Rückkehr aus Bosnien: Ein Einsatz endet
Berlin, 27.09.2012, Bundeswehr aktuell.
Ende September verlassen die letzten deutschen Soldaten Bosnien und Herzegowina. Die Zeitung Bundeswehr aktuell blickt auf den bis dato längsten Einsatz der Bundeswehr zurück.

Nach mehr als 17 Jahren endet am 28. September die deutsche Präsenz im Hauptquartier der Operation Althea in Bosnien-Herzegowina. Voraussichtlich ab Mitte November wird sich Deutschland auch nicht mehr mit Verstärkungskräften an dieser Mission beteiligen. Damit schließt auch ein Kapitel Bundeswehrgeschichte ab.
Seit 1996 waren insgesamt rund 63.500 Bundeswehrsoldaten zur Friedenssicherung in der Region eingesetzt. Im Laufe des Einsatzes verloren 18 Soldaten ihr Leben, ein weiterer Soldat starb bei der Operation „Sharp Guard“ vor der Adria-Küste.
Kern der Mission war und ist es, das Friedensabkommen von Dayton zu sichern. Ein Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse des Einsatzes und seiner Vorläufermissionen.
1991
Juni:
Nachdem sich sowohl Slowenien als auch Kroatien für unabhängig erklärt haben, versucht die jugoslawische Regierung die Auflösung ihres Staatswesens zu verhindern. An der Außengrenze zu Slowenien und Kroatien flammen Gefechte zwischen der jugoslawischen Volksarmee, unterstützt von serbischen Freischärlern, gegen kroatische Verbände auf.
August:
Die Regierung in Belgrad etabliert in den mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Gebieten Kroatiens den serbischen Satellitenstaat „Republika Srpska Krajina“. Mehr als 220.000 Kroaten werden in dieser Zeit aus der Krajina vertrieben.
Dezember:
Nach dem Votum der bosnischen Serben für einen Verbleib bei Jugoslawien rufen diese am 19. Dezember eine autonome serbische Republik aus. Es kommt zu Kämpfen in der Krajina.
1992
Februar:
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen etabliert mit der Resolution 743 die United Nation Protection Force (UNPROFOR). Diese soll den Rückzug der jugoslawischen Volksarmee aus Kroatien überwachen sowie das Einhalten von Waffenstillstandsabkommen. Aufgrund der unklaren Gesetzeslage stellt Deutschland keine Truppen für UNPROFOR ab, unterstützt die Mission jedoch später mit Waffen, Gerät, Munition und Ausrüstung.
Mai:
Der UNO-Sicherheitsrat verhängt mit der Resolution 757 ein Handelsembargo gegen die Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Die Marine unterstützt Überwachungsoperationen in der Adria mit Aufklärungsflugzeugen und Schiffen.
Juli:
Die UN errichtet eine Luftbrücke in das belagerte Sarajevo. Die Luftwaffe unterstützt ab Juli 1992 bis Januar 1996 mit bis zu sechs Flugzeugen des Typs Transall und fliegt zwei Mal pro Tag mit zwei Maschinen von Faloconara (Italien) nach Sarajevo mit jeweils acht Tonnen Hilfsgütern.
ab Herbst:
Die Luftwaffe beteiligt sich mit deutschen Soldaten an AWACS-Flügen (Airborne Early Warning and Control System).
1993
März:
Die UNO erklärt mit der Resolution 816 mehrere eingeschlossene Städte zu Schutzzonen.
ab April:
Die Luftwaffe beteiligt sich mit 484 deutschen Soldaten an der Operation „Deny Flight“. Diese soll sowohl die Schutzzonen mit Hilfsgütern beliefern als auch den Schutz der eingeschlossenen Städte überwachen.
November:
Massaker und Terror serbischer Freischärlereinheiten verschärfen den Krieg weiter.
1994
Herbst:
Nach Angriffen auf die Stadt Zepa und die Belagerung Sarajevos einigen sich NATO und UN auf gezielte Luftschläge gegen serbische Ziele. Diese werden dadurch verhindert, dass UN-Angestellte als menschliche Schutzschilde missbraucht werden.
Dezember:
Die Bundesregierung beschließt, der NATO ein deutsches Kontingent von bis zu 2.000 Soldaten sowie bis zu 14 Tornado-Jets für eine eventuelle Evakuierung der UNPROFOR zur Verfügung zu stellen.
1995

Juli:
Serbische Verbände fallen in die geschützte Stadt Srebrenica ein. Das Massaker fordert 8.000 Menschenleben.
November:
Unter starkem internationalen Druck wird in Dayton (USA) der Durchbruch zu einem Friedensvertrag zwischen den Konfliktparteien erreicht. Dieser wird am 14. Dezember in Paris unterzeichnet. Die Konfliktparteien stimmen darin der Entsendung einer multinationalen Friedenstruppe zu.
Dezember:
Mit UN-Resolution 1031 löst eine mit robustem Mandat ausgestattete Implementation Force (IFOR) die UNPROFOR ab. Das seit Juli 1995 in Trogir im Rahmen von UNPROFOR eingesetzte deutsche Kontingent geht in IFOR über.
1996
Die Bundeswehr beteiligt sich mit 2600 Soldaten an IFOR. Gegliedert ist der deutsche Beitrag in Transport-, Einsatzunterstützungs-, Pionier- und Heeresfliegeranteilen. Die Operationen der Luftwaffe und Marine werden ebenfalls Bestandteil von IFOR.
Dezember:
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet die Resolution 1088 zur Ablösung der IFOR durch eine stark reduzierte Stabilization Force (SFOR) in Bosnien- Herzegowina. Die Einsätze in der Adria sowie die Aufklärungsflüge der Luftwaffe werden beendet. Das erste deutsche Kontingent SFOR umfasst etwa 2.100 Soldaten.
2004
Juni:
Beim Gipfel in Istanbul beschließt die NATO den Abschluss der SFOR-Mission mit Wirkung vom 31. Dezember 2004. Die EU soll fortan unter einem neuen UN-Mandat für Sicherheit auf dem Balkan sorgen.
Dezember:
Die Operation „European Union Force (EUFOR) Operation Althea“ löst die von der NATO seit 1996 geführte multinationale SFOR-Truppe in Bosnien-Herzegowina ab. Die EUFOR übernimmt in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik die gesamten militärischen Aufgaben von der NATO.
Im Gegensatz zu SFOR wird die militärische Komponente reduziert, dafür kommen zivile und polizeiliche Aufgaben hinzu. Eine Hauptaufgabe kommt den so genannten Liaison and Observation Teams (LOT) zu. Diese Verbindungsteams werden in zivilen Häusern im ganzen Land untergebracht und sollen mit der Bevölkerung und den lokalen Behörden zusammenarbeiten. Die Bundeswehr ist mit rund 1.500 Soldaten im Einsatz.

2007
Februar:
EUFOR „Althea“ wird um 2.000 Soldaten reduziert. Die multinationalen Task Forces werden aufgelöst, die Verbindungsteams bleiben aber erhalten. Das deutsche Einsatzkontingent besteht aus rund 500 Soldaten und ist in den LOT-Häusern Sarajevo, Gorazde, Konjc und Foca präsent.
Dezember:
Mit einem feierlichen Appell wird das Feldlager Rajlovac an die bosnisch-herzegowinischen Streitkräfte übergeben.
2008
19. Juni:
Gegen Mittag stürzt circa 20 Kilometer nördlich von Travnik ein spanischer Hubschrauber der EUFOR ab. Alle vier Insassen kommen bei dem Absturz ums Leben – darunter auch zwei Bundeswehrsoldaten. Das deutsche Einsatzkontingent umfasst etwa 150 Soldaten.
2011
Februar:
Die vier deutschen LOT werden nach sechsjähriger Arbeit in Feldhäusern im Land offiziell vom Einsatzauftrag bei EUFOR entbunden.
März:
Der letzte deutsche Chef des Stabes im Hauptquartier EUFOR übergibt seine Dienstgeschäfte. Es erfolgt keine Nachbesetzung des Dienstpostens mehr durch Deutschland.
Mai:
Die Einsatzwehrverwaltungsstelle EUFOR wird nach rund 14-jähriger Arbeit in Bosnien-Herzegowina außer Dienst gestellt. Die Bundeswehr ist mit rund 40 Soldaten bei EUFOR vertreten.
2012
Die deutsche Beteiligung wird auf fünf Soldaten reduziert.
Juli:
Die Bundesregierung beabsichtigt, den Bundestag nicht um eine Zustimmung zur Fortsetzung des deutschen EUFOR-Mandates zu bitten.
September:
Mit einer offiziellen Flaggenzeremonie werden die letzten drei deutschen Soldaten von ihrem Auftrag bei EUFOR entbunden und verlegen Ende des Monats zurück nach Deutschland.



