Testflugingenieur mit Herzblut: Thomas Hennig

Testflugingenieur mit Herzblut: Thomas Hennig

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Thomas Hennig ist Technischer Oberregierungsrat an der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTDWehrtechnische Dienststelle 61) in Manching. Dort ist er als Testflugingenieur tätig.

Der ehemalige Soldat auf Zeit hat an der Universität der Bundeswehr in München Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Er ist ausgebildeter Luftfahrzeugtechnischer Offizier und Systemingenieur am Waffensystem Eurofighter. Mit der Laufbahnausbildung im höheren technischen Verwaltungsdienst ist Thomas Hennig nach seiner militärischen Dienstzeit in den zivilen Dienst der Bundeswehr gewechselt. Zusätzlich zu seinem Studienabschluss hat er in den USAUnited States of America eine Ausbildung zum Testflugingenieur absolviert.

Ein Mann in einem grauen Overall sitzt an einem Schreibtisch vor einem Computer

Wenn Thomas Hennig nicht an oder in einem Flugzeug arbeitet, ist der Schreibtisch sein zweiter Arbeitsplatz. Hier werden die Ergebnisse der Erprobungen erfasst und aufbereitet.

Bundeswehr/Schneider

Herr Hennig, was machen Sie als Testflugingenieur an der WTDWehrtechnische Dienststelle 61?

Als Testflugingenieur im Bereich Kampfflugzeuge bin ich für die Planung, Durchführung und Nachbereitung von Flugversuchen am Waffensystem Eurofighter zuständig. Mein Hauptarbeitsplatz während der Flugversuche ist die Telemetrie. Dort wird ein Versuch überwacht und geleitet. Einmal im Jahr führe ich Erprobungen außerhalb des Standortes Manching als sogenannte „Kampagne“ durch. Diese finden meistens als Waffenintegrationstests auf speziellen Schießplätzen in Schweden, Schottland, Italien, Südafrika oder den USAUnited States of America statt. Da ist voller Einsatz gefragt, um das lang geplante Erprobungsvorhaben im zeitlichen, personellen und materiellen Rahmen erfolgreich und vor allem sicher zum Abschluss zu bringen.

In einer großen Halle steht ein Mann in einem oliven Overall vor einem grauen Flugzeug

Die WTDWehrtechnische Dienststelle 61 in Manching verfügt über einen eigenen Eurofighter als Erprobungsträger. Bei dem Flugzeug handelt es sich um das Model IPA 3. Neben den normalen Standardflugzeugsystemen ist dieser Eurofighter für die Erprobung instrumentiert und …

Bundeswehr/Schneider

Das klingt nach viel Verantwortung.

Ja - das ist schon mit einiger Verantwortung verbunden. Die wesentlichen Aspekte des technisch-logistischen Betriebs müssen den Testbesatzungen erläutert werden. Dem technischen Bereich erkläre ich dagegen die operationellen Bedarfe der Testflugbesatzungen. In dieses Spannungsfeld wächst man aber gut herein, wenn man sich mit Blick auf den Projekterfolg täglich bemüht, beide Seiten in Einklang zu bringen. Neben der fachlichen Ausbildung sind damit auch die persönliche Führungsstärke und die eigene Teamfähigkeit eines Testflugingenieurs wichtige Voraussetzungen für die tägliche Arbeit.

Wie kann man sich einen Flugversuch vorstellen?

Wesentliche Schwerpunkte sind zunächst die Vorbereitung und Planung des Flugversuches. Sämtliche Aspekte des Versuchs, zum Beispiel die Technik, die Logistik, die Zulassung und die Testflugbesatzungen müssen identifiziert, geplant und kontrolliert werden. Die Vorbereitungs- und Planungsphase ist aber nicht schon mit der Schlusszeichnung des Flugversuchsprogramms abgeschlossen. Auch ein Testsicherheitsauditverfahren muss erfolgreich durchlaufen und der geplante Test durch den Direktor der WTDWehrtechnische Dienststelle 61 freigegeben werden.

Ein Mann in einem oliven Overall mit einem Kopfhörer auf dem Kopf sitzt vor verschiedenen Monitoren

Thomas Hennig überwacht den Testflug aus der Telemetrie. Auf den Monitoren werden ihm verschiedene Messwerte des Flugzeuges dargestellt. Diese technischen Daten helfen dem Ingenieur bei der Leitung des Flugversuches.

Bundeswehr/Schneider

Während der Durchführungsphase leite ich vor dem eigentlichen Testflug das Testbriefing. Den Testflug selbst überwache und leite ich aus der Telemetrie. Leider kann ich nicht wie meine Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen „Transporter“ und „Hubschrauber“ gelegentlich beim Test mitfliegen. In einem Kampfflugzeug ist es sehr beengt und es gibt nur Platz für die eigentliche Besatzung. Nach dem Testflug leite ich die Nachbesprechung und trage alle Versuchsdaten der „Flight Test Instrumentation“ zur Auswertung zusammen. Außerdem erstelle ich mit den Testflugbesatzungen einen Abschlussbericht.

Erzählen Sie uns von Ihrer Ausbildung in Kalifornien.

Ja - gerne - im Sommer 2018 zog ich mit meiner Familie dorthin. In Mojave habe ich dann eine einjährige Ausbildung zum EASAEuropäische Agentur für Flugsicherheit Category 1 zertifizierten Flugversuchsingenieur an der „National Test Pilot School“ gemacht. Die EASAEuropäische Agentur für Flugsicherheit, also die Europäische Agentur für Flugsicherheit, ist zuständig für die Sicherheit und den Umweltschutz in der zivilen europäischen Luftfahrt.

Während der Ausbildung lernte ich, wie man Flugversuche plant, sicher durchführt, die Ergebnisse auswertet und abschließend darüber berichtet. Die Ausbildung beinhaltete nicht nur theoretische Unterrichte zu Flugleistungserprobung, Flugeigenschaftserprobung und modernen Flugsteuerungssystemen. Auch eine sehr umfangreiche Einweisung in das Testen von Flugzeugsystemen gehörte dazu. In den praktischen Unterrichtseinheiten plant man eigenständig Flugversuche im Team. Im Flugzeug führt man diese dann mit einem Schülertestpiloten selbst durch, wertet die Ergebnisse aus und berichtet zum Abschluss schriftlich und mündlich darüber. Mein Highlight während der Ausbildung war eine Einweisung in die Flugversuchstechniken. Unter Anleitung eines Testpiloten durfte ich diverse und teilweise extrem dynamische Flugversuchsmanöver selber fliegen.

Zwei Männer stehen lachend vor einem Düsenjet und schütteln sich die Hände

Der erste Überschallflug ist geschafft: "Handshake" mit dem Ausbilder an der "National Test Pilot School" in den USAUnited States of America.

Bundeswehr/Privat

Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit und Ihrem Umfeld besonders?

Meiner Meinung nach gibt es keinen besseren Ingenieurberuf, der auch noch näher am operativen Geschehen um den Piloten ist, als den eines Flugversuchsingenieurs. Während der Praktika in meiner Laufbahnausbildung habe ich die operative Welt des Piloten erstmals im vollen Umfang wahrgenommen. Ich war verblüfft von der schieren Größe und Komplexität dieser für mich „neuen Welt“. Durch meine fliegerische Erfahrung kann ich jetzt die Arbeitslast, die Konzentrationsverteilung und die Denkmuster des Piloten abhängig von der Flugphase viel besser einschätzen und bewerten.

Mein Beruf fordert ein Höchstmaß an Team- und Kommunikationsfähigkeit und bietet keinerlei Routine. Jedes Testvorhaben hat neue und andere Herausforderungen. Und: Man sollte in diesem Beruf weder scheu, noch ein Einzelgänger sein.

Vor einem grauen Flugzeug kniet ein Mensch und spritzt Wasser in die Triebwerke

Auch das Waschen eines mit Enteisungsmitteln kontaminierten Triebwerks gehört zu den Erprobungen eines Testflugingenieurs. Die Versuchsergebnisse zeigen, dass mit einem neuen Verfahren erhebliche Performancegewinne des Triebwerkes erreicht werden …

Bundeswehr/Schneider


von Carina Grawitter

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