Ich bin iM EINsatz

Als Notfallsanitäter in Litauen

Als Notfallsanitäter in Litauen

Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Porträt eines Soldaten mit blauem Barett vor einem Bundeswehrfahrzeug mit rotem Kreuz

Stabsfeldwebel Sascha O. und sein Einsatzfahrzeug: das GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer in der Sanitätsvariante

Bundeswehr/PAO eFP

Moin, ich bin Stabsfeldwebel Sascha O. und bin 47 Jahre alt. Im Jahr 2001 bin ich als Wiedereinsteller zurück zur Bundeswehr gekommen, weil mir die Kameradschaft und die professionelle Zusammenarbeit gefehlt haben. Der aktuelle Einsatz hier in Litauen ist mein achter Einsatz. Die Einsätze sind meiner Meinung nach ein wichtiger Bestandteil des Soldatenberufes, auch um unsere Werte zu verteidigen. Mein erster Einsatz führte mich damals in den Kosovo. Danach ging es für mich nach 
Bosnien-Herzegowina und nach Afghanistan. Nun bin ich hier in Litauen und habe insgesamt über 1.000 Einsatztage.

In Deutschland verrichte ich meinen Dienst in der Sanitätsstaffel Einsatz in Oldenburg in Holstein. Mein Herz ist im Norden zuhause, sodass ich meine Berufung als Notfallsanitäter mit meiner Leidenschaft, dem Tauchen, verbunden habe. Denn im Grundbetrieb unterstütze ich als ausgebildeter Tauchmedizinischer Assistent ebenfalls den Marinestützpunkt Kiel.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Zwei Soldaten kontrollieren das Material in einem Einsatzersthelfer-Rucksack

Stabsfeldwebel Sascha O. kontrolliert mit einem Kameraden die erweiterte Sanitätsausrüstung des Einsatzersthelfers Bravo

Bundeswehr/PAO eFP

Hier im Einsatz bin ich als Notfallsanitäter auf dem GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer eingesetzt. Zu meinem Team gehören ein Kommandant, der ebenfalls Notfallsanitäter ist, und der Kraftfahrer als Einsatzsanitäter. Mein Tag beginnt meist mit einer Besprechung, in der die Aufgaben für den Tag verteilt werden und organisatorische Dinge besprochen werden. Die Medical Company ist multinational aufgestellt. Für den deutschen Anteil bin ich für die Planung der Einsatzzeiträume sowie die Einsatznachbereitungsseminare der Kameradinnen und Kameraden zuständig.

Des Weiteren plane ich verschiedene Veranstaltungen wie beispielsweise das Blutspenden oder die Grippeschutzimpfung für die gesamte eFPenhanced Forward Presence-Battlegroup. Zudem biete ich das Ablegen der jährlichen Grundfertigkeit Schwimmen für die deutschen Soldatinnen und Soldaten an. Das alles geht über meinen Tisch und deshalb nennt man mich hier ein „Organisationstalent“.

Die Ausbildungen und Übungen werden auch für die anderen Nationen angeboten. Wir leben das NATO-Motto „StrongerTogether“! Hierbei mussten wir allerdings feststellen, dass es Unterschiede in der Ausstattung und in den Verfahren gibt, welche in den Ausbildungen dann auf einen einheitlichen Standard harmonisiert werden. Hier ist dann auch die Nachbeschaffung von unterschiedlichen Ersatzteilen für die Fahrzeuge ein Thema. Das alles gilt es zu koordinieren und zu planen, in die Ausbildung einzubringen, zu priorisieren und zuzuteilen. 

Das macht meine Tätigkeit hier besonders

Zwei Soldatinnen und ein Soldat in Sportkleidung sitzen nebeneinander auf Trainingsrädern

Wann immer es die Zeit zulässt, geht es aufs Rad: Stabsfeldwebel Sascha O. gibt seinen Spinningkursteilnehmenden wichtige Tipps für das Training

Bundeswehr/PAO eFP

Wir sind hier in Litauen im Zusammenhang einer NATO-Mission und zeigen aktiv in der litauischen Bevölkerung Präsenz, indem wir beispielsweise gemeinsam mit den zivilen Krankenhäusern Übungen durchführen. Die Zusammenarbeit mit den multinationalen Partnern und dem Gastgeberland, der sogenannten Host Nation, verläuft großartig. Das zeichnet die Einsätze aus, die gemeinsame Arbeit für ein Ziel: Die NATO-Ostflanke zusammen mit unseren Bündnispartnern verteidigen.
Sofern es die Zeit zulässt, leite ich die Spinningkurse. Dies ist für mich und meine Kameradinnen und Kameraden ein wichtiger Ausgleich zum Dienstalltag hier in Litauen.

Das vermisse ich hier am meisten

Am meisten fehlt mir meine Familie, vor allem meine drei Kinder. In Deutschland hat man natürlich einen ganz anderen Alltag, sodass mir auch die normalen Abläufe fehlen, das gemeinsame Essen und Spielen mit meinen Kindern. Ich freue mich bereits jetzt auf meinen normalen Alltag und darauf, wieder meiner Tätigkeit im Sanitätsversorgungszentrum Kiel nachzugehen. Vor allem in der Spezialisierung der Tauchergruppe Kiel fühle ich mich zuhause und kann es kaum erwarten, wieder dort zu sein.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

Wenn ich zurück in Deutschland bin, werde ich erst mal keinen Urlaub nehmen, sondern direkt meinem Dienst in Kiel nachgehen. Bisher habe ich mich noch nicht festgelegt, wie und wo ich meine letzten sechs Dienstjahre verbringen möchte. Das lasse ich einfach mal auf mich zukommen.
Mein Dank und meine Anerkennung gehen an meine Frau und meine Kinder, die quasi ihren eigenen Einsatz während meiner Abwesenheit zuhause hatten. Für die Angehörigen ist es nicht leicht, wenn der Partner und Vater eine Zeit lang weg ist. 
Zusätzlich möchte ich meine Kameradinnen und Kameraden aus dem Sanitätsversorgungszentrum Kiel grüßen. Alle haben dort immer ein offenes Ohr für mich und haben mich wo immer möglich unterstützt. Ich freue mich, in den nächsten Wochen wieder bei euch zu sein und natürlich auch auf die Jungs der Tauchergruppe Kiel.

von Sascha O.

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