Angriff durch den dichten Kiefernwald Litauens

Angriff durch den dichten Kiefernwald Litauens

Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
4 MIN

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Der Bravo-Zug von Oberleutnant Markus S. stellt nach drei Tagen Verteidigung die Reserve der Kampfkompanie, da kommt der Befehl zum Stellungswechsel: Die Panzergrenadiere sollen in den linken Gefechtsstreifen der Enhanced Forward Presence Battlegroup wechseln und dort die Norweger ablösen. Denn hier setzt der Kommandeur seinen neuen Schwerpunkt. Hier will er angreifen – mit dem schwersten, was er hat: Drei Panzergrenadierzüge und ein Panzerzug. Für Oberleutnant S. werden dies die entscheidenden Momente der Übung „Eiserner Wolf“ im litauischen Pabradė.

Die Line „Hunter“ muss gehalten werden

Ein Gefechtshelm liegt in einem Sandloch im Hintergrund seht ein bewaffneter Soldat

Der Sand ist ideal zum Eingraben: Die Panzergrenadiere übernehmen die ausgebauten Stellungen der Norweger

Bundeswehr/Karsten Dyba

„Der Sand ist ideal zum Eingraben“, sagt Stabsgefreiter Sebastian G. Unter dem dichten Moos des Waldbodens kommt zum Vorschein, was der Litauer den wahren Reichtum seines Landes nennt: Sand. Regnet es, verwandelt er sich in morastigen Schlamm, der für jedes Gefechtsfahrzeug und insbesondere für deren Fahrer zur Herausforderung wird. Für die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 391 aus dem thüringischen Bad Salzungen ist er ideal für den Stellungsausbau. Der Kampfstand ist schnell ausgeschachtet, sogar ein Platz für den Gefechtshelm modelliert, ein Poncho drüber, Tarnung drauf – fertig ist das „Dreisterne-Hotel“, funken die Grenadiere. Seit drei Tagen liegen die Grenadiere im „Pabradės Miškas“, dem Pabrader Forst auf dem Truppenübungsplatz unweit der litauischen Hauptstadt Vilnius. In den Tagen zuvor wurden sie alarmiert, verlegten im Landmarsch ins 140 Kilometer von ihrem Standort Rukla entfernte Pabradė und richteten sich dann zur Verteidigung ein. Ihr Auftrag: Die Linie „Hunter“ im Falle eines feindlichen Angriffs unbedingt halten, nachdem die vor ihnen liegende belgische mechanisierte Infanterie im Verzögerungsgefecht den Feind abgenutzt hat.


Die Belgier halten den Gegner hin

Soldat auf dem Turm eines Schützenpanzers

Blick in Feindrichtung: Vom Schützenpanzer aus beobachtet ein Grenadier das Vorfeld

Bundeswehr/Karten Dyba

Das ist gelungen: Zehn Stunden lang hielten die Belgier den Gegner hin, sperrten leicht zu überwindendes Gelände, nahmen immer wieder den Kampf auf, lenkten die Angriffsspitze des Feindes auf die Stellungen der Grenadiere und der Kampfpanzer. Dort fanden sie ihren Meister: Die deutschen Grenandiere – in Litauen eingesetzt als 1. Kampfkompanie der EFP-Battlegroup – lagen im Schwerpunkt des Gefechts. Der Angriff wurde erfolgreich abgewehrt. Doch die Battlegroup darf keine Zeit verlieren - ehe der Gegner Zeit findet, sich zur Verteidigung des gewonnenen Geländes einzurichten, soll er wieder aus dem Pabrader Forst geworfen werden. „Der größte litauische Übungsplatz bietet ein interessantes Gelände. Es ist stark bewaldet und von wenigen schmalen Wegen durchschnitten, so dass es für uns manchmal schwierig ist, uns zu bewegen“, erklärt der Kompaniechef, Major Matthias S. „Um unsere Fahrzeuge zu verlegen, benötigen wir auch etwas Raum, aber hier müssen wir uns manchmal anders bewegen, als wir es von zu Hause aus gewohnt sind. “Bei der Abschlussübung „Eiserner Wolf“ der 6. Rotation der EFP Battlegroup geht es darum, mit allen Kompanien und den Unterstützungskräften im Gefecht der verbundenen Waffen zunächst zu verteidigen und dann den Gegenangriff zu üben.


„Panzer sind nichts ohne uns“

Ein Panzer bewegt sich im Wald

Der Panzerzug mit Leopard 2A6 aus Bad Frankenhausen, kann im baltischen Wald seine Stärken nicht ausspielen

Bundeswehr/Karsten Dyba

Der Bravo-Zug liegt in der Reserve der Kompanie, jederzeit schnell verfügbar. Etwas weiter vorne liegen die Soldaten des Alpha- und des Charlie-Zugs in ausgebauten Stellungen. Ihre Schützenpanzer haben sie etwas weiter hinten eingegraben und getarnt. An der linken Flanke endet der Wald und geht in eine freie Fläche über. Hier sind die Stellungen des Delta-Zugs mit seinen Kampfpanzern. Der Zug von Hauptmann S. vom Panzerbataillon 393 in Bad Frankenhausen verstärkt in Litauen die Grenadierkompanie. Ähnlich ist es bei den Norwegern, die im linken Gefechtsstreifen eingesetzt sind. Das „Panserbataljonen“ aus Setermoen in Nord-Norwegen ist gemischt ausgerüstet mit modernen schwedischen CV 90-Schützenpanzern und deutschen Leopard 2A4. Die Einsatzgrundsätze sind vergleichbar: In offenem Gelände unterstützen die Grenadiere die Kampfpanzer im Gefecht. Die Panzergrenadiere ziehen es vor, in bewaldetem Gelände zu kämpfen, wo der Kampfpanzer seine Vorzüge weniger gut entfalten kann. „Panzer sind nichts ohne unsere Unterstützung – und umgekehrt benötigen wir ihre Feuerkraft und Geschwindigkeit.“, so Oberleutnant Markus S.


Die Grenadiere lösen die Norweger ab

Zwei Soldaten mit Gewehr im Anschlag

Die Linie „Hunter“ muss gehalten werden: Zwei Panzergrenadiere vom Bravo-Zug in ihrem getarnten Kampfstand

Bundeswehr/Karsten Dyba

Eben herrschte noch Ruhe an der „Position-Line Hunter“. Doch nun kommt von der Battlegroup der Befehl zum Stellungswechsel. Zugführer S. kommt von der Befehlsausgabe im Kompaniegefechtsstand und weist seine Gruppenführer in den neuen Auftrag ein. Die Battlegroup will zum Gegenangriff ansetzen, dabei einen neuen Schwerpunkt bilden. Und dafür werden nun die Panzergrenadiere und die Leoparden gebraucht. „Wir müssen bis morgen früh zum Angriffsbeginn die Stellungen der Norweger bezogen haben“, erklärt Oberleutnant S. Die Gruppenführer marschieren nach vorne, erklären ihren Leuten, worum es nun geht. Sachen packen, Unterstände räumen und ab auf die Panzer. In Reihe rasseln die Schützenpanzer Marder durch den Wald. Etwa vier Kilometer entfernt finden sie die Stellungen der Norweger. Ihnen gegenüber – nur etwa 300 Meter entfernt – soll der Gegner liegen: eine Kompanie leichter Infanterie, die in den Tagen zuvor angegriffen hatte, berichtet der Zugführer, Oberleutnant Erik Ö., seine Aufklärungsergebnisse. Die Norweger weisen die Deutschen in ihre Stellungen ein, dann sitzen sie auf und rauschen davon. Stille im Wald. Oberleutnant Markus S. sammelt seine Gruppenführer und erläutert den Plan für das Gefecht. Wenig später kommt ein Feldwebel der niederländischen Infanterie vorbei: „Wo geht’s zum Zugführer?“ Er will wissen, wo die Lücken sind, die er für den Angriff nutzen kann.

von Karsten Dyba

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