Sanitätsdienst
Rettungsübung auf See

Sanitätsdienst probt den Ernstfall im neuen Marine-Einsatz-Rettungszentrum

Sanitätsdienst probt den Ernstfall im neuen Marine-Einsatz-Rettungszentrum

Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
4 MIN

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Ein schwerer Unfall auf See mit zahlreichen Verletzten: Auf dem Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ trainierte Sanitätspersonal der Bundeswehr gemeinsam mit der Schiffsbesatzung das Retten und Versorgen von Soldatinnen und Soldaten im neuen integrierten Marine-Einsatz-Rettungszentrum (iMERZ). 

Eine Ärztin und ein Arzt knien neben einem verletzten Soldaten

Während der Triage entscheiden dafür ausgebildete Ärztinnen und Ärzte, in welche Kategorie die verletzte Person eingestuft wird. Verletzte Personen können so effizient medizinisch versorgt werden und begrenzte Ressourcen sinnvoll genutzt werden

Bundeswehr/Nico Theska

 „MERZMarine Einsatzrettungszentrum-Rolle, MERZMarine Einsatzrettungszentrum-Rolle, Befehl Triagepunkt im Hangar vorbereiten, Schiff klar machen für Flugbetrieb“, schallt die Stimme des ersten Offiziers aus den vielen Lautsprechern an Bord des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“. Die Besatzung des Schiffs bereitet daraufhin alles für die Aufnahme der Patientinnen und Patienten vor. Denn auf der Fregatte „Hessen“ kam es zu einem schweren Unfall mit 29 verletzten Soldatinnen und Soldaten. Das ist die Ausgangslage für die 48-Stunden-Rettungsübung ROLE2SEA 2024 in Wilhelmshaven. Gemeinsam mit der Marine übte das medizinische Fachpersonal vom Sanitätsdienst der Bundeswehr die Abläufe in der Rettungskette bei einer großen Anzahl an Verletzten.

Triage: Die schwersten Fälle haben Vorrang

Zielstrebig setzt der Marine-Hubschrauber NHNATO-Helicopter-90 Sea Lion zur Landung auf dem Flugdeck an. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, der Geruch von Kerosin liegt in der Luft. Der heftige Abwind der drehenden Rotorblätter erschwert die Kommunikation unter den Crewmitgliedern. Wie ein Dirigent weist der Flugdeck-Offizier den Hubschrauber mit präzisen Handbewegungen ein. Währenddessen steht das Sanitätspersonal bereit, um die verletzten Soldatinnen und Soldaten von der „Hessen“ aufzunehmen und zu versorgen.

Im Hangar ist alles vorbereitet. Da viele Patientinnen und Patienten gleichzeitig eintreffen, stehen bereits ein Chirurg und eine Anästhesistin zur Triage bereit. Unter dem dröhnenden Lärm der Rotoren versuchen sie die Schwere der Verletzungen einzuschätzen, um die Reihenfolge der Behandlung festzulegen. Einige sind nur leicht verletzt und werden mit grün oder gelb gekennzeichnet. Andere haben offene Brüche und Wunden, schwere Verbrennungen, oder gar innere Verletzungen - sie schreien vor Schmerzen. Das sind Patientinnen und Patienten der Kategorie rot. Sie müssen am dringendsten weiterbehandelt werden. Personen, die wegen der Schwere ihrer Verletzungen nur noch palliativ versorgt werden können, werden als blau eingestuft.

Von der Erstversorgung bis zur Weiterbehandlung

Mehrere Personen stehen um einen verletzten liegenden Soldaten

Auf der umfunktionierten Bettenstation erhalten die Verwundeten eine komplette notfallmedizinische Untersuchung. Chirurginnen und Chirurgen, Anästhesie- und Pflegepersonal versorgen die Wunden und Verletzungen und überwachen parallel die Vitalwerte

Bundeswehr/Nico Theska

Als nächstes bringen die Besatzungsmitglieder die Patientinnen und Patienten der Reihe nach auf die Bettenstation. Diese fungiert bei einer MERZMarine Einsatzrettungszentrum-Rolle mit vielen Verletzen als Notaufnahme. Dort steht ein Team aus Chirurginnen und Chirurgen sowie Anästhesie- und Pflegepersonal bereit, um die verletzten Soldatinnen und Soldaten notfallmedizinisch zu behandeln. „Die medizinische Versorgung erfolgt nach dem sogenannten cABCDE-Schema: Zuerst wird die Atmung überprüft, danach werden der Kreislauf und der Blutdruck kontrolliert. Bei Bedarf erfolgt eine weitere Schmerztherapie. Lebensbedrohliche Verletzungen werden prioritär behandelt“, erklärt die behandelnde Ärztin.

In einem Bett liegt ein Soldat mit einer schweren Gefäßverletzung. Er ist kaum noch bei Bewusstsein. Das medizinische Team schließt ihn an ein EKGElektrokardiogramm an, um Blutdruck, Puls und andere wichtige Vitalparameter zu überwachen. Routiniert legt ein Pfleger die Zugänge für die Bluttransfusion und Medikamente. „Wir brauchen zwei Blutkonserven, 0 negativ“, ruft die Ärztin. Der Patient benötigt dringend eine Operation. Das Pflegepersonal bringt den Patienten in den Fahrstuhl. Von dort aus geht es zum iMERZ und direkt in den Operationssaal. 

Ein Krankenhaus im Schiff

Mehrere Ärztinnen und Ärzte stehen um einen Operationstisch, wo ein Mann liegt

Die Operationssäle des iMERZ sind ausgestattet wie in einem normalen Krankenhaus. Selbst auf hoher See kann das chirurgische Team Operationen durchführen. Während der Übung gelang es den Operateuren simuliert ein Gefäß wiederherzustellen

Bundeswehr/Nico Theska

Hier wartet bereits Oberstabsarzt Luise K.. Es folgt eine kurze Übergabe des Patienten an das Operationsteam. „Wir müssen schnellstmöglich das verletzte Gefäß wiederherstellen“, legt die Gefäßchirurgin aus dem Bundeswehrkrankenhaus Hamburg fest. Der Anästhesist bereitet währenddessen die Narkose vor. Alles ist bereit für den Eingriff. Die Ärztin setzt das Skalpell an und sagt: „Und Schnitt“. Damit endet für den Patienten die Übung.

Das neue iMERZ ist ein kleines schwimmendes Krankenhaus. Es verfügt über zwei Operationssäle, eine Bettenstation, einen Röntgenraum, Labore, eine zentrale Sterilisation und eine Zahntechnik-Abteilung. Diese hochmoderne Ausstattung ermöglicht jederzeit eine notfallchirurgische Versorgung mit dringend notwendigen Operationen auf hoher See. Zugleich ersetzt es die bisher genutzte Container-Lösung auf den Einsatzgruppenversorgern der Marine. 

Bilanz und Ausblick der Erprobung

Die Rettungsübung mit dem iMERZ demonstriert nicht nur die Fortschritte in der maritimen Gesundheitsversorgung, sondern auch die Zukunft in der notfallchirurgischen Erstversorgung. „Es ist vor allem beeindruckend zu sehen, wie sich alle Beteiligten blind verstehen. Und das ist umso bemerkenswerter, da die meisten Soldatinnen und Soldaten aus verschiedenen Bereichen des Zentralen Sanitätsdienstes kommen und bisher noch nie miteinander gearbeitet haben“, fasst Fregattenkapitän Michael, Leiter der Übung, seine Eindrücke zusammen. Das zusätzliche Sanitätspersonal wurde dafür extra sowohl aus den Bundeswehrkrankenhäusern als auch aus den Sanitätsregimentern an Bord geholt.

Die gewonnenen Erkenntnisse aus der ROLE2SEA 2024 werden nun von Fregattenkapitän Michael und seinem Team ausführlich ausgewertet. „Wir haben noch ein paar kleine Stellschrauben identifiziert, an denen wir noch arbeiten müssen“, so der Übungsleiter. 

von Mathias Erdmann

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