Koordinieren und Verantworten

Operative Führung

Militärische Führung geschieht auf verschiedenen Ebenen. Sie kann unmittelbar vor Ort als Vorgesetzter oder zum Beispiel aus einem Hauptquartier für mehrere Einheiten erfolgen. Führung auf operativer Ebene steht zwischen der unmittelbaren Führung auf taktischer Ebene und der auf strategischer Ebene, die weit in die Zukunft planend angelegt ist.

Übung Common Tennacity 18

Operative Führung ist Kernkompetenz des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr. Schließlich ist es verantwortlich für die Führung von Kräften bei Operationen in Deutschland. Führen bedeutet dabei nicht nur das Führen der eigenen Kräfte aus dem eigenen Bereich. Es bedeutet auch, dass dem Territorialen Führungskommando Truppen aus Heer, Luftwaffe, Marine und den Organisationsbereichen Streitkräftebasis, Sanitätsdienst oder Cyber- und Informationsraum für seine Auftragserfüllung temporär unterstellt werden können.

Analog ist dies beispielsweise beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr für die Einsätze und einsatzgleichen Verpflichtungen der Fall. Beide Schwesterkommandos sind damit mit operativer Führung von Soldatinnen und Soldaten der gesamten Bundeswehr betraut.

Ausgebildet für Krisen und Bedrohungslagen

Soldatinnen und Soldaten werden schon früh in ihrer Ausbildung in krisentaugliches Denken und Handeln eingeführt. Sie lernen, komplexe Situationen schnell zu erfassen und bestmöglich darauf zu reagieren. Auf Grund ihres gemeinsamen Ausbildungsstandes weiß auch jeder im Team schnell, was seine eigene Aufgabe ist und welche Fähigkeiten sie oder er mitbringt, um zur Lösung der Krisensituation beitragen zu können.

Als Führende in einer Krisensituation haben Soldatinnen und Soldaten gelernt, sich aus den verfügbaren Informationen schnell ein umfassendes Lagebild zu erstellen. Vor allem aber sind sie auch darin geschult, schnell und angemessen zu reagieren.

Taktische Ebene

Die Ebene, die vor Ort entscheidet und den Einsatz einzelner Soldatinnen und Soldaten sowie des einzelnen Gerätes vor Ort konkret bestimmt, ist die taktische Ebene. Hier ist das Territoriale Führungskommando mit den 16 Landeskommandos, aber vor allem auch mit den Kreis- und Bezirksverbindungskommandos sowie den regional gebundenen Heimatschutzkräften gut aufgestellt und etabliert.

Nach dem Prinzip „Führen mit Auftrag“, kennt der Führer der Einsatzkräfte vor Ort das Ziel seines Auftrages. Wie er diesen Auftrag innerhalb der vorgegebenen Grenzen vor Ort konkret umsetzt, liegt in seinem Ermessen.

Operative Ebene

Bei größeren Operationen oder Krisen ist aber ein übergreifender Blick auf die Gesamtlage zwingend erforderlich. Bestes Beispiel hierfür ist die Corona-Pandemie, in der die Bundeswehr bundesweit unterstützt hat. Entscheidungen erfordern in solch großen Szenarien einen Blick über das Regionale, Lokale hinaus. Das trifft zum Beispiel auch auf den Host Nation Support zu, bei dem Alliierte oder befreundete Streitkräfte bei ihrem Weg durch Deutschland oft mehrere Bundesländer passieren müssen.

Aber auch im Heimatschutz, zum Beispiel bei Waldbränden oder Hochwasserkatastrophen, können schnell mehrere Bundesländer betroffen sein. Und schließlich trifft dies auch für den Fall hybrider Bedrohungsszenarien oder der Führung von Kräften in Deutschland für die Landes- und Bündnisverteidigung zu. Auch hier müssen in den allermeisten Fällen mehrere Einheiten mit verschiedenen Fähigkeiten geführt werden.

Operativ arbeiten heißt auch, Lagebilder abzugleichen, Weichen zu stellen, Führungsentscheidungen zu treffen und Handlungsspielraum dort zu ermöglichen, wo er zielführend ist.

Wie wird operative Führung beispielsweise in Ulm umgesetzt?

Das Multinationale Kommando Operative Führung in Ulm ist in der Lage, kurzfristig mit einem Großteil seines Personals und Materials als Hauptquartier (Force Headquarters) in ein Krisengebiet zu verlegen sowie vor Ort Einsätze zu planen und zu führen. Genauso kann es Einsätze als Hauptquartier (Operational Headquarters) auch von Deutschland aus führen.

Dies gilt für Einsätze der Europäischen Union genauso wie für NATO-Einsätze, in denen das Ulmer Kommando als Hauptquartier (Joint Task Force Headquarters oder Joint Force Headquarters) unter direkter Führung der NATO, des Obersten Alliierten Befehlshabers in Europa, agieren würde.

Sowohl bei NATO als auch bei EU-geführten Einsätzen geht es um die Umsetzung militärpolitischer Vorgaben in militärisches Handeln, allerdings auf der jeweils entsprechenden Führungsebene. Bei EU-Einsätzen ist dies die höhere militärstrategische Ebene, bei NATO-Einsätzen die operative Ebene.

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