Streitkräftebasis
Flugabwehr

Auch für Logistiker Pflicht – der Schutz gegen Bedrohungen aus der Luft

Auch für Logistiker Pflicht – der Schutz gegen Bedrohungen aus der Luft

Datum:
Ort:
Todendorf/Panker
Lesedauer:
4 MIN

„Fliegeralarm! Flieger Rot aus 12:00 Uhr.“ Ein feindliches Luftfahrzeug im Anflug auf eigene Truppe. Dann rattern sechs Maschinengewehre gleichzeitig im eisigen Ostseewind. Treffer! Der Feindflieger dreht ab. Angehörige der 3. Kompanie des Logistikbataillon 472 üben fern ihres bayerischen Heimatstandortes, sich gegen Bedrohungen aus der Luft zu wehren. 

Blick durch das Fliegerabwehrvisier des Maschinengewehrs MG3 in Richtung Ostsee

Der Blick des Schützen durch das Fliegerabwehrvisier des Maschinengewehrs MG3

Bundeswehr/Bastian Fuchs

Spätestens nach dem völkerrechtswidrigen Überfall Russlands auf die Ukraine wurde klar, dass sich auch militärische Einrichtungen sowie die kämpfende Truppe am Boden hinter der eigentlichen Front im Fokus gegnerischer Waffenwirkung befinden. Besonders gilt das für die Einrichtungen und Kräfte der Logistik, ohne die im gesamten Einsatzgebiet bald nichts mehr ginge. 

Bedrohungen für diese rückwärtigen Kräfte kommen dabei vor allem aus der Luft von Drohnen, aber auch von gegnerischen Hubschraubern und Flugzeugen. Diese Systeme können selbst angreifen oder aber einen Aufklärungsauftrag haben, um zum Beispiel logistische Einrichtungen zu finden und als Ziel für andere weitreichende Waffensysteme zu markieren. 

Gegen solche Angriffe aus der Luft müssen sich die Logistikerinnen und Logistiker wie alle Truppengattungen der Bundeswehr mit den eigenen Waffen verteidigen können. Der Begriff dazu in der Bundeswehr ist „Fliegerabwehr aller Truppen“.

Grundlagen der Fliegerabwehr

Zur Erhaltung der grundlegenden Befähigung zur Fliegerabwehr hieß es für 35 Soldatinnen und Soldaten der 3. Kompanie des Logistikbataillons 472 aus dem bayerischen Kümmersbruck Anfang des neuen Jahres, den fast 800 Kilometer entfernten Truppenübungsplatz Todendorf an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste zu erreichen. 

Todendorf ist der einzige Truppenübungsplatz in Deutschland, auf dem das Bekämpfen fliegender Ziele im scharfen Schuss mit Gefechtsmunition möglich ist. Die „Loggis“ wurden an den zur Fliegerabwehr eingesetzten Waffen und Geräten ausgebildet und hatten Schießtraining im Schießsimulator. Zusammen mit den Kameradinnen und Kameraden der in Todendorf beheimateten 1. Staffel der Flugabwehrraketengruppe 61 durchlebten die Angehörigen der 3. Kompanie eine ereignisreiche Ausbildungswoche. 

Dabei mussten am ersten Ausbildungstag zunächst weitere Grundlagen geschaffen werden. Bei Minustemperaturen und eiskaltem Seewind erfolgte der scharfe Schuss auf spezielle Fliegerabwehrscheiben. Zudem wurden zusätzliche Übungen im Todendorfer Schießsimulator absolviert.

Es bleiben nur Sekunden

Ab dem zweiten Ausbildungstag war der scharfe Schuss auf ein echtes Luftziel geplant. Dieses wird dargestellt von einem mit Sensorik zur Trefferaufnahme versehenen Schleppsack, der an einem mindestens 1.200 Meter langen Schleppseil hinter einem Kleinflugzeug hergezogen wird. Dabei sind mehrere aufeinander aufbauende Übungen zu absolvieren: die Bekämpfung eines langsam fliegenden Luftzieles in gleichbleibender Höhe, die Bekämpfung eines absinkenden Luftzieles und schließlich die gleichzeitige Bekämpfung zweier Luftziele. 

Dazu stehen der Kompanie vorrangig die Maschinengewehre MG3 und MG5 zur Verfügung. Die MGs sind entweder auf einem speziellen Dreibein zur Fliegerabwehr montiert oder auf der Drehringlafette eines Fahrzeuges. Als Unterstützungswaffe wurde das Gewehr G36 eingesetzt. Aus bis zu sechs MG-Stellungen bekämpften die Soldatinnen und Soldaten das Ziel. Und das ist gar nicht so einfach, es kommt auf Schnelligkeit und Präzision an. Denn die feindlichen Luftziele befinden sich nur wenige Sekunden im Wirkungsbereich der eigenen Waffen. Im Ernstfall könnte ebenso schnell auch das gegnerische Luftfahrzeug seinerseits die Truppe am Boden bekämpfen.


  • Ein Soldat zielt mit einem Maschinengewehr auf eine Zielscheibe in Richtung der freien Ostsee

    Ein Soldat schießt mit dem Maschinengewehr MG5 auf eine Hubschrauberscheibe zur Vorbereitung auf das Fliegerabwehrschießen

    Bundeswehr/Bastian Fuchs
  • Eine Gruppe von Soldatinnen und Soldaten stehen in ihren Stellungen und bekämpfen das Luftziel

    Das Feuerkommando ist gegeben, die Aufsichten setzen die rote Flagge. Auf Befehl bekämpfen die Schützinnen und Schützen das Luftziel.

    Bundeswehr/Bastian Fuchs
  • Ein Propellerflugzeug zieht am blauen Himmel einen Schleppsack hinter sich her.

    Überflug des Zugflugzeuges mit eingezogenem Schleppsack, dem Luftziel

    Bundeswehr/Bastian Fuchs
  • Ein Propellerflugzeug fliegt tief über den Standabschnitt der Übungsteilnehmer.

    Zum Abschluss der Übung verabschiedet sich der Pilot des Zugflugzeuges durch einen niedrigen Überflug über die Übungsteilnehmer

    Bundeswehr/Bastian Fuchs

Eine Wand aus Blei

Bis zu 240 Schuss werden aus den sechs Stellungen innerhalb kürzester Zeit auf das Ziel abgegeben. Nach wenigen Sekunden meldet die Sensorik des Schleppsackes über Funk die erkannten Treffer. Dabei reichten die Ergebnisse von sechs bis 99 Treffern. Bei sechs Stellungen ist die Übung mit sechs Treffern insgesamt gerade noch bestanden. 

Die Wirkung im Ziel wird durch die große Zahl der Geschosse in der Luft erreicht, die sich wie eine Wand aus Bleikugeln vor das gegnerische Luftfahrzeug und in dessen Flugbahn legen. Ein einziger Treffer kann dabei ausreichend sein, um empfindliche Bauteile der hochkomplexen Fluggeräte zu treffen und diese damit schwer zu beschädigen oder zum Abdrehen zu zwingen. 

Somit ist klar, je mehr Soldatinnen und Soldaten sich mit ihren Handwaffen an der Fliegerabwehr beteiligen, desto höher ist die Aussicht auf Erfolg. Entsprechend wichtig ist es, möglichst alle Angehörigen einer Einheit zu dieser Art der Abwehr feindlicher Luftkriegsmittel zu befähigen. Dieses Ziel haben die beiden beteiligten Einheiten erreicht.

Jetzt nicht nachlassen

Schnell ging die äußerst interessante und aufschlussreiche Ausbildungswoche im hohen Norden zu Ende. Sie fand ihren Abschluss im neunstündigen Rückmarsch nach Kümmersbruck. Die Soldatinnen und Soldaten nahmen viele bleibende Eindrücke und wertvolle Ausbildungserfolge mit nach Hause. Dass der Aufenthalt in Todendorf für seine Frauen und Männer ein voller Erfolg war und sich hierdurch der Ausbildungsstand in einem für seine Kompanie entscheidenden Ausbildungsfeld deutlich erhöht hat, bekräftigt auch der Kompaniechef der „dritten“. 

Nun gilt es, das Erlernte bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch am Heimatstandort sowie bei weiteren Übungsvorhaben anzuwenden. Darüber hinaus ist auch das übrige Personal der Kompanie gleichermaßen zur Fliegerabwehr zu befähigen. Gelegenheit dazu sollte sich spätestens Ende 2024 bieten, wenn die 3. Kompanie wieder in Todendorf das Fliegerabwehrschießen übt.

von Rico Schubert  E-Mail schreiben

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