Freiwilliger Wehrdienst – Erfahrungen aus der Truppe (1)
Beelitz, 25.06.2012.
Wie die ganze Bundeswehr kann auch das Logistikbataillon 172 in Beelitz am 1. Juli auf ein Jahr freiwilligen Wehrdienst zurückblicken. Die Erfahrungen im Brandenburger Verband sind positiv. Und die Truppe ist weiterhin ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Im Bataillon traten bisher insgesamt 387 junge Rekruten – davon 23 Frauen – als freiwillig Wehrdienstleistende an. Unter ihnen sind die vier Obergefreiten Nico Zalaba, Paul Zabel, Maurice Nehls und Tim Leuchtmann. Bis heute haben drei von ihnen bereits ihre Dienstzeit auf 23 Monate verlängert.
Die meisten der 387 jungen Männer und Frauen kommen aus Berlin und Brandenburg – so auch die Rekruten Zalaba, Zabel und Nehls. Nur Obergefreiter Tim Leuchtmann stammt aus Ostthüringen und muss jedes Wochenende eine lange Fahrtzeit in Kauf nehmen. Fast 80 Prozent der Rekruten haben entweder die Hochschulreife, Fachhochschulreife oder die mittlere Reife. Zabel, Nehls und Leuchtmann haben alle drei das Abitur gemacht und damit die Hochschulreife erreicht. Obergefreiter Zalaba ist gelernter Maler und Lackierer.
Unterschiedliche Menschen, vielfältige Motive
Was die vier jungen Männer bewogen hat, sich freiwillig für den Dienst bei der Bundeswehr zu bewerben, mag erstaunen: „Ich wollte nach dem Abitur erst einmal meinen Horizont erweitern. Die Erfahrungen, die man bei der Bundeswehr machen kann, bietet einem das zivile Leben nicht
“, sagt beispielsweise Obergefreiter Zabel.
Sein Kamerad Nehls wollte sich hingegen einen Kindheitstraum erfüllen: „Mein Großvater, mein Vater und meine beiden Brüder waren alle bei der Armee. Ich wollte das von Klein auf auch – damals noch als Pilot.
“ Für den jungen Berliner ist die Bundeswehr ein Muss. Er versteht diese Zeit als einen Dienst am Land, während dem er zudem eine Menge nützlicher Erfahrungen sammeln kann.
Die Bundeswehr bietet jungen Männern und Frauen aber auch die Möglichkeit, sich nach dem Abitur oder einer abgeschlossenen Ausbildung beruflich zu orientieren. Obergefreiter Nico Zalaba musste sich nach seiner Lehre zum Maler und Lackierer beispielsweise mit der Tatsache auseinander setzen, dass er den erlernten Beruf nicht würde ausüben können. Die Bundeswehr bietet ihm nun zahlreiche neue Möglichkeiten, sich neu zu positionieren und weiter zu bilden.
Obergefreiter Tim Leuchtmann hingegen, ein Rekrut der ersten Stunde – er trat am 1. Juli 2011 seinen Dienst an – wollte zunächst nach dem Abitur etwas „Handfestes“ machen.
Aller Anfang ist die Grundausbildung
Die Zeit bei der Bundeswehr fing für alle vier Rekruten mit der Grundausbildung an. Drei Monate wurden sie im Formaldienst, an der Waffe oder im Wachdienst ausgebildet. Für das Gelöbnis, an dem alle Rekruten teilnehmen, ist die wichtigste Vorbereitung der Formaldienst: Grundstellung, militärischer Gruß, Marschieren.

Obergefreiter Tim Leuchtmann hatte als einer der ersten freiwilligen Rekruten der Bundesrepublik das Glück, sein Gelöbnis am 20. Juli 2011 vor dem Reichstag sprechen zu dürfen. Für Leuchtmann war es das bisher einprägsamste Erlebnis bei der Bundeswehr.
„Den Eid in diesem Rahmen vor dem Reichstag zu sprechen war sehr bewegend
“, erzählt er. Dafür musste er sich aber zunächst ganz schön anstrengen: Leuchtmann und seine Kameraden hatten nur zwei Wochen Zeit, den Formaldienst von der Pike auf zu lernen. Doch es hat sich gelohnt: „Ich war nach dem Gelöbnis auch zum Empfang im Reichstag geladen. Dort durfte ich auch mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière sprechen
“, erinnert sich Leuchtmann lächelnd.
Hohe Anforderungen, wichtige Erfahrungen
Doch es gab natürlich nicht nur diese schönen Momente. Die Grundausbildung ist straff strukturiert. „Es sind sehr viele Lehrinhalte und nur eine kurze Zeit, um die jungen Rekruten auszubilden
“, sagt Hauptfeldwebel Raiko Merta. Er ist derzeit Vertreter des Kompaniefeldwebels und in seiner originären Funktion als Zugführer verantwortlich für die Ausbildung der jungen Rekruten. Beispielweise erlernen die angehenden Soldaten in der Waffen- und Geräteausbildung heutzutage den Umgang mit drei Waffen: dem Gewehr G36, der Pistole P8 und dem Maschinengewehr MG3. „Zu meiner Zeit wurden wir nur an einer Waffe ausgebildet
“, erzählt Hauptfeldwebel Merta.
Den jungen Männern und Frauen wird während der Grundausbildung viel abverlangt; Fehlzeiten aufgrund von Krankheit können bei dem straffen Programms zu einem Problem werden. Zudem geraten die jungen Rekruten des Öfteren an ihre physischen und psychischen Grenzen. Trotzdem empfinden die meisten ihre ersten Monate bei der Bundeswehr als bereichernd.
„Es war eine tolle Erfahrung. Es ist erstaunlich wie multifunktional man ist. Wenn man denkt, man ist am Ende, gehen doch immer noch zehn Prozent mehr
“, sagt Obergefreiter Nehls mit einem Lächeln.
Eines jedenfalls steht fest: Die Motivation steht den jungen Männern ins Gesicht geschrieben.
„Wir sind ja alle freiwillig hier. Also wollen wir auch etwas
“, betont Nehls. Das ist ein wichtiger Punkt, den auch seine Ausbilder festgestellt haben. Dadurch, dass die jungen Rekruten ihren freiwilligen Wehrdienst jederzeit quittieren können, bleiben in der Regel nur die übrig, die etwas bei der Bundeswehr erreichen wollen und hoch motiviert sind.
„Es kristallisiert sich ein motivierter Kern heraus. Wir müssen nicht – wie früher – junge Rekruten durchziehen, die hier nicht sein wollen
“, sagt Hauptfeldwebel Merta. Das sieht auch Gruppenführer Oberfeldwebel David Hartstack so: „Die Soldaten zeigen generell mehr Willen und das ist wichtig.
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