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Blog: Aus dem UNIFIL-Einsatz

Collage: Buch-Icon und Tender Werra auf hoher See
Schwimmende Versorgungsbasis: Die Werra auf See (Quelle Bundeswehr/Paulsen)Größere Abbildung anzeigen

Tender Werra, 13.03.2012.
Seit 2006 kreuzt ein internationaler Flottenverband im Auftrag der Vereinten Nationen vor der Küste des Libanons. Aufgabe des maritimen Teils der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) ist es, Waffenschmuggel über See zu verhindern und die libanesischen Streitkräfte zu befähigen, diese Aufgabe irgendwann selbst zu erfüllen. Die Deutsche Marine zeigte unter anderem mit dem Tender Werra bei UNIFIL Flagge. Die Werra versorgte die übrigen Einheiten beispielsweise mit Treibstoff, Munition und Ersatzteilen, hat aber auch eine Krankenstation an Bord und ist bewaffnet. Von Bord der Werra bloggten Robert L. und Katharina B.


8. März 2012: Abschluss – die letzten Tage

Collage: Buch-Icon und Tender Werra auf hoher See
Der Tender Werra ist auf Heimatkurs (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die letzten Wochen im Einsatz gingen unglaublich schnell vorbei: Man hatte zeitweise das Gefühl, noch zu viel Arbeit für zu wenig Zeit zu haben.

Doch die letzten Tage vor unserem Aufbruch in die Heimat waren wieder ganz anders. Obwohl verplant mit notwendigen Maßnahmen wie dem Tanken, schienen gerade diese Tage gar nicht vergehen zu wollen. Und wir begingen das Ende des Einsatzes mit einem Abschiedsfest, um der Besatzung die Möglichkeit eines Abschlusses zu geben.

Mit dem Rücktransit kommt endlich die Heimat in Riesenschritten näher. Bereits zum letzten Auslaufen aus Limassol haben wir unsere Tropen-BGA (Bord-Gefechts-Anzüge) verstaut und sind auf das gewohnte blaue Pendant umgestiegen. Viele kleine Schritte, die uns zeigten, dass der Einsatz langsam endet. Wir werden nach Einlaufen in Kiel eine Abwesenheitszeit von 176 Tagen erreicht, 11.860,8 Seemeilen hinter uns gebracht und 639 Kubikmeter Kraftstoff sowie 1681,6 Kubikmeter Wasser verbraucht haben.

Unsere Familien und Freunde haben in dieser Zeit auf uns verzichten müssen, und möglicherweise manches Schöne ohne uns erlebt. Eine Zeit, die man nie wieder zurückbekommt. Aber genauso wie zu Beginn des Einsatzes der traurige Tag des Auslaufens aus Kiel, steht uns nun der Einlauftag bevor. Ein Tag auf den wir uns mehr freuen, als wir derzeit in Worte fassen können. Wenn wir unsere Familien und Freunde wieder in die Arme nehmen können, wird uns dieser Moment sicher für die lange Zeit der Abwesenheit entschädigen.

Dies ist gleichzeitig das Ende des Blogs von Bord der Werra, die jetzt nicht mehr im UNIFIL-Einsatz ist. Doch während wir bald ein paar Tage Urlaub genießen können, werden weiterhin deutsche Soldaten, fernab der Heimat und ohne großes Medienecho, ruhig und professionell ihren Dienst im Auftrag der Vereinten Nationen vor der Küste des Libanon versehen.

Anmerkung der Redaktion: Wir danken unseren Bloggern, Oberleutnant zur See Robert L. und Oberleutnant zur See Katharina B. , für ihre farbige Berichterstattung und wünschen dem Tender Werra eine glückliche Heimkehr nach Deutschland. Voraussichtlich am 13. März wird das Schiff in Kiel festmachen.

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29. Februar 2012: Zeit des Wechsels

Werra mit anderen Booten im Hafen
Die Werra im Hafen (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach fast fünf Monaten fiebern wir nun alle dem Ende des Einsatzes entgegen. Die Passau ist die erste Einheit, die im Einsatzgebiet ihre Verantwortlichkeit an die nachrückende Auerbach/Oberpfalz übergibt und damit ihren Einsatz an der Levante beendet. Bereits letzten Donnerstag konnte sie den Rücktransit in die Heimat antreten.

Die Auerbach/Oberpfalz war kurz nach ihrer Ankunft in Beirut eingelaufen, um die Übergabegeschäfte mit der Passau abschließen zu können. Dies war ein ganz besonderes Bild, denn nicht nur diese beiden Boote lagen bei uns längsseits, sondern zudem auch das Hohlstablenkboot Ensdorf, das im Gebiet verbleibt und auf dem ein Besatzungstausch mit der Besatzung der Pegnitz stattfinden wird.

Unsere Übergabe an den nächsten Tender, die Rhein, wird in Deutschland erfolgen, da sich dieser noch in den Vorbereitungen für den Einsatz befindet und sich erst in der Woche nach unserem Einlaufen auf den Weg in das Mittelmeer machen wird.

Unsere Tage im Einsatz sind gezählt und neigen sich unaufhaltsam dem Ende zu. Auch in der Fremde haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt, haben in diesem Einsatz unseren Platz gefunden und erlebt, was wahre Kameradschaft ist, und wie man gemeinsam eine solch lange Zeit meistert. Gemeinsam werden wir den Rücktransit antreten, den wir kaum erwarten können.

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23. Februar 2012: Schwimmende Tankstelle

Collage: Buch-Icon und Werra
Die Werra (links) längsseits der brasilianischen Fregatte Uniao (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach unserem kurzen Stopp zur Nachversorgung auf Zypern ging es am späten Sonntagabend wieder zurück ins Operationsgebiet. Der Commander Task Force (CTF), der brasilianische Admiral Caroli, hatte einen neuen Auftrag für die Werra: die Versorgung des brasilianischen Flaggschiffes, der Fregatte Uniao, mit Flugkraftstoff im Hafen von Beirut.

Für ein Versorgungsschiff, wie es unser Tender ist, tägliches Geschäft. Und so verbrachten wir einmal mehr eine Nacht mit wenig Schlaf auf See, um am nächsten Morgen im Hafen von Beirut an der Uniao anzulegen. Ein nicht ganz alltägliches Manöver! Unter Regie des 1. Wachoffiziers bewegten sich beide „grauen Riesen“ langsam aufeinander zu, dies musste unter äußerster Vorsicht geschehen.

Dank der professionellen Arbeit der Besatzung, sei es auf Brücke, in der Maschine, oder auf dem Seitendeck, geschah das Anlegen zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten, egal ob brasilianisch oder deutsch. Ein sehr herzliches „Olá! Como estás?“ schallte uns auch schon entgegen, die Hände wurden geschüttelt, aber dann ging es schon wieder an die Arbeit.

Jetzt waren unsere Schiffsbetriebstechniker gefragt, schließlich sind sie unter anderem für alle Betriebsstoffe an Bord verantwortlich. Die Verbindung zwischen den Übergabestationen wurde hergestellt und der geforderte Flugkraftstoff für den Bordhubschrauber der Uniao wurde innerhalb von 45 Minuten übergeben. Nachdem wir uns von unseren brasilianischen Kameraden verabschiedet hatten, legten wir auch schon wieder von der brasilianischen Fregatte unter den zufriedenen Blicken des Admiral Caroli ab, bereit für unseren nächsten Auftrag.

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20. Februar 2012: Im Hafen von Limassol

Collage: Buch-Icon und Werra aus ungewöhnlicher Perspektive
Ungewohnte Perspektive: Die Werra an der Pier (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Ohne besondere Ereignisse erlebt zu haben, beendeten wir unseren Aufenthalt im Operationsgebiet durch das routinemäßig pünktliche Einlaufen in Limassol auf Zypern. Das Wetter hat sich wieder merklich gebessert – die Schauer der letzten Tage haben sich in Sonnenschein bei angenehmen 18 Grad verwandelt.

Der Aufenthalt stand diesmal ganz im Zeichen der dringend benötigten Nachversorgung. Mit Beginn der UNIFIL-Mission für die Deutsche Marine im Jahr 2006 wurde der Hafen von Limassol als Abstützpunkt für die Schiffe und Boote ausgewählt. Aus diesem Grund erwarteten uns mit Einlaufen auch wieder die vielen fleißigen Soldaten des Verbindungskommandos. Durch Schneestürme in Italien wurde die geplante Lieferung bereits aufgehalten, und es drohten zudem Verzögerungen durch die Kontrollen am zypriotischen Zoll. Neben Ersatzteilen und Verbrauchsgütern wurde vor allem eine Lieferung sehnlichst erwartet: die Post! Und so wanderten viele Pakete und Briefe aus Städten und Ortschaften von Nord- bis Süddeutschland an Bord und brachten die Augen der Kameraden zum Leuchten.

Am Nachmittag hieß es dann: „Allemannsmanöver!“ Vom Kommandanten bis zum Matrosen fassten alle mit an, und so wurde alles, was in der verbleibenden Zeit im Einsatz irgendwann einmal auf unseren Tellern landet, an Bord verstaut. Auch hier merkte man wieder, dass bei der Marine nicht nur sprichwörtlich alle in einem Boot sitzen.

Neu ausgerüstet und aufgefüllt sind wir nun wieder bereit für unseren nächsten Aufenthalt im Operationsgebiet: unserem letzten, bevor es endlich, nach fast sechs Monaten Abwesenheit wieder nach Hause geht.

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17. Februar 2012: Ausbildung in See

Collage: Buch-Icon und Tender Werra auf dem offenen Meer
Der Tender Werra nimmt Kurs auf Zypern (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Wir verließen heute den Hafen von Beirut, um uns auf den Weg nach Limassol, der zweitgrößten Stadt Zyperns, zu machen. Wegen der Gefährdungslage wurde die Besatzung zum Auslaufen in eine erhöhte Bereitschaftsstufe befohlen: Die Ausgucks wurden verstärkt, die Waffen besetzt und überall kehrte eine professionelle Routine ein. Was für eine Verantwortung, die wir da in jungen Jahren tragen, dachten wir uns! Nachdem wir den Hafen und die Skyline von Beirut hinter uns gelassen hatten und unser Einsatzgebiet erreichten, waren wir außerhalb der Sichtweite irgendeines Fahrzeugs. Dies gab uns eine willkommene Gelegenheit, um interne Ausbildung durchzuführen.

Die Alarmklingel unterbrach abrupt das gewohnte Rauschen der See zur Station „Mann über Bord“. Wir ließen alles stehen und liegen und begaben uns zügig auf unsere Stationen. Die Vollzähligkeit wurde festgestellt und der Rettungsschwimmer machte sich klar. Der Tender wurde durch den Navigationsoffizier in einem Dreiviertelkreis auf die Boje, die den Mann über Bord simulierte, zugesteuert und schnellstmöglich war sie durch den Rettungsschwimmer geborgen und auch schon wieder an Bord. Mit der Gewissheit, sich in allen Situationen auf seine Kameraden verlassen zu können, wurde die Übung beendet.

Für die Offiziere folgte anschließend eine praktische Sanitätsausbildung. Das Thema der heutigen Ausbildung: intravenöse Zugänge legen. Für viele eher unüblich in ihrem gewohnten Tagesablauf, wurde zuerst an einem Dummy, anschließend, mit unserer Zustimmung, gegenseitig geübt. Das ist nicht jedem so angenehm, aber eine notwendige Ausbildung: Nicht immer ist ein Arzt an Bord und im Ernstfall müssen durch den Kommandanten oder auch vielleicht einmal durch uns Medikamente verabreicht werden.

Am Ende des Tages hatten wir nicht nur viele Ausbildungsabschnitte durchgeführt, sondern kamen bei einem herrlichen Sonnenuntergang auch unserem heutigen Ziel Limassol deutlich näher.

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14. Februar 2012: Einsatz-Alltag im Libanon

Collage: Tender Werra in Beirut und Buch-Icon
Anlegen in Beirut (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die Aufgaben des Tenders im Einsatzgebiet von UNIFIL sind vielfältig und interessant. Zum einen versorgen wir die deutschen Einheiten, die mit uns im Einsatz sind (das Minenjagdboot Passau und das Hohlstablenkboot Ensdorf) sowie ein griechisches Schnellboot mit allem, was sie benötigen, um eine möglichst lange Ausdauer im Seegebiet zu gewährleisten. Dazu gehören vor allem Betriebsstoffe wie Frischwasser und Dieselkraftstoff, aber auch Verpflegung und Munition. Die Versorgung kann sowohl im Hafen als auch auf See und in Fahrt erfolgen. Dabei spielt die Uhrzeit keine Rolle; wenn eines der Boote Nachversorgung benötigt, sind wir bereit. Eine oft sehr fordernde Aufgabe für uns, bei jeder Tages- und Nachtzeit. Im Hafen stellen wir bei Bedarf ebenfalls die elektrische Versorgung sicher und bieten die Möglichkeit der Internetnutzung, ein wichtiger Draht zu den Familien und Freunden in der Heimat. Zudem beherbergen wir den Stab und damit den Kontingentführer des 18. Deutschen Einsatzkontingents UNIFIL.

Die Besonderheiten in Beirut, dabei vor allem die Ausbildungsunterstützung, geben einen Kontrast zu der relativ hohen Wachbelastung. Denn jeden zweiten Tag haben wir Wache für jeweils 24 Stunden. Wir tragen dann Verantwortung für die Sicherheit des Tenders sowie für die Sauberkeit und Ordnung an Bord. Egal ob es in den Sommermonaten extrem warm ist oder in den Wintermonaten regnet und stürmt, die Wache hat stets ihren Dienst zu versehen.

Nach mittlerweile fünf Monaten in diesem Rhythmus fällt es schwer, sich in Erinnerung zu rufen, wie es ist, wenn man nach Dienst zu seiner Familie nach Hause fahren kann.

Der Tender bietet seiner Besatzung Platz und vielfältige Möglichkeiten der Beschäftigung. Allerdings kommt einem auch nach mehreren Monaten der Abwesenheit das Bordleben zunehmend monoton und das Platzangebot auch eher gering vor. Denn in der Regel teilen sich vier Mann eine Kammer, die keine sechs Quadratmeter misst. Zumindest gilt dies für die Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee, die Unteroffiziere mit Portepee und Offiziere sind in der Regel in Zwei-Mann-Kammern untergebracht, die jedoch noch kleiner sind. Duschen und Toiletten befinden sich auf den Gängen und werden geteilt. Gerade dieser Umstand und die Tatsache, dass wir kaum einen Moment allein für uns sind, ohne Telefonklingeln und Durchsagen über die Bordlautsprecheranlage, machen den Einsatz zum Ende hin sehr anstrengend.

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9. Februar 2012: Ausbildung der libanesischen Marine

Collage: Buch-Icon und Soldaten in Brandschutzbekleidung
„Feuer im Schiff“ – Übung an Bord des Tenders Werra (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach einem für uns herrlichen Wochenende in Beirut begann die Woche im Libanon mit neuen Herausforderungen. Das Ausbildungspersonal des Stabes suchte freiwillige Soldaten, um bei den geplanten Ausbildungsvorhaben für die libanesische Marine tatkräftig zu unterstützen. Da war keine Frage für uns – bot sich doch damit zum einem die Gelegenheit, wieder einmal mit unseren libanesischen Kameraden ins Gespräch zu kommen, zum anderen einen Fuß an Land zu setzten nach der schaukligen Überfahrt mit einer Menge Seegang.

Zu unserem Erstaunen stellten wir gleich zu Beginn fest, dass die Uhren hier anders ticken. Anstatt, wie in Deutschland üblich, pünktlich mit der Ausbildung zu beginnen, wurden wir zuerst zu einem traditionellen Kaffee oder Tee eingeladen, um nicht nur über die Vorhaben des Tages sondern auch über Privates zu sprechen. Anschließend wurden wir durch die libanesische Marineschule in Jounieh geführt. Was uns sehr verwunderte, war die Tatsache, dass die Schüler auch in ihren Klassenräumen übernachten. Die Spannung war dem einem oder anderen anzusehen, als wir den Hörsaal betraten. „Jetzt geht’s los“, dachten wir uns, als wir versuchten, unsere Nervosität hinter einem Lächeln zu verstecken.

Themen, die in der Ausbildung behandelt werden, sind vor allem Seemannschaft (Knotenkunde, Takeln und Spleißen sowie Oberdeckspflege) und Schiffssicherung (Brand- und Leckabwehr) in See und im Hafen. Dazu waren auch schon Libanesen bei uns auf der Werra, um sich die eingespielten Abläufe an Bord anzusehen und daraus für eigene Verfahren zu lernen. Großer Wert wird natürlich auch auf die Navigation gelegt, für Seemänner wie uns wichtiges Handwerkszeug. Gerade auch jüngere Kameraden, wie unsere freiwilligen Wehrdienstleistenden, hatten hier die Möglichkeit, als Ausbilder tätig zu sein. Eine sehr fordernde Aufgabe, die allerdings allen sehr viel Freude brachte. Anfangs noch etwas distanziert, wurde mit fortschreitender Zeit das Zusammenspiel immer besser, und man lachte auch mal gemeinsam, wenn etwas nicht auf Anhieb klappte. Schon komisch, dachten wir uns, dass trotz all der Unterschiede wie Herkunft und Religion die verschieden Kulturen, wenn es um das Erreichen eines gemeinsamen Ziel geht, so schnell zueinander finden.

Nach einem weiteren Kaffee verabschiedeten wir uns von den Kadetten mit dem guten Gefühl, heute nicht nur unseren Dienst im Auftrag der Vereinten Nationen geleistet, sondern auch die Libanesen dabei ein Stück voran gebracht zu haben, eines Tages die alleinige Verantwortung für die Überwachung ihrer Hoheitsgewässer zu übernehmen.

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6. Februar 2012: Wochenende im Libanon

Collage: Buch-Icon und historische Stätten von Byblos
Die historischen Stätten von Byblos (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Einlaufen am 3. Februar nutzten wir jegliche Freizeit dazu, Land und Leute des Libanons kennenzulernen. Für einige von uns bestand die Möglichkeit, an einer geführten Tour durch den Norden des Landes teilzunehmen, welche durch die deutsche Botschaft in Beirut organisiert wurde. Aufgeregt und voller Neugier stiegen wir in den Bus, bereit, eine für uns neue und unbekannte Welt zu entdecken.

Während der Kontrast der Küste und Berge an unserem Fenster vorbeizog, nutzten wir jede Möglichkeit, Fotos für unsere Verwandten und Freunde zu schießen. Angekommen in den historischen Stätten von Byblos kam es uns vor, als wenn wir in die Welt von Tausendundeiner Nacht eintauchen würden: wildes Marktgeschreie, buntes Treiben und Frauen in langen Gewändern, die den gesamten Körper bedecken. Der Geruch frischer Gewürze lag in der Luft, während wir bei herrlichem Sonnenschein über den Markt schlenderten. Viel zu früh, aber um viele Eindrücke reicher, kehrten wir kurz vor Sonnenuntergang, bei immer noch angenehmen 20 Grad, zurück auf den Tender.

Der Höhepunkt des Tages war für viele von uns der Besuch Beiruts in den Abendstunden. Die Mischung einer modernen Großstadt mit der morgenländischen Historie des Orients machte das Ausgehen noch interessanter. Die bunten Lichter der Skyline, direkt am Mittelmeer gelegen, raubten vielen von uns den Atem. Wir erkundeten die Innenstadt auf eigene Faust und ließen uns in einem der vielen Cafés der Innenstand nieder, um nun auch die libanesische Küche kennenzulernen. Hierzu kann man nur eines sagen: Weltklasse! Viele Speisen sind vegetarisch, und Fett wird traditionell in der Zubereitung nur sparsam verwendet. Zu den bekanntesten Gerichten gehört sicherlich Kebbeh (ein breiiges Gericht aus gehacktem Lamm- und Kalbsfleisch), das in der gesamten Region gegessen wird. Typisch sind ebenfalls Hummus und Taboulé. Bei einem guten Kaffee kam man auch wieder mit den Einheimischen ins Gespräch. Die meisten Libanesen zeigen sich gegenüber dem Einsatz deutscher Soldaten im Rahmen des VN-Mandats sehr positiv eingestellt, und nicht selten hört man die Worte „Welcome to Lebanon!“

Da wir uns aber schließlich immer noch im Einsatz befinden, ist der Bereich, den wir erkunden dürfen, natürlich beschränkt, und so kehrten wir am frühen Abend zurück auf den Tender. Immer noch sprachlos wegen der vielen neuen Eindrücke, haben wir die verbleibende Freizeit genutzt, bei den erlaubten zwei Bier und der Sportschau den Abend geruhsam ausklingen zu lassen, da uns am Sonntag bereits wieder ein Tag Wache bevorstand.

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2. und 3. Februar 2012: Einlaufen in Beirut

Collage: Buch-Icon und Soldat, der durch Fernglas guckt
„Beirut voraus“: Die Werra läuft in den Hafen ein (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach einer wohlverdienten Erholungsphase auf Zypern stachen wir gestern endlich wieder in See. Unser Ziel: Beirut! Die pulsierende Hauptstadt des Libanon, an der Levante gelegen, ist unser Haupteinsatzgebiet im UNIFIL-Einsatz.

Während ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland schlief, legten wir die Entfernung von 132 nautischen Meilen (eine nautische Meile entspricht 1,852 Kilometern) über Nacht zurück. Dies bedeutete für einen Großteil der Besatzung natürlich nur wenig Schlaf. Allerdings ist es auch nachts eher selten langweilig, denn es gibt gerade auf einer so kurzen Strecke immer viel zu tun. Während der Ausguck auf der Brücke mehrere Kontakte an den Navigationsoffizier meldete, wurden im schifftechnischen Leitstand die Anlagen überwacht. Zeitgleich bereiteten die Soldaten in der Kombüse für uns den sogenannten „Mittelwächter“ zu – heute ein leckeres überbackenes Brötchen.

Einen Hauch von Seefahrerromantik vermittelten uns die frühen Morgenstunden, als bei strahlend blauem Himmel und einer Lufttemperatur von 14 Grad gegen 6 Uhr die Sonne über dem östlichen Mittelmeer aufging. Am Horizont konnten wir dann bereits die Skyline von Beirut ausmachen. Schnell wurde die Besatzung aus den Kojen geholt und der Tender klar gemacht zum Anlegen.

Da wir keinen Sprachmittler an Bord haben, der arabisch spricht, nehmen wir zur Unterstützung beim Anlegen gerne die Dienste der Hafenlotsen von Beirut in Anspruch. Eine große Hilfe, nicht nur bei der Interaktion mit dem Schleppern, sondern auch eine willkommende Gelegenheit, bei einer Tasse Kaffee mit den Libanesen ins Gespräch zu kommen.

Nachdem wir in Beirut angelegt haben, besteht nun sicherlich am Wochenende für uns die Möglichkeit, im Rahmen eines kurzen Landganges mehr über die Kultur und Gepflogenheiten des Libanon zu erfahren.

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Stand vom: 14.03.12 | Autor: Robert L. und Katharina B.

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