Bürgerservice rund um den militärischen Flugbetrieb
Flugzeuge und Hubschrauber der Luftwaffe fliegen auch nachts. Das sind die Gründe und Besonderheiten.
Im Dunkeln starten, fliegen, landen: Das üben die Besatzungen der Kampfjets, Transportflugzeuge und Hubschrauber der deutschen Luftwaffe regelmäßig, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Natürlich nutzen die Besatzungen hierfür hochmoderne Instrumente und Nachtsichtgeräte. Doch ihre Maschinen fliegen deutlich schneller als jedes Auto fährt. Das macht Nachtflüge besonders anspruchsvoll – und reale Einsätze finden überwiegend im Schutz der Dunkelheit statt.
Nachts ist die Gefahr, vom Boden aus gesehen und angegriffen zu werden, deutlich geringer als bei Tag. Je dunkler es ist, desto schwerer ist ein Flugzeug für den Gegner zu erkennen und zu bekämpfen. Die Nacht zu nutzen, ist daher für moderne Streitkräfte ein taktisches Mittel. Wer das Fliegen bei Nacht nicht beherrscht, verzichtet auf einen entscheidenden Vorteil. Wer im Ernstfall bestehen will, muss also auch nachts sicher und routiniert handeln können.
Ein Kampfjet des Typs Tornado wird nach nächtlichem Einsatzaufklärungsflug im Rahmen der Mission Counter Daesh auf der Air Base Incirlik auf die Parkposition geleitet
Bundeswehr/Falk Bärwald
Sechs Kampfjets des Typs Tornado stehen während der Mission Counter Daesh auf der Air Base im türkischen Incirlik
Bundeswehr/Oliver Pieper
Ein Tornado-Pilot benutzt bei der Mission Counter Daesh in der Türkei eine Nachtsichtbrille und blickt auf seine Instrumente im Cockpit
Bundeswehr/Oliver Pieper
Ein Transportflugzeug des Typs Airbus A400M steht bei der Mission Counter Daesh zum Einsatzflug auf der Luftwaffenbasis Al-Asrak/Jordanien
Bundeswehr/Birthe Brechters
Die Piloten im Cockpit des Transportflugzeugs Airbus A400M vom Lufttransportgeschwader 62 sind im Landeanflug auf den Fliegerhorst Wunstorf
Bundeswehr/Johannes Heyn
Kampfflugzeuge des Typs Eurofighter auf dem Weg zu einem Nachtflug am Fliegerhorst in Neuburg an der Donau
Bundeswehr/Andreas Zeitler
Ein Kampfjet vom Typ Eurofighter vom Taktischen Luftwaffengeschwader 71 startet in Ämari/Estland zu einem nächtlichen Übungsflug
Bundeswehr/Patrik Bransmöller
Ein Pilot steuert den Mehrzweckhubschrauber NH-90 bei einem Nachtflug über die französischen Pyrenäen
Bundeswehr/Jana Neumann
Ein Transporthubschrauber CH-53 vom Hubschraubergeschwader 64 steht bei der Übung Heli Dust in der Luft über dem winterlichen Truppenübungsplatz Oberlausitz
Bundeswehr/Leon Belz
Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 ist startklar in Neuburg an der Donau
Bundeswehr/Andreas Zeitler
Ein Eurofighter fliegt im polnischen Luftraum den Airbus A400M zur Luftbetankung in der Nacht an
Bundeswehr/Johannes HeynNächtliche Trainingsflüge werden in den jeweiligen Geschwadern meist kurzfristig geplant und richten sich nach dem Ausbildungsbedarf der jeweiligen Besatzungen. Zusätzlich bestimmen weitere Faktoren die Nachtflüge. Dazu gehören die aktuellen Wetterverhältnisse, die Verfügbarkeit der Maschinen sowie der benötigten Lufträume. Hier die aktuellen Termine:
Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen rund um das Thema Nachtflüge.
Das menschliche Gehirn ist auf sogenannte visuelle Außenreferenzen angewiesen, also auf Orientierungspunkte in der Umwelt. Nur so kann es beispielsweise Lage, Bewegung und Geschwindigkeit eines Flugzeugs einschätzen. Bei absoluter Dunkelheit fehlen genau diese Strukturen. Man kennt das: Wer die Augen schließt und sich dreht, verliert rasch die Orientierung. Pilotinnen und Piloten können bei Dunkelheit ähnliche Desorientierungen erleben. Das kann gefährlich werden. Der Blick auf die Cockpitinstrumente muss die fehlende Außensicht vollständig ersetzen – das funktioniert nur mit intensivem Training.
Hinzu kommt: Auch erfahrenen Pilotinnen und Piloten kann es passieren, dass sie bei Dunkelheit von Lichtern auf dem Boden oder auf dem Wasser irritiert werden. Hier spielt ihnen das eigene Gehirn Streiche, weil es versucht, daraus den Horizont und die eigene Position abzuleiten.
Besonders anspruchsvoll sind Luftbetankungen. Schon bei Tageslicht erfordert das Ankoppeln an den Betankungskorb eines Tankflugzeugs mit seinen rund 50 Zentimetern Durchmesser höchste Konzentration. Bei Nacht steigt die Herausforderung erheblich: Je nach Betankungsflugzeug ist dieses entweder kaum mit bloßem Auge zu sehen – oder es hat so starke Scheinwerfer, dass der Pilot geblendet wird. Durch die Nachtsichtbrille verändert sich zudem die Tiefenwahrnehmung. Was tagsüber schon anspruchsvoll ist, verlangt nachts absolute Präzision.
Auch Tiefflüge gehören zu den besonders anspruchsvollen Nachtflugübungen der Luftwaffe. Im Gegensatz zu militärischen Tiefflügen am Tag, die im Rahmen der freien Streckenplanung zwischen 8 Uhr und 18:30 Uhr durchgeführt werden, stehen für nächtliche Tiefflüge aus Sicherheitsgründen spezielle Korridore zur Verfügung, in denen es verhältnismäßig wenig Hindernisse gibt.
Diese Korridore sind etwa zehn Kilometer breit und erstrecken sich über weite Teile des Bundesgebiets. Innerhalb der Korridore sind Flüge bis zu einer Mindestflughöhe von 500 Fuß (ca. 150 Meter) über Grund zulässig und können montags bis donnerstags zwischen 30 Minuten nach Sonnenuntergang und 24 Uhr Ortszeit durchgeführt werden. Möglich werden die nächtlichen Tiefflüge durch Geländefolgeradare an Bord der Luftfahrzeuge. Welche Strecke wie genutzt wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen der Ausbildungszweck, das Flugwetter sowie die Entfernung zum Heimatflugplatz oder zu anderen Übungslufträumen.
Auf ausgewiesenen Übungsplätzen, sogenannten Ranges, werden dabei auch Bombenabwürfe mit Trainingsmunition geübt, so beispielsweise auf dem Truppenübungsplatz Nordhorn im Südwesten Niedersachsens.
Selbstverständlich wird versucht, bewohnte Gebiete nicht zu überfliegen, aber aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in Deutschland und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von rund 800 Stundenkilometer, bei der Kampfflugzeuge rund 13 Kilometer pro Minute zurücklegen, gibt es keine ausreichend dimensionierte, unbewohnte Gebiete, über denen der militärische Flugbetrieb ohne jegliche Lärmbelastung für die Bevölkerung durchgeführt werden könnte.
Nachtsichtbrillen (NVG – Night Vision Goggles) verstärken das vorhandene Restlicht und ermöglichen es Pilotinnen und Piloten, bei Dunkelheit andere Luftfahrzeuge, Geländekonturen und Ziele auf weitere Distanzen und schneller zu erkennen als mit bloßem Auge.
Doch die Technik hat Grenzen:
Kurz gesagt: Man sieht mit einem Nachtsichtgerät zwar besser als ohne – aber bei Weitem nicht so gut wie am Tag. Routine und Übung im Umgang mit diesen Einschränkungen sind unerlässlich.
Nachtflüge sind taktische Notwendigkeit und gesetzliche Pflicht zugleich. Jede Besatzung muss jährlich eine festgelegte Zahl an Nachtflugstunden absolvieren, um ihre Fluglizenz zu erhalten – ähnlich wie beim Führerschein, wo auch Nachtfahrten nachgewiesen werden müssen. Nur wer seine Ausbildungs- und Übungsflüge bei Tag, im Simulator und bei Nacht erfüllt, gilt als „voll einsatzbereit“. Und genau das müssen die Pilotinnen und Piloten der Bundeswehr sein.
Die Luftwaffe setzt fast alle ihre Luftfahrzeuge auch bei Dunkelheit ein:
Alle diese Systeme müssen bei Nacht einsatzbereit sein. Das erfordert von allen auch regelmäßiges Training.
Vier Nachtflugstunden pro Jahr müssen mindestens für den Erhalt der militärischen Fluglizenz absolviert werden. Diese können bei Bedarf zur Hälfte auf Echtflug und Simulator aufgeteilt werden. In der Realität wird erfahrungsgemäß deutlich häufiger bei Dunkelheit geflogen, um die taktischen Fähigkeiten auch nachts jederzeit abrufen zu können. Bei den Transportgeschwadern wird bei der Nachtflugbefähigung zwischen logistischem und taktischem Fliegen unterschieden. Auch hier findet ein Teil des Trainings real, ein Teil im Simulator statt.
Die Ausbildung folgt einem klaren Stufenprinzip:
Auch für erfahrene Ausbilder ist das Fliegen vom Backseat aus bei Nacht besonders anspruchsvoll: Die Sicht ist eingeschränkt, und dennoch müssen sie im Zweifel jederzeit die Kontrolle übernehmen können.
Die Flugplanung für einen Nachtflug läuft grundsätzlich wie bei einem Tagesflug ab. Spätestens an den Maschinen ergeben sich jedoch deutliche Unterschiede:
Die Luftwaffe übt Nachtflüge über ganz Deutschland – auch über der Nord- und der Ostsee. Die Flüge finden in Gebieten und zu Zeiten statt, die mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) koordiniert werden. Wer also nachts ein Flugzeug hört, ohne es zu sehen: Es könnte gut ein Kampfjet oder ein anderes Luftfahrzeug der Luftwaffe sein – auf dem Weg zum nächsten Übungsziel. Allerdings werden siedlungsarme Gebiete von den Verbänden grundsätzlich für Nachtflüge bevorzugt.
Feste Uhrzeiten für die Flüge gibt es zwar nicht, und grundsätzlich ist militärischer Flugbetrieb 24 Stunden am Tag erlaubt. Nicht zuletzt aus Lärmschutzgründen wird militärischer Übungs- und Ausbildungsflugbetrieb jedoch grundsätzlich nur von Montag bis Freitag und bis spätestens 24 Uhr durchgeführt. An Wochenenden und gesetzlichen Feiertagen ruht der militärische Übungs- und Ausbildungsflugbetrieb. Aus Lärmschutzgründen legen die meisten Geschwader den Schwerpunkt ihrer Nachtflüge in die Jahreszeiten, in denen es früh dunkel wird.
Ja. Um die Ausbildungsflüge zur Nachtzeit auf das unvermeidbare Minimum zu reduzieren, werden diese Einsätze hauptsächlich in den Herbst- und Wintermonaten absolviert. Dadurch, dass es in dieser Jahreszeit wesentlich früher dunkel wird, können auch die entsprechenden Nachtflüge früher durchgeführt und beendet werden. In den Sommermonaten müssten solche Flüge deutlich nach 22 Uhr stattfinden.
Nachtflugbetrieb mit Hubschraubern unter Nutzung von Nachtsichtgeräten wird entlang festgelegter Routen durchgeführt. Diese Routen liegen meist in weniger dicht besiedelten Gegenden, um stärkere Lichtquellen wie beispielsweise größere Ortschaften zu meiden. Unterhalb einer Flughöhe von 150 Meter über Grund wird das Zusammenstoßwarnlicht ausgeschaltet; auch die Positionslichter werden gedimmt, sodass bei sehr geringem Restlicht für einen Beobachter mit bloßem Auge der Hubschrauber so gut wie nicht mehr zu erkennen ist.
Flüge, die der Nachttiefflugausbildung mit Nachtsehhilfen für Hubschrauber der Bundeswehr dienen, sind auch in der Zeit zwischen 0 Uhr und 6 Uhr zulässig. Dieses gilt nicht für die in Deutschland stationierten alliierten Streitkräfte. Sie dürfen in der Zeit nach Mitternacht in den Monaten April, Mai, August und September an zwei Nächten pro Woche bis 1:30 Uhr sowie in den Monaten Juni und Juli an zwei Nächten pro Woche bis 2 Uhr fliegen.
Ja. Internationale Großübungen wie Pitch Black umfassen ausdrücklich auch Nacht- und Tiefflugszenarien. Deshalb heißt die Übung auch Pitch Black – stockdunkel! Über dem riesigen, kaum besiedelten Luftraum des Northern Territory Australiens können Pilotinnen und Piloten Abläufe üben, die in Europa aus Lärmschutzgründen schwerer zu realisieren sind. „Da ist ziemlich viel Nichts, es ist sehr dunkel und man kann viel üben, ohne dass man jemanden stört“, bringt es ein beteiligter Soldat auf den Punkt.
Die Luftwaffe nimmt seit 2022 an Pitch Black teil und schickt regelmäßig Eurofighter sowie Begleitflugzeuge zur größten Luftwaffenübung Australiens, die alle zwei Jahre stattfindet.
Nein – und das ist gewollt. Nachtflüge werden nie zur Selbstverständlichkeit. Sie bleiben eine besondere Herausforderung, die Konzentration, Disziplin und Vertrauen in Technik, Ausbildung und Team erfordert. Und genau deshalb wird die Dunkelheit regelmäßig zum Trainingsraum der Besatzungen.
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