Oberregierungsrätin und Hundeführerin

Oberregierungsrätin und Hundeführerin

  • Menschen
  • Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
5 MIN

Große braune Augen mustern aufmerksam jeden Besuchenden im Büro von Christina Sonntag. Neugierig hebt der Hund seinen Kopf, läuft zur Tür und begrüßt schwanzwedelnd die Gäste. Cisco ist ein ausgebildeter Rettungshund und Christina Sonntag die dazugehörige Hundeführerin. Der Hund begleitet sein Frauchen nicht nur im ehrenamtlichen Einsatz, er weicht auch im BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr kaum von ihrer Seite.
 

Eine Frau kniet neben einem Hund auf einer Wiese

Christina Sonntag und Cisco sind privat und im Arbeitsalltag ein unzertennliches Team.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Am Hals von Cisco baumelt ein Metallplättchen mit einem Roten Kreuz. Das Zeichen, dass es sich bei dem Holländischen Schäferhund um einen Rettungshund des DRKDeutsches Rotes Kreuz handelt. Zusammen mit seinem Frauchen bildet er ein Team in der Rettungshundestaffel des DRKDeutsches Rotes Kreuz Ortsvereins Bensheim e.V.eingetragener Verein „Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander und sind ziemlich gut aufeinander eingespielt,“ sagt Christina Sonntag. Im BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr ist die stellvertretende Projektleiterin für die sogenannten lokalen verlegefähigen Netzwerke der Bundeswehr zuständig. Mit ihrem Team sorgt sie unter anderem dafür, dass den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz Netzwerke zur Verfügung stehen. Eine Aufgabe, die ihre volle Konzentration erfordert, denn Kommunikation im Einsatz kann für die Kräfte überlebenswichtig sein. Am Wochenende pendelt sie regelmäßig zwischen Koblenz und ihrer Heimat. Um die Bindung zwischen Mensch und Hund zusätzlich zu stärken, stellte sie einen Antrag auf das Einbringen von Tieren in Liegenschaften der Bundeswehr. Ihr Vorgesetzter sah dies als Chance, das Engagement im Ehrenamt zu würdigen und befürwortete den Antrag.

Im ersten Einsatz einen Menschen gerettet

Ein brauner Hund liegt auf dem Parkettboden

Cisco liegt entspannt aber aufmerksam im Büro auf dem Boden.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Im vergangenen Jahr, kurz nachdem die Rettungshundeprüfung bestanden war, kam es zum ersten „scharfen“ Einsatz. Der Sonntag begann mit dem üblichen Training in der Hundestaffel, bevor die Sanitätshelferin zu einem Betreuungseinsatz nach einem Badeunfall gerufen wurde. Kurz nach Einsatzende wurden Christina Sonntag und Cisco erneut alarmiert. Zusammen mit Teams der Rettungshundestaffel Bergstraße-Odenwaldkreis e.V.eingetragener Verein, der Fachgruppe Ortung des Technischen Hilfswerks (THW) Viernheim, dem THW Bensheim und eigenen Kräften ging es in das zugeteilte Suchgebiet. Niemand wusste, ob sich die gesuchte Person überhaupt in dem Bereich befand oder wie der gesundheitliche Zustand war. Plötzlich bellte Cisco, er hatte die vermisste Person tatsächlich in seinem ersten Einsatz gefunden! Zusammen mit einer Kameradin leistete die Hundeführerin Erste Hilfe und übergab den Patienten an die nachalarmierten Rettungskräfte. „Cisco sieht das alles als großes Spiel. Während seiner Ausbildung lernt er, dass auch fremde Personen interessant sind und es sich lohnt, diese zu suchen und zu finden. Er zeigt gefundene Personen durch Verbellen an und erwartet dann seine Belohnung in Form von Futter. Es macht für ihn keinen Unterschied, ob es sich um einen Einsatz oder eine Übung handelt - im Gegensatz zu mir“, weiß Sonntag. Der ausgeprägte Futtertrieb von Cisco erleichtert die Ausbildung und die tägliche Zusammenarbeit.

Dieser Beitrag wird nicht dargestellt, weil Sie Twitter in Ihren Datenschutzeinstellungen deaktiviert haben. Mit Ihrer Zustimmung aktivieren Sie alle Twitter Posts auf bundeswehr.de.

Im Referat ist der Hund beliebt

Ein Hund liegt auf dem Rücken und schaut in die Kamera

Cisco weiß genau wie er sich in Szene legen muss.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Cisco gehört mittlerweile fest zum Referat. Die Türen der Büros sind immer offen, man wartet regelrecht auf den Hund, um sich mit ihm zu beschäftigen. „Wir konzentrieren uns täglich auf unsere Arbeit. Es ist toll, wenn dann der Hund ins Büro kommt und einen anstupst, um gestreichelt zu werden. In den gemeinsamen Pausen beschäftigen wir uns bewusst mit dem Tier. Da bekommt man den Kopf richtig frei“, sagt Projekt- und Teamleiter Oberstleutnant Maurizio Klug. Mit einem Schmunzeln fügt Referatsleiter Dirk Müller hinzu: „Wer bei uns eine Stelle besetzen möchte, darf keine Angst vor Hunden und schon gar keine Allergie haben. Regelmäßige Streicheleinheiten des Hundes sind in der Stellenbeschreibung fest integriert.“ Der Leitende Technische Regierungsdirektor ist stolz auf seine Mitarbeiterin, die einen Großteil ihrer Freizeit im Ehrenamt verbringt.

Dirk Müller, Referatsleiter
Das gelegentliche Herumschnüffeln und das Einfordern von Streicheleinheiten stärkt den eh schon tollen Umgang miteinander hier im Referat!

Klagen über den Hund gab es bis jetzt von den Angehörigen seines Referates keine - außer, wenn die Oberregierungsrätin den Hund nicht mitbringt. Wenn Cisco zu Hause bleibt, fehlt einfach das gewisse Etwas im Gebäude der ITInformationstechnik-Experten. Fragende Blicke gab es bis jetzt nur während einer Videokonferenz, als plötzlich ein Schnarchen im Hintergrund zu hören war.

Aruba steht schon bei Fuß

Eine Frau trägt eine rote Jacke des DRK und hat einem Welpen auf dem Arm

Bald im Einsatz: Der neun Wochen alte Welpe Aruba soll ebenfalls zum Rettungshund ausgebildet werden.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Aruba ist der zweite Hund von Christina Sonntag. Der Welpe ist neun Wochen alt und ebenfalls ein Holländischer Schäferhund. Für den kleinen Hund ist der Antrag auf das Einbringen von Tieren in Liegenschaften der Bundeswehr bereits gestellt. Ihren kleinen Knopfaugen kann allerdings niemand widerstehen. Zurzeit schläft Aruba noch viel unter dem Schreibtisch. Selbstverständlich wird Christina Sonntag den kleinen Hund ebenfalls zum Rettungshund ausbilden. Das Training beginnt schon in den nächsten Tagen. Ab einem Alter von sechs Monaten durchläuft die Hündin dann einen Rettungshunde-Eignungstest. Besteht sie diesen und weitere Prüfungen, steht einer Karriere als Rettungshund nichts im Weg.Im Gegensatz zu Cisco ist Aruba eher verspielt. Aber auch das kann man sich sehr zu Nutze machen“, lacht Christina Sonntag. Sie ist sehr froh, dass Cisco und bald (hoffentlich) auch Aruba mit zur Arbeit kommen dürfen. „Ich habe unfassbares Glück hier. Ich bin sehr froh und dankbar, wie wir von meinem Referatsleiter und dem gesamten Team unterstützt werden“.

'Nerdige' Namensgebung

Angesprochen auf die außergewöhnlichen Namen der Hunde erzählt die Hundeführerin und Oberregierungsrätin: „Cisco stammt aus einem sogenannten C-Wurf. Entsprechend muss der erste Buchstabe im Namen des Hundes mit einem C beginnen. Nach langem Stöbern im Internet bin ich am Ende auf Cisco gestoßen. Da ich mich im BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr auch mit Netzwerkkomponenten befasse, fand ich den Namen irgendwie passend.“ Getreu dem Motto „Ein guter Router findet immer einen Weg“ wurde der Hund so benannt. Bei Aruba war es ähnlich: Der Welpe entstammte einem A-Wurf. Was liegt da näher, als ihm den Namen eines Herstellers für Komponenten von drahtlosen Netzwerken zu geben? „Zugegeben, das ist irgendwie schon etwas ungewöhnlich, einige bezeichnen es auch als 'nerdig' aber es passt einfach und beide Namen lassen sich gut rufen“.

Ein Soldat hat einen Welpen auf dem Arm

Aruba ist ein gern gesehener Gast im BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

Bundeswehr/Dirk Bannert
Ein Welpe sitzt im Gras

Aruba ist erst neun Wochen alt aber startet bald in die Ausbildung zum Rettungshund.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Fragen an Christina Sonntag

Dennis König

Was sind Ihre derzeitigen Aufgaben im BAAINBw?

Ich bin verantwortlich für die referatsinterne Koordination der Projektaktivitäten. Als stellvertretende Projektleiterin verantworte ich darüber hinaus die technische Einsatzreife der beiden Projekte Teilnehmernetzwerk, verlegefähig und verlegefähige Accessnetze der Bundeswehr 1. Los. Grundsätzlich basieren diese Projekte auf handelsüblicher Technik. Trotzdem müssen die Netzwerke unter militärischen Einsatzbedingungen funktionieren.

Dennis Köng

Welche Herausforderungen meistern Sie dabei?

Die Anforderungen an die Umwelteinflüsse (Temperaturen, Staub, Feuchtigkeit) sind hoch und bei den meist empfindlichen Netzwerkkomponenten nur durch zusätzlichen Schutz zu erfüllen. Dabei sollen die Netzwerke aber auch kompakt sein und wenig Gewicht aufweisen. Gleichzeitig sollen sie auch möglichst einfach bedienbar sein. Das ist anspruchsvoll. Wenn man dann aber die Chance hat, persönlich die Systeme live im Einsatz zu sehen, von den verantwortlichen Netzwerkadministratoren positives Feedback aber auch Kritik erhält – ist das unbeschreiblich! Von diesen Erfahrungen profitieren wir und die Soldaten im Einsatz, denn diese lassen wir direkt in die Projekte einfließen.

Dennis König

Was hat Sie dazu bewegt, sich ehrenamtlich im DRK zu engagieren?

Die Rettungshundestaffel! Der Wunsch nach einem eigenen Hund war schon lange da. Aber auch die Bedenken, ihm gerecht zu werden. Die anspruchsvolle Teamarbeit zwischen Mensch und Hund in Verbindung mit dem Gedanken etwas Gutes zu tun machten mich neugierig. Also habe ich mir das genauer angeschaut. Ich begann bei der Rettungshundestaffel als Helfer ohne Hund und habe mich für die Rettungshundeteams im Wald versteckt. Ich hatte anfangs die Hoffnung, dass mir die Arbeit mit Hunden allgemein genügen würde. Schnell war mir klar, dass das Gegenteil der Fall ist. Nach etwas über einem Jahr zog Cisco bei mir ein.

Dennis König

Wieviele Stunden Training waren bis zum Abschluss der Ausbildung nötig?

Grundsätzlich sagt man nach zwei bis drei Jahren ist das Team „prüfungsreif“. Die Ausbildung zum Rettungshundeführer umfasst Kynologie, die Lehre von Rassen, Zucht, Pflege, Verhalten, Erziehung und Krankheiten der Hunde. Außerdem Erste Hilfe am Hund, Orientierung, Sicherheit im Einsatz, Einsatzlehre und viele Aus- und Fortbildungen. Außerdem haben wir die Helfergrundausbildung inklusive einer Sprechfunkausbildung beim DRK absolviert, eine Sanitätsdienstausbildung abgeschlossen und müssen uns auch hier immer wieder fortbilden. Wir sind als Angehörige der Rettungshundestaffel Teil der Bereitschaft unserer Ortsvereinigung und nehmen Sanitätsdienste an Festen und Sportveranstaltungen wahr. Da kommen zusätzlich zum Training mit dem Hund viele Stunden zusammen.

Dennis König

Wie hoch sind die "Lebenswegkosten" eines Rettungshundes?

Unsere Ausrüstung stellt uns das DRK. Hierzu zählen meine PSA (Persönliche Schutzausrüstung) und Cisco’s Kenndecke. Sollte sich Cisco beim Training oder im Einsatz verletzten, so werden auch diese Kosten übernommen. Neben den normalen Kosten für einen Hund kommen Ausgaben für spezielle Fortbildungen. Wir nehmen zum Beispiel regelmäßig im Winter an einem einwöchigen Schneetraining im Allgäu teil. Auch den Rest des Jahres gibt es immer wieder mal die Möglichkeit an speziellen Intensivtrainings teilzunehmen. Diese Kosten tragen wir oft selbst. Anfänglich habe ich tatsächlich alle Ausgaben für Cisco aufgeschrieben. Irgendwann habe ich es aufgegeben. Die teuerste Anschaffung war ein neues Auto. Bei meinem alten Auto war einfach der Kofferraum für Hund und Ausrüstung zu klein.

Externe Links

von Dennis König

Menschen im Organisationsbereich AINAusrüstung, Informationstechnik und Nutzung

Lernen Sie weitere Beschäftigte und ihre interessanten Aufgaben kennen.