Heer
Ein Soldat montiert auf einem Gebäudedach eine Satellitenantenne.
Bundeswehr/Maximilian Schulz

Fernmeldetruppe

Die Vielfalt des Heeres spiegelt sich in den Truppengattungen wider. Jede besitzt spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten - aber nur gemeinsam sind sie stark und erfolgreich. Die unterschiedlichsten Anforderungen werden mit spezieller Ausrüstung erfüllt. Erfahren sie mehr über die Fernmeldetruppe des Heeres.

Das ist unser Auftrag

Die Fernmeldetruppe stellt mit ihren Fähigkeiten die informationstechnisch gestützte Kommunikation des Heeres im Einsatz und auf Übungen sicher. Als „Kräfte der ersten Stunde“ fahren sie zu Beginn einer Operation in das Einsatzgebiet und stellen mit ihrem Personal und hochmoderner Technik die geforderten Sprach- und Datenverbindungen für die Heereskräfte bereit.

Zwei Soldaten sortieren kniend Daten- und Stromleitungen.

Verbindungen aufbauen, ist das Kerngeschäft der Fernmelder

Bundeswehr/Marco Dorow

Aufgabe aller Fernmeldesoldaten ist dabei immer eine möglichst verzugsarme, schnelle und zielgerichtete Weitergabe der Information, um so zu einer erfolgreichen Auftragserfüllung beizutragen. Für Telefongespräche (Sprache), Fernschreiben, Faxe und Daten kommen hierbei sowohl ortsfeste Fernmeldenetze, Funk- und Richtfunkverbindungen als auch Satellitenkommunikation zum Einsatz. Der Kernauftrag der Soldatinnen und Soldaten der Fernmeldetruppe ist es, den Kommunikations- und Informationsverbund des Deutschen Heeres bei den bi- und multinationalen Verbänden der NATONorth Atlantic Treaty Organization, bei der Ausbildung, auf Übungen sowie im Einsatz im In- und Ausland herzustellen.

Teil eines multinationalen Verbandes

Vielseitige Anforderungen an die rund 7.200 Soldatinnen und Soldaten der Fernmeldetruppe und die hochqualifizierte Ausbildung an moderner, richtungsweisender Informationstechnik kennzeichnen eine Truppengattung, deren Auftragserfüllung für die Führungsfähigkeit des Heeres von entscheidender Bedeutung ist.

So einzigartig wie der Auftrag der Fernmeldetruppe so einzigartig ist auch das Fernmeldebataillon 610. Es ist einmalig im Deutschen Heer. Das Bataillon ist Teil der multinationalen Fernmeldekräfte des Multinationalen Korps Nordost mit Hauptquartier im polnischen Szczecin. Für dieses Korps wirkt das Fernmeldebataillon 610 bei der Erkundung von Aufbauplätzen für Gefechtsstände mit. Hauptauftrag des Fernmeldebataillons 610 ist es, die Gefechtsstände und Teilgefechtsstände sowie Teile der ITInformationstechnik- und Kommunikationsinfrastruktur für circa 350 Stabsteilnehmer einzurichten und diese dann zu betreiben. Während des Betriebs stellt das Bataillon Kommunikationsdienste für Sprach-, Bild-, Text-, Video- und Datenübertragung innerhalb der Gefechtsstände bereit und verwaltet die hierzu benötigten Verschlüsselungsmittel.

Ein Soldat hält eine Kabeltrommel in der linken Hand und lässt im Lauf Fernmeldekabel abrollen.

Für Gefechtsstände sind eine große Menge Strom aber auch Datenleitungen nötig

Bundeswehr/Marco Dorow

Um die Bereitschaft der Einsatz- und Führungsunterstützung zu garantieren, bildet das in Prenzlau stationierte Bataillon Soldaten in verschiedensten Bereichen aus. Die einsatzvorbereitenden Maßnahmen des Verbandes für das Multinationale Korps Nordost werden regelmäßig während nationaler und multinationaler Übungen gewährleistet. Diese Übungen sorgen auch für die Integration in nationale und multinationale Verbände.

Das Fernmeldebataillon 610 ist auch zuständig für einen reibungslosen Ablauf bei der Versorgung mit Ersatzteilen, Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern sowie die Materialerhaltung – also die gesamte Logistik zum Betreiben der Gefechtsstände.

Ein Kran hat einen frei schwebenden Container am Haken. Ein Soldat führt mit einer Leine den Container.

Mit Fahrzeugkranen stellen die Fernmeldesoldaten Funkkabinen in einer genau festgelegten Reihenfolge auf

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Soldatinnen und Soldaten der Fernmeldetruppe im Heer sind neben dem Fernmeldebataillon 610 auf drei weitere Verbände verteilt.  

Deutsch-niederländisches CIS"Islamischer Staat" Bataillon 

Das binationale CIS"Islamischer Staat"-Bataillon (Communications and Information Systems) in Eibergen in den Niederlanden mit einer deutschen Fernmeldekompanie gehört zu den schnellen Eingreifkräften (High Readiness Forces) der NATONorth Atlantic Treaty Organization. Es ist dem I. Deutsch-Niederländischen Corps mit Standort Münster unterstellt. Das Bataillon ist bei Ausbildungen, auf Übungen und im In- und Auslandseinsatz für die Kommunikations- und Informationsverbindungen und damit für die Fernmeldeverbindungen innerhalb des Corps sowie zu deren unterstellten Verbänden und Einheiten verantwortlich.

Fernmeldekompanie des Eurocorps

Die Fernmeldekompanie des Eurocorps in Lebach ist dem Deutschen Anteil der Führungsunterstützungsbrigade Eurocorps unterstellt. Die Kompanie ist bei Ausbildungen, auf Übungen und im In- und Auslandseinsatz für das Einrichten und Betreiben des rückwärtigen Gefechtstandes des im französischen Straßburg stationierten Eurocorps verantwortlich.

Fernmeldekompanie des Kommandos Spezialkräfte

Die Fernmeldekompanie des Kommandos Spezialkräfte (KSKKommando Spezialkräfte) in Calw ist der Division Schnelle Kräfte unterstellt. Die Kompanie ist bei Ausbildungen, auf Übungen und im In- und Auslandseinsatz für das Einrichten und Betreiben des Gefechtstandes sowie für die Kommunikations- und Informationsverbindungen des KSKKommando Spezialkräfte verantwortlich.

Die Fernmeldetruppe des Heeres

Vielseitige Anforderungen an die rund 7.200 Soldatinnen und Soldaten der Fernmeldetruppe und die hochqualifizierte Ausbildung an moderner, richtungsweisender Informationstechnik kennzeichnen eine Truppengattung, deren Auftragserfüllung für die Führungsfähigkeit des Heeres von entscheidender Bedeutung ist.

So unterstützen die Fernmelder

Bild_Barettabzeichen_Fernmeldetruppe
Schlachtruf der Fernmeldetruppe
Fernmelde – Blitz! Antenne – Hoch!

Das ist unsere Ausrüstung

Die Fernmeldetruppe stellt mit Draht, Funk, Richtfunk und Satellitenkommunikation die Verbindung zwischen Truppe und Führung her und übermittelt Nachrichten. Dazu zählen fast alle Sprechfunk-, Fernsprech-, Fernschreib-, Richtfunk-, Datenübertragungs-, Bildübertragungs- und Telefaxverbindungen. Die bodenständigen Fernmeldedienste errichten und betreiben ortsfeste Fernmeldeanlagen und verbinden diese zu Fernmeldenetzen.

Die Soldaten greifen dazu auf eine große Palette spezieller Ausrüstung zurück. Fernmeldeanlagen sind in Containern oder Kabinen fest installiert. Die Container und Kabinen wiederum können schnell verladen und flexibel mit geländegängigen LkwLastkraftwagen transportiert werden, sodass die Fernmelder direkt vor Ort mit ihnen arbeiten können.

Die Logistik dazu stellen die Fernmelder mit eigenem Umschlaggerät sicher. Mit Fahrzeugkränen oder geländegängigen Radladern sind die Fernmelder in der Lage, Gefechtsstände, bestehend aus Containern, Zelten, Kabinen und vielen Kilometern Datenkabel, aufzubauen.

Das ist unser Standort

Das ist unsere Geschichte

Geschichte der Fernmeldetruppe

Um die vom Hauptgebiet getrennten Rheinprovinzen Preußens stärker in die politische und militärische Führung der Monarchie einbinden zu können, wurde 1833 eine optische Telegrafenlinie zwischen Berlin und Koblenz mit fast 550 Kilometer Länge in Betrieb genommen. Das zum Betrieb dieser Telegrafenlinie benötigte Personal wurde im Königlich-Preußischen Telegrafenkorps zusammengefasst und direkt dem Preußischen Generalstab unterstellt.

Dies kann als Ursprung des militärischen Fernmeldewesens in Deutschland bezeichnet werden. Mit der Erfindung des Telefons und Errichtung erster Fernsprechämter wurden 1899 die ersten Telegrafenbataillone aufgestellt. Von diesem Moment an ist das militärische Fernmeldewesen eine eigenständige Truppengattung. Bis kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges entstanden insgesamt drei Inspektionen, sieben Telegrafenbataillone und acht Festungsfernsprechkompanien.

Mit der Mobilmachung 1914 erhöhte sich schlagartig die Zahl der Telegrafensoldaten. Es stellte sich allerdings heraus, dass zahlreiche höhere Truppenführer überhaupt nicht in der Lage waren, die ihnen zur Verfügung stehenden Nachrichtenmittel ihren technischen Möglichkeiten und vor allem den operativ-taktischen Erfordernissen entsprechend richtig einzusetzen. Das Scheitern der deutschen Anfangsoffensive an der Marne, die Ausdehnung der Westfront und der Übergang zum Stellungskrieg im Osten bestimmten in der Folgezeit nachhaltig die weitere Entwicklung des militärischen Nachrichtenwesens. Bei Kriegsende betrug die Kopfstärke der Nachrichtentruppe – ohne Truppennachrichtenverbände – 4.381 Offiziere und rund 185.000 Mann in mehr als 2.800 Stäben und Truppenteilen.

Die militärische Niederlage und die Novemberrevolution hatten Deutschland Ende 1918 in eine tiefe Krise gestürzt.

1919 akzeptierte die deutsche Delegation die Bedingungen des Friedensvertrages von Versailles und damit die Reduzierung auf 7 Infanterie- und 3 Kavalleriedivisionen mit einer Gesamtstärke von 100.000 Mann. 1921 bildeten nunmehr 7 Nachrichtenabteilungen der Divisionen mit insgesamt etwa 2.500 Mann die neue Reichswehrnachrichtentruppe.

In dieser Zeit wurde wertvolle Arbeit für die Weiterentwicklung des militärischen Nachrichtenwesens geleistet.

Bereits wenige Tage nach Hitlers Machtübernahme befahl dieser, die Wehrmacht wiederaufzubauen. Ab 1933 wurden neue Abteilungen aufgestellt und ein Vielfaches an Führungspersonal eingestellt. 1939 war der Neuaufbau der Heeresnachrichtentruppe abgeschlossen und diese bestand nunmehr aus:

einer Führungsabteilung und neunzehn Korpsnachrichtenabteilungen

45 Divisionsnachrichtenabteilungen, darunter drei Panzer- und drei Gebirgsnachrichtenabteilungen sowie einer Nachrichtenlehr- und Versuchsabteilung an der Heeresnachrichtenschule. Die schon Ende Juli 1939 verdeckt ausgelöste Mobilmachung der Heeresnachrichtentruppe hatte zur Folge, dass die wichtigsten Truppenteile und Einheiten schon im August 1939 einsatzbereit zur Verfügung standen:

elf Nachrichtenregimenter (darunter ein Führungsnachrichtenregiment);

23 Nachrichtenabteilungen der Generalkommandos der Armeekorps;

35 Nachrichtenabteilungen der Infanteriedivisionen der 1. Welle;

19 Nachrichtenabteilungen der Infanteriedivisionen der 2. Welle;

zehn Nachrichtenabteilungen der motorisierten Infanterie- und Panzerdivisionen;

drei Gebirgsnachrichtenabteilungen der Gebirgsdivisionen;

fünf gemischte Nachrichtenkompanien der vier leichten Divisionen und der Kavalleriebrigade;

sieben Horchkompanien der Funkaufklärung;

zwölf Feldnachrichtenkommandanturen, die den Heeresgruppen- und Armeestäben zugeordnet waren;

45 selbständige Feldfernkabelbau-, Fernsprechbetriebs- und Fernsprechbaukompanien;

vierzehn Nachrichtenersatzabteilungen

In den letzten Maitagen des Jahres 1945 hörten die deutschen Nachrichtentruppen nach einer bis dahin knapp 50-jährigen dynamischen Geschichte auf zu bestehen. Es ist die Tragik der Geschichte, dass die deutsche Nachrichtentruppe ihre Leistungsfähigkeit in zwei schrecklichen Weltkriegen unter Beweis stellen musste.

Fünf Soldaten bauen eine Kommunikationsanlage im Freien auf.

Bei einer freilaufenden Übung stellen 1961 Fernmeldesoldaten die Kommunikation für die Kampftruppe sicher.

Bundeswehr/Hans H. Siwik

Als offizielles Geburtsdatum der Fernmeldetruppe der Bundeswehr ist der 11. Januar 1956 zu nennen, da an diesem Tag die „Grundsätzliche Weisung für die Aufstellung des Heeres Nr.1/56“ erschien. Als erste Fernmeldetruppenteile entstanden fünf Divisionsfernmeldebataillone sowie zwei Brigadefernmeldekompanien. Die restlichen Truppenteile, unter anderem drei Korpsfernmeldebataillone, ein Funkaufklärungsbataillon, drei Fernmeldedepotkompanien, ein Fernmeldelehrbataillon und die Fernmeldeschule des Heeres wurden kurz danach aufgestellt.

Drei Soldaten sitzen im Inneren eines Panzers. Sie notieren Meldungen und geben Funksprüche weiter.

Im Mai 1966 werden an der Fernmeldeschule in Feldafing Fernmelder ausgebildet.

Bundeswehr/Hans H. Siwik

Die Zeit von 1959 bis 1970 wurde durch die Heeresstruktur 2 bestimmt. Als wichtigste Aufstellungen in dieser Zeit sind unter anderem drei Korpsfernmeldestäbe sowie drei weitere Korps- und fünf Divisionsfernmeldebataillone zu nennen. Darüber hinaus wurde die strukturelle Basis für die Elektronische Kampfführung und die neu entstandenen Fernmeldetruppenteile für die Territoriale Verteidigung aufgebaut.

Die sich anschließende Entwicklungsphase der Heeresstruktur 3 von 1970 bis 1979 war durch die Fusion des Feldheeres mit den Truppen der Territorialen Verteidigung gekennzeichnet. In diesem Zusammenhang wurden Fernmeldeverbände für die Bundeswehrführung aufgestellt. In dieser Zeit entstanden unter anderem die Führungsfernmeldebrigade 900 mit zwei Regimentern und fünf Fernmeldebataillonen. Das Automatisierte Korps-Stammnetz sowie moderne Funk- und Richtfunktechnik wurden in dieser Zeit eingeführt

Die Heeresstruktur 4 von 1980 bis 1992 wurde auch als Optimierungsphase bezeichnet. In diesem Zeitabschnitt entstanden die Stäbe der Fernmeldeführer in den damals sechs Wehrbereichen und neun Brigadefernmeldezüge. Auf dem Gebiet der Ausrüstung brachte die Einführung einer neuen Funkgerätegeneration und der zweiten Entwicklungsstufe des Automatisierten Korpsstammnetzes einen weiteren technischen Fortschritt. Ende 1989 bestand die Fernmeldetruppe aus 34 Bataillonen.

Nach der Wiedervereinigung führte die 1. Reformphase 1990 bis 1996 mit der Heeresstruktur 5 zu einer drastischen Reduzierung und Neustrukturierung des gesamten Heeres. Am Ende dieser Entwicklungsetappe bestand die Fernmeldetruppe der Bundeswehr nur noch aus 22 Regimentern und Bataillonen.

Die 2. Reformphase mit der „Heeresstruktur – Neues Heer für neue Aufgaben“ wurde ab 1997 wirksam. Das Heer wurde zahlenmäßig noch weiter verringert und den Erfordernissen gesamtdeutscher Streitkräfte und vor allem internationaler Einsätze angepasst. Die Fernmeldetruppe bestand 1997 aus 4 Führungsunterstützungsbrigaden, einer Fernmeldeaufklärungsbrigade, sieben Führungsunterstützungsregimentern sowie zahlreichen weiteren Truppenteilen und Einrichtungen.

Mit der Entscheidung zur Neuausrichtung der Bundeswehr im Jahre 2000 wurde durch die Bundesregierung eine weitere umfassende Reform gebilligt. Für streitkräftegemeinsame Aufgaben wurde die Streitkräftebasis (SKBStreitkräftebasis) gebildet. Im Zuge dessen wurden alle Führungsunterstützungsbrigaden aufgelöst und durch Regimenter und Bataillone übernommen. Die Weisung für die Weiterentwicklung der Streitkräfte führte zur Struktur Neues Heer, mit der Fernmelder und Führungsunterstützer eine zahlenmäßige und qualitative Aufwertung erfahren sollen.

Die Fernmeldetruppe des Heeres erhielt für die 1. Panzerdivision als Eingreifkräfte das Fernmelderegiment 1. Die Division Spezielle Operationen und die Division Luftbewegliche Operationen erhielten wie die vier Stabilisierungsbrigaden jeweils ein Fernmeldebataillon. Darüber hinaus wurde ein Fernmeldebataillon als Deutscher Anteil für das Multinationale Korps Nordost und eine Fernmeldekompanie für das 1. Deutsch-Niederländische Corps bereitgestellt, während das Eurocorps erstmalig eine eigene Fernmeldekompanie erhielt. Die Fernmeldeschule des Heeres wurde im Sommer 2005 der SKBStreitkräftebasis unterstellt und in Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr umbenannt. Sie bildet seitdem alle Fernmelder des Deutschen Heeres und alle Führungsunterstützer der SKBStreitkräftebasis streitkräftegemeinsam aus.

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