Auftrag und Aufgaben des Einsatzführungskommandos

Alle Einsätze der Bundeswehr werden vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr geplant und durchgeführt. Es ist die operative Führungsebene der Bundeswehr. Alle Aufträge, Befehle und Weisungen ergehen von hier direkt in die Einsätze.

Ein Dingo steht in der malischen Wüste und eine Transall fliegt darüber hinweg
Bundeswehr/Marc Tessensohn

Aufgaben des Einsatzführungskommandos

Mit der Beteiligung an Auslandseinsätzen leistet die Bundeswehr einen wesentlichen Beitrag zu weltweiter Sicherheit und Stabilität. Um diesen Beitrag leisten zu können, sind verschiedene Elemente eines breit angelegten außen-, sicherheits-, verteidigungs- und entwicklungspolitischen Instrumentariums erforderlich. Dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr kommt in diesem Prozess eine zentrale Rolle zu.

Es setzt konkrete politische und militärstrategische Vorgaben der Bundesregierung in militärisches Handeln um, indem es Einsätze der Bundeswehr plant und durch Weisungen und Befehle führt. Zudem trägt es Sorge dafür, dass die Einsätze gemäß der internationalen Mandate und der jeweiligen Beschlüsse des Deutschen Bundestages sowie unter Beachtung des Völkerrechts und der deutschen Rechtsordnung durchgeführt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Heer, der Luftwaffe, der Marine, dem Zentralem Sanitätsdienst und der Streitkräftebasis sowie dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen wird von Potsdam aus die personelle und materielle Einsatzbereitschaft der Einsatzkontingente gewährleistet. Das Einsatzführungskommando stellt Personalergänzungen oder -ersatz sowie die Bereitstellung aller Güter und Dienstleistungen sicher. Damit ist auch die Verantwortung für den Schutz der Truppe im Einsatz verbunden.

Darstellung der Führungsstruktur im Einsatzführungskommando

Nationale Führungsstruktur des Einsatzführungskommandos

Bundeswehr/EinsFüKdoBw

Die Führungsstruktur für die Einsätze deutscher Streitkräfte gliedert sich in drei Ebenen: An der Spitze steht die Leitung des Bundesministeriums der Verteidigung. Zusammen mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr ist es die strategische Ebene.

Darunter schließt sich mit dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr die operative Ebene an, die den übergeordneten Rahmen vorgibt, an dem sich der militärische Einsatz vor Ort auszurichten hat. Die Einsatzkontingente stellen die taktische Ebene dar. Sie setzen Aufträge, Befehle und Weisungen der operativen Ebene um. Hier ist zugleich der Anknüpfungspunkt für einen zweiten, multinationalen Führungsstrang.
Die Einsätze der Bundeswehr erfolgen grundsätzlich im multinationalen Rahmen, deshalb unterstehen die deutschen Kontingente in der Regel auch einem entsprechenden Hauptquartier der Europäischen Union, der NATONorth Atlantic Treaty Organization, der Vereinten Nationen oder einer entsprechenden Einrichtung im Falle der Beteiligung an einer Koalition, das die Operationsführung vor Ort koordiniert.

Im Einsatzführungskommando der Bundeswehr selbst sind sogenannte Einsatzgruppen für die jeweiligen Einsatzkontingente zuständig. Grundgedanke hierbei ist, durch eine querschnittliche Besetzung der Einsatzgruppen die Aufgabenfelder Operationsplanung, -führung und -auswertung für je ein Einsatzkontingent projektorientiert zu bündeln. So werden Entscheidungsabläufe beschleunigt und Schnittstellen verringert. Alle anderen Fachabteilungen des Kommandos sind mit Vertretern ihres Fachgebietes in der täglichen Arbeit eng mit den Einsatzgruppen verbunden.

Einsatzplanung in enger Abstimmung

Ein Hubschrauber fliegt über einer Patrouille in Afghanistan

Ein Hubschrauber CH-53 der Bundeswehr begleitet eine Patrouille in Afghanistan

Bundeswehr/EinsFüKdoBw

Die aktuellen Einsätze der Bundeswehr im Ausland zeichnen sich durch eine hohe Komplexität aus und sind deshalb nicht nur militärisch zu bewältigen. Ressortübergreifendes Denken ist daher ein Schlüsselansatz. Im Wesentlichen werden dabei vier ministerielle Säulen berücksichtigt: Verteidigung, Auswärtiges, Inneres sowie Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Eine direkte und zeitnahe Führung wird durch Beraterinnen und Berater und Fachleute für die politischen oder kulturellen Rahmenbedingungen in den Einsatzgebieten, aber auch von Verbindungselementen zu den genannten Ministerien gefördert.

So erweist sich beispielsweise der Einsatz von Verbindungsbeamtinnen und Verbindungsbeamten aus dem Bereich des Bundespolizeipräsidiums als besonders effizient und vereinfacht die Koordination mit Polizeimissionen in Auslandseinsätzen deutlich. Weitere Fachleute aus den Bereichen Controlling, Verwaltung, Presse- und Informationsarbeit, Interkulturelle Einsatzberatung, Rechtsberatung und dem Sanitätsdienst unterstützen den Befehlshaber, seinen Stellvertreter wie auch den Chef des Stabes, mit dem gesamten Stab. Durch die Planung und Führung aller Einsatzkontingente der Bundeswehr im Ausland ist dementsprechend auch der Mitarbeiterstab aus Angehörigen aller Teilstreitkräfte und zivilen Organisationsbereiche zusammengesetzt. 

Planung im Einsatzführungskommando

Dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr unterstehen – mit Ausnahme seines für die eigene Unterstützung zuständigen Stabsquartiers und des Zentrums Counter IEDImprovised Explosive Device – in Deutschland truppendienstlich keine Kräfte. Es führt ausschließlich Truppen im Auslandseinsatz.
Die Zuständigkeiten für die einzelnen Phasen eines Einsatzes sind innerhalb der Bundeswehr klar geregelt. In der Einsatzplanung und -vorbereitung steht das Einsatzführungskommando in enger Abstimmung mit den Truppenstellern und dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen. Es formuliert Vorgaben für die im Einsatz geforderten Anforderungen.

In dieser ersten Phase bleiben die Einheiten und Verbände den Truppenstellern zur Durchführung der einsatzvorbereitenden Ausbildung unterstellt. Für die zweite Phase erlässt das Einsatzführungskommando der Bundeswehr Regelungen zur übergeordneten Koordination und Synchronisation der Verlegung der Kräfte in den Einsatzraum – gegebenenfalls einschließlich multinationaler Anteile.

Weltweite Krisenunterstützung

Ein deutscher Soldat überwacht einen Sammelpunkt für Zivilisten

In einem Hangar hat das Krisenunterstützungsteam einen Sammelpunkt für zu evakuierende Zivilisten eingerichtet, wo die Registrierung, Identifizierung, Sicherheitsüberprüftung und falls nötig medizinische Versorgung erfolgt

Bundeswehr/Carl Schulze


Die Zusammenführung aller für den Einsatz vorgesehenen Soldatinnen und Soldaten erfolgt an festgelegten Übergabepunkten. Hierfür eignen sich bei Schiffen der Marine die Grenzen des Einsatzgebietes oder bei einem Luftwaffenkontingent der Einsatzflughafen im Ausland. Vom Abflug ins Einsatzgebiet an bzw. bei Überschreiten bestimmter Linien in See ist das Einsatzführungskommando der Bundeswehr truppendienstlich für die Soldatinnen und Soldaten verantwortlich.

Zu diesem Zeitpunkt, der dritten Phase, können die deutschen Kontingente zusätzlich auch multinationalen Hauptquartieren zur operativen und taktischen Kontrolle unterstellt werden. Die Kommandos von Heer, Luftwaffe, Marine, Zentralem Sanitätsdienst und Streitkräftebasis sind jedoch weiterhin für die personelle und materielle Durchhaltefähigkeit ihrer Teilkontingente verantwortlich.
Das Einsatzführungskommando übernimmt sowohl einsatzbegleitend als auch in der Einsatznachbereitung die Steuerung und Koordination der Auswertung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr unterhalb der strategischen Ebene. Alle am Einsatz beteiligten Kommandos werden dabei in die fachliche Auswertung eingebunden.

Verantwortung für die Kriesenpräventation

Darüber hinaus leistet das Einsatzführungskommando einen maßgeblichen Beitrag zum Nationalen Risiko- und Krisenmanagement der Bundesregierung. Auf Weisung des Bundesministeriums der Verteidigung plant und führt es Maßnahmen zur Evakuierung deutscher Staatsbürger in Krisen- und Gefahrenlagen. Das Spektrum der Lagen reicht dabei von Naturkatastrophen bis hin zu Gefahren aus kriegerischen Auseinandersetzungen. 

Im Hinblick auf die Krisenprävention trägt das Einsatzführungskommando seit 2002 die Verantwortung für den Einsatz von speziellen Krisenunterstützungsteams (KUTKrisenunterstützungsteam). Diese Teams sind in kürzester Zeit einsatzbereit und unterstützen die deutschen Auslandsvertretungen weltweit bei der Vorbereitung auf Krisen sowie bei deren Bewältigung. Diese Teams werden auf Anforderung des Auswärtigen Amtes aus einzelnen Spezialisten zusammengestellt. An der Spitze steht jeweils ein Offizier des Einsatzführungskommandos. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der KUTKrisenunterstützungsteam ist die Unterstützung bei der Vorbereitung einer Evakuierung deutscher Staatsbürger im Ausland, beispielsweise aus dem Südsudan (2013) oder dem Jemen (2015).

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