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„Es sind unsere Soldaten“ – ein Aufruf

Berlin, 12.04.2011.
Der Schauspieler und Reservist Gregor Weber, dem TV-Publikum vor allem als Tatort-Kommissar bekannt, hielt kürzlich eine viel beachtete Rede zum Soldatsein, zu Auslandseinsätzen und Belastungsstörungen sowie zur Verantwortung der Gesellschaft. Ein Auszug.

Tatort-Kommissar Gregor Weber während der Dreharbeiten beim telefonieren
Schauspieler Gregor Weber sieht alle in der Pflicht (Quelle: SR/Meyer)Größere Abbildung anzeigen

... „Ich glaube nicht, dass irgendein Soldat der Bundeswehr nach seiner Rückkehr aus dem Einsatz als Held gefeiert werden möchte. Und sicher hilft es keinem an PTBS leidenden Soldaten, wenn man ihm bei einer Parade zujubeln würde oder ihm eine Medaille verleiht. Er braucht Behandlung, Aufmerksamkeit und Zeit, um vielleicht wieder in Ordnung zu kommen. Hier steht zuvorderst der Dienstherr in der Verantwortung und die nimmt er, soweit ich das sehe, auch immer besser wahr.

Aber wir alle können helfen, die verwundeten Seelen zu heilen. Indem wir aufhören, die Soldaten im Alltag zu ignorieren. Indem wir aufhören, ihnen irgendeine Schuld zu geben, und sei es nur unterschwellig. Indem wir anfangen, uns für sie zu interessieren. Indem wir anfangen, ihnen hin und wieder zu danken.

Man kann aus vielerlei Gründen gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr sein. Politische Gründe, moralische. Es ist unsere Pflicht als Bürger in einer Demokratie, unseren Abgeordneten und unserer Regierung genau zuzusehen bei ihren Entscheidungen und unsere Meinung dazu deutlich kundzutun. Es darf und muss Demonstrationen gegen Auslandseinsätze geben, es darf und muss Bürger geben, die entweder alle Einsätze kategorisch oder nur bestimmte Einsätze aus konkreten Gründen ablehnen.
Es darf und muss Bürger geben, deren Pazifismus so unbedingt ist, dass sie die Armee und den Soldatenberuf abschaffen möchten.

Aber: So lange wir eine Armee haben und so lange Soldaten dieser Armee in unserem Namen in lebensgefährliche Einsätze geschickt werden, solange haben diese Soldaten ein Recht auf unser aller Mitgefühl, unser aller Solidarität und darauf, dass sie sich für die Erfüllung ihrer Pflichten nicht rechtfertigen oder gar schämen müssen.

Denn sie sind unsere Soldaten, ob wir eine Armee wollen oder nicht. So wie auch Abgeordnete, die wir nicht gewählt haben, dennoch unsere Abgeordneten sind. So wie parlamentarisch legitimierte Gesetze, die uns persönlich nicht in den Kram passen, dennoch unsere Gesetze sind, an die wir uns zu halten haben.
Das ist Demokratie. Und, in Bezug auf unsere Soldaten, menschliches, menschenwürdiges Miteinander.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Weber hielt diese Rede am 3. April beim PTBS-Infotag des Reservistenverbandes in Berlin.

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Stand vom: 19.01.12 | Autor: Frank Bötel

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