Training im scharfen Schuss

Präzision und Feuerkraft: Artilleriebataillon übt für Einsatz in Litauen

Auf dem Übungsplatz Allentsteig in Österreich: Ein Knall erschüttert den Boden, Mündungsfeuer blitzt auf. Noch während der Pulverrauch der drei Panzerhaubitzen 2000 abzieht, ertönt in der Ferne ein Grollen. Treffer, Ziele vernichtet. Die Soldatinnen und Soldaten des Artilleriebataillons 131 haben ihr Können unter Beweis gestellt.

Ein Raketenwerfer vom Typ MARS II feuert im Gelände eine Rakete ab

Bei der Übung Cat Weazle geht es um Landes- und Bündnisverteidigung – etwas, das für die Bundeswehr seit Russlands Überfall auf die Ukraine wieder stärker in den Fokus gerückt ist. Das Artilleriebataillon 131 aus Weiden in der Oberpfalz übte bis Mitte Mai auf dem österreichischen Übungsplatz Allentsteig, um die Ausbildung für seinen Auftrag an der NATO-Ostflanke abzuschließen.

Denn ab Ende Juli 2023 wird eine Batterie des Bataillons Teil der NATO-Mission enhanced Forward Presence (eFPenhanced Forward Presence) sein. Deutschland führt die multinationale eFPenhanced Forward Presence-Battlegroup Lithuania. Damit bei dieser Mission der verstärkten Vornepräsenz in Litauen alles reibungslos läuft, wird vorher noch einmal in Österreich an den Feinheiten gefeilt. 

„Der Übungsplatz Allentsteig bietet einerseits beste Voraussetzungen für unser Bataillon. Andererseits ist das für uns auch unbekanntes Terrain. Dadurch lernen wir, uns an neue Gegebenheiten anzupassen – ein großer Vorteil für unsere Vorbereitung auf unseren anstehenden Auftrag bei der enhanced Forward Presence in Litauen dieses Jahr“, so Oberstabsfeldwebel Mario H.*, der als einer der Planer für diese Übung des Artilleriebataillons 131 mit zuständig ist.

Die Kräfte des Bataillons haben im Landmarsch auf der Straße von Bayern nach Österreich verlegt.“ Bereits dies sei ein wichtiger Bestandteil der Übung, denn ein ganzes Bataillon mit allen Gefechtsfahrzeugen koordiniert von A nach B zu bewegen, erfordere Planung und Fingerspitzengefühl. „Das ist nichts Alltägliches“, erklärt H. den Zweck des Straßentransports.

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Die Panzerhaubitze 2000 und der Raketenwerfer MARSMittleres Artillerieraketensystem II schießen auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig in Österreich scharf. Doch zum System Artillerie gehört noch weit mehr als die genannten Waffensysteme. Wir geben einen Überblick.

Artillerieschießen als Vorbereitung auf Litauen

Der Kern der Übung Cat Weazle in Österreich bildet das Artillerieschießen mit scharfer Munition. Das Bataillon verfügt sowohl über die Panzerhaubitze 2000 als auch über den Raketenwerfer MARSMittleres Artillerieraketensystem II. Die Panzerhaubitze 2000 ist in der Lage, mit ihrer Munition des Kalibers 155 Millimeter Ziele bis auf eine Entfernung von circa 40 Kilometern zu bekämpfen.

Der Raketenwerfer MARSMittleres Artillerieraketensystem II kann Flugkörper bis auf eine Entfernung von 84 Kilometern verschießen. Er ist auch dazu in der Lage, Minen mittels spezieller Raketen auf weite Entfernungen zu verlegen und so einen Geländeabschnitt für einen Gegner zu sperren.

„Panzerhaubitze 2000 und Raketenwerfer MARSMittleres Artillerieraketensystem II ergänzen sich mit ihren Fähigkeiten – dieses Zusammenspiel muss jedoch regelmäßig trainiert werden“, erläutert der Oberstabsfeldwebel das Ziel des scharfen Artillerieschießens.

  • Land

    Raketenwerfer MARSMittleres Artillerieraketensystem II

    Mit dem MARSMittleres Artillerieraketensystem II bekämpfen die Artilleristen Flächen- oder Punktziele.

    Gerätetyp:
    Gepanzerte Fahrzeuge
    Streitkräfte:
    Heer
    Raketenwerfer Mars II freigestellt in Seitenansicht

Die Zielkoordinaten erhalten beide Artilleriesysteme von speziell ausgebildeten Soldaten des Joint Fire Support Teams. Diese Spezialistinnen und Spezialisten sind in der Lage, mit ihrer technischen Ausrüstung Feinde aufzuklären und Zieldaten in Echtzeit an die Feuerleitstellen der Panzerhaubitzen und Raketenwerfer weiterzugeben.

Eine Bekämpfung eines Gegners mit wirkungsvollem Artilleriefeuer ist dadurch in sehr kurzer Zeit möglich – allerdings müssen die Prozesse und Verfahren, die dies ermöglichen, ebenfalls regelmäßig trainiert werden. Bei der Übermittlung von Koordinaten darf nichts schief gehen. Im schlimmsten Fall könnten sonst eigene Kräfte durch eigenes Artilleriefeuer beschossen werden.

Ebenfalls in Allentsteig eingesetzt wird das Artillerieortungsradar COBRA (Counter Battery Radar). Dieses kann anhand der Flugbahnen von feindlichen Artilleriegeschossen und Raketen deren genaue Abschusskoordinaten erkennen. Diese Daten können mit den Artilleriesystemen des Bataillons geteilt werden - dadurch kann gegnerische Artillerie schnell, präzise und wirksam aufgeklärt und bekämpft werden. Auch das Zusammenwirken von COBRA, Panzerhaubitze 2000 und MARSMittleres Artillerieraketensystem II wird in Allensteig geübt. 

Nach der Rückverlegung nach Bayern geht es für das Bataillon ab Ende Juli nach Litauen. Im Rahmen der multinationalen enhanced Forward Presence Battlegroup werden die Artilleristen im Baltikum zur Abschreckung an der NATO-Ostflanke beitragen. Gemeinsames Training mit den litauischen und multinationalen Verbündeten zur Erhöhung der Interoperabilität und der Reaktionsfähigkeit wird dort der Schwerpunkt sein – aufbauend auf den in Allentsteig geübten Fähigkeiten.

*Name zum Schutz des Soldaten abgekürzt.

Das Artilleriebataillon 131 übt in Österreich

Ziel der Übung Cat Weazle 23 ist die Einsatzbereitschaft der NATO-Artilleriekräfte für Litauen. Doch um die Artillerie zur Wirkung zu bringen, sind viele Elemente erforderlich, die miteinander synchronisiert werden müssen. Wir geben einen Überblick.