Übung in der Slowakei

Der Schützenpanzer Puma bei Rising Bear

Der Schützenpanzer Puma bei Rising Bear

Datum:
Ort:
Lešť
Lesedauer:
4 MIN

In Vorbereitung auf die NATO-Zertifizierungsübung der enhanced Vigilance Activities Battle Group in der Slowakei durchlaufen die Kompanien Übungen, die in ihrer Komplexität zunehmen. Bei der ersten Übung Rising Bear standen Versorgung, Verlegung der Kräfte und das Verzögerungsgefecht im Mittelpunkt. Daneben wurden verschiedene Szenarien eingespielt.

Mehrere Schützenpanzer fahren hintereinander

Im Marschband der Kettenfahrzeuge waren neben den Schützenpanzern Puma ein tschechischer BMP und ein Bergepanzer 3 Büffel eingegliedert

Bundeswehr/Sebastian Nothing

Pünktlich um 7 Uhr starten die Motoren der Schützenpanzer Puma an diesem noch nebelverhangenen Morgen auf dem Truppenübungsplatz Lešť in der Slowakei. Für Außenstehende wirkt das Hin- und Herlaufen der Soldatinnen und Soldaten im Gefechtsanzug zwischen den Fahrzeugen fast wie das Treiben auf einem Ameisenhaufen. 

Doch beim genaueren Hinsehen wird klar: Es sitzt jeder Handgriff – jeder weiß, was zu tun ist, jeder kennt seinen Auftrag. Dieser lautet zunächst, in zwei Kolonnen den Versorgungspunkt zu erreichen – eine Kolonne mit Radfahrzeugen und Unterstützungskräften und die andere mit den Kettenfahrzeugen. Pünktlich setzen sich die Schützenpanzer Puma und die Radfahrzeuge in Bewegung.

Versorgung: Tanken, Nachschub und Munition empfangen

Am Versorgungspunkt wird die Kampfkompanie mit ihren Fahrzeugen von multinationalen Kräften der eVAenhanced Vigilance Activities-Battlegroup empfangen. Diese stellen den Nachschub mit Kraftstoff, Munition und anderen Versorgungsgütern sicher. Ziel hier: die Abläufe an einem Bataillonsversorgungspunkt mit den verschiedenen Kompanien der Battlegroup üben. 

Aus Sicht der Führung der Battlegroup klappt sowohl die Leitung der Fahrzeuge zu den einzelnen Stationen als auch die Zuweisung der jeweiligen Versorgungsgüter reibungslos. Nachdem alle Kraftfahrzeuge versorgt sind, lautet der Befehl, den zugewiesenen Verfügungsraum zu erreichen – das ist ein Bereich im Gelände, in dem sich die militärischen Kräfte sammeln und für weitere Aufträge bereithalten.

Ein Geländefahrzeug und ein Radpanzer fahren zum Tanken

Abläufe müssen geübt werden, gerade im multinationalen Umfeld, um einheitliche Verfahren zu gewährleisten

Bundeswehr/Sebastian Nothing

Eigensicherung, Tarnen und Täuschen

Wieder geht es in zwei Kolonnen in den befohlenen Verfügungsraum. Nachdem dieser erreicht ist, stellen sich die Züge der Kampfkompanie im Gelände so auf, dass eine Rundumsicherung gewährleistet ist. Zusätzlich werden Stellungen erkundet und Alarmposten um den eigenen Standort bezogen. Fahrzeugspuren werden verwischt oder beseitigt und die Fahrzeuge getarnt, sodass diese schwerer aufzuklären sind. 

Regelmäßig patrouillieren Streifen im Umfeld der eigenen Stellungen, um etwaige Eindringversuche frühzeitig zu erkennen. So wird in einer Lage eine unbekannte Drohne am Himmel entdeckt und ihre Bekämpfung simuliert. Auch wird ein feindliches Aufklärungskommando in der Nacht frühzeitig entdeckt, bekämpft und an die Feldjägerkräfte übergeben. Alle Übungslagen im Verfügungsraum sind am Morgen sauber abgehandelt und werden an die Führung der Battlegroup gemeldet.

Neuer Auftrag: Verzögerung vorbereiten

Im Morgengrauen bewegen sich die Gefechts- und Radfahrzeuge aus ihren Stellungen im Verfügungsraum. Denn am Vorabend hat die Kampfkompanie von der Battlegroup einen neuen Befehl erhalten. Sie soll sich am nächsten Tag auf die Verzögerung des erwarteten feindlichen Angriffs im gestellten Szenario vorbereiten. Dazu sind zunächst die von anderen Teilen der Battlegroup vorbereiteten Sperren im zugewiesenen Gefechtsstreifen – der Bereich des Geländes, in dem die Kräfte der Kampfkompanie verteidigen sollen – zu übernehmen. 

Zudem beziehen die Schützenpanzer Puma günstige Stellungen, aus denen Feindkräfte beobachtet und bekämpft werden können. Parallel dazu haben sich die Kräfte der Kampfunterstützung mit ihrem Bergepanzer 3 Büffel, dem Sanitäts-Radpanzer Boxer und anderen Fahrzeugen im rückwärtigen Raum gesammelt. Von hier aus können sie zügig auf verschiedene Situationen wie einen Fahrzeugausfall oder verletzte eigene Kräfte reagieren.

Ein abgesessener Soldat mit Waffe im Anschlag, daneben ein Schützenpanzer

Schützenpanzer Puma und abgesessene Panzergrenadiere bilden eine Kampfgemeinschaft, die ihre jeweiligen Stärken gekonnt einsetzt

Bundeswehr/Sebastian Nothing

Den Feind verzögern

Wenige Stunden später meldet der Aufklärungs- und Verbindungszug den vorrückenden Feind. Dieser wird durch Lastkraftwagen und Schützenpanzer BMP dargestellt. Die Meldungen werden an die Battlegroup weitergegeben, welche daraufhin das Verzögerungsgefecht befiehlt, bis eigene Verstärkungskräfte zugeführt werden. 

Koordiniert eröffnen die Schützenpanzer Puma von vorne und aus den Flanken das Feuer auf den Feind. Schwarzer Rauch steigt auf und simuliert ein vernichtetes Gefechtsfahrzeug. Das erste Gefecht ist erfolgreich geführt, nun gilt es, sich zu lösen und die Wechselstellung zu beziehen. Überschlagend weichen die Pumas aus und bekämpfen dabei den langsam vorrückenden Feind weiter. 

Die eigenen Kampfunterstützungskräfte weichen dabei im gleichen Zuge immer weiter mit aus. Wenige Stunden später ist die letzte vorgegebene Verteidigungslinie erreicht. Hier soll der Feind aufgefangen und so am weiteren Vorrücken gehindert werden.

Verzögerungsgefecht geführt, Auftrag erfüllt

Feindkräfte laufen auf die vorbereitete Sperre auf. Der Angriffsschwung ist zunächst genommen. Auf diesen Augenblick hat der Chef der Kampfkompanie gewartet: Er fordert einen Artillerieschlag auf den nun stehenden Feind an. Augenblicke später simuliert weißer Nebel die Artillerieschläge und schwarzer Nebel vernichtende Treffer. 

Die Situation nutzend, befiehlt der Kompaniechef einen Gegenstoß aus der linken Flanke. So schnell wie die Puma angegriffen haben, sind sie unter eigenem Deckungsfeuer wieder ausgewichen. Nach dieser letzten Aktion endet die Übung Rising Bear. 

Abschließend wird die Übung durch die Schiedsrichter und Führungskräfte der Battlegroup bewertet: Die deutsche Kampfkompanie hat den an sie gestellten Auftrag zur Verzögerung voll erfüllt und alle eingespielten Lagen vorbildlich gelöst.

von Sebastian Nothing

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