Streitkräftebasis

Personenporträt: Klarinettistin in Marineuniform

Personenporträt: Klarinettistin in Marineuniform

  • Militärmusik
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
3 MIN

Annika Linse spielt Klarinette und Klavier beim Marinemusikkorps Wilhelmshaven. Für die junge Frau ist es eine Ankunft in Raten.

Eine junge Frau steht in dunkelblauer Marineuniform auf einer Pier vor einem grauen Kriegsschiff.

Annika Linse im Marinestützpunkt Wilhelmshaven

Bundeswehr/Leon Rodewald

Annika Linse wusste schon in ihrer Schulzeit, dass sie irgendwann zur Bundeswehr gehen wird, um dort in den Musikdienst einzutreten. Die Faszination von der Musik und zu ihrem Instrument entstand bei ihr im Kindesalter in ihrer Heimatstadt Olpe im Süden Nordrhein-Westfalens.

„Im Sauerland ist Blasmusik weit verbreitet und sie hat mich schon immer begeistert“, erzählt sie. „Dadurch kam bei mir der Gedanke, in den Militärmusikdienst einzutreten. Das tolle an ihr ist die Vielfalt. Mal spiele ich in einer kleinen Kammermusikbesetzung klassische Werke, mal im gesamten Orchester sinfonische Werke, aber auch zum Beispiel moderne Musicals oder Popmusik Arrangements. Ein weiteres großes Feld ist natürlich die Marschmusik, die wir auch oft auf Konzerten spielen oder mit der wir auf Appellplätzen aufmarschieren.“

Ihre ersten größeren musikalischen Schritte machte die junge Linse in der dritten Klasse in einer Schul-AG. Klarinette zu spielen bereitete ihr so viel Spaß, dass ihre Eltern sie neben dem Schulunterricht an einer Musikschule anmeldeten. Während ihrer Schulzeit machte Linse auch zwei Praktika bei der Bundeswehr: beim Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden und beim Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg.

Als sie dann den endgültigen Entschluss gefasst hatte, zum Militär zu gehen, fing sie noch mit dem Klavier als Zweitinstrument an. Die Bundeswehr fordert dieses nämlich standardmäßig für die Ausbildung an der Musikhochschule. „Es ist keine Pflicht, schon bei der Einstellung Klavier spielen zu können. Allerdings wollte ich mir bestmögliche Voraussetzungen schaffen“, erklärt Linse.

Nach dem Abi zum Ausbildungsmusikkorps

Eine junge Frau in dunkelblauer Marineuniform sitzt an einem Schreibtisch und blättert durch Notenblätter.

In Nebenfunktion pflegt Linse das Notenachiv des Marinemusikkorps Wilhelmshaven.

Bundeswehr/Leon Rodewald

2016 ist Annika Linse mit 19 Jahren als Portepeeunteroffizier-Anwärter in die Bundeswehr eingestiegen. Im Anschluss an ihre Grundausbildung in Weißenfels bei Leipzig ging es für sie nach Hilden in das Ausbildungsmusikkorps.

Dort lernte Linse zunächst ein Jahr auf ihre Aufnahmeprüfung der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf hin. Nachdem sie die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, fing das tägliche pendeln zur Hochschule an, wo sie Musik in der Unterteilung Orchester Instrumente und Klarinette studiert hat. Aber auch Fächer wie zum Beispiel Kammermusik, Gehörbildung, Musiktheorie und Geschichte der Militärmusik gehörten zu ihren Studieninhalten.

Linse legte nach sechs Semestern die musikalische Feldwebelprüfung ab, um in die Laufbahn der Portepeeunteroffiziere aufgenommen zu werden. Da sie aber auch ihren Bachelor anerkannt bekommen möchte, studiert sie die zwei weiteren notwendigen Semester zurzeit berufsbegleitend für sich weiter. „Man strebt beim Musikmachen immer an, besser zu werden. Da ist es selbstverständlich, dass man den Abschluss mitnehmen will“, fasst die 24-Jährige zusammen.

Der Alltag im Regeldienst während der Pandemie

Seit Oktober 2020 ist Annika Linse an ihrem Ziel angekommen: bei der Militärmusik. Beim Marinemusikkorps Wilhelmshaven stehen nun Orchesterproben, Kammermusikproben und eigenständiges Üben auf ihrem Dienstplan. Letzteres macht sie in Zeiten von Corona im Homeoffice.

„Leider mussten aufgrund der Pandemie viele Konzerte abgesagt werden“, berichtet Linse. Aber sie habe schon beim Ein- und Auslaufen von Schiffen, Gelöbnissen und Appellen wie zum Beispiel bei einem Kommandowechsel musiziert.

„Das Schönste, was ich bis jetzt gemacht habe, war das Auslaufen einer Fregatte musikalisch zu begleiten. Wenn die Angehörigen an der Pier stehen und ihren Liebsten auf Wiedersehen winken, ist das emotionale Angelegenheit, und wir versuchen für heitere Stimmung zu sorgen“, so Linse.

Ein Raum mit mehreren Notenständern separiert durch durchsichtigen Plexiglaswänden.

Das Marinemusikkorps nutzt Plexiglaswände, um während der Pandemie zusammen üben zu können.

Bundeswehr/Leon Rodewald
Eine schwarze Klarinette mit silbrigenTasten und Klappen liegt in einem geöffneten Koffer.

Annika Linses wichtigstes Arbeitswerkzeug, ihre Klarinette

Bundeswehr/Leon Rodewald

Formell ist sie zwar in Wilhelmshaven angekommen, aber es gibt aufgrund der notwendigen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie noch einen deutlichen Unterschied zwischen dem eigentlichen Regeldienst und der aktuellen Lage. „Ich bin absolut glücklich mit meinem Job, habe aber leider den richtigen Dienst bis jetzt aufgrund der Pandemie nicht kennen lernen können“, erzählt Linse.

Immerhin hat das Social Distancing kreative Lösungen hervorgebracht: Besonders viel Zeit hat das noch recht junge Marinemusikkorps Wilhelmshaven in den Adventskalender investiert, bei dem Linse mehrfach mitwirkte. Sie meint: „Das war eine schöne Erfahrung, weil es viele verschiedene und auch außergewöhnliche Besetzungen gab, die erst über dieses Projekt zusammengekommen sind.“

Annika Linse ist links zu sehen im „Grand Quartet for four Clarinets“.
von Paul Rein  E-Mail schreiben

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