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Der Beauftragte für PTBS im Interview – Teil 2 (Sprechertext)

Moderator: „PTBS, sprich Posttraumatische Belastungsstörungen, sind gerade aufgrund der Erfahrungen und Erlebnisse im Einsatz ein wichtiges Thema für uns. Dazu spreche ich jetzt weiter mit dem neuen Beauftragten für einsatzbedingte PTBS und einsatztraumatisierte im Bundesministerium der Verteidigung, Herrn Brigadegeneral Christof Munzlinger. Nun gab es in dieser Woche gerade eine neue Dunkelzifferstudie zu PTBS- Vorfällen in der Bundeswehr. Herr General, von welchen Ergebnissen oder von welchen Dunkelziffern wird denn darin gesprochen?

Munzlinger: „Wir haben jetzt festgestellt: Pro 100 Soldaten, hat einer sich dem Arzt oder einem Fachmann, wegen einer PTBS eröffnet. Und jetzt sagt die Forschung: Wir haben einen zweiten unter hundert, der PTBS hat, der sich aber noch nicht gemeldet hatte, der noch nicht auffällig geworden ist. Und das sind good news, denn die Briten haben fünf Prozent, die Amerikaner fünfzehn bis zwanzig Prozent.

Moderator: „Nun das zeigt ja, dass wir im internationalem Vergleich, relativ gering mit PTBS-Belastung in der Truppe belastet sind. Woran liegt das Ihrer Meinung nach, Herr General?

Munzlinger: „Wir bereiten ordentlich vor. Wir gehen vor Einsatz schon hin und sagen: Wir nehmen nicht jeden mit. Der, der wirklich Probleme hat, mit sich selbst oder zu Hause, den nehmen wir nicht mit. Wir splitten in Teilen, so dass die Einsatzdauer nicht so lang ist. Die Amerikaner gehen ja deutlich länger als wir. Und wir gehen, wo immer möglich, in geschlossenen Teileinheiten. Das ist nicht bei allen Spezialisten möglich. Darauf will ich als Beauftragter deshalb auch achten. Deswegen werde ich den Vordrang der Studie auch sehr sorgfältig beobachten.

Moderator: „Also sowohl die Betroffenen als auch die Kameraden und Vorgesetzten stehen damit nicht alleine da. Aber dennoch stellt sich die Frage. Was passiert wenn die Diagnose PTBS lautet?

Munzlinger: „Man darf vor diesem Begriff Psychiatrie keine Angst haben. Das sind Ärzte, das sind Kameraden, das sind Fachleute, die behandeln seelische Erkrankungen. Und das ist kein Makel, wenn man so etwas hat. Dann geht man dort hin und dann wird dort erstens eine Diagnose gestellt. Dann wird eine Therapie, entweder stationär oder eine Kombination stationär und ambulant gemacht. Und je früher man sich stellt, umso besser. Es gibt eine gute Heilungschance.

Moderator: „Herr General, haben Sie abschließend noch Tipps für die Kameradinnen und Kameraden im Umgang mit PTBS selbst?

Munzlinger: „Keine Scheu haben, keine falschen Scham- und Schuldgefühle. Den Arzt fragen, Hilfe suchen, mit dem Psychologen, dem Pfarrer, dem Vorgesetzten, dem Kameraden, dem Partner reden. Frühzeitiges Reden ist der erste Weg zur Hilfe. Je früher desto besser. Das kann man nicht anders sagen. Und was Vorgesetzte angeht: Die fordere ich auf, sich mit der Thematik auseinander zu setzen.

Moderator: „Ja das Thema PTBS sollte also auf keinen Fall stillschweigend hingenommen werden, denn je früher die Therapie beginnt, desto größer sind auch die Heilungschancen. Das war Brigadegeneral Christof Munzlinger über PTBS in der Bundeswehr. Er ist der neue Beauftragte für einsatzbedingte Posttraumatische Belastungsstörung und einsatztraumatisierte im Bundesministerium der Verteidigung.

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Stand vom: 03.12.13


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