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Wave and Smile: Wie der Comic entstand

Berlin, 10.07.2012, Bundeswehr aktuell.
Zeichner Arne Jysch verarbeitet in einer spannenden Graphic Novel den deutschen ISAF-Einsatz.

Zeichnung eines ISAF-Soldaten
Die Details der Ausrüstung waren für Jysch eine Herausforderung (Quelle: Carlsen Comics)Größere Abbildung anzeigen

Comics sind längst nicht mehr nur das Genre, in dem sich ausschließlich Superhelden oder reiche Bewohner aus Entenhausen wiederfinden. Joe Sacco zeichnet beispielsweise seine Eindrücke aus Bosnien oder dem Gaza-Streifen und Joe Kubert greift das Krisengebiet Sarajevo auf.

Themen, die auch den Comic-Zeichner Arne Jysch zu seinem Buch „Wave and Smile“ inspirierten. Er erzählt die Geschichte einer jungen Fotojournalistin, die Bundeswehr-Soldaten in den ISAF-Einsatz begleitet. Mit der Zeitung Bundeswehr aktuell sprach der Beliner Zeichner über seine Arbeit und die besonderen Herausforderungen beim Zeichnen.

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Wave and Smile ist das allererste Comic, das Sie gezeichnet haben. Dafür ist dieses Thema dann doch sehr spezifisch. Wie kam es dazu?

Mein erstes Comic sollte kein laues Thema sein. Als ich auf der Suche nach einem Filmstoff war, hat sich der ISAF-Einsatz aufgetan. Es interessierte mich persönlich und ich habe mit einem Bekannten, einem Deutsch-Afghanen, gesprochen, der für einen sofortigen Abzug war. Eine sehr krasse Haltung, wie ich finde. Dieser Kontrast hat mich sehr interessiert, und dann habe ich angefangen zu recherchieren.

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Der Titel des Comics ist Wave and Smile, also Winken und Lächeln. Eine Art Motto, mit der die Bundeswehr ihren Einsatz vor mehr als zehn Jahren begonnen hat. Heute ist die Situation für die Soldaten aber bedeutend ernster ...

... Ich finde der Titel zeigt die Tragik. Die ersten Jahren liefen doch recht positiv. Die Soldaten wurden herzlich aufgenommen und es gab viele Hoffnungen. Doch jetzt hat es sich verändert. Man kann eben nicht mehr von dem ruhigen Norden in Afghanistan reden, denn die deutschen Soldaten sind regelrecht in eine Art Guerilla-Krieg geschlittert. Der Titel soll dieses Gegenbild zeigen, wenn auch auf eine zynische Weise.

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Und wie sind Sie auf diese Geschichte gekommen?

Zuerst habe ich viele Bücher – vorwiegend Berichte von Soldaten – gelesen. Da habe ich schon einen sehr guten Einblick bekommen. Aber ich wollte eine Figurenkonstellation haben, die besonders viel abdeckt, also den Leser auch in das Thema mitnimmt, Fragen stellt. Da hat sich die Journalistin eben besonders gut angeboten. Als Frau, als Zivilistin, die neu in dem Thema, aber auch sehr ehrgeizig ist.

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Sie zeichnen sehr realitätsnah, waren jedoch noch nie in Afghanistan – woher kommt dann die Inspiration?

Es ist eine Mischung aus vielem – wie ein großes Puzzle, das ich im Kopf zusammensetze und mit dem Zeichenstift zu Papier bringe. Da sind Bilder drin, die haben Elemente aus Sachen, die ich gelesen habe oder nachschlagen musste. Ich habe mir viele Filme auf YouTube und Fernseh-Dokumentationen angesehen.

Und ich habe versucht, bestimmte Dinge zwischen den Zeilen zu finden oder Dinge zu erkennen, die sich im Hintergrund abspielen. Die Bundeswehr hat mir auch Hunderte von Fotos zur Verfügung gestellt. Und ich habe auch mit Soldaten und der Journalistin Julia Weigelt gesprochen, die im Einsatz waren und mir viele Informationen gegeben haben.

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Sie zeichnen eigentlich Storyboards für Filmproduktionen. Jetzt haben Sie ihr erstes Comic gezeichnet – worin lag da für Sie der Unterschied?

Seit zwölf Jahren mache ich Storyboards. Und das sind nur Skizzen – ein Zwischenprodukt. Außerdem haben alle Bilder ein Format, meist werden sie auf 16:9 gezeichnet. Bei einem Comic geht es ja auch um das Layout einer ganzen Seite, und wie das Umblättern auf den Leser wirkt. Außerdem laufen die Bilder ja nicht wie beim Film schnell ab, sondern sie bleiben auf den Seiten bestehen – als Kunstwerke sozusagen. Das macht den größten Unterschied beim Layout aus.

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Wie lange haben Sie an diesem Buch gearbeitet?

2009 habe ich angefangen zu recherchieren. 2010 habe ich durchgängig daran geschrieben – also eine Drehbuchfassung erstellt und 2011 habe ich dann durchgehend gezeichnet.

Zeichnungen von Soldaten und einer Journalistin im Einsatz
Eine junge Journalistin spielt im Comic eine wichtige Rolle (Quelle: Carlsen Comics)Größere Abbildung anzeigen

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Noch auf Papier?

Ja – das ist noch auf Papier gezeichnet und aquarelliert worden. Dann wurde es zwar gescannt und am Computer bearbeitet, es ist aber noch richtige Handarbeit, und das fand ich für dieses Thema auch wichtig. Alles, was zu modern und nach Computer aussieht, hätte einfach nicht gepasst.

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War irgendetwas besonders schwierig zu zeichnen?

Im Prinzip war alles schwer – da habe ich schon gestaunt. Es ist ja auch so wahnsinnig viel Equipment, was die Soldaten im Einsatz mit sich herumtragen. Schwierig war vor allem, nicht alle Soldaten gleich aussehen zu lassen.

Das ist sicher eine Sache, die von der Realität abweicht: Nicht alle tragen den Helm, nur einer trägt beispielsweise ein Basecap. Es sollten eben Individuen sein, die der Leser wiedererkennt.

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Wie sieht denn Ihre Zielgruppe aus?

Das bin eigentlich ich, bevor ich all das über den ISAF-Einsatz wusste. Als ich mit meinen Recherchen begonnen habe, bin ich viel durch die Buchhandlungen gelaufen. Aber es gab nur sehr wenig zu dem Thema.

Dabei ist es doch spannend zu zeigen, wie die Bundeswehr im Einsatz überhaupt dargestellt wird. Daher habe ich versucht das Buch so zu gestalten, wie ich es mir vorgestellt hätte. Aber ich war echt erstaunt, was bei der Recherche noch alles zutage kam – und all das habe ich dann versucht, in das Buch einzubauen.

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Hätten Sie jetzt – nach den vielen Recherchen – den Wunsch, einmal nach Afghanistan zu reisen?

Ja, sehr gerne. Vielleicht würde ich dann aber denken: „Oh Gott, ich hätte so viel anders machen können.“ Nach den Recherchen wäre ich allerdings gern einmal vor Ort gewesen, um einen direkten Eindruck zu bekommen und auch einige Gespräche zu führen. Auf der anderen Seite weiß ich, dass es ein sehr gefährliches Reiseziel ist.

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Stand vom: 17.07.12 | Autor: Sylvia Jaeck


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