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Blog: UNMISS-Einsatz im Südsudan

Fahrzeuge der Vereinten Nationen in Kolonne
Unterstützt beim Aufbau des Südsudan: Die UNMISS-Mission (Quelle Bundeswehr/Rott)Größere Abbildung anzeigen

Juba (Südsudan), 17.12.2012.
Der Südsudan hat am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit erklärt. Die UNMISS-Mission der Vereinten Nationen unterstützt beim Staats- und Institutionsaufbau, bei der weiteren friedlichen Entwicklung in Südsudan und beim Schutz von Zivilisten. Hierfür dürfen bis zu 50 deutsche Soldaten eingesetzt werden. Einer von ihnen, Hauptfeldwebel David J., berichtet in seinem Blog aus dem Südsudan.


1. Dezember 2012: Letzte Schritte

Gruppenbild: Vier Soldaten
Letzter Arbeitstag: Unser Blogger David J. mit Teilnehmern der Konferenz (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Vor zwei Tagen erreichte mein Nachfolger, Hauptfeldwebel I., Juba und somit sein Einsatzgebiet für die kommenden Monate. Während der Übergangszeit teilen wir uns einen Container. Nach meiner Abreise übernimmt er diesen und vermeidet langes Warten auf eine Unterkunft. Trotz neuer Unterkünfte ist die Situation noch immer so, dass Neuankömmlinge einige Wochen auf einen Container warten müssen.

Gestern sollte dann eigentlich mein letzter Arbeitstag sein, an dem wir genügend Zeit gehabt hätten, um die Dienstgeschäfte zu übergeben und Probleme aus dem Weg zu räumen. Wie so oft in den letzten Monaten kam es natürlich anders als gedacht. Kurz nach unserem Eintreffen im Büro flatterte eine tagesfüllende Aufgabe herein. Am Mittag sollte eine Konferenz mit den Führungen der drei VN-Missionen UNMISS (United Nations Mission in South Sudan), UNAMID (African Union/United Nations Hybrid Operation in Darfur) und UNISFA (United Nations Interim Security Force for Abyei) stattfinden und wir wurden kurzfristig mit der Organisation betraut.

Also stellten wir die Übergabe hinten an und machten uns daran, eine Präsentation zu erstellen, Verpflegung zu organisieren und den Konferenzraum herzurichten. So kam mein Nachfolger gleich mal in den Genuss, Abläufe zu sehen und Ansprechpartner kennenzulernen. Zwischendurch fanden wir trotzdem noch Zeit, um ein paar administrative Dinge für seinen Missionsbeginn zu erledigen. Bei der eigentlichen Konferenz blieben wir dann aber außen vor, da ich an diesem Nachmittag meine letzten Formulare abgeben musste und das Ticket für meine Heimreise in Empfang nahm.

So kam es, dass wir unsere eigentliche Übergabe am heutigen Samstag durchführen. Das hat den Vorteil, dass wir ganz in Ruhe (das Büro ist am Wochenende nicht besetzt) alles besprechen können. Der morgige Sonntag ist frei, da werde ich meine letzte Wanderung auf den lokalen Berg (mehr ein Felsbrocken) unternehmen und ein letztes Mal den Ausblick und den Wind über Juba genießen.

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28. November 2012: Auschleusung und Abschüssiges

Geparkte Autos; ein Auto ist einen Hügel herabgerutscht
Also doch: Beim Parken Handbremse ziehen (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Bevor ich meinen Einsatz beende steht für mich noch das obligatorische Check-Out-Prozedere an. Im Hauptquartier gibt es eigens einen Offizier, der sich darum bemüht, Abläufe zu optimieren. In Abstimmung mit diesem, einem deutschen Oberstleutnant, spielte ich heute das „Versuchskaninchen“ für einen neuen Laufzettel. Vor Kurzem noch hatten einige Kameraden graue Haare bekommen, weil wichtige Ansprechpartner umgezogen waren und Unterschriften wegen fehlender Papiere nicht geleistet werden konnten.

Ich muss sagen, bei mir lief alles herrlich reibungslos. Nach der Abgabe meines Computers und meines Funkgeräts sowie der Entwertung meines Führerscheins war auch klar, dass die VN keine ausstehenden Forderungen mehr hat. Hinzu kamen noch Bestätigungen durch die Militärpolizei und die VN-Security, dass keine Ermittlungen gegen mich laufen. Am frühen Nachmittag hatte ich bereits fast alles erledigt.

Morgen empfange ich dann noch meine Beurteilung und mit einem Besuch bei der Monitoring Unit (zuständig für die Ausschleusung) endet dann der administrative Teil. Den Abschluss bildet dann der Versand meines Materials nach Deutschland.

Mein Nachfolger ist schon in Entebbe, durchläuft gerade die Einschleusung und wird morgen hier in Juba erwartet. So bleiben uns noch einige Tage für Übergaben und den einen oder anderen Tipp. Kurz bevor ich meine Fahrberechtigung abgegeben habe kam ich noch dazu, die Winde an meinem Auto auszuprobieren. Auch im eigentlich flachen Camp sollte man immer die Handbremse benutzen, um „Ausflüge“ in den Straßengraben zu vermeiden.

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23. November 2012: Besuch aus Potsdam

Soldaten in Einsatzuniform am Tisch
Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit den Gästen (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Gestern Nachmittag empfingen wir einige Angehörige des Dezernats Beobachtermissionen vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam sowie Vertreter der EU. Bei diesen regelmäßigen Besuchen macht sich die entsendende Dienststelle ein Bild von der Lage vor Ort und bekommt einen besseren Eindruck von den Umständen, in denen wir bei UNMISS unseren Dienst verrichten. Zuvor hatten unsere Gäste bereits die deutschen Soldaten in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda besucht.

Bei einer Fahrt durch die Stadt und einem Essen mit den Angehörigen des deutschen Anteils fand ein reger Austausch statt. Man hörte Verbesserungsvorschläge an und stimmte zukünftige Verfahren ab. Im Hauptquartier informierte der Dienstälteste Deutsche Offizier (DDO), Oberst S., die Besucher über die aktuellsten Entwicklungen im Südsudan und der Mission und stand für weitere Fragen zur Verfügung.

Nach einem Tag machte sich die Gruppe dann auch schon wieder auf den Heimweg. Für mich persönlich war dieser Besuch sehr interessant, da ich eingeladen wurde, nach meinem Einsatz Lehrgangsteilnehmer in Hammelburg von meinen Erfahrungen zu berichten.

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12. November 2012: Abschied vom Force Commander

Angetretene Soldaten
Zum letzten Mal: Der Force Commander vor der Truppe (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Am 18. November wird der oberste Soldat der UNMISS, der Force Commander Generalmajor Moses Bisong Obi, seinen Einsatz im Südsudan beenden. Er war bereits ab 2010 als Force Commander bei der Vorgängermission UNMIS in Khartoum eingesetzt und wechselte mit deren Ende zu UNMISS.

Schon am vergangenen Samstag fand die Abschiedsfeier statt. Kameraden aus Nepal, Ruanda, Indien und Japan führten traditionelle Tänze und Musik aus ihren Heimatländern auf. Nach einem gemeinsamen Abendessen würdigten verschiedene Offizielle die Leistungen des scheidenden Force Commanders.

Bevor Generalmajor Obi heute den Südsudan verließ, stand noch der Abschied vom Personal des Hauptquartiers auf seinem Programm. Im Rahmen eines Antretens nahm er ein letztes Mal selbst die Verleihung von Einsatzmedaillen sowie die Auszeichnung für besondere Leistungen vor. Die nächten Tage wird er für einen abschließenden Bericht in New York sein.

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5. November 2012: Verschwundener Lagerraum

UNMIS-Soldaten öffnen einen großen Container
Auf der Suche nach dem verschwundenen Container (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die Vereinten Nationen hat dem deutschen Kontingent bereits vor geraumer Zeit einen Seecontainer als Lagerraum zur Verfügung gestellt. Diesen habe ich in den vergangenen fünf Monaten nur zwei Mal aufgesucht, zuletzt kurz vor meinem Urlaub Mitte Oktober. Heute wollten wir dort dann einige Gegenstände zweier Kameraden verstauen und zu unserem Erstaunen stellten wir fest, dass dort wo wir den Container erwarteten, uns eine freie Fläche „anlachte“.

Verantwortliches Personal war nirgendwo zu sehen. Etwas ratlos fuhren wir im Seecontainerbereich umher, in der Hoffnung, irgendwo den kleinen Aufkleber mit der deutschen Flagge zu erblicken. Erst war nichts zu sehen, bis wir den Blick etwas nach oben richteten. In einem völlig anderen Bereich und auf einer anderen Ebene erblickten wir die deutschen Farben. Wieder einmal mussten wir den praktischen Weg der Improvisation wählen. Zum Glück fahren wir hier nicht Cabrio.

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2. November 2012: Letzter Abschnitt meines Einsatzes

Kontrollposten der Vereinten Nationen
Himmlisches Zeichen? – Regenbogen über dem UNMISS-Camp (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nun beginnt der letzte Abschnitt meines Einsatzes im Südsudan. Die vergangenen zwei Wochen habe ich mich für meinen zweiten Urlaub in Deutschland, Ruanda und Uganda aufgehalten. Zurück in Juba hieß es, erst das Liegengebliebene der vergangenen Zeit aufzuarbeiten und dann die letzten Wochen zu gestalten. Neben den Routine-Aufgaben gilt es auch, noch eine Übergabe für meinen Nachfolger und meinen eigenen Check-Out vorzubereiten.

Damit eine Übergabe überhaupt stattfinden kann, habe ich meinen Einsatz um einige Tage verlängert. Andernfalls wäre mein Nachfolger drei Tage nach meiner Abreise in Juba eingetroffen. Nun haben wir aber genügend Zeit, um Material und Dienstgeschäfte reibungslos zu übergeben. Sollten dann doch noch Fragen ungeklärt sein, habe ich begonnen, einen kleinen Leitfaden zu erstellen, der vielleicht Licht ins Dunkel bringt. In den vergangenen Wochen hatten wir auch schon einigen Kontakt per E-Mail, wobei er Fragen stellte und ich ihm einige Ratschläge mitgeben konnte. Dank der langsamen, aber doch beständigen Internetverbindungen ist es eigentlich immer möglich, zeitnah zu antworten.

Die kommenden Wochen werden sicher noch einmal herausfordernd. Da wir bis zum Ende des Jahres endlich militärische Helikopter aus Ruanda erwarten, soll ich meinen Wohncontainer – nach gerade mal zwei Monaten – wieder räumen. Für mich wäre das kein Problem, ich könnte das aussitzen. Doch damit auch mein Nachfolger noch ein Dach über dem Kopf hat, ziehe ich kommende Woche in eine frei werdende Unterkunft. Dort wohnte bisher ein anderer deutscher Soldat, der nun von einem dänischen Kameraden abgelöst wird. Die Dänen bewohnen jedoch ein eigenes Haus in Juba.

Also nutze ich diese Gelegenheit zum Umzug. Bei meinen zwei Reisen in die Heimat habe ich auch schon einiges an Kleidung und Material nach Hause gebracht. So ist das zu bewegende Gut relativ überschaubar. Wenn ich dann schließlich umgezogen bin, kommen drei deutsche Verbindungsoffiziere (MLOs, Military Liasion Officers) für ihren Missionsabschluss nach Juba. Da kommt dann noch die eine oder andere Unterstützungsleistung auf mich zu. Mit meinem Nachfolger erwarten wir auch drei neue MLO's in Juba, was natürlich auch für ordentlich Beschäftigung in den letzten Tagen sorgen wird.

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17. Oktober 2012: Patrouille abgebrochen

VN-Soldaten posieren für Gruppenbild
Man hat’s probiert: Gruppenbild während der Patrouille (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Heute stand etwas Abwechslung auf dem Programm. Es war geplant, eine Patrouille des in Juba ansässigen, für den Bundesstaat Central Equatoria zuständigen Verbindungsoffiziers (Military Liasion Officer, MLO) zu begleiten. Ausgerüstet mit Trinkwasser und einem gepackten Rucksack für das Nötigste, inklusive Erste-Hilfe-Ausstattung, fand ich mich am Morgen im MLO-Büro ein. Eine kurze Einweisung, dann wurden die Fahrer bestimmt, Funkrufzeichen festgelegt und das Ziel besprochen. Ein kleines Dorf, eine Stunde nördlich von Juba, sollte zur Gesprächsaufklärung besucht werden. Bei diesen unregelmäßigen Besuchen sollen Bedürfnisse und Probleme der Bevölkerung aufgenommen werden. In Abstimmung suchen dann unsere VN-Mission, die südsudanesischen Behörden und die SPLA (Sudan People’s Liberation Army) nach Lösungen.

Unsere zwei Fahrzeuge waren besetzt mit zwei eigenen Verbindungsoffizieren, einem Sprachmittler, einem Verbindungsoffizier der SPLA und mir. Hinzu kamen noch vier Fahrzeuge des ruandischen Bataillons zum Schutz der Patrouille. Seit dem Vorabend hatte es sich aber schon „eingeregnet“, und so waren unsere Hoffnungen, das Dorf überhaupt erreichen zu können, eher überschaubar. Trotzdem wollten wir einen Versuch wagen.

Mit dem ortskundigen Sprachmittler und dem Patrouillenführer saß ich im ersten Fahrzeug. Wenige hundert Meter hinter Juba hörte auch prompt die geteerte Straße auf und wir landeten auf einer Schotterpiste mit vom Regen tief ausgewaschenen Schlaglöchern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug bei dieser Fahrbahnbeschaffenheit und den schlechten Sichtverhältnissen knapp 30 Stundenkilometer. Auf der ansonsten leeren Straße bewältigten wir einen regelrechten Slalom, um möglichst viele Löcher auszulassen.

Nach knapp zwei Stunden stellte unser lokaler Führer jedoch fest, dass wir die Abzweigung verpasst hatten. Was wir dann aber, nachdem wir umgekehrt und gut zehn Minuten zurückgefahren waren, vorfanden, war kaum Abzweigung zu nennen. Von der „Straße“ schlängelte sich plötzlich ein Feldweg ab. Diesen begingen wir erst zu Fuß, um die Beschaffenheit zu überprüfen. Zu Fuß ging es gerade noch, aber an ein Befahren war nicht zu denken.

Nach Beratungen entschied sich der Patrouillenführer zum Abbruch des Vorhabens. Zur Dokumentation wurden noch einige Fotos geschossen, und dann traten wir die Heimfahrt an. So kann ich von meiner ersten Patrouille nichts Greifbares mitnehmen. Für mich ist jedoch jede Fahrt außerhalb von Juba ein Erlebnis. Es ist immer wieder spannend, das Land mit all seinen Facetten zu erleben und zu erkunden.

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5. Oktober 2012: Verbindungsoffiziere treffen sich

Gruppenfoto: Verbindungsoffiziere
Zusammenkunft in Juba: Die Verbindungsoffiziere für die zehn Bundesstaaten (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

In den vergangenen zwei Tagen fand in Juba eine Konferenz der Verantwortlichen Verbindungsoffiziere für die zehn Bundesstaaten des Südsudan statt. Die Offiziere, in der Regel im Rang eines Oberst, sind in den Ihnen zugeteilten Gebieten die Ansprechpartner auf Bundesstaatsebene. Die ihnen jeweils unterstellten Verbindungsoffiziere (Oberstleutnant oder Major) sind für verschiedene Landkreise innerhalb dieser Bundesstaaten zuständig. Drei Mal pro Jahr treffen sich diese Senior Military Liasion Officer (SMLO) in Juba, um im persönlichen Gesprächen die zurückliegenden Monate zu bewerten und anstehende Aufgaben zu planen.

Die Konferenz begann am Mittag mit eröffnenden Worten des stellvertretenden Force Commander, Brigadegeneral Asit Mistry (Indien). Anschließend hielt jede Abteilung des Hauptquartiers einen kurzen Vortrag über den aktuellen Stand und zu erwartende Veränderungen. So war der erste Tag auch schnell vorüber und der Abend für alle Teilnehmer zur freien Verfügung. Die Zeit wurde für den Austausch mit Kameraden aus den Heimatländern genutzt. Einige der Offiziere sind nämlich in Zweitfunktion auch Kontingentführer und hatten so die Gelegenheit, ihre Soldaten in Juba zu besuchen.

Der zweite Tag startete mit einem Vortrag der für die Ausbildung zuständigen Abteilung zum Schutz der Zivilbevölkerung. Dieser neue Ausbildungsanteil soll alle UN-Mitarbeiter für diese Hauptaufgabe sensibilisieren. Nach und nach soll diese Ausbildung in allen zehn Bundesstaaten stattfinden. Die SMLO's waren durchweg positiv gestimmt und brachten ihre eigenen Erfahrungen zur Vervollständigung des Trainings ein. Eine geplante Diskussionsrunde mit Vertretern der SPLA musste aufgrund kurzfristiger Termine leider ausfallen. So wurde die Zeit genutzt um im kleinen Kreis die jeweilige Arbeit zu besprechen.

Die Konferenz wurde bei einem gemeinsamen Dinner mit dem Force Commander, Generalmajor Moses Bisons Obi und dem stellvertretenden Force Commander beschlossen.

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28. September 2012: Training der Verbindungsoffiziere

Soldat unterrichtet Neuankömmlinge
Am Anfang steht die Theorie: Ausbildung der neuen Verbindungsoffiziere (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Das „In-Processing“, ein organisatorischer Ablauf durch verschiedene Stationen zu Beginn des Einsatzes für Neuankömmlinge, wird ständig den wechselnden Herausforderungen angepasst und optimiert. Damit in den Camps überall im Land nicht erst noch Zeit für Grundlegendes verbraucht wird, sondern direkt mit der Einarbeitung begonnen werden kann, haben wir uns dazu entschlossen, die Kameraden bereits hier in Juba vorzubereiten.

In Abstimmung mit Ausbildungsabteilung im UNMISS-Hauptquartier haben wir einige Unterrichte speziell für die Verbindungsoffiziere, (englisch: Military Liason Officer, MLO) erarbeitet.

Oberstleutnant Koshy (Indien) aus der MLO-Zelle referiert über die Stellung der Verbindungsoffiziere und geht dabei besonders auf die Unterschiede zur Vorgängermission (UNMIS) ein. Denn die Aufgaben haben sich grundlegend gewandelt, vom unparteiischen Beobachter zum vertrauensvollen Partner und Unterstützer.

Besonders freuen wir uns darüber, dass wir Oberleutnant Kon A. Deng von der SPLA (Sudan People’s Liberation Army) dafür gewinnen konnten, Strukturen und Philosophie der SPLA in einem Vortrag zu vermitteln. Ab der kommenden Woche wird auch die Abteilung für Geoinformationswesen einen Unterricht über die GPS-Geräte halten.

Zum Abschluss findet noch ein Rollenspiel statt, in dem die Zusammenarbeit mit den Schutzkräften, das Meldewesen, die Handhabung der Navigationsgeräte und nicht zuletzt auch die Erste Hilfe bei Verletzungen aufgefrischt werden. In der vergangenen Woche fand die erste Ausbildung dieser Art statt, und sie wurde von den teilnehmenden Soldaten durchweg positiv aufgenommen und als sehr wertvoll angesehen.

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27. September 2012: Hiesige Krankheiten

Auto steht vor der Sanitätseinrichtung
Die Sanitätseinrichtung im Camp der UNMISS (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Malaria ist hier vor Ort ein ständiges Thema. Bei der geringsten Gefahr verordnen die Ärzte direkt einen Malariatest. Die Gefahren dieser Krankheit werden, besonders jetzt zur Regenzeit und wegen der wirklich großen Mückenpopulation sehr ernst genommen.

Allerdings führen Verschleppungen durch die Patienten und das späte Aufsuchen eines Arztes hin und wieder zu schweren Krankheitsverläufen. Da die Symptome denen einer Grippe ähneln, wird die Krankheit oft unterschätzt und man versucht es mit Selbstbehandlung. Bei rechtzeitiger Diagnose und mit der richtigen Medikation lässt sich aber auch die Malaria nach einigen Tagen erfolgreich behandeln.

Gerade in den vergangenen Tagen wurde auch Typhus ein Thema. In unserem Camp traten circa 20 Fälle auf, welche in der Regel hier vor Ort behandelt wurden. Sollte sich der Zustand eines Patienten verschlimmern, wird er auf Anordnung des Arztes in eine besser ausgestattete Klinik nach Kampala in Uganda ausgeflogen.

Für uns Deutsche ist der medizinische Bereich des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr eine weitere wichtige Ansprechstelle. Durch deutsche Soldaten im Heimaturlaub sowie neu eintreffende Kameraden ist es immer wieder möglich, Engpässe bei den gebräuchlichsten Medikamenten zu beseitigen. Es ist beruhigend zu wissen, dass immer jemand ansprechbar ist und man so eine weitere Möglichkeit der Behandlung hat.

Ich selbst bin momentan gesundheitlich auch nicht gerade vom Glück gesegnet. Nach einer Woche mit wetterbedingten Kopfschmerzen folgte eine schwere Erkältung. Da mein Immunsystem sich schon verabschiedet hatte, machten mir zu guter Letzt noch ein paar Herpesviren zu schaffen. Alles anstrengend, aber glücklicherweise nichts Ernstes.

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15. September 2012: Neue Kameraden

Soldaten und Zivilisten stehen am Flugzeug
Ankunft der neuen Verbindungsoffiziere (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die großen Ereignisse finden momentan nicht statt. Die täglichen Routinen werden allerdings immer wieder durch Unvorhersehbares aufgelockert, und so gestaltet sich doch jeder Tag auf ein Neues spannend.

Nachdem es einige Male zu Problemen kam, weil Flieger der Vereinten Nationen kurzfristig zu Evakuierungs -oder Versorgungsflügen aufbrechen mussten, und keine Zeit blieb, um die SPLA-Truppen (Sudan People's Liberation Army) im entsprechenden Gebiet zu informieren, wurde vor einigen Wochen die Idee geboren, ein spezielles Verbindungselement zwischen der SPLA und der Fliegenden Gruppe bei UNMISS zu installieren.

Vor zwei Wochen traten schließlich vier Kameraden hochmotiviert ihren Dienst an. Man konnte spüren, dass sie willens sind, in dieser Aufgabe möglichst viel zu lernen, um ihren Horizont und auch das Fähigkeitsspektrum der SPLA zu erweitern. Momentan werden sie noch in die Abläufe eingewiesen und sind dabei, ihren Arbeitsplatz einzurichten. Doch ich bin mir sicher, dass sie schon bald einen wichtigen Beitrag zum Flugverkehr im Südsudan beitragen können.

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3. September 2012: Eindrücke aus Juba

Einheimische neben einem Müllhaufen auf der Straße
Armut prägt das Bild von Juba (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Juba ist anders. Natürlich ganz anders, als es alle Städte in Europa oder den USA je sein könnten. Doch auch völlig anders als die mediterranen Städte in Tunesien oder der Türkei, die ich bisher gesehen habe. Aus der Luft sieht man Juba als eine glitzernde Stadt. Von Nahem betrachtet sind das aber nur die Wellblechdächer der Hütten. Neben diesen gibt es noch unzählige „Tukuls“, kleine runde oder rechteckige Lehmhütten mit Strohdächern. In diesen lebt dann die ganze Familie, oft auch mehrere Generationen.

Gemauerte Häuser sind noch in der Unterzahl, obwohl überall fleißig gebaut wird. Und es gibt auch das andere Extrem: Menschen, die im Schlamm am Straßenrand unter gespannten Planen leben, dem häufigen Regen in diesen Wochen schutzlos ausgesetzt.

Es sind sehr viele Kinder in den Straßen zu sehen. Diejenigen, die Glück haben, gehen in ihren schmucken Schuluniformen zum Unterricht. Die anderen müssen die Familie durch ihre Arbeit unterstützen. Die Kinderarbeit reicht vom Hüten der Tiere über das Waschen von Autos bis zum beschwerlichen Ackern in den kleinen Steinbrüchen am Fuße des Jebel Mountain. Vielen dieser Kinder verlieren ihre kindliche Leichtigkeit bei diesem Leben.

Besonders aufgefallen ist mir die Armut im Allgemeinen. Diese erscheint hier ausgeprägter als in anderen Ländern der Region.

Der Straßenverkehr ist speziell. Wenn auch langsam, fließt alles doch recht kontinuierlich, wobei die Vorfahrtsregel flexibel ausgelegt wird. Die ohnehin komplexe Verkehrslage wird noch „gewürzt“ durch frei herumlaufende Tiere. Hunderudel und Ziegen, Hühner und Gänse sind die am häufigsten anzutreffenden Verkehrsteilnehmer. Doch auch ganze Rinderherden werden gerne durch die Straßen getrieben. In dem Fall bleibt nichts weiter zu tun, als das Recht des Stärkeren anzuerkennen und sie passieren zu lassen.

In Juba haben wir das Glück, dass die großen Straßen geteert oder zumindest Schotterpisten in gutem Zustand sind. Die Nebenstraßen jedoch kann man getrost abenteuerlich nennen. Schlaglöcher und „Flußbetten“, verursacht durch Regenfälle, machen ein Vorankommen meistens beschwerlich, manchmal unmöglich. Das japanische Pionierbatallion ist seit einigen Wochen in der Stadt unterwegs und setzt Straßen in Stand. Das sorgt zum einen für verkürzte Fahrten zur Arbeit und zum anderen prägt es das Bild von UNMISS im Südsudan positiv.

In der Nähe des Camps befindet sich ein kleines Viertel, in dem die Straßen von kleinen Seen durchzogen sind. Diese sind manchmal mehrere dutzend Meter lang und beim Durchqueren bleibt mir regelmäßig das Herz stehen, wenn es immer tiefer wird. Glücklicherweise ist der Geländewagen bisher immer in der Lage gewesen, diese Stellen zu meistern. Natürlich ist auch die Kriminalität immer ein Thema. Es gibt immer wieder Meldungen über Einbrüche und Raubüberfälle und auch Morde. Ich persönlich habe aber noch keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht.

Trotzdem habe ich mich, obwohl ich mich nicht in meiner Bewegungsfreiheit einschränke, noch nie unsicher gefühlt. Mit all seinen Facetten hat Juba mich in seinen Bann gezogen. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit habe, diese Stadt und dieses Land durch meinen Einsatz so intensiv kennenlernen zu dürfen.

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29. August 2012: Die zweite Hälfte beginnt

Wohncontainer mit Tischen und Stühlen davor
Ein Stück Heimat im Südsudan: Das deutsche Eck im Camp (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Vor zwei Tagen bin ich aus meinem Heimaturlaub in Deutschland wieder nach Juba gekommen und habe mich direkt in die Arbeit gestürzt. Liegengebliebenes wollte aufgearbeitet und Aktuelles arrangiert werden. Da meine Kameraden mich in meiner Abwesenheit toll unterstützt haben, kam es zu keinem bösen Erwachen. Es war gut, nach fast drei Monaten mal wieder für ein paar Tage zu Hause zu sein. Trotz Reisezeiten von gut zwanzig Stunden und vielen privaten Terminen blieb genügend Zeit, den Akku aufzuladen und Kraft für die zweite Hälfte des Einsatzes zu sammeln. Der Heimataufenthalt zahlte sich aber nicht nur für mich aus. Aktuelle deutsche Zeitschriften, dunkles Brot, Wurst und Käse sind bei allen immer herzlich willkommen.

Wieder in Juba standen gleich Termine mit der Camp Verwaltung und der Abrechnungsstelle an. Gestern Nachmittag fand dann wieder das regelmäßige Meeting mit der SPLA (Sudan People’s Liberation Army) statt, welches aufgrund der möglichen Einigung mit dem Sudan bezüglich der Streitigkeiten besonders interessant war. Nach meinem ersten vollen Diensttag packte ich schließlich noch meine Sachen und zog um. Ein kürzlich eingetroffener deutscher Kamerad übernimmt meinen alten Container und ich ziehe in einen neu geschaffenen Teil des Camps. So ist zumindest sichergestellt, dass das deutsche Eck weiterhin bestehen bleibt.

Dort sind zwei Container seit einigen Jahren ständig von deutschen Missionsangehörigen belegt worden und dementsprechend konnte man sich etwas einrichten. Wenn einer der Bewohner seinen Einsatz beendet, wird darauf geachtet, dass der Container nicht verloren geht, sondern direkt an einen Nachfolger übergeben wird. Hier verbringen wir manchen Abend gemeinsam, vertreiben uns die Zeit mit Gesprächen oder Grillen.

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27. August 2012: Politiker informieren sich vor Ort

Gruppenbild der Delegation
Informationsbesuch der Delegation aus Deutschland: Die Repräsentantin des VN-Generalsekretärs, Hilde Johnson ( 3. v.r.) und die deutsche Delegation (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Diese Woche war gekennzeichnet vom Informationsbesuch einer Delegation aus Deutschland. Unter der Leitung vom Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung Thomas Kossendey besuchten Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages die Region. Da die Delegation am späten Montagnachmittag in Juba eintraf und am Mittwoch bereits wieder das Flugzeug Richtung Deutschland bestiegen wollte, war das Programm am Dienstag entsprechend gefüllt und arbeitsintensiv.

Der parlamentarische Staatssekretär reiste nach kurzem Aufenthalt direkt weiter zu Gesprächen nach Äthiopien. Hier und auch vor der Rückreise nach Deutschland ließ er sich jeweils über die Lage im Südsudan durch den Dienstältesten Deutschen Offizier (DDO) informieren.

Angeführt von Susanne Kastner (SPD), der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, setzte sich die Delegation wie folgt zusammen: Herrn MdB Ernst Beck (CDU), Herrn MdB Rainer Arnold (SPD), Frau MdB Agnes Brugger (Bündnis 90/Die Grünen), Herrn MdB Paul Schäfer (Die Linke), Herrn Hellmut Königshaus (Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages) sowie Herrn Generalleutnant Hans-Werner Fritz (Leiter Abteilung Strategie und Einsatz im Bundesministerium der Verteidigung). Hinzu kamen weitere Mitarbeiter des BMVg sowie ein Dolmetscher.

Nach der Ankunft in Juba bezogen die Gäste das Hotel und wir ließen den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. Aufgrund der begrenzten Zeit begann der Dienstag gleich bei einem Arbeitsfrühstück mit Vertretern der Deutschen Botschaft in Juba. Anschließend wurde in das Hauptquartier verlegt, wo ich die Abgeordneten und Vertreter des BMVg über die Lage im Südsudan und die UNMISS Planungen informierte. Es folgte ein Vortrag der UNMISS-Abteilung für Entwaffnung und Reintegration.

Danach ging es zum stellvertretenden Kommandeur von UNMISS, Brigadegeneral Asit Mistry aus Indien, welcher der Delegation ausführlich Rede und Antwort stand. Den Besuch rundete ein Termin bei der Missionsführung, Frau Hilde Johnson aus Norwegen, der Repräsentantin des VN- Generalsekretärs im Südsudan, ab. Am Nachmittag fanden weitere Gespräche mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister, Dr. Majak D Agoot, und dem Leiter der südsudanesischen Kommission für Entwaffnung und Reintegration im Verteidigungsministerium, Dr. William Deng Deng, statt.

Bei allem Zeitdruck machte sich die Delegation aber auch mit den Lebensbedingungen der deutschen Soldaten in Juba vertraut. Neben den offiziellen Terminen blieb trotzdem noch Zeit sich auszutauschen. In der Gesamtbetrachtung ein arbeitsreicher und informativer Besuch.

Anmerkung der Redaktion: Da sich unser Blogger David J. während des Besuches auf Heimaturlaub befand, hat Oberst S. freundlicherweise diesen Beitrag verfasst.

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10. August 2012: Besuch aus Deutschland

Gruppenbild: Soldaten vor Statue
Besuch aus der Heimat: Deutsche Delegation im Süd-Sudan (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Hoher Besuch hatte sich angekündigt. Oberst Poschwatta vom Bundesministerium der Verteidigung machte auf seiner Ostafrikareise gestern Halt bei UNMISS in Juba. Nach den Kameraden bei EUTM Somalia in Uganda waren wir der zweite Stopp. Erst wurden die Zimmer bezogen und nach einer kurzen Verschnaufpause ging es direkt ins Hauptquartier des militärischen Teils von UNMISS.

Dort wurde der Oberst vom stellvertretenden Force Commander begrüßt und erhielt in einem Briefing mit dem Chef des Stabes einen Überblick über den aktuellen Stand der Mission und die Planungen. Am Abend hatte der deutsche Anteil dann zu einem gemeinsamen Abendessen mit der Delegation, UNMISS Abteilungsleitern und Vertretern der SPLA geladen. In guter Atmosphäre verbrachten wir einige Stunden am Ufer des weißen Nils. Heute wurden wir dann vom Chef des Generalstabs der SPLA, Generalleutnant James Hott Mai, und Brigadegeneral Majier empfangen.

Anschließend stand noch ein Besuch beim stellvertretenden Repräsentant des Generalsekretärs der VN und bei einem Vertreter der Europäischen Union auf dem Programm. Ein Mittagessen mit den in Juba stationierten Soldaten und ein Besuch unserer Unterkunftsbereiche rundete das Programm ab, bevor es für die Kameraden weiter ging nach Äthiopien, um dort den Militärattaché zu treffen. Dieser Besuch war für uns vor Ort noch in einer weiteren Hinsicht wichtig.

So hatten wir Gelegenheit, durch den Mediziner beim Einsatzführungskommando, unbürokratisch mit einigen Medikamenten versorgt zu werden. Es ist beruhigend zu wissen, dass wir doch recht zeitnah aus der Heimat unterstützt werden können. Für mich steht in den kommenden Tagen der erste Heimaturlaub an. Die Zeit zu Hause werde ich nutzen, um den Akku wieder aufzuladen und die ersten Eindrücke zu verarbeiten.

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26. Juli 2012: Seminar in Malakal

Afrikanische Journalisten mit Kamera und Mikrofon interviewen Obi
Großes Interesse am Seminar: Generalmajor Obi im Interview (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach einigen Wochen der Vorbereitung war es vorgestern endlich so weit. Ich habe Juba zum ersten Mal verlassen und mich, gemeinsam mit drei Kameraden aus der Koordinierungsstelle, auf den Weg nach Malakal gemacht. Nachdem wir zuvor Plätze gebucht hatten, was natürlich mit ordentlich viel Bürokratie und Stempeln verbunden war, brachte uns der VN-Flieger etwas mehr als 500 Kilometer in den Norden des Landes.

Malakal ist die Hauptstadt des Bundesstaates Upper Nile State und mit geschätzten 140.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Südsudan. Der Landeanflug ließ schon erahnen, dass die Regenzeit hier wesentlich stärker ist, als bei uns im Süden. Überschwemmte Straßen und Felder soweit das Auge reichte.

Vom Flughafen wurden wir zum nahegelegenen VN-Camp gebracht und dort von den verantwortlichen MLOs (Verbindungsoffiziere) in Empfang genommen. Das Camp ist wesentlich kleiner als unseres und die Straßen durch die vielen langen Regenfälle total aufgeweicht. Natürlich hatte ich die Ratschläge einiger Kameraden ignoriert und meine Gummistiefel nicht eingepackt.

Am gestrigen Mittwoch war neben der Klärung der letzten offenen Punkte für das Seminar auch Gelegenheit, sich die Stadt zeigen zu lassen. Bis auf wenige hundert Meter gibt es keine asphaltierten Straßen und die Schotterpisten sind auch in einem sehr schlechten Zustand. Manches Mal hatten wir Sorge uns festzufahren. Man merkte, dass Malakal recht nah zum Sudan liegt. Traditionelle arabische Kleidung, arabische Schilder und Produkte prägen das Stadtbild. Der Markt war hinsichtlich der Hygiene und des Zustands definitiv eine spezielle Erfahrung. Nachmittags trafen dann die Seminarteilnehmer und eine Abordnung von UNMISS ein.

Das Seminar ging mit wenig Verspätung und alles in allem reibungslos über die Bühne. Als Gäste waren, neben dem Gouverneur von Upper Nile State, Generäle der im Bundesstaat stationierten SPLA-Divisionen, deren Adjutanten und ein Vertreter der Polizeikräfte anwesend. Der Gouverneur von Upper Nile State sprach, ebenso wie Generalmajor Obi, einige Worte zur Eröffnung.

Vorträge zum UNMISS-Mandat, Menschenrechte, der Philosophie der Verbindungsoffiziere, aber auch den Rechten der Missionsangehörigen sowie weiteren Themen wurden mit großem Interesse verfolgt. Unklarheiten und spezielle Fälle konnten sofort angesprochen und geklärt werden.

Auch dieses Seminar, das dritte dieser Art, war ein voller Erfolg und sollte dabei helfen, die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen UNMISS und der SPLA weiter zu verbessern. Die anwesenden lokalen Medien zeichneten Teile der Veranstaltung auf und interviewten die Generäle in der Mittagspause. Am Abend landeten wir wieder wohlbehalten in Juba.

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23. Juli 2012: Aufbruch nach Malakal

Luftaufnahme des Flughafens
Mit dem Flieger geht es in den Norden des Landes (Archivbild) (Quelle: Bundeswehr/Krüger)Größere Abbildung anzeigen

Heute ist alles etwas unübersichtlich. Da ich morgen mit Kameraden nach Malakal im Norden des Landes fliege, muss heute alles für die kommende Woche erledigt werden. Neben dem Üblichen – Vorbereitung der nächsten Koordinationsbesprechung und Unterstützung der neu eingetroffenen deutschen Kameraden – werde ich immer wieder durch Unvorhersehbares unterbrochen.

Da das Verbindungsbüro der südsudanesischen Streitkräfte nicht in die UNMISS-Struktur integriert ist, kümmere ich mich darum, Büromaterial für sie zu organisieren. Dann bittet mich auch noch ein deutscher Verbindungsoffizier, doch auf dem „kleinen Dienstweg“ eine Unterkunft für drei Polizisten aus der Ukraine zu besorgen. Nach ein paar Anrufen ist auch das kein Problem mehr. Nebenbei müssen noch zwei Verbindungsoffiziere vom Flughafen abgeholt werden, und schon ist auch dieser Tag rum.

Mit großer Vorfreude blicke ich auf den morgigen Abflug. Endlich verlasse ich Juba und sehe eine weitere Facette des Südsudan. Ich bin sehr gespannt auf die Eindrücke, die mich dort erwarten. Nachdem wir die vergangenen Wochen mit der Organisation eines Seminars für Offiziere des Südsudan verbracht haben, werden wir, wenn auch nicht als Vortragende, in den kommenden Tagen dort eingebunden sein.

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20. Juli 2012: Neuankömmlinge aus Deutschland

Gruppenbild: David J. und drei Soldaten
Deutsche bei UNMISS: Kennengelernt in Potsdam, wiedergetroffen in Juba (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Heute hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, der „alte Hase“ zu sein: Am Vormittag sind drei Kameraden aus Deutschland eingetroffen, und da wir gemeinsam die einsatzvorbereitende Ausbildung in Potsdam besucht haben, gab es ein großes Wiedersehen. Nach einer Woche Einarbeitungsphase in Entebbe erwarten sie jetzt noch ein paar Tage Briefings in Juba, und dann werden zwei von ihnen als Verbindungsoffiziere in die Fläche des Landes geschickt, während der dritte den deutschen Anteil im Hauptquartier ergänzen wird.

Normalerweise gibt es für diese Fälle, in denen noch keine dauerhafte Unterkunft gestellt wird, Container, die sich bis zu zwölf Personen teilen. Um den Kameraden einen Transit-Container zu ersparen, nehmen wir sie für die paar Nächte bei uns auf. Außerdem versorgen wir sie mit dem Nötigsten und zeigen ihnen Juba.

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18. Juli 2012: Medaillen für die Altgedienten

Soldaten sind angetreten
Antreten zur Ehrung: Die UNMISS-Medaillen werden verliehen (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Heute hat der Force Commander, Generalmajor Moses Bisong Obi aus Nigeria, den Kameraden, die mindestens 90 Tage in der Mission gedient haben, ihre UNMISS-Medaillen verliehen. Dazu sind alle vor dem Gebäude angetreten, und natürlich wurden auch ein paar Worte zum Stand der Mission gesagt. Dieses Mal wurden auch drei deutsche Kameraden ausgezeichnet. Als „Neuling“ wird es für mich wohl erst bei der nächsten „Medal-Parade“ so weit sein.

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17. Juli 2012: Flinten und Kornfelder

Offiziere und Mitarbeiter sitzen am Tisch
Coordination Meeting – alle Akteure an einem Tisch (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Etwas mehr als fünfzig Tage Einsatz liegen hinter mir und ich bin etwas zwiegespalten. Einerseits gefällt mir das Land, die Menschen sind toll und auch der Job ist interessant. Andererseits strengt die Bürokratie enorm an und das verdirbt einem manches Mal die Laune.

Neben meinen UNMISS-Aufgaben bekomme ich auch hin und wieder Anfragen von ehemaligen Missionsangehörigen aus Deutschland – ob wegen nicht verliehener Medaillen oder wegen fehlerhaften bis nicht erfolgten Auszahlungen von VN-Aufwandsentschädigungen. Mit meinen, von den Kameraden vorbereiteten, Unterlagen heißt es dann forschen. Wenn schließlich der richtige Ansprechpartner gefunden ist, braucht es eine gewisse Hartnäckigkeit, um nicht bei den ersten vehementen Abwehrversuchen gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Bisher konnten aber alle Sachverhalte aufgeklärt werden.

Ansonsten besteht mein Dienst mittlerweile aus der Vorbereitung von Dienstreisen, mit Flugbuchung und Unterkunft organisieren, der Abstimmung mit dem Verbindungsbüro der südsudanesischen Armee und weiteren organisatorischen Tätigkeiten.

Momentan ist unser großes Projekt die Vorbereitung eines „Sensibilisierungs-Seminars“ für hochrangige Offiziere der hiesigen Streitkräfte und der Polizei. Das wird wesentlich umfangreicher als die zweiwöchentlichen Meetings, und da dieses Seminar nicht in Juba stattfinden wird, muss die ganze Organisation aus der Ferne geschehen, mit freundlicher Unterstützung der Verbindungsoffiziere vor Ort.

Heute fand außerdem noch mein drittes Coordination Meeting statt. Dabei ist es immer wieder sehr spannend zu sehen, wie international auf diesen Ebenen gearbeitet wird.

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9. Juli 2012: Independence Day

Collage: Sudanesen auf LKW; Blende mit Buch-Icon
Zum Unabhängigkeitstag werden auch Lastwagen herausgeputzt (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Heute jährt sich die Unabhängigkeit des Südsudan zum ersten Mal. Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg, langen Verhandlungen um Waffenstillstände und Autonomie und einem Referendum erklärte sich der Südsudan am 9. Juli 2011 schließlich für unabhängig. Dieses Datum ist für die Bevölkerung von immenser Bedeutung.

Konnten wir in den vergangenen Wochen schon die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten sehen, so wurde in der letzten Woche nochmal alles gegeben um Juba, die Hauptstadt des Südsudan, herauszuputzen. Der Müll wurde eingesammelt, Straßen wurden gereinigt und Markierungen aufgemalt. Auch wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Checkpoints, betrieben von der SPLA (Sudan People's Liberation Army, die südsudanesische Armee) und der SSPS (Southern Sudan Police Service, die südsudanesische Polizei) wurden an vielen Kreuzungen errichtet und die dort vorgenommenen Durchsuchungen sorgten für einige Verzögerungen. Wir waren mit unseren VN-Fahrzeugen von diesen Maßnahmen meistens ausgenommen.

Bei Fahrten durch die Stadt sahen wir am ganzen Wochenende viele Flaggen und fröhliche Menschen. Dieses Treiben fand seinen Höhepunkt natürlich heute. Am Garang-Mausoleum (John Garang war ein hiesiger Politiker) fand eine große Kundgebung statt – mit Reden vom Staatspräsidenten, der VN-Führung und anderen Persönlichkeiten. Auf den Straßen tummelten sich die Menschen und wünschten sich einen „Happy Independence Day“. Es war schön zu sehen, wie zuversichtlich die Südsudanesen, trotz aller Probleme, die das Land noch zu bewältigen hat, sind.

28. Juni 2012: Letzte Ehre

Collage: Angetretene Soldaten; Buch-Icon
Antreten, um einen Kameraden auf der letzten Reise zu begleiten (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Heute sind wir angetreten, um einem ruandischen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen. Er ist vergangene Woche eines natürlichen Todes gestorben und sein Leichnam wurde nach der Zeremonie in sein Heimatland gebracht.

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27. Juni 2012: Umzug in Eigenregie

Collage: Buch-Icon und drei Soldaten tragen Möbel
„Truppenlösung“: Eine VN-Dienststelle zieht um (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Vor einigen Wochen hat UNMISS mit dem Umzug in ein neues Camp am anderen Ende von Juba im Südsudan begonnen. Schon bevor ich eintraf, haben das Force Headquarter und auch meine Einheit die neuen Büros bezogen. Nach und nach sollen auch die Unterkunftsbereiche vom alten Gelände („Tomping Site“) beim Flughafen in das sogenannte „UN-House“ umziehen. Dafür werden schon fleißig neue Häuser und weitere Bürogebäude gebaut.

Letzte Woche hat mir unser deutscher Oberst den Auftrag gegeben, dafür zu sorgen, dass das Verbindungsbüro von „Tomping Site“ nach „UN-House“ verlegt wird. Einen Bürocontainer habe ich problemlos beim Camp-Management bekommen. Doch dann gingen die Probleme los: Drei Tage verbrachte ich damit zu klären, wie der Netzwerkanschluss gelegt werden kann, und ob die Möbel mitgebracht werden sollen oder wir neue bekommen.

Das Camp-Management bestand darauf, nur den Computer mitzunehmen und alles weitere Inventar dort zu belassen, während die Nachschubeinheit beteuerte, keine Möbel stellen zu können. So ging das hin und her, bis es mir zu bunt wurde und ich mir dachte: „Fakten schaffen hilft!“ Also bin ich zur Transporteinheit gegangen und bestellte ein Auto für den kommenden Tag.

Heute war es dann soweit. Ich empfing den Wagen, eine Unterschrift oder ein Übernahmeprotokoll war nicht nötig. Womit sich wieder einmal die Unterschiede bemerkbar machen: Während manche Stellen hier vom Stempeln und Unterschreiben von Dokumenten nahezu besessen sind, läuft es in anderen Bereichen sehr vertrauensvoll und flüssig.

Im Büro der SPLA (Sudan People's Liberation Army) empfing mich der Verbindungsoffizier, ein Oberleutnant, und er hatte auch schon tatkräftige Unterstützung von einer nahen Kaserne angefordert. Wir wuchteten die paar Möbel schnell auf den Pick-up und fuhren zweimal durch die Stadt und hatten alles erledigt. Die IT-Unterstützung kam auch noch, und am Mittag war das Verbindungsbüro wieder einsatzbereit. Diese räumliche Nähe erleichtert beiden Seiten die tägliche Arbeit ungemein.

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22. Juni 2012: Arbeitsalltag

Collage: Jeeps mit Aufschrift „UN“ auf einem unbefestigten Platz; Buch-Icon
Die Regenzeit hat das Land fest im Griff (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Das erste von mir organisierte Meeting ist vorbei und ich bin zufrieden. Dank der Unterstützung meines polnischen Kameraden lief alles reibungslos. Es war sehr interessant, aus erster Hand Informationen von den Verhandlungen zwischen Südsudan und Sudan in Addis Abeba zu bekommen. Dort versuchen die beiden Länder, sich mit Unterstützung der Afrikanischen Union (AU) über einen Grenzverlauf, die Ölvorkommen und weitere Punkte zu einigen. Da der Südsudan über keine Seeanbindung verfügt, muss das Öl über Pipelines durch den Sudan nach Port Sudan gebracht werden.

Vergangene Woche haben wir auch endlich unser Gepäck bekommen. Nach fast drei Wochen war es schön, dass ich mich endlich einrichten konnte. Mit der Unterstützung vom Einsatzführungskommando und einer norwegischen Frau Major wurden die Kisten schließlich über Entebbe nach Juba geschickt. Mein kleiner Luxus: ein großes Glas Nussnougatcreme.

Die Fußball-Europameisterschaft ist ein großes Thema. Immer wieder werde ich zu den Siegen unserer Mannschaft beglückwünscht. Der deutsche Fußball genießt hier großes Ansehen, und alle Spiele können in den Betreuungseinrichtungen im Camp verfolgt werden. Zu den Gruppenspielen gegen Holland und Dänemark waren wir beim jeweiligen Gegner eingeladen, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Die Holländer bewohnen ein Hotel in Juba, und die Dänen leben geschlossen in einem Haus, das der dänische Staat gemietet hat. Da ist der Komfort ungleich höher als in unseren Containern. Da ich noch keine Griechen in der Mission getroffen habe, werden wir Freitag wohl unter uns schauen.

Die hygienischen Zustände haben in den vergangenen drei Wochen schon merklich nachgelassen. Lag mein Container beim bisher wohl saubersten Sanitärcontainer des Camps, so sorgen nun abgerissene Spülkästen am WC und lose Abwasserleitungen am Pissoir für ekelhafte Zustände. Also heißt es immer wieder: Suchen, um ein sauberes Örtchen zu finden. Das kann schwierig werden, zumindest wenn man Wert auf eine Toilettenbrille legt. Mal sehen wie sich das entwickelt.

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13. Juni 2012: Es kann losgehen

Collage: Straße in Sudan und Buch-Icon
Schlechter als sie aussieht: Straße im Südsudan (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Führerschein folgten noch unzählige Briefings, in denen die verschiedenen Bereiche der Mission erklärt wurden. Die Einweisung war nach insgesamt einer Woche abgeschlossen, und ich konnte meine Arbeit aufnehmen. Anfangs gebremst mangels Zugriff auf das Netzwerk und den E-Mail-Postkasten, kam ich doch immer besser rein, und seit dieser Woche bin ich vollständig einsatzbereit.

Mein neuer Führerschein kam auch schon ausgiebig zum Einsatz. Der Verkehr in Juba ist chaotisch, aber es ist schön die Stadt auch auf eigene Faust kennenlernen zu können. Das Foto täuscht allerdings etwas. Der Zustand der Straßen ist oft schlechter, als er wirkt, und normalerweise sind mehr Fahrzeuge unterwegs.

Momentan bin ich hauptsächlich mit der Organisation eines regelmäßigen Meetings zwischen der militärischen UNMISS-Führung und einem Verbindungselement der SPLA (Sudan People's Liberation Army) beschäftigt. Räumlichkeiten und Ausstattung besorgen, Einladungen verschicken, „business as usual“ also. Etwas andere Abläufe und Ansprechpartner, aber im Grunde nichts Neues.

Heute fand zudem ein Treffen mit dem Miltärattaché aus Addis Abeba statt. Wir, der deutsche Anteil bei UNMISS, und er haben uns über die Lage im Land und die zukünftige Zusammenarbeit ausgetauscht. Da die Botschaft hier im Land noch sehr klein ist übernimmt er von Äthiopien aus diesen Posten mit.

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4. Juni 2012: Führerscheinprüfung

Collage: VN-Fahrzeug im Lager; Blende mit Buch-Icon
Geländegängige Fahrzeuge sind die beste Möglichkeit der Fortbewegung im Südsudan (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Meine ersten Tage in Juba sind vorbei und die ersten Eindrücke wurden gesammelt. Die Mission ist sehr international und kein Vergleich zu meinen beiden ISAF-Einsätzen, welche sehr deutsch geprägt waren. Mein Vorgänger und die anderen Angehörigen des deutschen Anteils bei UNMISS haben mich sehr freundlich aufgenommen und mich mit Rat und Tat unterstützt. Trotzdem stand ich manches Mal ratlos vor der VN-Bürokratie. Doch wenn man sich erst darauf einlässt und manche Zusammenhänge besser versteht, ist auch dies kein Problem mehr.

Erfassung der Daten, Formulare ausfüllen, Sicherheitsbriefing und Übernahme des Arbeitsplatzes standen bisher auf dem Programm. Das Sicherheitsbriefing war sehr interessant. Dort wurde zum Beispiel auf zu meidende Restaurants und Hotels hingewiesen. Angesprochen wurde auch die nächtliche Ausgangssperre für VN-Mitarbeiter und Vorfälle der letzten Wochen.

Am heutigen Montag wurde es spannend. Führerscheinprüfung stand auf dem Programm. Ein Angestellter hielt einen zweistündigen Vortrag über den Verkehr im Land und defensives Fahren und anschließend hieß es: praktische Prüfung. Dabei wurde das Anfahren am Berg, rückwärts Einparken und eine kurze Fahrt im fließenden Verkehr gefordert. Nun meint man, dass das alles Dinge sind, die kein Problem darstellen, aber weit gefehlt.

In manchen Nationen haben hohe Offiziere ihre eigenen Fahrer, somit seit Jahren keine Fahrpraxis. Oder sie sind noch nie mit Schaltung gefahren. So kam es auch, dass in meiner Gruppe zwei von fünf durchgefallen sind. Sie werden ihre Prüfung später wiederholen. Ich bin froh, dass mir diese Extrarunde erspart bleibt und ich mich ab sofort in das Abenteuer Auto im Südsudan stürzen kann.

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29. Mai 2012: Wiedersehen in Uganda

Collage: David J. und schwedischer Major; Blende mit Buch-Icon
Wiedersehen mit Bekannten: David J. und schwedischer Kamerad (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Uganda ist vorüber! Auf geht’s in den Südsudan! Die Zeit in Entebbe war sehr interessant. Neben der administrativen Aufnahme in die Dienstpostentätigkeiten haben wir eine Familie besucht, die mit einem meiner Mitreisenden befreundet ist. Sie leben mitten in Entebbe, genau wie man sich Afrika vorstellt. Alle waren sehr zuvorkommend und gastfreundlich. Es ist schön, hier nicht nur das Hotel und das Camp gesehen, sondern auch einen kleinen Eindruck vom Leben in Uganda bekommen zu haben.

Beim In-Processing fiel mir ein schwedischer Major auf. Er kam mir bekannt vor. Auf meine Nachfrage stellten wir fest, dass wir bereits 2008 gemeinsam in Masar-i Scharif waren. Es gab ein großes „Hallo“ und wir haben uns für gemeinsame Fussball- und Olympia-Abende in Juba verabredet. So klein ist die Welt.

Nun bin ich sehr gespannt, was mich in den kommenden Tagen erwartet.

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26. Mai 2012: Die Reise geht weiter

Collage: Blick auf das Hotelgelände und Buch-Icon
Erschöpft aber glücklich: die ersten Eindrücke vom schwarzen Kontinent (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Gestern fanden in Potsdam die letzten Vorbereitungen für mich und meine drei Mitreisenden (sie werden als Militärberater tätig sein) statt. Erfassung der Daten beim Rechnungsführer, Auszahlung eines Abschlags des AVZ (Auslandsverwendungszuschlag) in US-Dollars und letzte aktuelle Informationen aus dem Einsatzland standen auf dem Programm. Dazu noch das Wiegen und die Verladung unserer jeweils fünf Kisten auf einen Transporter. Den Rest des Tages verbrachte ich bei meinen Cousinen und Cousins in Berlin. So hatte ich die tolle Möglichkeit bis zuletzt im Kreis der Familie zu sein.

Heute Morgen war dann um 4.15 Uhr Treffen vor dem Hotel. Wir vier waren auch pünktlich mit unserem Handgepäck zur Stelle. Leider tauchte kein Fahrer auf. Alles Telefonieren half nichts, also machten wir uns ohne einen Großteil unseres Gepäcks per Taxi auf den Weg zum Flughafen Tegel.

Nach einem Stopp zum Umsteigen in Brüssel und einer weiteren Zwischenlandung in der Hauptstadt von Ruanda, Kigali, haben wir schließlich Entebbe in Uganda erreicht und sind in unserem Hotel angekommen. Ich bin froh, dass ich gestern eine meiner Kisten mit ins Hotel genommen habe und diese jetzt hier ist. So hält sich der Ärger etwas in Grenzen. Wenn das Gepäck nicht rechtzeitig nachgeschickt wird, hoffe ich, unverzichtbare Dinge wie das Moskitonetz von meinem Vorgänger übernehmen zu können. Die Reise verlief ansonsten glücklicherweise ereignisarm.

Morgen werde ich mich schon am VN-Camp in Entebbe einfinden, um das sogenannte „IN-Processing“ (Erfassung meiner Daten bei den Vereinten Nationen, Verwaltungsdinge, Tests in verschiedenen Bereichen und vieles mehr) zu beginnen. Ich bin weiterhin gespannt.

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24. Mai 2012: Abreise erster Teil

Collage: Soldat bekommt eine Spritze; Blende mit Buch-Icon
Letzte Vorbereitungen für den Einsatz im Südsudan: Gesundheitscheck vor der Abreise (Quelle: Bundeswehr/Henning)Größere Abbildung anzeigen

Heute war es endlich soweit. Mein Erster Einsatz im Rahmen einer Mission der Vereinten Nationen hat begonnen. Zumindest habe ich es bis nach Potsdam geschafft. Hier werde ich morgen einen letzten Diensttag beim Einsatzführungskommando bestreiten und dann am Samstag in den Flieger Richtung Afrika steigen.

Nachdem ich mich bereits im Frühjahr 2010 für einen Einsatz bei der Vorgängermission UNMIS (United Nations Mission in Sudan) gemeldet hatte, kam im Laufe des folgenden Jahres endlich eine Zusage. Durch die Unabhängigkeit des Südsudan im Juli 2011 verlagerte sich dann mein Einsatzgebiet von Khartoum nach Juba. Als feststand, dass ich Teil dieser Mission werden würde, nahm ich zum einen die militärischen Voraussetzungen in Angriff. Dazu gehörten Impfungen, ein Gesundheitscheck, Auffrischung der Englischkenntnisse, eine allgemeine Ausbildung für Auslandseinsätze und eine spezielle einsatzvorbereitende Ausbildung, welche direkt beim Einsatzführungskommando durchgeführt wurde.

Zum anderen informierte ich mich über die Gegebenheiten vor Ort und regelmäßig über die aktuelle Lage. Da die Medien in Deutschland das Thema leider nicht sehr regelmäßig auf ihrer Tagesordnung haben, war die zuständige Abteilung beim Luftwaffenführungskommando eine verlässliche Quelle. Zusätzlich verarbeitete ich im täglichen Dienst auch die Meldungen aus dem Einsatzland und wurde so auf dem Laufenden gehalten.

In Potsdam empfing ich, neben anderem Einsatzmaterial, auch fünf mittelgroße Kisten, die mein Hab und Gut für die nächsten sechs Monate sicher transportieren sollten. Hatte ich nach drei gepackten Kisten noch das Gefühl, der Platz wäre viel zu üppig, so stellte sich mit näherkommendem Einsatz doch heraus, dass er gerade ausreichend war. Immer wieder passierte es, dass ich plötzliche Einfälle hatte, was doch noch unverzichtbar sein könnte.

Die letzten zehn Tage waren ein einziges Abschiednehmen. Jeden Tag traf ich jemanden, sei es auf der Arbeit oder im Privatleben, zum letzten Mal (zumindest vor dem Einsatz). Da sich mein Abflug auch noch kurz vorher um vier Tage verschob, kam es vor, dass ich mich zweimal verabschieden musste. Gut war, dass ich noch zu Hause das Champions-League-Finale mit Freunden verfolgen konnte. Nicht so gut war, dass die Bayern es verloren haben.

Trotzdem fühle ich mich wohl und bin sehr gespannt, was alles auf mich zukommt. Für den Anfang erwarte ich zwei bis drei sehr fordernde Wochen. Für eine Übergabe der Dienstgeschäfte mit meinem Vorgänger wird nur sehr wenig Zeit bleiben. Dazu kommt die totale Umstellung, was Klima und Gepflogenheiten, Land und Leute angeht. Wenn ich erst heimisch geworden bin wird es sicher eine wahnsinnig interessante und prägende Zeit.

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Stand vom: 17.12.12


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