Stabilisierung des Landes

So hilft die Bundeswehr in Mali

So hilft die Bundeswehr in Mali

Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Zivil-militärische Zusammenarbeit, Beobachtung und Beratung sind ein wichtiger Teil der Aufgaben der deutschen Blauhelme bei der UNUnited Nations-Mission MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali in Mali. Hierbei stehen die Soldatinnen und Soldaten häufig in direktem Kontakt mit ortsansässigen und lokalen Einrichtungen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Stimmungslage in der Bevölkerung.

Ein Soldat begrüßt einen Mann. Daneben steht ein weiterer Soldat sowie zwei Männer in ziviler Kleidung.

Erst durch Gespräche mit Erwachsenen bekommen die Soldatinnen und Soldaten einen unverfälschten Eindruck über die humanitäre Lage im Einsatzgebiet

Bundeswehr/Falk Bärwald


Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in eine umfassende Lagebewertung ein. Stetige Präsenz vor Ort und gemeinsame Projekte oder Hilfsleistungen bauen ein wichtiges Vertrauensverhältnis auf. Das alles trägt maßgeblich dazu bei, Mali mittel- und langfristig zu stabilisieren – das Kernziel dieser UNUnited Nations-Mission. Doch bei der Zusammenarbeit mit örtlichen Interessenvertretungen muss zwischen unterschiedlichen Akteuren unterschieden werden. In der Regel greifen hier die Fachbereiche zivil-militärische Zusammenarbeit (englisch Civil Military Cooperation, kurz: CIMICCivil Military Co-Operation), Interkulturelle Einsatzberatung (IEBInterkultureller Einsatzberater) und Operative Kommunikation (OpKom) wie Zahnräder ineinander.

Analyse des Informationsumfeldes

Ein Soldat steht an einem Mikrofon, daneben stehen drei Männer und blicken in die Kamera

Der Leiter der Zelle Operative Kommunikation im Gespräch mit Verantwortlichen eines Radiosenders. Sie tauschen sich zu Hintergründen des Sendeplans aus.

Bundeswehr/Jaqueline Herrmann

Im Einsatz schafft das Team OpKom die Grundlage für eine zielgerichtete Arbeit mit der ortsansässigen Bevölkerung. Fortlaufend werden aus einem breiten Spektrum verschiedene malische Medien analysiert. Bei der Auswertung differenziert das Fachpersonal zwischen der Situation im gesamten Land und dem näheren Bereich rund um Gao. „Das ist wichtig, da sich die Menschen in Gao überwiegend über das Radio informieren“, erklärt Hauptmann Daniel E., Leiter des Teams. „In der Hauptstadt Bamako hingegen sind die Medien breiter gefächert. Der Zugang zu Informationen und somit zu unterschiedlichen Quellen ist dort vielschichtiger. Grundsätzlich ist es möglich, dass die Bundeswehr in Gao anders wahrgenommen wird als im Rest des Landes.“ Ziel der Analysen ist die Bewertung, ob die malische Gesellschaft MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali weiterhin positiv wahrnimmt oder es zu Veränderungen im Meinungsbild kommt. Dieser Prozess bildet die Grundlage für weitere Planungen und Folgerungen in der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung sowie für die Beratung der Kontingentführung.

Interkultureller Einsatzberater: ein wandelndes Lexikon

Eine malische Frau vor einer Schüssel Gemüse, im Hintergrund mehrere Soldaten

In Mali gibt es ein komplexes Geflecht an Bevölkerungsgruppen und Interessen: Hier behält die Interkulturelle Einsatzberatung den Überblick

Bundeswehr/Falk Bärwald

Der Interkulturelle Einsatzberater (IEBInterkultureller Einsatzberater) berät alle Beteiligten im Umgang mit der malischen Gesellschaft. Er behält den Überblick über die unterschiedlichen Gruppierungen und ihre Akteure sowie über die verschiedenen Konfliktparteien mit ihren Religionen, historischen Hintergründen, Idealen und Interessen. Insbesondere in Mali sind die Bevölkerungsgruppen so zahlreich, dass Laien schnell den Überblick verlieren können. Deshalb pflegt der IEBInterkultureller Einsatzberater ein umfangreiches Netzwerk aus Meinungsführern, lokalen Entscheidungsträgern und Interessenvertretern im gesamten Einsatzraum Mali. Dabei wirkt er als Sprachrohr der Kontingentführung. Der IEBInterkultureller Einsatzberater, Hauptmann R., ergänzt: „Die Herausforderung in diesem Job ist ganz klar: Die komplexen Beziehungsgeflechte miteinander in Verbindung bringen, um die zugrundeliegenden Konfliktlinien zwischen den Akteuren im Einsatzraum zu verstehen. Dadurch können wir die Kontingentführung letztendlich angemessen beraten.“

Miteinander reden, Vorbehalte ausräumen, helfen: CIMICCivil Military Co-Operation

Ein Soldat und ein Sprachmittler sitzen mit anderen Männern in einem Raum und besprechen sich

CIMICCivil Military Co-Operation vermittelt auch zwischen Auftragsempfängern und -nehmern. Wird man sich einig, kann die Bundeswehr auch materiell oder finanziell unterstützen.

Bundeswehr/Falk Bärwald

CIMICCivil Military Co-Operation stellt durch Gespräche mit der Bevölkerung und lokalen Verantwortlichen sowie Hilfsorganisationen sicher, dass aus Berührungspunkten zwischen Militär und zivilen Stellen keine Reibungspunkte werden. Die dabei gewonnenen Informationen fasst CIMICCivil Military Co-Operation zu einem Lagebild zusammen, das zu einer Gesamtlagebewertung beiträgt. Aus den gemeinsamen Erkenntnissen von IEBInterkultureller Einsatzberater, OpKom und CIMICCivil Military Co-Operation werden häufig Absprachen für künftige Hilfsprojekte getroffen. „Unser Ziel ist es, das Ansehen und die Akzeptanz der MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali zu stärken und vor allem den Stabilisierungsprozess in diesem Land nachhaltig zu unterstützen. Wir treten dabei nicht als Geber in Erscheinung. Vielmehr versuchen wir, das zivile Umfeld so zu unterstützen, dass dieses möglichst mit viel Eigeninitiative seinen Beitrag zur Stabilität beiträgt“, schildert Oberleutnant Christian B., Leiter des Teams CIMICCivil Military Co-Operation, das Vorgehen.

Ein Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist die Sanierung eines Waisenhauses, das aufgrund von starken Regenfällen als unbewohnbar galt. Für das Projekt wurde durch CIMICCivil Military Co-Operation der Kontakt zwischen lokalen Bauunternehmen und Hilfsorganisationen hergestellt, um nicht nur dieses Projekt zu realisieren, sondern auch die zivile Wirtschaft zu unterstützen. Letzten Endes wird durch Projekte dieser Art die humanitäre Situation verbessert – ein kleiner Schritt auf dem Weg zu mehr Stabilität in der Region.

von Christoph Paul

Mehr zum Thema