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Umgang mit Verlust und Trauer: Eine Psychologin informiert

Der Verlust eines geliebten Menschen trifft uns besonders hart. Trauer ist dabei die natürliche Reaktion. Trauer ist keine Krankheit, sondern ein normaler, gesunder Heilungsprozess, der uns allerdings nie ganz verlässt. Der Verlust kann uns ein Leben lang beschäftigen und Trauerprozesse verlaufen bei jedem Menschen anders.

Ich möchte hier einige Punkte aus den Erfahrungen vieler Trauernder aufzeigen, die Ihnen vielleicht helfen, Ihre Gedanken und Gefühle ein Stück weit zu verstehen. Und ich möchte einige Empfehlungen geben, die Ihnen ein wenig besser durch die Trauerzeit helfen können.

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Schock und Lähmung

Selbst wenn der Verlustfall nicht unerwartet für Sie kam, fühlen Sie sich möglicherweise mehrere Wochen lang wie betäubt oder gelähmt. Sie handeln mechanisch, und es gelingt Ihnen vielleicht auch, alles Notwendige zu erledigen, aber die Tatsache, dass der Verlustfall wirklich ist, ist noch nicht bis zu Ihnen durchgedrungen.

Der Schock ist dabei eine notwendige Abwehrmaßnahme, die es Ihnen ermöglicht, die Realität langsam zu begreifen. Sobald der Schock nachlässt, kann die Wirklichkeit äußerst schmerzhaft sein. In dieser Phase ist es wichtig, Gefühle zuzulassen. Lassen Sie sich dabei ruhig von anderen Trauernden oder guten Kameraden unterstützen, Ihre Trauer auszudrücken.

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Die Einsamkeit

Sie beginnen, sich einsam, isoliert und depressiv zu fühlen. Sie vermissen den täglichen Umgang mit dem geliebten Menschen. Einfache, alltägliche Ereignisse werden zu „Tretminen“, weil Sie dadurch schmerzhaft an Ihren Verlust erinnert werden: Da ist niemand, mit dem Sie die kleinen Erlebnisse und den Alltag teilen können oder den Sie in den Arm nehmen und gemeinsam zubereitete Mahlzeiten einnehmen.

Ihr gesamter Tagesablauf ist auseinander gebrochen. Hier ist es wichtig, auf Ihre Mitmenschen und Kameraden zuzugehen. Es ist wichtig, an diesem Punkt Menschen in Ihrem Leben zu haben, die die Schwere Ihres Verlustes ermessen können und die einfach „nur“ für Sie da sind.

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Auf sich achten

Häufig stellt man sich folgende Fragen: Was mache ich jetzt? Was geschieht mit mir? Wie kann ich weiterleben ohne den Geliebten? Werde ich meine Freunde verlieren? Hört der Schmerz niemals auf? Es kann sein, dass Sie Krankheitssymptome entwickeln. Deshalb ist es wichtig, dass Sie während des gesamten Trauerprozesses auf Ihre die Gesundheit achten. Gönnen Sie sich viel Ruhe, entspannen Sie sich und tun Sie sich etwas Gutes.

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„Normale“ Panik

Möglicherweise fällt es Ihnen schwer, sich auf etwas anderes als den Verlust zu konzentrieren. Sie fühlen sich, als ob mit Ihnen etwas nicht stimmt; Ihnen kommen immer wieder Gedanken wie: „Hört das niemals auf? Manchmal sehe ich sie/ihn. Manchmal fühle ich, wie sie oder er mich berührt. Ich kann nicht schlafen. Ich kann nicht essen. Ich kann nur an sie/ihn denken. Hört der Schmerz niemals auf? Wie überlebe ich nur ohne den geliebten Menschen?“ Panik ist dabei kein Zeichen dafür, dass Sie verrückt werden. Es ist ein normaler Teil des Trauerprozesses.

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Schuld und Reue

Viele Betroffene fragen sich: „Was habe ich falsch gemacht? Was wäre, wenn?“ Diese Fragen können auf Schuldgefühle, Reuegefühle oder nicht abgeschlossene Angelegenheiten hinweisen, die zum Ausdruck gebracht werden müssen. Drücken Sie Ihre Gefühle offen aus, indem Sie sie einer unvoreingenommenen Person mitteilen oder sie in Briefform oder in einem Tagebuch festhalten.

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Über die Wut sprechen

Sie entwickeln Menschen gegenüber feindselige Gefühle, die Ihrer Ansicht nach zu Ihrem Problem beigetragen haben. Warum hat der Arzt nicht mehr unternommen? Sie sind möglicherweise wütend auf Freunde, die sich zurückziehen oder Ihren Verlust mit gut gemeinten, aber ungeschickten Bemerkungen zu verharmlosen scheinen.

Sie zürnen Gott oder hadern mit Ihrem Schicksal, weil er beziehungsweise es Ihnen den geliebten Menschen genommen hat, oder Sie sind wütend auf den geliebten Menschen, weil er Sie verlassen hat. Wut ist ein ganz normales und menschliches Gefühl. Finden Sie einen Weg, diesen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Darüber zu sprechen und sich körperlich zu betätigen, hilft dabei, die Wut abzubauen.

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Leiden in aller Stille

Dies ist die Zeit, in der Sie möglicherweise in aller Stille leiden. Sie fühlen sich müde, abgespannt und unfähig, an irgendeiner Aktivität teilzunehmen. Ihr Denken kreist um den Verlust, die Leere und die Einsamkeit, aber Sie möchten nicht mehr darüber sprechen. Vom eigentlichen Verlust abgesehen, ist dies die schwierigste Phase.

Sie als trauernde Person fühlen sich leer und völlig einsam. Sie haben das Gefühl, „nicht mehr weitermachen“ zu wollen, und sind dann schockiert oder fühlen sich schuldig, weil Sie solche Gedanken hegen. Seien Sie geduldig und gut zu sich, denn in dieser Phase bauen Sie einen neuen Sinn in Ihrem Leben auf – und das dauert einige Zeit.

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Wiederanpassung an die Wirklichkeit

Die Länge der akuten Trauerphase schwankt, dauert aber üblicherweise mindestens ein Jahr. Die Wiederanpassung erstreckt sich mindestens über zwei oder drei weitere Jahre. Da traditionelle Zeichen der Trauer wie schwarze Kleidung nicht mehr üblich sind, vergessen andere, dass Sie trauern.

Beginnen Sie, Ihr Leben ohne den geliebten Menschen neu zu organisieren. Fahren Sie in den Urlaub, beteiligen sich an einer neuen Aktivität oder nehmen alte Aktivitäten, die Ihnen früher Spaß gemacht haben, wieder auf.

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Neue Schuldgefühle

Sie entwickeln möglicherweise Schuldgefühle dabei, wenn Sie wieder Freude an etwas haben oder frei heraus lachen, als ob Sie damit das Andenken des geliebten Menschen verraten würden. Machen Sie sich die Gefühle bewusst, die eine Wiederanpassung behindern können.

Tun Sie etwas Positives und Aktives, um dem Leben des geliebten Menschen und Ihrer Beziehung zu gedenken, und nutzen Sie diese Liebe, um Energie für Ihren weiteren Weg zu schöpfen.

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Der Jahrestag

Hochzeitstage, Geburtstage oder der Todestag können vorübergehende Gefühlsreaktionen auslösen, die eine kurze Wiederholung des Trauerprozesses mit sich bringen können. Das ist normal und bedeutet nicht, dass Sie für immer akut Schmerz empfinden werden.

Es kann vorkommen, dass man bereits Tage oder Wochen vor dem Jahrestag Angstgefühle hat. Planen Sie Ihren Tag im Voraus, und tun Sie etwas, das zum Heilungsprozess beiträgt. Schreiben Sie eine Bewertung Ihres Lebens auf: Wer und was war wichtig in meinem Leben? Habe ich das in meinem Leben getan, was ich tun wollte? Was muss ich tun, damit mein Leben erfüllt ist? Welche Aktivitäten würden mir genau jetzt die größte Befriedigung geben?

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Nachsicht mit sich selbst

Machen Sie sich klar, dass überall in Ihrer Umgebung und in Ihrem Alltag „Tretminen“ vergraben sind – Momente, in denen Ihnen der Verlust schmerzlich bewusst wird und Sie Groll gegenüber einer Welt empfinden, die sich weiterdreht, scheinbar ohne Notiz zu nehmen oder Mitgefühl zu zeigen. Fassen Sie diese Gefühle in Worte. Sie sind normal.

Als trauernde Person sind Sie „gebrandmarkt“. Ihre Mitmenschen wissen nicht, wie sie mit Ihnen umgehen sollen oder was sie tun können, damit es Ihnen besser geht. Möglicherweise fürchten sie sich sogar vor Ihnen, weil sie in Ihnen Ängste und Schmerz sehen, die auch sie selbst treffen könnten.

Umgeben Sie sich mit verständnisvollen und einfühlsamen Menschen. Verstellen Sie sich nicht, nur um es anderen Menschen leichter zu machen und sorgen Sie gut für sich. Trauer ist eine Erfahrung, die jeder im Laufe des Heilungsprozesses bei Verlust oder Veränderung macht. Jeder Trauerprozess ist einzigartig. Die Hand nach Anderen auszustrecken und um Unterstützung zu bitten, und sich selbst gegenüber nachsichtig zu sein, kann es ermöglichen, den Schmerz zu bewältigen.

Die Autorin ist als Truppenpsychologin im Kosovo-Einsatz.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Major Melanie S.


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