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Zum Tode von General a. D. von Kielmansegg

Berlin, 30.05.2006.
Er war einer der Zeitzeugen, die die Planungen zur Wiederbewaffnung der Bundeswehr begleitet und maßgeblich beeinflusst haben. Sein militärischer Werdegang begann 1926 als Fahnenjunker im Reiterregiment 16 in der Reichswehr. Er entstammte einer alten Offiziersfamilie und wurde am 30. Dezember 1906 in Hofgeismar bei Kassel geboren. Im April 1930 wurde er Leutnant, diente in verschiedenen Truppenteilen und ab 1934 in der neu aufgestellten Panzertruppe der Wehrmacht.


Portrait von General a.D. Johann Adolf Graf von KielmanseggLupe

Verdient gemacht um die Bundeswehr: von Kielmansegg (Quelle: Bildarchiv Bundeswehr / BMVg)

Im Generalstab

Graf Kielmansegg absolvierte von 1937 bis 1939 die letzte noch im Frieden stattfindende Ausbildung für den Generalstabsdienst, in den er 1940 übernommen wurde. Es folgten Verwendungen in Truppengeneralstäben in Polen, Frankreich, Russland und anschließend in der Operationsabteilung des Heeres. Er war befreundet mit Graf von Stauffenberg und wurde nach dem Attentat am 20. Juli 1944 verhaftet. Eine direkte Beteiligung an den Attentatsplänen war ihm nicht nachzuweisen. Nach der Versetzung zur Truppe führte er das Panzergrenadierregiment 111 bis zum Kriegsende, das an der Westfront eingesetzt war. Als Oberst geriet er in Gefangenschaft, aus der er Mitte 1946 entlassen wurde. Die nächsten Jahre war er journalistisch und im Verlagswesen tätig.

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Ein neuer Lebensabschnitt

Eine entscheidende Wende in seinem Leben erfolgte mit dem Eintritt am 2. Oktober 1950 in die "Zentrale für Heimatdienst". Der Leiter dieser Dienststelle, Graf von Schwerin, hatte Kielmansegg geholt und zum ständigen Ausschusssekretär für die im abgeschiedenen Eifelkloster Himmerod abgehaltene Militärexpertentagung bestellt. Das Ergebnis dieser Tagung, die "Denkschrift über die Aufstellung eines Deutschen Kontingents im Rahmen einer übernationalen Streitkraft zur Verteidigung Westeuropas", war die schriftliche Zusammenfassung der Wochenendtagung vom 6. bis 9. Oktober 1950. Kielmansegg hatte als Sekretär die Abschlussergebnisse redigiert und als Vorlage für Bundeskanzler Konrad Adenauer zusammengestellt.

Nach Auflösung der Zentrale für Heimatdienst war Kielmansegg einer der wenigen, der in die Dienststelle von Theodor Blank übernommen wurde. Blank war zum "Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen" ernannt worden. Engste militärische Berater des späteren Verteidigungsministers Blank wurden hier die beiden ehemaligen Generale Adolf Heusinger und Dr. Hans Speidel. Als Mitarbeiter von Heusinger war Kielmansegg nun führend an den Planungen, zuerst für die EVG-Streitkräfte, dann für die Bundeswehr, beteiligt. Nach der Umbenennung des Amtes Blank in Bundesministerium für Verteidigung führte Kielmansegg die Militärpolitische Unterabteilung.

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Internationale und nationale Verwendungen

Schon im Juli wird er erster "Nationaler Militärischer Repräsentant" der Bundesrepublik Deutschland am Obersten Hauptquartier der Alliierten Mächte in Europa in Paris. Nach der Ernennung der ersten Soldaten am 12. November 1955 wurde auch Kielmansegg als Brigadegeneral in die Bundeswehr übernommen. Auf die Truppenverwendung als stellvertretender Divisions-kommandeur der 5. Panzerdivision in Diez an der Lahn folgte die des Divisionskommandeurs der 10. Panzergrenadierdivision in Sigmaringen. Mit dieser Verwendung war die Beförderung zum Generalmajor verbunden. Von 1963 war er Oberbefehlshaber von AFCENT in Heidelberg und wurde Mitte 1966 Nachfolger von General Hans Speidel als Oberbefehlshaber der NATO Landstreitkräfte Europa. Mit der Ernennung zum General hatte er die höchste Sprosse der militärischen Karriereleiter erreicht. Ende März 1968 schied er aus dem aktiven Dienst aus.

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Auch im Ruhestand aktiv

Nach seiner Pensionierung war sein umfangreiches Fachwissen immer gefragt. Unter anderem war er Mitglied der Wehrstrukturkommission (1971/72) und Vorsitzender des Beirates beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt (1985/89). Längere Chinareisen führten zur Veröffentlichung des Buches zusammen mit Oskar Weggel "Unbesiegbar? - China als Militärmacht". Schon im April 1941 war von ihm das Buch "Panzer zwischen Warschau und Atlantik" erschienen. 1949 veröffentlichte er "Der Fritschprozess 1938 - Ablauf und Hintergründe". Generaloberst Freiherr von Fritsch war seit dem 4. Februar 1935 Oberbefehlshaber des Heeres gewesen. Infolge einer Intrige erhielt er am 4. Februar 1938 den Abschied. Graf Kielmansegg war sein Neffe. Zusammen mit den Generalen Wolf Graf von Baudissin und Ulrich de Maizière erhielt Kielmansegg 1964 den Freiherr-vom-Stein-Preis. Viele nationale und internationale Auszeichnungen wurden ihm verliehen. Pflichtbewusstsein und Führungsstärke haben den disziplinierten Soldaten "Kilian", wie ihn seine Freunde nannten, in den drei Armeen Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr geprägt. Am 26. Mai 2006 ist Johann Adolf Graf von Kielmansegg in Bonn verstorben.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: 


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