Streitkräftebasis
Schnelle Verlegung nach Litauen

Wie funktioniert Tierseuchenprophylaxe bei Panzerhaubitze und LKWLastkraftwagen?

Wie funktioniert Tierseuchenprophylaxe bei Panzerhaubitze und LKWLastkraftwagen?

  • EFP
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Datum:
Ort:
Höxter
Lesedauer:
4 MIN

Ohne sie und ihre Tierseuchenprophylaxe würde die Verstärkung in Litauen nicht ankommen – die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr. Wir haben dem ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillon 7 aus Höxter über die Schulter geschaut, wie so eine „Waschstraße“ für Großgerät und Schwerlasttransporter aufgebaut ist und welche Herausforderungen es dabei gibt.

Männer in weißen Anzügen spritzen einen großen LKW mit Wasser ab.

Die Tierseuchenprophylaxe können die Profis der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrtruppe auch nachts durchführen.

Bundeswehr/Roland Alpers

Die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte der Bundeswehr haben einzigartige Fähigkeiten, die nicht nur im Auslandseinsatz von Nöten sind, sondern auch bei internationalen Verlegungen gebraucht werden. Dabei gehört die Tierseuchenprophylaxe nicht einmal zu ihren Kernaufgaben. In den Convoy Support Centern, so werden Rast- und Sammelplätze für verlegende Truppenteile im Straßenmarsch genannt, in Jägerbrück und Lehnin übernehmen sie schnell und gründlich die Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen und Material auf dem Weg zur NATO-Mission Enhanced Forward Presence (EFP) an der NATO-Ostflanke. Ziel der Profis aus Höxter: insgesamt circa 100 Fahrzeuge bereit machen für die Grenzüberquerung.

Keine Chance den Seuchen

Verstärkungskräfte und Großgeräte legen insgesamt eine Strecke von über 1.400 Kilometern zurück und fahren dabei durch drei Länder. Neben der Versorgung und Betankung werden die beiden grenznahen Convoy Support Center auch für die Tierseuchenprophylaxe genutzt – in wichtiger Baustein, damit Seuchen wie beispielsweise die Afrikanische Schweinepest nicht in andere Gebiete oder Länder eingeschleppt werden.

Die Kameradinnen und Kameraden des ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillon 7 sind echte Profis in ihrem Fach. Innerhalb von zwei Tagen hatten sie Kräfte und Gerät bereit für die Verlegung – hier in Lehnin in Brandenburg aus der 3. Kompanie. Mit zwei Dekontaminationsgruppen – eine Gruppe besteht üblicherweise aus 14 Soldatinnen und Soldaten – wurde unter Leitung der beiden Gruppenführer Hauptfeldwebel Stefan Wollmann und Hauptfeldwebel Norbert Schrick alles vorbereit und aufgebaut, um die Auflagen für den Grenzübertritt nach Polen zu erfüllen. Zu diesen gehören unter anderem Zertifikate nach NATO-Standard, die von den Veterinären der Überwachungsstelle für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes - Ost ausgestellt werden. Sie bestätigen das die Tierseuchenprophylaxe ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Doch bevor ein Fahrzeug mit seiner Ladung dieses Zertifikat erhält und damit die Grenze überfahren darf, muss es in der „Waschstraße“ der besonderen Art einige Stationen durchlaufen.

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Bevor die Gefechtsfahrzeuge der EFP-Verstärkungskräfte nach Polen weiterrollen, müssen sie in Lehnin desinfiziert werden. So wird gewährleistet, dass entlang der Marschstraßen keine tierischen Krankheitserreger verteilt werden.

Station Vorbehandlung

Moldat in weißen Anzug spritzt einen großen LKW mit Wasser ab.

Gründliches Reinigen der Fahrzeuge mit warmen Wasser ist unerlässlich, damit das Desinfektionsmittel überall haften bleibt.

Bundeswehr/Roland Alpers

Direkt nach Einfahrt in die Fläming-Kaserne fahren die zu reinigenden Fahrzeuge über ein sogenanntes Hydroschild. Das ist eine Wassersäule, die den Unterboden grob reinigt. Anschließend geht es zur ersten Station, der Vorbehandlung. Ein Materialentstrahlungsplatz (MEP) verlastbar mit dem Modul „Universalbehandlung“ steht hier schon bereit. An einer Hochdruckpumpe sind zwei Hochdruckstrahler angeschlossen, die abwechselnd von vier Soldatinnen und Soldaten bedient werden. Das Wasser wird auf etwa 60 Grad Celsius erhitzt, damit ein höherer Wirkungsgrad erzielt wird. Unter den wachsamen Augen der beiden ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr-Hauptfeldwebel entfernen die Soldatinnen und Soldaten Verschmutzungen bis auf eine Höhe von 1,50 Meter und in jedem versteckten Winkel – so ist es mit den Veterinären und Veterinärinnen abgesprochen. Sogar die Staukisten werden abgespritzt. Je nachdem, wieviel Dreck entfernt werden muss, dauert dieser Vorgang pro Fahrzeug 10 bis 40 Minuten. Kommt ein Panzer direkt vom Truppenübungsplatz, auch schon mal eine Stunde, bis wirklich alles sauber ist.

Station Desinfektion

Nach einem kurzen Tank-Stopp fährt das Fahrzeug weiter zur Desinfektionsstation. Da ein Teil für EFP mit Containern transportiert wird, stehen zwei Fahrzeugkräne Mittel (FKM) mit einer Traglast von bis zu 20 Tonnen auf fünfeinhalb Meter Auszug bereit. Diese heben die Container an, damit zwei Dekontaminationssoldaten sowohl die Containerunterseite, als auch die Ladefläche des Transporters mit dem Desinfektionsmittel einsprühen können. Das nimmt etwa 10 Minuten in Anspruch. Dann lässt der Kranführer den Container wieder ab und der Transporter fährt samt Ladung weiter für eine komplette Desinfektion. 

Eingepackt in weiße und gelbe Tychem-Anzüge und mit Atemschutzmasken auf, die jeder Soldat und jede Soldatin aus der Grundausstattung kennt, warten die fünf Kameraden bereits auf das Fahrzeug. Der Truppenentgiftungsplatz (TEP 90) – ein Vierachser mit flexiblen Modulen zur Entgiftung, Entwesung, Entseuchung und Entstrahlung – hat in seinem Tank ausreichend Desinfektionsmittel in 1-prozentiger Lösung geladen, dass die Dekontaminationssoldatinnen und -soldaten mit Hochdruckstrahlern auftragen. Eine große Plane, beschwert mit Sandsäcken und Holzleisten, fängt das überschüssige Desinfektionsmittel auf. Es wird mit einem Nass-Trocken-Sauger aufgesagt, damit nichts in die Kanalisation läuft. Hauptfeldwebel Wollmann überwacht den Vorgang und erzählt, dass die „Waschstraße“ kein typischer Aufbau ist, sondern an die Anforderungen angepasst wurde.

Ein Container schwebt am Kran über einem Sattelzug.

Desinfektion auf allen Flächen…

Bundeswehr Roland Alpers
Ein Kran steht neben einem Schwerlasttransporter und hebt einen Container an

… auch unter dem Container.

Bundeswehr/Roland Alpers

Neue Herausforderungen

Herausfordernd für die Profis der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr war bei dieser Truppenverlegung nicht der Faktor Zeit, sondern vor allem die geringe Erfahrung mit Schwerlasttransporten. Hauptfeldwebel Wollmann erzählt: „Ich habe in meiner Laufbahn schon Vieles desinfiziert, vom Panzer bis zum Zelt. Aber Schwerlasttransporte sind das erste Mal dabei.“ Trotzdem standen sie – auch dank zügiger Anreise und Probeläufen - innerhalb von zehn Minuten bereit und konnten loslegen, als nachts um 4 Uhr die Ankunft des Konvois mit den Schwerlasttransportern gemeldet wurde. Durch bereits eingeplante Reserven bei „Mann und Maus“ bzw. Material konnten vor Ort sofort Anpassungen vorgenommen werden, damit der Durchlauf reibungslos funktioniert. Und so können die Kameraden und Kameraden des Konvois sich nach einer langen Nacht auf der Straße ausruhen und verpflegen, während das Desinfektionsmittel noch 60 Minuten einwirken muss.

Hauptfeldwebel Wollmann und Schrick kümmern sich noch um die Dokumentation: Die Zertifikate müssen an die Logistik geschickt werden, damit der Marschkredit für den Grenzübertritt erstellt werden kann. Dann ist ihr Auftrag erfüllt.

Ein Mann in Uniform guckt unter einen LKW

Gruppenführer Hauptfeldwebel Norbert Schrick prüft genau, ob alles sauber geworden ist.

Bundeswehr/Roland Alpers
Ein Mann in Uniform lächelt in die Kamera

Hauptfeldwebel Stefan Wollmann ist froh, dass die Entseuchung gut geklappt hat.

Bundeswehr/Roland Alpers
von Juliane Thümmel  E-Mail schreiben

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