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Aktiv im Umweltschutz: Die Bundeswehr ist grün!

Berlin, 20.07.2016.
Bundeswehr und Umweltschutz. Für viele sind das zwei Wörter, die nicht zusammenpassen. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Das Gegenteil ist der Fall. Die Bundeswehr zeigt auf diesem Feld großes Engagement – nicht zuletzt, weil sie Bedingungen bietet, die anderswo kaum noch anzutreffen sind.

Ein Felsen mit Pflanzen, im Hintergrund ein Fahrzeug der Bundeswehr

Die einen üben, die anderen blühen: Übungsplätze bergen viele ökologische Kleinode. (Quelle: Bundeswehr/Stollberg)Größere Abbildung anzeigen

Den größten Teil zum Umweltschutz leistet die Bundeswehr dort, wo auch am meisten Platz ist: Auf den Übungsgeländen. Zwei Drittel der fast 1.400 Quadratkilometer großen Gesamtfläche aller Truppenübungsplätze gehören zum Natura 2000-Netzwerk. Dabei handelt es sich um ein EU-weites Netz von Schutzgebieten. Es setzt sich die Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume sowie Pflanzen – und Tierarten zum Ziel. Auf den Truppenübungsplätzen Altmark, Baumholder, Hammelburg, Heuberg, Putlos und Wildflecken liegen die Anteile sogar bei über 90 Prozent. Auch weite Teile anderer Liegenschaften – wie Standort- und Pionierübungsplätze sowie Testgelände der Wehrtechnischen Dienststellen sind in dem Naturschutznetzwerk integriert.

Das zeigt deutlich, dass wir innerhalb von 25 bis 30 Jahren militärische Belange und Umweltschutz miteinander in Einklang gebracht haben”, sagt Regierungsdirektor Wilfried Grooten. Der Referatsleiter GS II 4 im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) hält die Natura 2000-Flächen für sehr wertvoll, da die großen, unzerschnittenen Landschaften auch bedrohten Biotopen sowie Tier- und Pflanzenarten eine Heimat gäben. „Umweltschutz gehört zu den Aufgaben der Bundeswehr. Wir engagieren uns hier teilweise über den gesetzlichen Rahmen hinaus”, erklärt Grooten.

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Militärische Nutzung macht es möglich

Das bedeute jedoch nicht, dass die militärische Nutzung der Gebiete erheblich eingeschränkt sei. „Es muss natürlich immer abgewogen werden. Aber im Kern bleiben es militärische Liegenschaften”, so Grooten. Dabei zeigt sich: Nicht trotz, sondern gerade wegen der militärischen Nutzung stellen Übungsplätze wertvolle Lebensräume für Flora und Fauna dar. In den meisten Fällen handelt es sich um große Flächen wie Sandwüsten, Heiden, Moore und Kiefernwälder, die die nötige Ruhe und Ungestörtheit – gerade für empfindliche Arten – gewährleisten. „Hinzu kommt, dass auf den Liegenschaften keinerlei Pestizide oder Dünger eingesetzt werden und die Natur dadurch chemisch nicht belastet wird”, ergänzt Grooten.

Kurzum: Bedingungen, die in der Kulturlandschaft nur noch selten anzutreffen sind. Ob Biber, Dukatenfalter, östliche Smaragdeidechse oder diverse Vogelarten wie Brachpieper, Heidelerche und Wiedehopf: Truppenübungsplätze bieten Platz für die unterschiedlichsten gefährdeten oder geschützten Arten, die ansonsten um ihre Lebensräume kämpfen müssten.
Der Beitrag der Bundeswehr zur Artenvielfalt zeigt sich insbesondere auch beim Wolf. Das hierzulande einst ausgestorbene Tier siedelt sich in jüngster Zeit wieder an – auch hier spielen Truppenübungsplätze eine wichtige Rolle. Zunächst fanden die Raubtiere auf den Übungsgeländen im östlichen Landesteil eine Heimat. „Inzwischen gehen wir davon aus, dass es Wolfspopulationen auf den meisten Truppenübungsplätzen im gesamten Bundesgebiet gibt”, erklärt Grooten. Die Bundeswehr selbst sieht sich dabei in einer neutralen Rolle: „Wir beobachten Ausbreitung und Verhalten der Tiere, treffen jedoch keine Maßnahmen zur Förderung oder Minimierung der Bestände”, so der Referatsleiter.

Truppenübungsplatz auf dem verschiedene Pflanzen wachsen

Die Truppenübungsplätze bieten Lebensraum für eine vielfältige Pflanzenwelt. (Quelle: Bundeswehr/Stollberg)Größere Abbildung anzeigen

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Altlasten beseitigen – neue Lasten verhindern

Darüber hinaus hat die Bundeswehr für die Kontaminationsbearbeitung – also die Erfassung und Beseitigung bestehender Altlasten - seit 1991 mehr als 450 Millionen Euro an Haushaltsmitteln verwendet. Doch Nachsorge ist nicht immer ausreichend. Schließlich haben Übungen und Militärmanöver oft zur Folge, dass bestimmte Schadstoffe in Boden und Gewässer eindringen.

Die Bundeswehr begegnet diesem Umstand mit Vorsorgemaßnahmen. Ein Beispiel dafür ist der Sprengplatz in Wildflecken. Dieser ist abgedichtet und mit einer Pflanzenkläranlage ausgestattet. So wird verhindert, dass Sprengrückstände ins Erdreich eindringen. Durch die Selbstreinigung des abfließenden Wassers werden zudem Entsorgungs- und Reinigungskosten gespart. So gelingt der Spagat zwischen Umweltschutz und militärischer Tätigkeit.
Dafür, dass „Lärm nicht krank macht”, sorgt seit Mitte 2015 die Immissionsmessstelle der Bundeswehr in Bonn. Deren Mitarbeiter sind bis zu 120 Tage im Jahr unterwegs, um Lärm und Erschütterungen zu messen, die von Bundeswehranlagen ausgehen. Damit leisten sie nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch zum Arbeitsschutz in der Bundeswehr.

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Umbau der Energieversorgung in der Bundeswehr

Die Energiewende macht auch vor der Bundeswehr nicht halt. „Der für die Bundeswehr 2015 und 2016 eingekaufte Strommix enthält Anteile aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) von mehr als 30 Prozent”, sagt Leitender Technischer Regierungsdirektor Alexander Barth, Referatsleiter Infra III 1 im BAIUDBw. Darüber hinaus trugen 2015 mehrere Pellet-, Biogas-, Holzhackschnitzel-, Solarthermie-, Geothermie-, Luftthermie-, Wärmepumpen- und eine Klärgasanlage zur Wärmeenergieversorgung in der Bundeswehr bei.

Zwei Wasserkraft- und 31 Photovoltaik-Anlagen erhöhten zudem den Anteil Erneuerbarer Energien am Gesamtstromverbrauch. Hinzu kommen Maßnahmen zur Energieeinsparung. „Wir sind also breit aufgestell”, konstatiert Barth. Insgesamt betrug 2015 der Anteil Erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch für Wärme und Strom in der Bundeswehr 17,3 Prozent. Betrachtet man nur den Stromverbrauch, sind es derzeit sogar 33,8 Prozent.
Einzelne Projekte auf Ortsebene unterstreichen die Ambitionen. So erfolgt die Wärmeversorgung der Universität der Bundeswehr in München seit 2015 fast vollständig durch regenerative Energieformen, wie Biomasse, Geothermie oder Kraft-Wärme-Kopplung. Die neue Rettungs- und Wasserübungshalle im Bremerhaven bezieht ihre Energie für Luft- und Wassererwärmung komplett aus der örtlichen Müllverbrennungsanlage.

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Stand vom: 21.07.16 | Autor: Stefan Rentzsch


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.verwaltung.infra_umwelt_dienst.umweltschutz