einem SLT mit einem Kampfpanzer auf dem Anhänger

Oberstabsgefreiten Jan-Ole V. fährt unter anderem den SLT Mammut. Dieser kann bis zu 70 Tonnen Gewicht zuladen

Bundeswehr/Andy Meier

Mein Name ist Jan-Ole V. Ich bin 31 Jahre alt und stolz, als Oberstabsgefreiter bei der Bundeswehr seit mittlerweile fast 13 Jahren dienen zu können. Ich habe beim Logistikbataillon 3 als Militärkraftfahrer angefangen. Seit 2015 diene ich im Versorgungsbataillon 141 in der 3. Kompanie im niedersächsischen Rotenburg/Wümme. Ich bin schon lange Schwerlasttransportfahrer (SLT-Fahrer). Seit 2011 besitze ich den Berechtigungsschein zum „Bediener SLT“. Meine ersten Erfahrungen im Auslandseinsatz habe ich 2011 in Kundus in derselben Tätigkeit gesammelt. Der sechsmonatige Einsatz in Litauen ist nun mein zweiter Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat fixiert mit einer Kette ein Militärfahrzeug auf einem Anhänger

Vor der Abfahrt verzurrt Oberstabsgefreiter Jan-Ole V. den Bergepanzer nach dessen exakter Positionierung auf dem Anhänger

Bundeswehr/Pascal Warner

Ich fahre hier in Litauen zwei verschiedene Fahrzeugtypen. Zum einen den „handelsüblichen“ – so nennen wir das im Fachjargon – Scania HÜ und zum anderen den SLT Mammut der Bundeswehr. Beide können ein zusätzliches Gewicht von bis zu 70 Tonnen laden. Das neueste Model, der SLT Mammut, ist noch nicht lange in der Truppe. Damit bin ich in der Lage, das schwerste Panzermodell der EFP-Battlegroup, den Leopard 2 A6M, problemlos von A nach B zu transportieren: Der Leopard 2 A6M mit Minenschutz hat ein Gesamtgewicht von weit über 60 Tonnen. Darüber hinaus transportiere ich alles, was hier stationiert ist und gebraucht wird: vom Radfahrzeug bis hin zum norwegischen oder niederländischen Schützenpanzer CV-90. Beinahe täglich bin ich mit dem SLT Mammut unterwegs.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Gruppenbild von 14 Soldaten vor zwei Militärfahrzeugen

Die Kameraden der multinationalen Transportgruppe. Oberstabsgefreiter Jan-Ole V. weiß bereits jetzt: Er wird sie vermissen.

Bundeswehr/Lennard Liedtke

Ich fahre für mein Leben gerne Schwerlasttransporte. Diese Leidenschaft hat sich quasi mit Beginn meiner Kraftfahrausbildung bei der Bundeswehr entwickelt. Das Bewegen der Fahrzeuge an einen Ort, an dem andere das Fahrzeug für ihre jeweilige Aufgabe benötigen, erfüllt mich jeden Tag aufs Neue mit Freude und Stolz. Ich weiß, dass ich nur ein kleiner Teil im großen Getriebe der Battlegroup bin. Doch wenn ich sehe, dass es von meiner täglichen Arbeit abhängt, dass Dinge sich bewegen, dann gibt mir das Zufriedenheit. Gemeinsam mit der deutsch-niederländischen Schwerlastgruppe werde ich etwa 350 Transporte bis zum Ende meines Einsatzes durchgeführt haben.

Die Fahrten bringen mich häufig auf den Truppenübungsplatz Pabradė oder zum Überseehafen nach Klaipėda. Gelegentlich organisieren wir auch Transporte im Rahmen der Bahnverladung von und nach Gaižūnai und Šeštokai. Bisher verliefen alle Transporte zuverlässig wie ein Uhrwerk, ganz ohne Zwischenfälle und Störungen. Darauf bin ich stolz!
Zurück in Deutschland werde ich die Zusammenarbeit mit meinen tollen Kameraden aus den Niederlanden und Tschechien vermissen. Es erfüllt mich mit Stolz, mit so klasse Kameraden in einem multinationalen Team zusammengearbeitet zu haben.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine kleine Tochter Frieda. Sie ist bei meiner Freundin und wächst und gedeiht. Ich erlebe leider nur per Skype, wie rasant sie Fortschritte macht. Ich kann mich jetzt mit meiner Tochter das erste Mal unterhalten, weil sie ihre ersten Worte gelernt hat. Und ich erkenne mit großer Freude, dass sie mich versteht. Natürlich bin ich traurig, dass ich nicht dabei war, als sie die ersten Schritte gemacht hat. Natürlich vermisse ich auch meine Freundin. Darüber hinaus vermisse ich mein größtes Hobby, das Angeln. Ich bin ein leidenschaftlicher Raubfischangler. Und mit meinen Kumpels zurzeit nicht an alten VW  herumschrauben und basteln zu können, stimmt mich auch ein wenig traurig.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich freue mich schon sehr darauf, meine Familie wieder fest in die Arme zu schließen. Nach meiner Rückkehr möchte ich erst einmal viel Zeit mit den beiden verbringen.
Meiner Freundin bin ich besonders dankbar. Dankbar dafür, dass sie so vieles ohne mich gemeistert hat. Meine Kumpels bald beim Schrauben wiederzusehen, erfüllt mich auch mit Vorfreude.
Da sich meine Zeit bei der Bundeswehr dem Ende nähert, beginnt bald die Vorbereitung auf die Zeit danach. Ich möchte am liebsten beim Zoll im Hamburger Hafen arbeiten. Diesen finde ich einfach unheimlich attraktiv und faszinierend.

von Jan-Ole V.

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