6 Monate Enhanced Forward Presence

Interview: Rückblick des Kommandeurs auf die 10. Rotation in Litauen

Interview: Rückblick des Kommandeurs auf die 10. Rotation in Litauen

  • Anerkannte Missionen
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
0 MIN

Nach sechs Monaten bei der Enhanced Forward Presence in Litauen blickt der Kommandeur, Oberstleutnant Hagen Hubert Ruppelt, zurück. Von den ersten Tagen in Litauen über die Zertifizierungsübung Iron Wolf bis zur Herausforderung des litauischen Winters stellt er sich sechs Fragen im Interview.

6 Fragen an Oberstleutnant Hagen Hubert Ruppelt

Portrait Oberst Ruppelt
Bundeswehr/PAO EFP
PAO EFP

Seit Juli kommandieren Sie die multinationale EFP Battle Group in Litauen. Wie hat es begonnen und welche Ziele lagen Ihrem Ansatz zur Erfüllung dieser Aufgabe zugrunde?

Während der ersten Wochen des Einsatzes war es entscheidend, alle kennenzulernen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und ein gemeinsames Verständnis für Verfahrensweisen zu entwickeln. Danach haben wir Schritt für Schritt die Kampfelemente, die Kampfunterstützungs- und die Einsatzunterstützungselemente auf Kompanieebene in die Gefechtsübungen und das Gefechtsschießen integriert. Zudem hat der multinationale Stab durch Rahmenübungen und taktische Entscheidungsausbildung das Tempo der Operationsführung erhöht. Nach nur wenigen Wochen übten wir mit der gesamten Battlegroup eine Vielzahl von Szenarien, immer in enger Verbindung mit unseren litauischen Freunden der Iron Wolf Brigade und unseren amerikanischen Verbündeten des 3-66 Armoured Battalion in Pabrade.

Portrait Oberst Ruppelt
PAO EFP

Während des Einsatzes war alles auf ein Ziel ausgelegt: „combat ready“ sein. Können Sie kurz umreißen, wie sich die 10. Rotation auf die Zertifizierungsübung Iron Wolf vorbereitet hat und ein paar wichtige Ereignisse schildern?

Damit wir hier in Litauen mit einer gut ausgebildeten und gut ausgerüsteten, gefechtsbereiten Truppe ankommen, haben wir unseren Ausbildungszyklus bereits im Jahr 2020 begonnen. Langsam aber stetig konnten wir so trotz der coronabedingten Einschränkungen die multinationalen Hauptakteure der EFP Battlegroup auf Kompanie- und verstärkter Bataillons-Ebene in Deutschland integrieren, noch vor Verlegung zu der Gefechtsübung. In Litauen mussten wir dann nur noch zusätzliche Fähigkeiten und Kräftemultiplikatoren anschließen, zum Beispiel Logistik, Luftverteidigung und zusätzliche Kampftruppen. Während der Gefechtsübung Eager Leopard im September 2021 bereiteten wir uns auf die erfolgreiche Zertifizierung als „combat ready“ während der Gefechtsübung Iron Wolf im Oktober 2021 vor. Danach haben wir unsere Gefechtsbereitschaft durch eine Vielzahl von Übungen und Ausbildungsveranstaltungen aufrechterhalten, auch in enger Zusammenarbeit mit unseren benachbarten EFP-Einheiten in Polen und Lettland.

Gefechtsbereitschaft ist eine Frage der technischen, taktischen und – noch wichtiger – personellen Bereitschaft. Aus diesem Grund legen wir während der gesamten Einsatzdauer viel Wert auf die Ausbildung für einsatzwichtiges Führungspersonal und die mentale und körperliche Einsatzbereitschaft der Soldatinnen und Soldaten.

Portrait Oberst Ruppelt
PAO EFP

Welche anderen bedeutenden Momente gab es während des Einsatzes, die Sie besonders hervorheben möchten?

Für mich war es sehr beeindruckend zu sehen, wie schnell wir im Rahmen unseres Aufnahmestaats und der litauischen Iron Wolf Brigade als eine EFP-Familie zusammengewachsen sind. Das Aufbauen von Vertrauen und gegenseitigem Verständnis unter NATO-Bündnispartnern ist entscheidend für die Auftragserfüllung. Ich habe neue Freunde gefunden und viel Erfahrung im Arbeiten in einem multinationalen Umfeld sammeln können. Zudem war ich zutiefst beeindruckt von der Professionalität, Motivation und Hingabe, die alle Soldatinnen und Soldaten der EFP Battlegroup in diesen sechs Monaten gezeigt haben. Ohne diese Geisteshaltung hätten wir uns nicht gemeinsam behaupten können. “Together – Strong” ist nicht nur unser gemeinsamer Schlachtruf in der NATO, sondern beschreibt auch, wie wir uns fühlen.

Portrait Oberst Ruppelt
PAO EFP

Was waren die größten Herausforderungen in Litauen für Sie persönlich sowie für Ihre Soldatinnen und Soldaten?

Mit der Zeit wurde es kompliziert, eine gute Balance zu finden zwischen dem erforderlichen Schutz der Battlegroup vor Covid19-Infektionen einerseits und andererseits ausreichend Bewegungsfreiheit für die Soldatinnen und Soldaten, um auf organisierten Ausflügen das Land und die Kultur Litauens kennenzulernen. Zudem sorgte der Winter für herausfordernde Straßenverhältnisse; Verkehrsunfälle auf überfrorenen Straßen und Verletzungen durch Glätte waren eine tägliche Sorge. Ich persönlich freue mich jetzt darauf, meine Familie nach mehr als sechsmonatiger Abwesenheit wiederzusehen.

Portrait Oberst Ruppelt
PAO EFP

Wenn man den Auftrag der 10. Rotation zusammenfasst: Würden Sie sagen, dass sie erfolgreich war? Was würden Sie Ihren Nachfolgern empfehlen?

Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Mission, jedwede gegen Litauen gerichtete Aggression glaubhaft abzuschrecken und zur Verteidigung dieses NATO Bündnispartners beizutragen, erfolgreich erfüllt haben. Wir haben uns reibungslos in die Kommandostruktur der litauischen Iron Wolf Brigade integriert. Ich bin dem Kommandeur, Oberst Mindaugas Petkevicius, sehr dankbar dafür, dass er stets ein offenes Ohr und Herz für seine NATO-Bündnispartner hatte. Außerdem haben wir die multinationale Integration und Interoperabilität gestärkt, indem wir neue Kommunikationswege ausprobiert und angesichts neuer Herausforderungen kreative Lösungen gefunden haben. Was unsere Nachfolger betrifft: Ich empfehle dringend die C3-Regel. Neben der Sicherstellung von Kernfunktionen und der Ausbildung in „command and control“-Verfahren (C2) ist Kommunikation, „to communicate“ also, von besonderer Bedeutung.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Kommunikation ein Hauptfaktor für die erfolgreiche Erfüllung des Einsatzauftrages der EFP ist – innerhalb der Battlegroup, zwischen den Nationen, über alle militärischen Hierarchien hinweg und selbstverständlich auch außerhalb der Battlegroup mit unseren litauischen Freunden und Partnern, mit unseren USUnited States-amerikanischen Verbündeten sowie mit den Medien. Es ist von entscheidender Bedeutung, sehr proaktiv über unsere Aktivitäten zu sprechen, und so unsere Rolle und unsere Anstrengungen sowohl der Öffentlichkeit als auch hochrangigen Besuchern aus Politik und Militär zu erklären.

Portrait Oberst Ruppelt
PAO EFP

Was war für Sie persönlich ein sehr besonderer Moment während Ihres Einsatzes in Litauen?

Während der Gefechtsübung Iron Wolf konnte ich sehen, wie stark die Integration von Soldatinnen und Soldaten aus verschiedenen Nationen sowohl auf dem Hauptgefechtsstand wie auch auf den vorgeschobenen Gefechtsständen war. In den sehr intensiven Phasen der Operation spielte es keine Rolle mehr, welche Flagge jemand auf seiner Schulter trug. Als ein Team haben wir alle für die NATO gedient, Seite an Seite mit einem gemeinsamen Ziel. Dies wurde auch bei den Kampftruppen in der Verzögerungsoperation sowie bei den Kräftemultiplikatoren aus den Bereichen Logistik, Fernmeldedienst, Pionierwesen, streitkräftegemeinsames Feuer, Sanitätsdienst, usw. deutlich. Insgesamt war das die wertvollste Erfahrung während des Einsatzes.

Portrait Oberst Ruppelt
von PAO EFP  

Mehr zum Thema