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Partner im Einsatz: Ratschläge (2)

Berlin, 21.12.2010.
Dass jeder Auslandseinsatz das Familienleben betrifft und auch belastet ist unbestritten. Der Theologe und Familientherapeut Dr. Peter Wendl kennt die Schwachstellen und Fallstricke, die auf Partner und Familien vor, während und nach dem Einsatz häufig lauern. Auch wenn die Situation jeweils sehr individuell ist, gibt er Verhaltenstipps, die den Umgang für beide Seiten erleichtern können – auch in der Weihnachtszeit.

Frau winkt einer Fregatte nach

Komm heil wieder! (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Eine große Unsicherheit herrsche bei vielen Partnern über die Frage, wann welche Sorgen und Ängste wie anzusprechen sind. „Verschonen oder offen aussprechen? Das ist für viele bereits sehr schwer zu beantworten.“ Viele befürchteten, es werde nur schlimmer, wenn man darüber rede.

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Wann über was reden?

Wendls Antwort darauf ist klar: „Verschweigen löst Probleme nicht“, sagt er: Ängste und Bedenken, die vor dem Einsatz tabuisiert werden, belasteten die Beziehungen fast immer. Werden sie dagegen artikuliert, würden sie „zum gemeinsamen Geheimnis“ und: „Ein gemeinsames Geheimnis bereichert und stabilisiert Beziehungen im Allgemeinen.“

Das gilt auch für die Soldaten. Es sei schwierig, auf Dauer Vorfälle im Einsatz wie Beschuss, Anschläge oder Gefechte vor den Angehörigen zu verschweigen. „Wir leben in einer Mediengesellschaft. Fast alles kommt irgendwann raus oder wird später von anderen Angehörigen erzählt.“ Dann aber erführen die Familien es völlig unvorbereitet von Dritten und das sei viel schlimmer.

Als zeitliche Richtlinie für Gespräche über kritische Punkte und heikle Themen empfiehlt Wendl sechs Wochen vor beziehungsweise nach dem Einsatz. Das sei die Faustregel. „Emotionale Themen wie Testament, Tod und Verwundung in der letzten Woche vor dem Abmarsch anzusprechen, macht keinen Sinn.“

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Vorbereitung auf den Abschied

Neben der offiziellen Checkliste, die die Bundeswehr an alle Kommandierten verteilt, nennt Dr. Wendl folgende Punkte:

Sogenannte Alltagswidrigkeiten (Familienangelegenheiten, Vertrags- und Verwaltungsthemen, konfliktbeladene Termine, medizinisch nicht akut notwendige Eingriffe, absehbare Verpflichtungen) sollten so weit wie möglich vor dem Einsatz ausgeräumt oder wenigstens geplant werden.

Die Familie sollte einen festen Ansprechpartner für Sorgen und Nöte haben. Wendl nennt das einen „Paten“: „Diese Person muss bei beiden Partnern hohes Vertrauen genießen. Sie wird unter Umständen in sehr private, intime Bereiche der Familie einbezogen.“

Die Familienbetreuung der Bundeswehr und die privaten Initiativen von Frauen bieten ebenfalls Ansprechpartner und zudem den Betroffenen die Möglichkeit, sich zu vernetzen.

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Der Abschied

Für die richtige Gestaltung des Abschieds gibt es so viele Möglichkeiten wie es Paare gibt, sagt Wendl. Es gebe aber Orientierungen:

Wenn Abschiedszeremonien zu schmerzhaft sind, sollte man sie ausfallen lassen. Kinder sollten unbedingt einbezogen werden: „Wenn der Papa ohne Abschied plötzlich weg ist, kann sich das traumatisch auswirken.“

Ein Soldat hält seinen kleinen Sohn

Kinder in den Abschied einbeziehen (Quelle: dpa/Wolf)Größere Abbildung anzeigen

Abschiedspartys sollten etwa zwei Wochen vor dem Abreisetermin veranstaltet werden; „vor der emotional belasteten Phase“. Botschaften mitgeben: Bilder, Texte, ein Satz oder Spruch, den Kinder, Ehepartner, Freunde und Verwandte mit in den Einsatz geben.

Für Kinder: Symbole schaffen, die die Rückkehr ankündigen, beispielsweise ein Kalender zum Abstreichen oder ein Glas mit Bonbons. „Am Abreisetag darf das erste rausgenommen werden. Das kann den Abschied sehr erleichtern.“

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Schwieriger Umgang mit Nachrichten

„Weniger ist mehr“, formuliert Wendl zu der Frage nach dem Nachrichtenkonsum während des Einsatzes. Er rät zu einem „dosierten Umgang, um sich aktuelle ‚Wasserstandsmeldungen‘ als Informationen aus dem Einsatz zu beschaffen“. Die Dosierung ist natürlich sehr individuell und nicht immer leicht einzuhalten: „Wir leben in einer Mediengesellschaft. Internet, Fernsehen, Radio halten uns ständig auf dem Laufenden.“

Auch hier empfiehlt Wendl, eine Vertrauensperson (Paten) zu benennen. „Eine vertrauensvolle Person, die sich meldet, wenn sich wirklich Wichtiges ereignet hat oder etwas passiert sein sollte.“ Das tägliche oder gar stündliche Durchforsten aller Internetseiten und Nachrichtenangebote mache einen nur „verrückt“.

Wendl verweist darauf, dass auch die Bundeswehr selbst sehr verantwortlich und fürsorglich mit den Angehörigen umgeht und sie rasch aber angemessen informiert, sobald etwas passiert ist. Er rät den Angehörigen, darauf zu vertrauen. „Wer dieses Vertrauen nicht aufbringt, wird sehr bald psychisch erschöpft sein.“

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Kontakt halten, Kommunikation gestalten

Auch über die Kommunikation sollte vor dem Einsatz gesprochen werden, rät Wendl. Der Soldat sollte wissen: „Was brauchst Du von mir, damit Du diesen Einsatz gut überstehen kannst? Wie viel Wahrheit willst Du wissen?“ Umgekehrt sollte er sagen, was er selbst erwartet: „Päckchen? Briefe? – Heimliche Wünsche werden nur selten erfüllt.“

Soldat verteilt Briefe

Post für die Liebsten daheim (Quelle: Bundeswehr/Faller)Größere Abbildung anzeigen

Beide müssen voneinander wissen, was der andere will, so Wendl. Fehlende Absprachen führten viel häufiger zu Unsicherheit, Sorge und letztlich unnötiger Angst. Wendl rät auch hier zur Offenheit: Gefährliche Situationen, über die nicht gesprochen werde, spielten sich hinterher in der Fantasie viel dramatischer ab.

Bezugnehmend auf die Schweigepflicht der Soldaten empfiehlt Wendl, dass sich die Paare im Vorfeld offen mitteilen, was an Austausch möglich sein wird und was nicht. Das verhindert später Missverständnisse und Fehlinterpretationen.

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Welches Kommunikationsmittel?

Wendl sagt: „Jedes hat seine Berechtigung. Jedes hat Makel und Chancen.“

  • Telefon: Das Telefon ist unverzichtbar, sollte aber zu vereinbarten Terminen genutzt werden – und er warnt: Das Telefon ist ein Medium der Missverständnisse. Beispiel: „Ist was? Du klingst so komisch ...?“ Diese Situation könne sich schnell hochschaukeln und Beunruhigung schaffen. Deshalb: „Offen sprechen. Was nicht thematisiert wird, wird hinterher interpretiert.“ Noch ein Tipp: Beide sollten auch über vermeintliche Banalitäten des Alltags sprechen und den jeweils anderen damit teilhaben lassen am „ganz normalen Leben“.
  • E-Mail: Ist immer gut für schnellen, knappen und aktuellen Austausch. Birgt aber auch die Gefahr von Missverständnissen.
  • Brief: „Alles Handgeschriebene ist von größtem Wert in der Kommunikation.“ Briefe würden immer wieder gelesen, transportierten nicht nur Informationen, sondern auch Gefühle wie Nähe, Vertrautheit und Verbundenheit.

Wendl weiß, dass solche Briefe auch noch gelesen werden, wenn der Partner wieder zu Hause ist. Und: „Manche Männer lernen erst im Einsatz Briefe zu schreiben.“ Die Feldpost war und ist für Soldaten und deren Familien deshalb von höchster Bedeutung. „Das ist die Brücke nach Hause.“

Mutter mit ihrer kleinen Tochter auf dem Schoß sitzt am Tisch und schreibt einen Brief

Wir schreiben gemeinsam nach Afghanistan (Quelle: Bundeswehr/Elbern)Größere Abbildung anzeigen

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Die Rückkehr

Erster Rat: keine Überraschungen! Dr. Wendl warnt davor, den Rückkehrer mit unabgesprochenen Partys, Gästen oder sonstigen Events zu überrumpeln. „Sie wissen nicht, mit welchen Emotionen die Soldatin/der Soldat nach Hause kommt.“ So etwas muss abgesprochen werden.

Wendl unterteilt die Rückkehr in drei Phasen:
• Die Momente des Wiedersehens
• Die Zeit des Ankommens
• Das langsame Wiedereinfinden in den Alltag

Immer gilt: Lassen sich Zeit für Spontanität und Nichtstun. Überfrachten Sie nichts!“ Das gelte auch für entstandene Defizite in Liebe, Geborgenheit und Sexualität. „Sie können und müssen nichts aufholen.

Das Paar – mit oder ohne Kinder, für beides gibt es, je nach Situation, gute Gründe – sollte sich mindestens ein Wochenende außerhalb der eigenen vier Wände gönnen. Wendl nennt drei Gründe, warum das sinnvoll ist:

• Zu Hause ist die Soldatin/der Soldat zunächst oft nur „Gast im eigenen Haus“.
• Auch der Partner kann auch den Ort verlassen, an dem er/sie die vergangenen Monate so viele Sorgen und Nöte ausgestanden hat.
• Von dem neutralen Ort aus können beide anschließend gemeinsam „nach Hause kommen“.

Erst danach sollten weitere Familienkreise und Freunde einbezogen werden.

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Was tun an Weihnachten?

„Niemals ist Ablenkung so legitim wie in der Weihnachtszeit! Feiern Sie mit anderen, an einem anderen Ort und auf andere Weise.“ Auch ein Abend im Kino sei denkbar. Jeder sollte sich Weihnachten so gestalten, wie es für ihn aushaltbar ist.

Die Situation für die Soldaten im Einsatz sei eine ganz andere. Dort bestehe eine starke Gemeinschaft beziehungsweise Kameradschaft. „Dort sind alle in der gleichen Situation. Die ist zwar nicht selten sehr melancholisch, aber die stärken sich gegenseitig.“

Soldaten vor einem Tannenbaum

Kameraden geben sich gegenseitig Halt (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Susanne Lopez


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