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Resolute Support: Erprobtes Knowhow für eine junge Armee

Masar-i Scharif, Afghanistan, 11.01.2016, Bundeswehr aktuell.
Eigentlich hätte Resolute Support mit dem Jahreswechsel enden sollen. Doch die Beratungsmission in Afghanistan geht weiter. Warum eigentlich?

Deutscher Ausbilder und afghanische Soldaten

Der Umgang mit Mörsern ist eines der Themen, bei denen die afghanischen Streitkräfte noch Unterstützung brauchen. (Quelle: Peter Straub)Größere Abbildung anzeigen

So ein wenig hat es was von einem internationalen Bus-Stopp, das Vorfeld im Feldlager Camp Marmal in Nordafghanistan. Auf die Minute pünktlich rollen hier jeden Morgen die Helis vor und bringen die Soldaten der Beratungsmission Resolute Support (RS) zu ihren afghanischen Partnern im 20 Kilometer entfernten Camp Shaheen. “Save Haven“ heißt der dortige Landeplatz inmitten der afghanischen Kaserne, die das Ausbildungszentrum im Norden Afghanistans ist.

Einer der Berater ist Oberleutnant Thomas S. Er ist Ausbildungspartner für die Presse-Offiziere im Public Affairs Office (PAO) des 209. Afghanischen Korps. „Auch in Afghanistan besteht großes Interesse an der Arbeit der Armee. Die Presseoffiziere hier sind die Ansprechpartner für alle Medien“, erklärt der deutsche Offizier, der durch „Train, Advise and Assist“ (TAA) an der Kernaufgabe des RS-Auftrags beteiligt ist.

Das Besondere an der Zusammenarbeit mit den afghanischen Soldaten ist es, die richtige Vorgehensweise unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kulturen und Denkweisen zu finden. „Die Afghanen leben mehr in der Befehlstaktik, außerdem muss man realisieren, dass es ein Land im Krieg ist, mit ganz anderen Blickwinkeln und anderem Bildungsniveau als in Deutschland“, beschreibt Thomas S. seine Erfahrungen. „Man merkt, dass es eine sehr junge Armee ist, die ihren eigenen Weg finden will, gerade im Beratungsprojekt Public Affairs ist daher das interkulturelle Verständnis sehr wichtig“.

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Ein Land im Krieg

Geht man durch das Camp Shaheen findet man zahlreiche Ausbildungsprojekte, in denen das Konzept „Train the Trainer“ angewendet wird. Der afghanische Oberst Attaulla ist für die Ausbildung im 209. Korps zuständig und beschreibt die momentane Situation. „Rund 1.400 Rekruten bekommen wir hier alle neun Wochen zur Grundausbildung. Diese führen wir eigenständig durch. Die RS-Berater unterstützen uns bei der Ausbildung unserer Ausbilder. Die wichtigsten Themen sind das Aufspüren und Beseitigen von IED-Sprengsätzen, Sanitätsausbildung und der Umgang mit Mörsern und Artillerie.“

Auch Attaulla betont, dass Afghanistan ein Land im Krieg, und der Aufbau der Streitkräfte noch nicht abgeschlossen ist. „Deutlich mehr gepanzerte Fahrzeuge wie etwa die amerikanischen Humvees“, sieht er als eines der wichtigsten Ausrüstungsmittel, die der Armee noch fehlen.

Resolute Support läuft seit einem Jahr, das Schwerpunktthema „Train,Advise and Assist“ wird im Kommandobereich des TAAC-North vom deutschen Oberst Andreas Prüfert geführt. Sein „Afghan National Army Hybrid Advisory Team“ (ANA HAT) betreut verschiedenste Beratungsprojekte.

„Rund 45 Themen laufen gerade, dabei sind Berater aus elf Nationen im Einsatz, fünf Projekte werden von Bundeswehrsoldaten betreut“, so Andreas Prüfert. „Manche Projekte konnten schon erfolgreich abgeschlossen werden, manche starten jetzt erst. So hat sich herausgestellt, dass die Afghanen keine Erfahrungen mit der gemeinsamen Luftraumnutzung haben. Hier besteht beim gleichzeitigen Einsatz von Lufttransport, Luftnahunterstützung, Mörser-und Artilleriefeuer noch großer Beratungsbedarf. Dies sind Fähigkeiten, die momentan erst im Aufbau sind“, so Oberst Prüfert.

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Zu ambitionierter Zeitplan

Der ursprüngliche Zeitansatz von einem Jahr für Resolute Support war zu optimistisch gewählt. Die aktuelle Sicherheitslage und der weiter anhaltende Aufbau der afghanischen Streitkräfte auf 195.000 Soldaten ergeben noch große Arbeitsfelder. Die Afghanen sind an weiterer Unterstützung sehr interessiert. Das hat der Besuch im Camp Shaheen gezeigt. Die Berater werden respektiert und sind fester Bestandteil im afghanischen Ausbildungsbetrieb.

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Stand vom: 11.01.16 | Autor: Peter Straub


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