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Der Beauftragte für PTBS im Interview – Teil 1 (Sprechertext)

Moderator: „Aus gegebenem Anlass, heute ist nämlich Weltgesundheitstag, widmen wir uns einem Thema, das nach wie vor Fingerspitzengefühl erfordert, aber nicht vernachlässigt werden darf. Die Rede ist von Posttraumatischen Belastungsstörungen, kurz PTBS. Die Einsätze der Bundeswehr gehen mit Belastungen einher, die selbst den bestausgebildeten und kerngesunden Soldaten körperlich und geistig bis an die Grenzen fordern und auch überfordern können. Deshalb ist die Verbesserung von Maßnahmen zur Prävention, Betreuung und Versorgung von Einsatztraumatisierten zentrales Thema in der Bundeswehr. Dafür gibt es seit November 2010 eine zentrale Ansprechstelle direkt im Bundesministerium der Verteidigung. Brigadegeneral Christof Munzlinger ist dort der neue Beauftragte für einsatzbedingte Posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatztraumatisierte. Er spricht jetzt mit mir über das Thema PTBS in der Bundeswehr. Einen schönen guten Tag Herr General.

Munzlinger: „Ja, hallo und guten Tag nach Mayen.

Moderator: „Den Begriff PTBS, also Posttraumatische Belastungsstörung, hat jeder schon einmal von uns wahrscheinlich gehört. Aber was genau dahinter steckt wissen die wenigsten. Herr General, können sie das Krankheitsbild und die Symptome einmal kurz beschreiben? Was ist PTBS?

Munzlinger: „Eine PTBS tritt meist fast immer mit einer Verzögerung auf. Also: Wenn ich heute ein schlimmes Erlebnis hab. Ich war in einem Anschlag verwickelt. Ich hab einen Kameraden fallen sehen oder gesehen wie Kameraden verwundet worden sind. Das können ja alles Trigger sein. Dann hab ich nicht am nächsten Tag eine PTBS, sondern dann hab ich zunächst mal eine Belastung und das würde jedem so gehen. Wir sind ja alle mit Herz und mit Gefühl dabei. Aber wenn das sozusagen verzögert auftritt, nach einem halben Jahr, nach neun Monaten, nach einem Jahr, nach zwei Jahren, und ich durch irgendein Ereignis an genau dieses Ereignis und zwar immer wieder erinnert werde, dann hab ich vermutlich eine PTBS.

Moderator: „Ja und warum besteht ihrer Meinung nach gerade im Bereich PTBS ganz spezieller Handlungsbedarf jetzt noch in der Bundeswehr?"

Munzlinger: „Der Handlungsbedarf in der Bundeswehr ist deshalb gegeben, weil jeder einzelne Fall für uns eine Fürsorgepflicht hervorruft und auch für mich sozusagen Kameradschaft und Empathie erfordert. Wenn die Zahl gemessen an den Einsätzen und an den Soldaten auch überschaubar ist. Aber jeder ist einer zuviel. Und jeder verdient die beste Versorgung, die beste Fürsorge und wenn es ganz schlimm kommt auch die beste Versorgung. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir in der Bundeswehr uns dieser Problematik stellen, ohne Vorbehalte. Und ich denke, da hat auch schon ein Wandel eingesetzt, und das ist auch gut so. Aber wir dürfen dort nicht nachlassen.

Moderator: „Es ist also scheinbar schon einiges passiert. Aber wie genau soll es weiter gehen, Herr General? Wie sollte denn in Zukunft mit PTBS umgegangen werden?

Munzlinger: „Wir müssen aufklären. Es ist ganz wichtig, dass das Thema enttabuisiert wird. Denn das ist ja schon so in der Bundeswehr. Wir wollen tapfer sein, wir wollen im Prinzip Schwächen nicht zugeben, wenn sie denn da sind. Eine PTBS, das ist kein Schicksal, und das kann jedem passieren. Es gibt da auch keine Impfung dagegen, und das kann den Obergefreiten genauso treffen, wie den General. Und das hat nichts mit Versagen zu tun. Und um noch eine Zahl zu nennen: Wir hatten letztes Jahr in der Bundeswehr 729 Fälle. Da waren Altfälle, in Anführungszeichen, dabei, wo die Ursache Jahre zurück lag. Und dann gab es Neukrankmeldungen, rund ein Drittel von diesen 729 Fällen.

Moderator: „Ja vielen Dank, Herr General an dieser Stelle. Das war Brigadegeneral Christof Munzlinger zum Thema PTBS in der Bundeswehr. Er ist der neue Beauftragte für einsatzbedingte Posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatztraumatisierte im Bundesministerium der Verteidigung. Mit Ihm spreche ich gleich noch weiter über die aktuelle Dunkelzifferstudie und über den Umgang mit PTBS bei uns in der Bundeswehr.

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Stand vom: 03.12.13


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