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Neu entwickelt: Kampfbekleidung als System

Berlin, 11.10.2012.
Als universelles Bekleidungssystem für den Einsatz wurde die künftige „Kampfbekleidung Einsatz/Übung“ entwickelt. Sie ist besonders robust, wind- und wasserabweisend, trotzt Kälte und extremer Hitze gleichermaßen, schützt vor Vektoren – und das besser als je zuvor. Soldaten, die bisher über keine spezielle Einsatzbekleidung verfügen, sollen sie erhalten.

Soldat zieht sich an einem Seil über ein Hindernis

Test unter Extrembedingungen: Erprobung der Bekleidung im Regenwald (Quelle: Bundeswehr/Eve)Größere Abbildung anzeigen

Die bisherigen Feldanzüge werden durch das neue Konzept aber nicht ersetzt. Denn die Kampfbekleidung Einsatz/Übung ist ausschließlich für den „Dienst im Felde“ konzipiert. Sie ist als zusätzliche Ausstattung vorgesehen für Soldaten in einem friedenserhaltenden oder friedensschaffenden Einsatz, für die dafür erforderliche Ausbildung sowie für Einheiten und Verbände, die in permanenter Bereitschaft für einen solchen Einsatz stehen.

Die Kampfbekleidung Einsatz/Übung setzt sich nicht aus Komponenten „von der Stange“ zusammen. Nach einem Forderungskatalog der Streitkräfte haben Soldaten und verschiedene Institutionen der Bundeswehr gemeinsam mit der Industrie ein Gesamtsystem geschaffen, das teilweise aus Materialien besteht, die noch gar nicht auf dem Markt vorhanden sind, also eigens entwickelt wurden.

Dabei funktioniert die neue Bekleidung nach dem an sich bekannten „Zwiebelschalenprinzip“: Schicht für Schicht übereinander getragen, schützen die einzelnen Bekleidungsstücke vor Witterungs- und Umwelteinflüssen.

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Schicht für Schicht aufeinander abgestimmt

Die eigentliche Innovation ist es, jeden Stoff dieser „Zwiebel“ exakt auf die anderen Materialien abzustimmen und so ein leistungsfähiges Gesamtsystem zu schaffen. Dabei wird die über die Haut abgegebene Feuchtigkeit vom Gewebe der Unterwäsche vollständig aufgenommen und gleichmäßig nach außen abgegeben. Zudem wird der Körper durch weitere Schichten vor Kälte und Nässe von außen geschützt. So kann unter anderem verhindert werden, dass Schweiß auf der Haut den Körper zu stark auskühlt und es dadurch zu Unterkühlungen kommt.

Das funktioniert aber nur, wenn der Soldat auf private Wäschestücke verzichtet, da sie unter Umständen nicht mit den Materialien des Gesamtsystems harmonieren.

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Gewöhungsbedürftig: Nässeschutz zum Drunterziehen

Im Einzelnen besteht das neue System aus kurzen und langen Unterwäsche-Varianten, aus einem leichten Unterzieh-Kälteschutzanzug, einem Nässe- und Windschutz-Unterziehanzug und aus einem körpernahen Kampfanzug.

Als Ergänzung des Systems wurde zusätzlich eine neue Fleecejacke entwickelt, die sich ebenfalls durch eine flammhemmende Funktion auszeichnet, und die beispielsweise im Lager getragen werden kann.

Erprobungen haben gezeigt, dass Schutzkleidung zum Unterziehen funktionaler ist, als über dem Kampfanzug getragene. Außerdem kann der Soldat problemlos so sämtliche Taschen seines Kampfanzuges erreichen. Der Nässeschutz ist besonders leichtgewichtig und hat ein kleines Packvolumen. Für einen Soldaten im Einsatz ist beides wichtig.

Soldat und Techniker überprüfen die Kampfbekleidung

Einkleidung: Was nicht passt, schützt auch nicht (Quelle: Bundeswehr/Rott)Größere Abbildung anzeigen

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Vielfältiger Schutz aus einem Guss

Insgesamt wurde das neue Bekleidungssystem für das Zusammenspiel mit weiteren Ausrüstungsgegenständen konzipiert und entwickelt. Tragekomfort und Konfektionierung, Funktionalität und besonders Kompatibilität mit weiteren Ausrüstungsgegenständen, verbunden mit Flammschutz- und Vektorenschutzeigenschaften waren neben Kälte- und Nässeschutz wichtige Kriterien bei der Entwicklung. Selbstverständliche Eigenschaften waren die Tarnwirkung und außerdem der Schutz vor elektrostatischer Aufladung. Sie sind in das System mit eingeflossen.

Durch Anwendung von aktualisierten Größentabellen auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen wird eine besonders gute Passform erreicht. Diese Größen- und Schnittvorgaben gelten dann für alle Hersteller, die mit der Produktion der neuen Kampfbekleidung Einsatz/Übung beauftragt werden. So wird verhindert, dass verschiedene Hersteller bei gleichen Größen unterschiedliche Passformen liefern.

Ein gefütterter Kragen, große Reißverschlüsse und Knöpfe, einschiebbare Knie- und Ellenbogenpolster, um nur einige der Details des Kampfanzuges zu nennen, sollen einen hohen Tragekomfort mit höchster Funktionalität verbinden und ergeben ein leistungsfähiges Bekleidungssystem.

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Vom Schnittmuster zur Erprobung

Die Kampfbekleidung Einsatz/Übung ist ein Produkt, das in enger Zusammenarbeit zwischen dem Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) und Soldaten der Bundeswehr entwickelt wurde und nach seiner Einführung innerhalb eines fünfjährigen Innovationszyklus’ kontinuierlich optimiert werden wird.

Angefangen vom ersten Schnittmuster über umfangreiche Labortests bis hin zur Einsatzprüfung unter klimatischen Extrembedingungen durch Angehörige der 3. Kompanie des Luftlandeunterstützungsbataillons 262 – begleitet durch WIWeB-Mitarbeiter – durchlief das Konzept zahlreiche Entwicklungsstufen. Fragebögen, die von den Testern ausgefüllt wurden, lieferten weitere Daten zur Analyse der Erprobungen.

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Tests in Wüste, Schnee und Regenwald

Neben Erprobungen durch Soldaten verschiedener Bundeswehr-Einheiten im Ausbildungs- und Übungsbetrieb lieferten die Härtetests der Bekleidung in verschiedenen Klimazonen die wohl wichtigsten Erkenntnisse über die Robustheit des Materials und über die Durchhaltefähigkeit der Soldaten mit der neuen Ausstattung.

Der weltweite Einsatz der Bundeswehr erfordert ein Bekleidungskonzept, das allen denkbaren klimatischen Bedingungen trotzt. Daher testeten die Probanden der 3. Kompanie des Luftlandeunterstützungsbataillons 262 die neue Kampfbekleidung in verschiedenen Übungsszenarien: im winterlichen Gebirge in Österreich, im arktisch-winterlichen Nordschweden, in der texanischen Wüste in den USA und im feucht-heißen Französisch-Guayana, einem berühmt-berüchtigten Übungs- und Ausbildungsgelände der französischen Fremdenlegion.

Mitarbeiter des WIWeB, die die Soldaten bei der Felderprobung begleiteten, nahmen dabei ganz unmittelbar Erkenntnisse der Probanden auf. Darüber hinaus testeten sie die Bekleidung auch selbst. Mit Erfassungsgeräten sammelten sie zudem Klimadaten, die für eine Auswertung aus wissenschaftlicher Sicht unabdingbar sind.

Diese umfangreichen Tests, verbunden mit einer präzisen Analyse der Ergebnisse, lieferten schließlich die Ergebnisse für den letzten Schliff der Prototypen, bevor die Industrie – nach detaillierten Vorgaben der Bundeswehr – mit der Fertigung beauftragt werden soll.

Soldat spritzt einen anderen mit Wasser an

„Regenmacher“: Test der Dichtigkeit des Bekleidungssystems (Quelle: Bundeswehr/Hecht)Größere Abbildung anzeigen

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Das „Waffensystem“ Bekleidung

Die Kampfbekleidung Einsatz/Übung ist ein ganzheitliches Konzept, das bei einer genau vorgegebenen Trageweise bestmöglichen Schutz vor Wind und Wetter ermöglicht. Antistatische Eigenschaften sind dauerhaft vorhanden, der Flammschutz ist integraler Bestandteil. Ebenfalls integriert sind der Vektorenschutz sowie eine besonders gute Tarnwirkung im multispektralen Bereich.

Die Kampfbekleidung Einsatz/Übung bedarf einer besonderen Pflege, um die Schutzeffekte – wie etwa den Vektorenschutz – nicht vorzeitig zu verringern oder gar zu zerstören. Um sämtliche Schutzeigenschaften des Systems voll ausschöpfen zu können und nicht durch unsachgemäße Handhabung zu mindern, bedarf es nach seiner Einführung in die Streitkräfte des besonderen Augenmerks der Vorgesetzten.

Das neue Bekleidungskonzept ist beinahe wie ein Waffensystem zu betrachten, auf das sich der Soldat nur dann verlassen kann, wenn er es richtig pflegt und handhabt. Und auch das beste Waffensystem versagt, wenn es mit unpassenden Komponenten ergänzt wird.

Bei der Einführung der Kampfbekleidung Einsatz/Übung werden unter anderem Lehrfilme der Bundeswehr die Vorgesetzten dahingehend unterstützen und begleiten, Bekleidung als eine ganz wesentliche Führungsaufgabe zu betrachten und die Soldaten entsprechend auszubilden.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Steffen Maluche


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.einsaetze.kampfbekleidung_uebung_einsatz.ueberblick