Eine andere Form des Besuchs

Eine andere Form des Besuchs

Datum:
Ort:
in See
Lesedauer:
3 MIN

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Die Fregatte „Hamburg“ wurde als deutscher Beitrag zur Operation EUNAVFOREuropean Union Naval Force MEDMediterranean Irini ins Mittelmeer entsandt, um mit den Bündnispartnern das Waffenembargo gegen Libyen durchzusetzen.  Um Waffentransporte zu unterbinden, muss zunächst ermittelt werden, wie diese ins Land gelangen. Dazu werden in libyschen Häfen und im Seegebiet sogenannte „Friendly Approaches“ durchgeführt. Das Boardingteam der Bundeswehr stattet anderen Schiffen – ihr Einverständnis vorausgesetzt – unverbindliche Besuche ab.

Ein Soldat sitzt am Kommandantenplatz eines Schiffes

Der Kommandant verfolgt die Vorbereitungen für den Friendly Approach auf der Brücke

Bundeswehr/PAO Irini

Als Erstes müssen potenzielle Kontakte für einen möglichen „Friendly Approach“ identifiziert werden. Wird ein Kontakt ausgemacht, der einen libyschen Hafen anläuft und für die Fregatte „Hamburg“ erreichbar ist, wird eine Anfrage an das Hauptquartier gestellt, ob der Kontakt über Funk angesprochen werden darf. Die Kontaktaufnahme wird als „Friendly Call“ bezeichnet.  Dabei holt die „Hamburg“ vom Kapitän des anderen Schiffes die Erlaubnis für einen Besuch des Boardingteams an Bord ein. Erst danach betreten Soldatinnen und Soldaten das kontaktierte Schiff.

Was zwischenzeitlich an Bord der „Hamburg“ passiert

Ein Boardingsoldat der Fregatte „Hamburg“ mit Headset und Fernglas in der Hand beobachtet das andere Schiff

Während des gesamten Boardingvorgang wird der Kontakt beobachtet

Bundeswehr/PAO Irini

Beim „Friendly Approach“ fährt die „Hamburg“ bis auf circa 350 Meter an das andere Schiff heran. Vorab müssen auf der Fregatte Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Die Absicherung des Boardingteams wird dabei durchgehend von Scharfschützen sichergestellt. Die Heiß- und Fiermannschaft bereitet alles für das Aussetzen des Speedbootes vor. Währenddessen rüstet sich das Boardingteam für den bevorstehenden Einsatz. Zeitgleich wird die Fregatte „Hamburg“ auf die windabgewandte Seite des anderen Schiffs positioniert, damit das Speedboot durchgehend beobachtet werden kann. Bevor das Boardingteam zum gegenüberliegenden Schiff übersetzt, wird es durch den Vorgesetzten über den bestehenden Auftrag unterrichtet.

Das Übersetzen mit dem Speedboot

Im Vordergrund die Spitze des Speedbootes und im Hintergrund das anzulaufende Schiff

Hier gut zu erkennen: die Höhe des Kontaktes aus Sicht des Speedbootes

Bundeswehr/PAO Irini

Mit voller Boardingausrüstung gehen die Kameradinnen und Kameraden an Bord des Speedbootes, das mit Hilfe eines Krans zu Wasser gelassen wird. Die Soldatinnen und Soldaten des Boardingteams tragen zusätzlich zu ihrer Uniform Waffen zur Selbstverteidigung, eine Schutzweste, einen Helm, eine Schutzbrille, durch COVID-19Coronavirus Disease 2019 bedingt eine FFP3-Maske und Handschuhe. Auch führen sie Sanitäts- und Sicherungsmaterial mit sich. Für unerwarteten Widerstand an Bord des fremden Schiffes ist das Team also gewappnet. Untereinander sind die Soldatinnen und Soldaten über Funk vernetzt und halten darüber auch ständigen Kontakt zur „Hamburg“.
Nach Aussetzen des Bootes läuft dieses an den Kontakt an und setzt sich an der windabgewandten Seite an die Bordwand. Das Boardingteam kann nun an Bord gehen. Anschließend verlegt es in das Kielwasser des Schiffes und wartet, bis das Team seine Aufgaben erfüllt hat. Die Fregatte „Hamburg“ beobachtet das Geschehen mit einem Querabstand von rund 350 Metern.

Der Besuch

Zwei Boardingsoldaten und der Kapitän des Schiffes blicken für ein Erinnerungsfoto in die Kamera

Hier findet der Gesprächsaustausch mit dem Kapitän statt

Bundeswehr/PAO Irini

An Bord angekommen, verschaffen sich die Kameradinnen und Kameraden vom Boardingteam einen Überblick. Sobald die Lage als sicher eingeschätzt wird, gehen sie über zu einem freundlichen Gespräch mit dem Kapitän und weiteren Crewmitgliedern des Schiffes. Dieses beinhaltet in der Regel den Austausch von Informationen zur Operation Irini und zu den Häfen, Reedereien und Handelsrouten, mit denen die Seeleute vertraut sind. Dabei werden sie nach ungewöhnlichen Beobachtungen im Operationsgebiet befragt. Nach dem Gespräch werden Gastgeschenke überreicht und einige Erinnerungsfotos gemacht.

Im Vordergrund ein winkender Soldat im Speedboot, im Hintergrund ein Schiff

Die Boardingsoldaten verabschieden sich und machen sich auf den Weg zurück zur „Hamburg“

Bundeswehr/PAO Irini

Sind die Gespräche beendet, wird das Speedboot informiert. Dieses fährt nun erneut den Kontakt an und befördert das Boardingteam zurück an Bord der Fregatte „Hamburg“. Anschließend werden die gewonnenen Informationen in Form kleiner Präsentationen zusammengetragen, aufbereitet und an das vorgesetzte Hauptquartier in Rom versendet. Auf diese Art und Weise werden Erkenntnisse zu Häfen, Handelsrouten und Redereien generiert, ohne in die Hoheitsgewässer Libyens einlaufen zu müssen. Die Präsenz im zentralen und östlichen Mittelmeer ist gewährleistet und der Waffenhandel wird deutlich erschwert.


von Jytte Peters

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