Militärische Übungen

Standfeste Verteidiger und steigende Hengste: Wie Übungen zu ihren Namen kommen

Militärische Übungen haben oft ungewöhnliche oder auffällige Namen. Doch die Namenswahl erfolgt nicht zufällig. So können sich aus dem Namen Initiator, Art und Ausrichtung einer Übung ableiten lassen. Ein Einblick in die Namensfindung.

Ein Kampfpanzer Leopard schießt auf dem Truppenübungsplatz. Ein Feuerball kommt aus der Kanone.

Schneller Adler, Gelber Merkur, Stolzer Wettiner – Namen militärischer Übungen können auf den ersten Blick zufällig wirken. Doch sie folgen einer Systematik: „Wenn man weiß, wie die Namensgebung funktioniert, erlauben Übungsnamen zahlreiche Rückschlüsse auf die Übung – auf Art und Zielrichtung, auf teilnehmende Verbände und teilweise sogar auf die Klimazone, in der die Vorhaben stattfinden“, sagt Oberstleutnant i. G. Markus H.*, Referent Übungen in der Abteilung Führung Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung. Den Namen einer Übung legt grundsätzlich der Verband, die Teilstreitkraft oder die Organisation fest, die die Übung organisiert. Übungsserien werden dabei oft um eine Jahreszahl ergänzt.

 

Jede Organisation mit eigener Systematik

In der Bundeswehr werden für die Namensfindung andere Systematiken genutzt als beispielsweise in den USUnited States-amerikanischen Streitkräften oder in der NATONorth Atlantic Treaty Organization. So verteilen die USA Buchstabenblöcke nach dem Zufallsprinzip, die als Anfangsbuchstaben für die Übungsnamen verbindlich sind. Bei der Namensgebung selbst gibt es keine weiteren Vorschriften. Der U.S. Army Europe sind dabei die Buchstaben SR zugeordnet, der U.S. Army Southern European Task Force, Africa die Kombination JA. Im Ergebnis heißt eine multinationale Luftlandeübung in Europa Swift Response, eine Kriseninterventionsübung in Ostafrika dagegen Justified Accord. 

Doch auch auf sinnhafte Akronyme greifen die USUnited States-Streitkräfte gern zurück – „die hohe Kunst der Namensfindung“, so H. Als Beispiel nennt er die Übungsserie Defender, ausgeschrieben Dynamic Employment of Forces to Europe for NATONorth Atlantic Treaty Organization Deterrence and Enhanced Readiness. „Dabei geht es um die Verlegung transatlantischer Verstärkungskräfte nach und durch Europa zur Abschreckung potenzieller Gegner an den NATONorth Atlantic Treaty Organization-Außengrenzen – alles zusammengefasst im Übungsnamen“, erklärt der Referent.

Übung Noble Jump

Blick über den Tellerrand

Deutsche und norwegische Panzersoldaten in Italien

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Standhaft steht für SHAPESupreme Headquarters Allied Powers Europe: die Namen der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Übungen

Bei NATONorth Atlantic Treaty Organization-Übungen lässt sich das organisierende Kommando aus dem Übungsnamen ableiten. Alle Übungen, für die das Allied Joint Force Command der NATONorth Atlantic Treaty Organization in Brunssum, Belgien, verantwortlich ist, beginnen mit Brilliant. Werden sie vom NATONorth Atlantic Treaty Organization Allied Joint Force Command in Neapel, Italien, organisiert, tragen sie ein Noble im Namen. Steadfast steht für SHAPESupreme Headquarters Allied Powers Europe, das NATONorth Atlantic Treaty Organization-Oberkommando in Europa. So kommen Namen zustande wie Noble Jump für die multinationale Verlegeübung der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Speerspitze VJTFVery High Readiness Joint Task Force oder Steadfast Cobalt für die größte NATONorth Atlantic Treaty Organization-Übung zu militärischen Kommunikations- und Informationssystemen. 

Der erste Buchstabe des zweiten Namensbestandteils weist bei NATONorth Atlantic Treaty Organization-Übungen in der Regel auf die Ausrichtung oder Botschaft der Übung hin. Stehen Abschreckungs- und Verstärkungsmaßnahmen im Vordergrund, beginnt der Name oft mit D für Deterrence (Abschreckung) und Defence (Verteidigung). Auch ein Shield (Schutzschild) signalisiert den Verteidigungscharakter einer Übung. Geht es um einen Gegenangriff, heißen die Übungen Response (Antwort), Storm (Sturm) oder Strike (Schlag). Bei Verlegeübungen wird gern Jump (Sprung) verwendet. Ein Combined weist zusätzlich auf Multinationalität hin, ein Joint auf die Beteiligung von Land-, See- und Luftstreitkräften. 

Bundeswehr: Farbauswahl markiert Übungsart

In der Bundeswehr werden Übungsnamen oft mit Verbandsabzeichen der durchführenden Verbände verknüpft oder stellen regionale Bezüge her“, erklärt H. So findet sich das Schwert im Wappen des 1. Deutsch-Niederländischen Korps in deren Sword-Übungsserie wieder. Bei der Gebirgsjägertruppe verweist der Berglöwe auf die Region.

Zusätzlich werden Farben genutzt, um die Übungsform näher zu beschreiben. So steht Gelb für eine Fernmeldeübung wie bei Gelber Merkur, Grün für eine Volltruppenübung wie bei Green Griffin und Schwarz für die Spezialkräfte wie Black Dagger. Englische Übungsnamen sind dabei auf dem Vormarsch, gerade bei multinationalen Übungen. 

Doch aufgrund der verschiedenen Namenskonventionen kommt es dabei auch zu Verwechslungen. So existieren mehrere Übungsserien mit dem Namen Greif oder Griffin, darunter die Griffin-Übungsserie der Division Schnelle Kräfte, die Verlege- und Gefechtsübung Griffin Lightning der deutschen eVAenhanced Vigilance Activities-Brigade in Litauen und die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Gefechtsstandübung des gleichen Namens.

Neue Namenskonvention für das Übungscluster Quadriga

Für das Übungscluster Quadriga hat die Bundeswehr einen gesonderten Namenspool. Quadriga verbindet nationale Übungen mit Vorhaben von NATONorth Atlantic Treaty Organization und Europäischer Union zur Stärkung der Landes- und Bündnisverteidigung. 2023 liegt der Fokus auf der Luftverteidigungsübung Air Defender. Im Juni 2023 trainieren dabei bis zu 10.000 Übungsteilnehmer aus 25 Nationen unter der Führung der Luftwaffe Luftoperationen im europäischen Luftraum. 2024 bildet die größte Heeresübung der vergangenen 30 Jahre den Schwerpunkt des Übungsclusters Quadriga.

Aufgrund der multinationalen Ausrichtung der Übungsserie tragen alle Einzelvorhaben englische Namen. Die jeweils verantwortlichen Teilstreitkräfte, Organisationsbereiche und Führungskommandos der Bundeswehr sind dabei am ersten Teil des Namens erkennbar.

So beginnen die Übungsnamen der Luftwaffe mit Air, die der Marine mit Northern und die des Heeres mit Grand. Brave bezeichnet Quadriga-Übungen der Streitkräftebasis, Medic die des Sanitätsdienstes. Silver steht für reine Spezialkräfte-Übungen. Das Kommando Cyber- und Informationsraum hat sich für Chronos entschieden. 

*Name zum Schutz des Soldaten abgekürzt.

Steigende Hengste, genaue Antworten: Was Übungsnamen bedeuten

Übungen haben oft seltsame Namen. Aber richtig gelesen, geben sie Hinweise auf die Teilnehmenden, den Übungszweck und manchmal sogar die Klimazone.