Sie sind hier: Startseite > Einsätze > Aktuelle Einsätze > Afghanistan (ISAF) > Sicherheit für Badakhshan

Sicherheit für Badakhshan

Faizabad, 18.10.2011, Bundeswehr aktuell.
In der nordöstlichsten Provinz Afghanistans übernehmen Einheimische mehr und mehr Verantwortung.

Afghanische Polizisten mit Vollschutz

Afghanische Kräfte für afghanische Sicherheit (Quelle: dpa/Sabawoon)Größere Abbildung anzeigen

In den ersten Provinzen Afghanistans ist die Sicherheitsverantwortung wieder in einheimische Hände gegeben worden. Mit der nordöstlichen Provinz Badakhshan steht nun ein weiterer aussichtreicher Kandidat bereit, die Sicherheitsverantwortung zu übernehmen.

So sind mittlerweile Armee, Polizei und Geheimdienst der Provinz in Zahl und Können gut ausgebildet und operieren weitgehend selbständig. Bei komplexeren Operationen oder aber auch Naturkatastrophen, in denen alle Kräfte benötigt werden, fungiert ein sogenanntes OCC-P (Operational Coordination Centre Provincial) als koordinierendes Element.

Es hat seinen Sitz in der Provinzhauptstadt Faisabad. Bereits seit 2009 laufen hier die Stränge der afghanischen Armee (ANA), Polizei (ANP), Grenzpolizei (ABP) und des Geheimdienstes (NDS) zusammen. Hier werden Operationsplanungen koordiniert und sicherheitsrelevante Zwischenfälle in der Provinz ausgewertet. Das Zentrum sorgt so für ein gemeinsames und effektives Handeln aller staatlichen Akteure.

Grundsätzlich ist die 45 Personen starke Dienststelle wie ein militärischer Stab in Stabsabteilungen gegliedert – ein Brigadegeneral der afghanischen Armee führt und hat je einem Stellvertreter aus Polizei und Geheimdienst an der Seite. Jedes OCC-P untersteht dem Provinzgouverneur direkt, wird fachlich jedoch vom OCC-Regional in Mazar-e Sharif geführt. Ein dreiköpfiges Mentorenteam unterstützt beim Koordinieren und Ausbilden und steht dem afghanischen Kommandeur sowohl beratend als auch als Verbindungselement zum deutschen Regionalen Wiederaufbauteam in Faisabad zur Seite.

nach oben

Training zur Selbstständigkeit

Major Peter H. war als Senior Mentor des OCC-P mehr als sechs Monate in Faisabad. Er arbeitete bereits das zweite Mal mit afghanischen Sicherheitskräften zusammen. „OCC-P ist die hohe Schule“, sagt er. „Wir leiten an, da müssen Einsatzerfahrungen genauso vorhanden sein wie taktische Kenntnisse und interkulturelle Kompetenz.“

H. steht selbstsicher und immer gut gelaunt auf Augenhöhe neben den afghanischen Partnern. Mit seinem Team unterstützt er die afghanischen Kräfte im militärischen Handwerk und berät bei gemeinsamen Operationen. Oft sind auch Soldaten der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit und deutsche Polizisten mit dabei. Tagtäglich ist er mit seinem Team im Hauptquartier. Einmal in der Woche treffen sich alle Kräfte mit dem Regionalen Wiederaufbauteam auf „neutralem Boden“, denn ISAF steht hier ganz bewusst im Hintergrund“, hebt Major H. hervor. Demonstriert werden das afghanische Gesicht und die Geschlossenheit der afghanischen Sicherheitskräfte.

Dieser Ansatz trägt nun langsam Früchte, das Bild des patrouillierenden Polizisten im Raum Faisabad wird alltäglich, das Gewinnen und Auswerten von Informationen innerhalb der Kräfte wird deutlich effektiver. Im Fokus der afghanischen Akteure liegen auch Vorkommnisse an den Grenzen Afghanistans. Sobald illegales Eindringen von Bewaffneten auf afghanisches Hoheitsgebiet angezeigt wird, obliegt es dem Provinzgouverneur, Maßnahmen anzuordnen. Wird ein Handeln von mindestens zwei Sicherheitsorganen erforderlich, fällt dem OCC-P die Aufgabe zu, die afghanischen Kräfte zu koordinieren.

„Mit dem Ziel, die Führungsfähigkeit des Stabes so weiterzuentwickeln, dass die Übergabe der Sicherheitsverantwortung stattfinden kann, sind wir in den vergangenen sechs Monaten ein großes Stück weitergekommen“, fasst der Diplom-Pädagoge H. die Lage zusammen. Bis dahin gab es kaum Koordination und Stabsarbeit schien ein Fremdwort zu sein. In Blöcken werden jetzt alle Abteilungsleiter zielgerichtet ausgebildet und geben dieses an ihre Abteilungen weiter. Ebenso ist das OCC-P ist jetzt auch mobil und kann somit an Operationen autark teilnehmen.

ANA Soldat und ein deutscher Kamerad beobachten zusammen

Im Ernstfall Schulter an Schulter: Afghanischer und deutscher Soldat (Quelle: Bundeswehr/Wayman)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Respekt vor kriegserfahrenen Partnern

Für H. waren die Monate in Faisabad interessant, aber auch herausfordernd. „Man bekommt einen Einblick, wie die afghanischen Sicherheitskräfte und die Gesellschaft funktionieren“, so der Major. Da sei es dann auch mal für deutsche Verhältnisse ungewohnt, wenn die afghanischen Kräfte eine Viertelstunde später kämen oder die für gemeinsame Operationen zugesagten Kräfte nicht wie besprochen vor der Tür stünden.

Aber der Stabsoffizier nimmt es gelassen: „Bestimmte Prozesse brauchen ihre Zeit“, vor allem aber benötigen sie Vertrauen in der Zusammenarbeit und ein gemeinsames Verständnis für die Aufgabe. Ohne den notwendigen Kontakt zu den Schlüsselpersonen lassen sich in Afghanistan bestimmte Dinge nicht umsetzen. Werteverständnis, Respekt und Nachhaltigkeit gehören in diese „hohe Schule“ des Mentoring, denn der Gegenüber ist zumeist zwischen 30 und 50 Jahre alt und kriegserfahren.

Im Zuge der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte wird das OCC-P als Instrument des Provinzgouverneurs auch weiterhin das koordinierende Element sein. Ziel muss sein, dass auf afghanischem Boden auch afghanische Kräfte wirken. In erster Linie die Polizei gefragt, dann erst die Armee und – in letzter Konsequenz – die ISAF-Kräfte. Dieses trägt zur Akzeptanz in der Bevölkerung und somit zu einer nachhaltigen Sicherheit in der Region bei.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 03.12.13 | Autor: Andrea Schulze


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.einsaetze.missionen.isaf&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB170000000001%7C8MQG7N105DIBR