Blog: Aus dem Atalanta-Einsatz

Fregatte Lübeck, 22.02.2012.
Mit der Fregatte Lübeck beteiligt sich die Bundeswehr derzeit am internationalen Atalanta-Einsatz am Horn von Afrika. Ihre Aufträge sind die Bekämpfung der Piraterie in diesen gefährlichen Gewässern und die Absicherung von Nahrungsmitteltransporten für die hungernde Bevölkerung Somalias. Von Bord der Fregatte Lübeck schildert Hauptbootsmann Ronny B. seinen Alltag und seine Eindrücke.
- 19. und 20. Februar 2012
- 17. und 18. Februar 2012
- 15. und 16. Februar 2012
- 13. und 14. Februar 2012
- 11. und 12. Februar 2012
- 9. und 10. Februar 2012
- 8. Februar 2012
- 30. und 31. Januar 2012
- 28. und 29. Januar 2012
- 26. und 27. Januar 2012
- 24. und 25. Januar 2012
- 22. und 23. Januar 2012
- 20. und 21. Januar 2012
- 18. und 19. Januar 2012
- 17. Januar 2012
- 14. und 15. Januar 2012
- 13. Januar 2012
- 11. und 12. Januar 2012
- 9. und 10. Januar 2012
- 7. und 8. Januar 2012
- 5. und 6. Januar 2012
- 3. und 4. Januar 2012
- 1. und 2. Januar 2012
- 30. und 31. Dezember 2011
- 28. und 29. Dezember
- 27. Dezember 2011
- 26. Dezember 2011
- 25. Dezember 2011
- 24. Dezember 2011
- 23. Dezember 2011
- 22. Dezember 2011
- 21. Dezember 2011
- 20. Dezember 2011
- 19. Dezember 2011
- 16. Dezember 2011
- 15. Dezember 2011
- 14. Dezember 2011
- 12. Dezember 2011
19. und 20. Februar 2012

Das Wochenende war von zahlreichen Arbeiten geprägt, und auch am Sonntag ließ die Wochenendroutine auf sich warten. Vormittags verlegten wir von der Berlin an einen benachbarten Liegeplatz, um den Weg frei zu machen für das geplante Auslaufen unseres Neuankömmlings. Schon am Mittag wehte der Manöverabpfiff nach dem Ablegen der Berlin zu uns herüber, und bald war der Einsatzgruppenversorger auf Auslaufkurs in Richtung Transitkorridor, um dort in seinem neuen Einsatzgebiet seinem Auftrag nachzukommen.
An Bord der Lübeck herrschte unterdessen weiterhin reges Treiben. Mit Blick auf den Besuch des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Volker Wieker, am Montag mussten noch einige Vorbereitungen getroffen werden, die bis Sonnenuntergang alle abgeschlossen waren. Am 20. Februar früh um 6.30 Uhr begrüßten wir den General mit mehreren Begleitpersonen an Bord. Pünktlich um 10 Uhr verließen wir ohne Schlepperhilfe den Hafen Dschibutis.
Wir fuhren vorerst in Richtung Transitkorridor, um dort erneut auf die Berlin zu treffen. Währenddessen konnte sich der Generalinspekteur in vielen Gesprächen ein umfassendes Bild vom Bordleben machen. Nachmittags machten wir uns klar zur Annahme eines Sea Kings, eines der beiden auf der Berlin stationierten Bordhubschrauber, mit dem der General uns kurze Zeit darauf auch verließ.
Anschließend steckten wir unseren Kurs in Richtung der Meerenge Bab al Mandeb zwischen Dschibuti und Jemen ab und ließen bald unsere Mitstreiter außer Sichtweite. Unser Auftrag besteht nun darin, im südlichen Roten Meer in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar ein Schiff des World Food Programms zu treffen und dieses 200 nautische Meilen bis zum Hafen von Dschibuti zu geleiten.
17. und 18. Februar 2012

Dschibuti – schönste Stadt der Welt, wie sie von einigen ironisch genannt wird. Mit erbarmungslos brennenden Sonnenstrahlen, die die unbewegliche Luft im Hafen durchschneiden, die einem das Atmen erschwert. Freitag kamen wir zum dritten und letzten Mal in diesem Jahr im Golf von Tadjoura an, der Dschibuti vorgelagert ist. Um 12 Uhr machten wir am Einsatzgruppenversorger Berlin fest, der uns im Einsatz ablöst. Kaum waren alle Leinen über und fest, setzte auch schon der Menschenstrom von Schiff zu Schiff ein. Jeder wollte nun zu seinem Gegenpart an Bord der anderen Einheit, um zügig die Dienstgeschäfte und das Material, Atalanta betreffend, übergeben zu können.
Parallel dazu arbeiteten die Besatzungen der Lübeck und der Berlin das Standardprogramm an Nachversorgungen ab: Proviant und Wasser in Lasten verstauen, Kraftstoff übernehmen und Ersatzteile tauschen. Für Außenstehende muss die Szenerie aller nebeneinander stattfindenden Materialtransfers einen chaotischen Eindruck gemacht haben, doch zum Abend des Freitags konnte ein Großteil der Arbeiten und Übergaben als abgeschlossen gemeldet werden.
Bei der anschließenden Übergabefeier auf dem Flugdeck der Lübeck kamen zum Abschluss des Tages die Soldaten beider deutschen Einheiten sowie einige Gäste der Deutschen Versorgungs- und Unterstützungsgruppe (DVUG) und Vertreter aus der Politik in gemütlicher Atmosphäre zusammen und ließen den Tag ausklingen. In zahlreichen Gesprächen fanden sich Möglichkeiten, Informationen auszutauschen und neu zuversetzte Kameraden konnten Anschluss an ihr zukünftiges Umfeld finden. Am Samstag fand die Übergabemusterung statt, die von Delegationen der Lübeck, der Berlin und der in Dschibuti stationierten Unterstützungsgruppe begleitet wurde. Nach diesem Akt war der offizielle Teil der Übergabe vollzogen und bis zum Abend war auch jegliches Material übergeben.
Nun geht es für den Einsatzgruppenversorger Berlin in die Operation Atalanta und für die Fregatte Lübeck, die sich noch bis Ende des Monats im Einsatzgebiet befindet, in Richtung Südafrika, um am Manöver Good Hope V teilzunehmen.
15. und 16. Februar 2012

Am 15. Februar erreichten wir den Golf von Aden, durch den wir den letzten Teil unseres Transits zu absolvieren haben. Nur noch rund 900 Kilometer, die es für uns zurückzulegen galt. Das Wetter hatte sich merklich verbessert, keine Wolken am Himmel und der Wind wehte nur noch mit maximal 40 Stundenkilomtern aus Osten, was bei unserem Westkurs den gefühlten Wind an Deck gegen Null gehen ließ.
Bei solchen Umweltbedingungen wird das Piraterie-Risiko besonders in küstennahen Seegebieten als hoch eingeschätzt, da keine Gefahr für Skiffs besteht, von Wellen ergriffen und vom Wind weggetrieben zu werden. Mit dieser Einschätzung im Ohr hielt jede Station hoch motiviert Ausguck nach verdächtigen Fahrzeugen. Und tatsächlich: Unabhängig voneinander wurden mehrere Dhaus aufgeklärt, die wir uns näher anschauten. Bei einer Einordnung von Seefahrzeugen müssen viele Punkte beachtet werden, um eine Fehleinschätzung, ob verdächtig oder nicht, zu vermeiden. Wenn Fakten nach einer Ansprache via Sprechfunk auffällig oder in sich unschlüssig sind, kann auch eine Kontaktaufnahme, genannt „friendly approach“, zur Klärung der Umstände erfolgen.
So meldete uns im Laufe des Mittwochs eine aufgefasste und kontaktierte Dhau, dass sich neben ihrer Stammbesatzung auch ein somalisches Sicherheitsteam an Bord befindet. Auf den ersten Blick schien das nicht ungewöhnlich. Aber nach einigen Hintergrundinfos kam doch die Frage auf, ob es sich wirklich um ein Sicherheitsteam handelt. Um das zu klären, schickten wir unser Boardingteam zum nunmehr neunten Außeneinsatz auf die besagte Dhau. Nach einer kurzen Befragung der Besatzung und Bestätigung des Dhau-Agenten, dass sich ein somalisches Sicherheitsteam an Bord befinden soll, traten unsere Soldaten den Rückweg per Speedboot an. Damit war auch dieser Fall sicher abgearbeitet worden und wir machten uns weiter auf Westkurs, auf den Weg gen Dschibuti, um bald auf die Berlin treffen zu können.
13. und 14. Februar 2012

44 Stunden steuerten wir wie festgenagelt Nordwestkurs. Nun war es soweit, unseren Transitkurs entlang der somalischen Küste Richtung Norden abzusetzen. Schlagartig änderten sich die Schiffsbewegungen, die innerhalb der letzten Tage aufgrund der Winde, die in Böen mit bis zu 70 Stundenkilometern wehten, erheblich zunommen hatten. Endlich keine auf Dauer belastenden Rollbewegungen mehr, bei denen sich das Schiff von links nach rechts und umgekehrt bewegt, sondern deutlich erträglichere Stampfbewegungen, bei denen das Schiff sich sanft auf und ab bewegt. Trotz dieser Bedingungen befanden wir uns mit der Fregatte innerhalb der zulässigen Grenzwerte von Wind und Neigungswinkeln, die für den Einsatz der Bordhubschrauber unumgänglich einzuhalten sind, und so machten wir die Helikopter am Dienstagmorgen startklar.
An Bord des Hubschraubers war neben der Standardcrew ein Journalist der ARD, Herr Raman, welcher uns seit den Seychellen begleitet. Flugziel: die Küstengebiete Somalias. Mission: Seeraumüberwachung und bestmögliche Aufklärung der Küstenregionen in Bild und Ton. Dieser Flug sollte aber nicht nur unserer Auftragserfülllung im Rahmen der Operation Atalanta dienen, sondern auch Bildmaterial liefern, welches später in eine Reportage über Piraterie einfließen kann.
Intern wird an manchen Stellen derzeit schon das Eine oder Andere für die anstehende Übergabe an die Berlin vorbereitet. Material wird verpackt, Listen werden geschrieben, und hilfreiche Tipps für die Bewältigung eines solchen Einsatzes werden zusammengestellt. Die dabei an den Tag gelegte Betriebsamkeit wurde lediglich am Valentinstag ab und zu kurzzeitig unterbrochen. Denn überall in den Längsgängen konnte man Soldaten beobachten, wie sie schier endlose Girlanden aus Herzen durchstöberten auf der Suche nach der Kreation, die ihnen aus Deutschland zugesandt wurde. Vielen Dank an alle in der Heimat, die so fleißig gebastelt und so an ihre Liebsten im Einsatz gedacht haben!
11. und 12. Februar 2012

Wie es sich schon am Vorabend des Wochenendes abzeichnete, dauerte unsere Suche nach dem im Gebiet vermuteten verdächtigen Schiff Pirate Action Group weitere 36 Stunden an. Ständig mit allen Mitteln Ausschau haltend, fuhren wir auf wechselnden Kursen, jeden Moment das Auftauchen der Piraterie Verdächtigten erwartend. Doch es konnten keine entsprechenden Anhaltspunkte im abgesuchten Seeraum ausgemacht werden, obwohl per Helikopter die Überwachung immer weiter intensiviert wurde. Weit und breit nur Wasser, was einem zwischenzeitlich das Gefühl vermittelte, dass nie ein anderes Fahrzeug außer uns in hiesigen Gewässern unterwegs war.
Sonntagvormittag wurde die Suche eingestellt und wir trafen kurze Zeit später die ESPS Patino, den spanischen Versorger unseres Verbandes, der den Stab der Operation Atalanta beherbergt. Neben der notwendigen Nachversorgung mit Kraftstoff bot sich die Möglichkeit, den Verbandsführer, den spanischen Admiral zur See Jorge Manso, gemeinsam mit einigen Begleitpersonen an Bord der Lübeck begrüßen zu dürfen. Nachdem die genannten Personen per Helikopter an Bord eintrafen, ergaben sich einige anregende Gespräche, die sicher dem sonst üblichen Mail- beziehungsweise Fernschreibverkehr vorgezogen wurden. Der Verbandsführer sprach der Lübeck und ihrer Besatzung Dank und Anerkennung aus und betonte stolz sein zu können, ein solch engagiertes Schiff in seinem Verband führen zu dürfen.
Währenddessen verlief das Seeversorgungsmanöver gewohnt routiniert und wir konnten unsere Bunker bis zum Rand gefüllt wissen. Das war für den Transit gen Dschibuti, der knappe 3.000 Kilometer beträgt, auch dringend nötig. So brachen wir auf in Richtung somalischer Küste, die wir am frühen Dienstag erreichen werden, um dort unserem Auftrag, der umfassenden Aufklärung, nachzukommen.
9. und 10. Februar 2012

Nach unserem Auslaufen am 8. Februar aus Port Victoria hatte jedes Besatzungsmitglied, besonders jedes neuzuversetzte, noch bis zum Nachmittag Zeit, seinen persönlichen Bereich sowie Betriebsräume für die anstehende Seefahrt zu „klarieren“. Besonders wichtig ist, dass alles frei bewegliche Material festgezurrt ist, um gegen Verrutschen und Beschädigungen gesichert zu sein. Dabei spielt aber nicht nur das Sichern technischen Geräts eine große Rolle: Auch Dinge des persönlichen Gebrauchs müssen seefest sein. Denn in Decks und Kammern, wie an Bord die Schlafräume genannt werden, die mit bis zu zwölf Personen belegt sind, kann schon ein ständig rasselnder Schlüsselbund für gehörige Unruhe sorgen.
Am Nachmittag verblassten langsam die letzten Inseln der Seychellen am Horizont, doch die Ruhe dieses Anblicks wurde schon bald durch die Alarmklingel durchbrochen. Nun hieß es für jedermann auf Gefechtsstation und auf Station zum Manöver „Mann über Bord“. Doch es handelte sich lediglich um Stellproben, bei denen einzelne Stationen sich nicht materiell ausrüsten, sondern die personelle Vollzähligkeit im Vordergrund steht.
Während dieser Übungen erreichte uns über vorgesetzte Dienststellen unser neuer Auftrag. Im Nordosten der Seychellen kam es mitten im Indischen Ozean zu Pirateriehandlungen, die zwar erfolglos blieben, aber ein Verweilen der Piraten im Seegebiet vermuten lassen. Das Suchgebiet wurde anschließend per Schiff und Helikopter auf verdächtige Fahrzeuge abgesucht. So waren wir den Donnerstag und Freitag damit beschäftigt systematisch das Seegebiet zu durchkämmen.
8. Februar 2012

Den in den letzten Tagen des Januars begonnenen Transit schlossen wir ohne unerwartete Ereignisse ab mit dem Einlaufen in Port Victoria auf Mahé, der Hauptinsel der Seychellen. Mit der aufgehenden Sonne kamen am 2. Februar die ersten Korallen- und Granitinseln in Sicht, die unsere Kurse noch bis zum Festmachen säumen sollten. Zwar spielte das Wetter während des Einlaufens mit starken Regenschauern bei rund 25 Grad Celsius nicht ganz so mit, aber nach pünktlicher Lotsenübernahme konnten wir das Manöver zügig beenden.
Der Hafenaufenthalt stand ganz im Zeichen der Wiederherstellung technischer und personeller Ressourcen sowie einiger notwendiger Nachversorgungen. Sobald alle erforderlichen Arbeiten nach und nach abgeschlossen waren, nutzte jedes Besatzungsmitglied auf seine Art und Weise die Vielzahl der Angebote auf den Seychellen, um die Seele einmal etwas baumeln zu lassen und seine Kräfte für den anstehenden weiteren Seetörn aufzuladen.
Der Hafenaufenthalt zur „Halbzeit“ unserer Abwesenheit vom Heimathafen bot aber auch die Möglichkeit, für sich ein Zwischenfazit zu ziehen. Viele fordernde Ereignisse liegen nun schon hinter der Lübeck. Ihre Bewältigung lässt uns sehr zuversichtlich auf zukünftige Aufgaben blicken – ob noch während des Atalanta-Einsatzes oder der danach anstehenden Übung Good Hope V.
Nach dem Auslaufen am 8. Februar stehen für die Besatzung die nächsten eineinhalb Wochen wieder interne Ausbildung und Seeraumüberwachung im Indischen Ozean auf der Tagesordnung. Dabei gilt es, einsatzerprobt professionell unserem Auftrag nachzukommen.
30. und 31. Januar 2012

„An alle Stellen aus der Operationszentrale. Wir haben ein feindliches Kampfflugzeug, bestückt mit Flugkörpern, anfliegend aus dem Westen. Airwarning Red, Besatzung auf Gefechtsstation!“
– Am Nachmittag des 30. kommt Bewegung ins Schiff! Jeder an Bord weiß jetzt, was er zu tun hat und wo er hin muss. Viereinhalb Minuten später ist die gesamte Besatzung auf Station und macht sich klar zum Gefecht.
Obwohl es sich dabei um eine Übung handelt, reagiert jeder wie im Ernstfall. Kurz darauf – so das Szenario – wird die Fregatte Lübeck getroffen. Doch das „Feuer“ wird schnell entdeckt und gelöscht, die „Verletzten“ werden zügig geborgen und versorgt. Solch Übungen bringen Sicherheit und Routine. Sie trainieren, Lagen wie diese bestmöglich abarbeiten zu können.
Nach Beendigung der Übung und Rückrüstung aller Stationen ging es für uns weiter Richtung Südhalbkugel. In der Zwischenzeit jedoch erreichten uns Informationen verbündeter Kräfte, dass erneut eine Dhau mit mehreren Skiffs im Schlepptau gesichtet wurde. Nun war es an uns, den Kurs und die Fahrt so zu ändern, diese abzufangen und genauer aufzuklären.
Am Folgetag konnten wir in der Nähe der somalischen Küste die gesuchte Dhau ausmachen und näher betrachten. Es gab aber keine Anhaltspunkte für Piraterie. So stand unserer Überfahrt zur Inselgruppe der Seychellen nichts mehr im Wege, die zwar unruhig mit mäßigem Seegang begann, aber sonst eher ruhig verlaufen sollte.
28. und 29. Januar 2012

Das letzte Wochenende in See vor unserer Bereitschaftsphase auf den Seychellen begann ruhig. Vormittags wurden die letzten Unterrichte der Woche gehalten. Ein Übungsschießen für das bordeigene Force-Protection-Personal (Personal zum Eigenschutz einer Einheit) am Nachmittag verlangte noch einmal allen Beteiligten Konzentration und Geschick. Nachdem alle Übungsziele erfolgreich bekämpft waren und die Schützen ihr Können unter Beweis gestellt hatten, setzte die Lübeck die Überwachung des Seeraums zwischen dem Jemen und Somalia fort.
In der Nacht und während der Fahrt in den östlichen Teil des IRTC blieb die Lage ruhig. Dort angekommen, ließ das vorerst größte Highlight des Tages nicht lange auf sich warten. In rund 14 nautischen Meilen Entfernung kam der amerikanische Versorger in Sicht mit dem wir ein Seeversorgungsmanöver durchführen sollten. Rasch waren die Stationen klar zum Manöver, die Verbindung zwischen den Schiffen hergestellt und der geforderte Kraftstoff übernommen.
Kurz vor 11 Uhr verabschiedeten wir uns von dem Versorger. Alle Bunker mit Kraftstoff gefüllt, begaben wir uns nun auf den Transit zum nächsten Hafen, der noch 1.000 nautische Meilen entfernt liegt. Doch auch ein Transit kann Überraschungen bereithalten: Während seines Überwachungsfluges meldete unser Bordhubschrauber eine verdächtige Dhau vor der somalischen Küste.
Sofort verließen wir unseren geplanten Kurs und steuerten mit Höchstgeschwindigkeit zur Position der Dhau. In der Zwischenzeit machte sich das Boardingteam klar für einen „friendly approach“, der zum ersten Mal seit Beginn unseres Einsatzes bei Dunkelheit durchgeführt wurde. Bei der Untersuchung konnte die Dhau als Fischerboot identifiziert werden. Nach etwa drei Stunden war das Boardingteam wieder an Bord und wir können bei weiterer Seeraumüberwachung unseren Transit fortsetzen.
26. und 27. Januar 2012

Als wir die Woche in See begonnen hatten, standen wir am Donnerstag und Freitag in unserem Patroulliengebiet im international empfohlenen Transitkorridor (IRTC). Die Lage im Seegebiet ist derzeit ruhig und das einzige, was wir hin und wieder zu Gesicht bekommen sind karawanengleich dahinziehende Konvois von bis zu 15 Schiffen, die sich mit stetiger Geschwindigkeit unter Geleit militärischer Fahrzeuge aus Fernost am Horizont dahinzuschleppen scheinen.
Da wir in letzter Zeit oftmals auf „Zuruf“ agierten, nutzten wir die jetzige Situation, um am Nachmittag des 26. Januar ein schon mehrmals aufgeschobenes Übungsschießen durchzuführen. Nachdem der letzte Schuss brach, bezogen wir erneut Stellung im Seegebiet und unterstützten unseren Helikopter bei der Lagebilderstellung, welche er zuvor alleine übernommen hatte.
Am Freitagmittag erhielten wir von einem Containerschiff den Funkspruch, dass eine bei einem Unfall verletzte Person medizinische Hilfe benötigte. Sofort beratschlagte sich die Schiffsführung mit unserem Sanitätspersonal, ob und wie wir diese Hilfe gewährleisten könnten. Nach Abwägung verschiedener Optionen, machten wir einen Bordhubschrauber klar, um Personal auf das Schiff zu bringen. Hier erwies sich das intensive Training als äußerst hilfreich. Unser Schiffsarzt und der Chirurg konnten schnell an Bord des Zivilfahrzeugs gebracht werden.
Der ersten Diagnose nach zu urteilen, war eine weitere Untersuchung des Patienten notwendig. Dazu wurde dieser per Hubschrauber zu uns an Bord gebracht. Das Röntgenbild ließ nichts Gutes erahnen. Aufgrund der Schwere der Handgelenkverletzung blieb keine andere Möglichkeit, als sofort zu operieren.
Nach der mehrstündigen Behandlung wurde der Patient zurück auf sein Schiff verbracht, das sich in der Zwischenzeit um dessen weitere Versorgung in einem Krankenhaus kümmerte. Mit einer freundlichen Verabschiedung bedankte sich der deutsche Kapitän des Containerschiffes bei uns für die geleistete Hilfe. Anschließend entfernte sich die Lübeck wieder in Richtung der uns zugewiesenen Box zur Seeraumüberwachung am Wochenende, bevor wir uns auf unseren Transit in Richtung der Seychellen begeben.
24. und 25. Januar 2012

Zu Anfang der letzten beiden Tage waren wir auf unserem nach Westen führenden Transit Richtung des international empfohlenen Transitkorridors (IRTC) größtenteils außerhalb der Sichtweite irgendeines Fahrzeuges. Das gab uns genügend Zeit für interne Ausbildung und den einen oder anderen theoretischen Unterricht in den Tagesdienst einfließen zu lassen.
Der praktische Teil der Sanitätsausbildung an mehreren Stellen im Schiff, aber auch an Oberdeck, zog die meisten neugierigen Blicke auf sich. Es wurden verschiedene Lagerungsarten und die Erstversorgung von Verletzten geübt. Nicht nur hier war das Interesse groß, sondern auch beim Unterricht der Rechtsberaterin und der Feldjägerkomponente.
Nach 48 Stunden erreichten wir unser vorgesehenes Gebiet in der IRTC. Hier überwachen wir in den nächsten Tagen mit ständiger Unterstützung durch unserer Helikopter den Seeraum und erstellen so ein lückenloses Lagebild, um den Golf von Aden vor Piraterie zu schützen.
22. und 23. Januar 2012

Um lediglich 30 Minuten verspätet, was für hiesige Gefilde ziemlich pünktlich ist, verließen wir heute nach 48-stündigem Aufenthalt den Hafen von Salalah.
Am Tag, als wir eingelaufen waren, verstauten wir zunächst die neuen Vorräte, was unter Mithilfe aller zügig abgeschlossen werden konnte. Zeitnah gingen wir in das Dienstende über, und die Mehrzahl der Besatzung, die nicht der Wache angehörte, konnte damit beginnen, den Hafenaufenthalt zu genießen.
Zwar fanden die im Vorfeld angebotenen Ausflugstouren rund um Salalah aufgrund unseres verzögerten Einlaufens leider nicht statt, doch ermöglichte ein Shuttle es allen Interessierten, dennoch mehrere Stationen der Stadt zu besuchen, um so den Oman wenigstens etwas kennenzulernen – oder einfach, um einmal „rauszukommen“.
Wer es vorzog, an Bord zu bleiben, hatte von Oberdeck den Ausblick auf einen ununterbrochen pulsierenden Hafen voller Containerschiffe und Transport-Dhaus. Unsere relativ kurze Auszeit in Salalah gab allen an Bord wieder neue Energie für die kommenden zehn Tage in See.
Diese werden wieder ganz im Zeichen der Seeraumüberwachung stehen, aber auch von Ausbildung an Bord geprägt sein. Das ist notwendig, angesichts der Vielzahl des neu eingeschifften Personals. Die „Neuen“ müssen das Schiff und den Seealltag erst einmal kennenlernen, um so Teil eines eingespielten Teams zu werden. Denn nur die Teamleistung einer aufeinander abgestimmten Besatzung macht den Erfolg möglich.
20. und 21. Januar 2012

Am Morgen des 20. Januar mussten wir in einem durch die Piraten geforderten Abstand von fünf nautischen Meilen zu den sich in Piratenhand befindlichen Fahrzeugen verharren und konnten so die Situation lediglich aus der Ferne beobachten. Bereits vor Sonnenaufgang beobachteten wir mittels Wärmebildkamera einige Bewegungen zwischen der Dhau und dem nachts hinzugekommenen Handelsschiff.
Die Aktivitäten verstärkten sich bei Tagesanbruch zusehends, während wir nun auch auf unser fliegendes Auge, den Bordhubschrauber, zurückgreifen konnten, der aus sicherer Höhe hilfreiche Details meldete. Am späten Vormittag waren augenscheinlich die Material- und Personentransporte zwischen den beiden Fahrzeugen abgeschlossen, da kein Skiff (kleines Motorboot, Anmerkung der Redaktion) mehr zwischen Handelsschiff und Dhau pendelte. Das gekaperte Handelsschiff nach Kurs Südwest mit zehn Knoten und entfernte sich rasch.
Unsere Vermutung, dass die Dhau jetzt piratenfrei sei, bestätigte sich, nachdem wir ein Team per Speedboot übersetzten, das die Stammbesatzung, die sich die letzten zwölf Tage in Piratenhand befunden hatte, wohlauf und unverletzt antraf. Nach 72-stündiger Verfolgung der Piratendhau konnten wir am Freitag die Erfolgsmeldung absetzen: „Freiheit für die Dhow und deren 15-köpfige Besatzung.
“ Abschließend wurde die Dhau noch gründlich untersucht, wobei jedoch keine nennenswerten Schäden auffielen. Außerdem wurde der Besatzung noch Hilfe geleistet, die sie dankbar entgegennahm.
Angesichts dieser erfreulichen Lageänderung war jedes Besatzungsmitglied der Lübeck erleichtert und auch ein wenig stolz. Jeder weiß jedoch, dass weiterhin Piraten das Seegebiet rund um das Horn von Afrika unsicher machen und viele Angriffe, Kaperungen und Geiselnahmen nicht immer so glücklich ausgehen wie in diesem Fall. Nach den ereignisreichen letzten Tagen werden wir etwas später als ursprünglich geplant in Salalah (Oman) einlaufen, wo wir neben Nachversorgung und Personalzuführung das Wochenende nutzen werden, etwas auszuspannen.
18. und 19. Januar 2012
Die Verfolgung geht weiter. In einem Abstand von 1.000 bis 1.500 Yards steht unser Schiff die ganze Zeit in unmittelbarer Nähe zu der Dhau, die sich als ausgesprochen hartnäckig erweist. In den Nächten verdeutlichen wir per Scheinwerfer und Signalmunition mit immenser Schallwirkung weiter unsere Absicht, sie in See zu stellen.
Lediglich die mehrstündige Passage der jemenitischen Hoheitsgewässer rund um die dem Horn von Afrika vorgelagerten Inselwelt, die wir nicht befahren dürfen, verschaffte der Besatzung der Dhau eine gewisse Verschnaufpause, in der wir bis zu sieben nautische Meilen von ihr entfernt blieben. Doch schon in den sehr frühen Morgenstunden schlossen wir wieder auf rund 1.000 Yards auf, was uns wieder gute Möglichkeiten gab, wertvolle Informationen und Bildmaterial über die Dhau zu sammeln. So wurden zum Beispiel zweifelsfrei Waffen an Bord nachgewiesen.
Man kann sich die gewisse Anspannung innerhalb der Besatzung hier an Bord vorstellen, die sich in den letzten ereignisreichen Tagen gebildet hat. Dabei heißt es in erste Linie „Ruhe bewahren“ und sich auf die Lage konzentrieren. Gemäß der äußeren Bedrohung hieß dies Gefechtsdienst, also die höchste Bereitschaftsstufe innerhalb des Schiffes.
Für uns heißt es jetzt die Dhau, welche gemäß externer Informationen und eigener Beobachtungen nach als Piratendhow identifiziert ist, weiter zu beschatten und die Entwicklung der Lage abzuwarten. Dabei treffen wir heute Nacht auf ein Anfang des Jahres gekapertes Handelsschiff, das sich immer noch in Piratenhand befindet. So bleibt es spannend, welche Zusammenhänge sich noch auftun und welche Aufgaben es für uns zu bewältigen gibt.
17. Januar 2012

Dienstag stand für uns wieder einmal ein Seeversorgungsmanöver an. Diesmal jedoch mit einer britischen Einheit, mit der wir schon vor einiger Zeit seemännische Manöver praktiziert haben. Zügig und mit geübten Handgriffen wurde die Verbindung zwischen den Schiffen hergestellt und in einer Stunde allen Bunker mit Diesel- und Flugkraftstoff vollgetankt. Fast schon traditionsgemäß verabschiedeten wir uns mit der AC/DC-Hymne „Hell’s Bells“ vom Versorger und nahmen Kurs auf das nächste zur Seeraumüberwachung vorgesehene Seegebiet.
Lange dauerte es nicht, bis wir zu einem Zwischenfall in rund 100 nautischen Meilen Entfernung gerufen wurden. Eine Dhau griff ein Zivilschiff an. Mit 27 Knoten nahm unsere Lübeck Kurs auf den Vorfall. Zwischenzeitlich wurde der Helikopter klargemacht, um die Aufklärung aus der Luft zu übernehmen.
Nur rund eine halbe Stunde später war die Position der Dhau ausgemacht. Nach Sichtung des Bootes erhöhten wir die bordinterne Bereitschaft und staffelten bis auf wenige hundert Yards an das Boot heran. Über Sprechfunk wurde aber schnell klar, dass ein „friendly approach“ ausgeschlossen war, da uns gegenüber mit Beschuss gedroht wurde, falls wir unser Speedboot für ein „Boarding“ zu der Dhau aussenden.
Nach dieser Ankündigung wurde der Kontakt seitens der Dhau jäh abgebrochen. Der Aufforderung zum Stoppen wurde nicht nachgekommen. Daraufhin feuerten wir mehrere Warnschüsse – erst vor und dann in den Bug der Dhau, die trotzdem unbeirrt ihren Kurs auf jemenitische Hoheitsgewässer beibehielt. Nach Absprachen mit übergeordneten Stellen machten wir die Lübeck durchhaltefähig, um die Dhau nachts beschatten zu können. Mit unseren Signalscheinwerfern sowie Signalmunition verdeutlichten wir unsere dringende Aufforderung zur Kontaktaufnahme.
14. und 15. Januar 2012

Ein weiteres Wochenende in See. Samstagvormittag lief noch das Tagesgeschäft, welches fließend in die Wochenendroutine überging. Wie immer stand Seeraumüberwachung und Aufklärung mittels Helikopter auf dem Plan.
Im Laufe des Tages trafen wir zusätzlich noch auf einen Konvoi mit 14 Schiffen, der von zwei japanischen Einheiten begleitet wurde, von denen wir einer die traditionelle Ehrerweisung „Front“ in einem Abstand von 200 Metern entgegenbrachten, die von dem Konvoi erwidert wurde. Kurze Zeit später drehten wir auch schon wieder ab, um unseren Auftrag weiter nachgehen zu können.
Bei einem Wochenende in See bleibt neben dem operativen Tagesgeschäft aber auch etwas willkommene Freizeit mit sich, die auf verschiedene Art und Weise genutzt wird. Manch einer treibt Sport, liest oder sieht sich einen Film an. Außerdem gibt es ab und an das Angebot, an Kartenspiel-Turnieren teilzunehmen, was sich großer Beliebtheit erfreut und eine willkommene Abwechslung bieten. Jeder bereitet sich auf die neue Woche vor, die uns in vollem Umfang fordern wird.
13. Januar 2012

Obwohl Freitag dem 13. allerhand unheilvolle Geschichten nachgesagt werden, gestaltete sich der heutige Tag für uns als überaus interessant. Früh morgens schickten wir standesgemäß einen unserer Helikopter auf seine Aufklärungsmission, der schon nach halbstündigem Flug eine dem äußeren Anschein nach heruntergekommene Segelyacht meldete.
Umgehend wurde diese via Sprechfunk von der Helikopterbesatzung angesprochen, um Eigner und Herkunftsland zu bestimmen. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass der Italiener an Bord dieses amerikanischen Seglers alleine in Begleitung seiner Katze „Miau“ unterwegs auf einer mittlerweile zweieinhalbjährigen Weltumseglung ist, die lediglich von Stopps unterbrochen wurde, bei denen der Weltenbummler sein Budget aufbesserte.
Er fragte in Folge an, ob es uns möglich wäre ihn mit 100 Liter Diesel auszuhelfen, was wir sofort in die Tat umsetzen wollten und sogleich Kurs auf den Segler nahmen. Angekommen bei dem Segler, machten wir unser Speedboot klar in dem mehrere Kanister Kraftstoff an Bord des Seglers gebracht werden sollten.
Doch im Moment des Aussetzens des Speedboots meldete sich unser Helikopter wieder: Er hatte einen Funkspruch eines Zivilschiffes aufgenommen, demzufolge sich mehrere Boote in offenbar feindlicher Absicht näherten. Sofort wurde die Unterstützung des Seglers eingestellt und mit Höchstfahrt das um Hilfe rufende Schiff angesteuert.
Während der Fahrt trafen wir alle Maßnahmen an Bord, die in einem solchen Fall notwendig sind. Aber zum Eingreifen kam es nicht mehr, da die Situation sich schlagartig entspannte. Das Hilfe ersuchende Schiff hatte ein Ausweichmanöver der Boote irrtümlich als Angriff interpretiert.
An Bord der Lübeck waren mittlerweile alle Vorkehrungen für eine Annäherung an ein verdächtiges Fahrzeug getroffen. Doch die Vorbereitungen waren nicht umsonst, da der Helikopter ein anderes verdächtiges Fahrzeug aufgeklärt hatte. Die Fregatte näherte sich an. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Boot nicht an Piraterie beteiligt ist.
Nach Rückrüstung aller Stellen an Bord, hatten widmeten wir uns wieder der Hilfeleistung für den Segler, die wir morgens so plötzlich abbrechen mussten. Nachdem wir die Kraftstoffübergabe beendet hatten – seine Katze sorgte bei für Schmunzeln – war der Segler sichtlich glücklich und setzte unverzüglich Kurs auf sein nächstes Ziel. Auch wir wendeten uns wieder unserem Auftrag zu.
Anmerkung der Redaktion: So glücklich die Geschichte auch ausgegangen ist – das Hauptquartier von Atalanta rät ausdrücklich von Segeltörns in diesem gefährlichen Seegebiet ab.
11. und 12. Januar 2012

Endlich weht uns wieder frische Seeluft um die Nase. Nicht nur dieser Umstand, sondern auch die nur noch 100 Tage bis zum Einlaufen in Wilhelmshaven lassen die Besatzung motiviert in die Zukunft blicken. Wir sind aus Djibouti ausgelaufen und kaum waren alle Leinen los, nahmen wir auch schon Kontakt zu einem Schiff des World Food Programs auf, das wir entlang der Nordküste Somalias begleiten sollten.
Schnell waren die Details abgeklärt und die für 24 Stunden angesetzte Eskorte konnte beginnen. Währenddessen liefen die Triebwerke der getauschten Helikopter schon warm, die uns nach kurzer Zeit noch in Sichtweite Dschibutis erreichten. Damit waren wir wieder komplett ausgerüstet, um im Einsatzgebiet zu patroullieren.
Die gesamte Zeit der Eskorte verlief ruhig, was besonders auf die sehr übersichtliche Verkehrslage im Süden des Golf von Aden zurückzuführen ist, denn außer vereinzelten Fischern in Küstennähe konnten keine größeren Kontakte ausgemacht werden, die man hätte als verdächtig einordnen können. Schon am Mittag des 12. Januar übergaben wir das zu eskortierende Schiff den Hafenbehörden, die sich um den weiteren Schutz kümmerten, und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Auftrag, nämlich der Seeraumsicherung im International empfohlenen Transitkorridor. Dort werden wir in den nächsten Tagen mit allen verfügbaren Mitteln Aufklärung betreiben und zum Schutz des Seeverkehrs beitragen.
9. und 10. Januar 2012

„Wie lang sind 5,34 Kilometer?“ Diese Frage stellte sich jeder der rund 30 Läufer, die am diesjährigen Neujahrslauf mitten in der Wüste teilnahmen. Die Antwort „Irgendwie zu lang!“ war allerdings auch allen beim Zieleinlauf ins Gesicht geschrieben. Aber trotz oder gerade aufgrund der Anstrengungen war jeder Wüstenläufer stolz darauf, an diesem durch die Deutsche Verbindungs- und Unterstützungsgruppe sehr gut geplanten Lauf teilgenommen zu haben.
Mit diesem Lauf als besonderen Abschluss wechselte sich nun heute ein umfangreiches Hafenprogramm mit einem nicht minder attraktiven Seefahrtsprogramm ab, das uns einen achttägigen Seetörn in Aussicht stellte. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Durch eine unvorhergesehene und wichtige Instandsetzung, die leider nicht mit bordeigenen Mitteln zu stemmen ist, verlängerte sich unser Hafenaufenthalt in Dschibuti um rund 24 Stunden.
Auf der einen Seite kann man sich etwas darüber freuen, da einem somit etwas mehr Freizeit als in See vergönnt ist, was besonders jeder Seewächter begrüßt. Doch auf der anderen Seite scharrt jeder mit den Füßen, endlich in Fahrt zu kommen und unserem Hauptauftrag weiterhin nachzukommen. So blickt die Besatzung, verstärkt durch neu eingeflogenes Personal, in verschiedensten Bereichen erwartungsvoll auf den erfolgreichem Abschluss der Instandsetzung und dem anschließenden Auslaufen.
In den nächsten Tagen erwartet uns, neben dem Eintreffen der planmäßig getauschten Bordhubschrauber, wieder die Seeraumüberwachung im Golf von Aden.
7. und 8. Januar 2012

Auch an diesen Tagen brach wieder eine Vielzahl von Soldaten zu Ausflügen auf, da sie an den Vortagen Wache hatten und somit das Schiff nicht verlassen durften. Doch nicht nur der erholsame Aspekt soll hier erwähnt sein, sondern auch die neben der Nachversorgung stattfindenden Instandsetzungen und der Tausch unserer Helikopter. So wurde fleißig durch frische Farbe das äußere Erscheinungsbild unserer Lübeck aufpoliert und mit Hilfe extra angereister Techniker außerdem noch das Flugdeck hergerichtet und technisches Gerät zum Laufen gebracht.
Parallel dazu wurden Vorbereitungen an unseren am Einlauftag ausgeflogenen Helikoptern durchgeführt. Alle anberaumten Arbeiten konnten unter vollem Einsatz zeitgerecht erledigt werden, was bei ständig knapp 30 Grad Celsius und Sonnenschein bei dem einen oder anderen zu einem leichten Sonnenbrand führte.
5. und 6. Januar 2012

Weil wir am 4. Januar an einem anderen Liegeplatz als ursprünglich geplant festgemacht haben, kamen wir nun am ersten Tag hier in Dschibuti nicht daran vorbei noch einmal alle Manöverstationen klar für ein Verlegemanöver zu machen. Geplant war das Manöver für 10 Uhr am 5. Januar, aber wieder einmal wurden wir Zeuge afrikanischer Pünktlichkeit.
Gemäß dem selbst geprägten Sprichwort „Irgendwo in Dschibuti steht eine Uhr auf Punkt 10“ verlegten wir mit einer rund zweistündigen Verspätung an den freigewordenen Ursprungsliegeplatz. Der Verzug konnte schnell aufgeholt werden und einem zügigen Dienstausscheiden stand nichts mehr im Weg, was besonders die Personen freute, die Ausflüge geplant hatten.
Ein solcher Ausflug war neben Tauchen mit Walhaien und Schnorcheln auch ein Ganztagstrip zu einem Salzsee rund 60 Kilometer westlich von Dschibuti. Nach einer landestypisch rasanten Busfahrt, mit einigen Stopps an Aussichtspunkten und einem Halt an einer heißen Quelle, konnten die Teilnehmer skurrile Salzformationen bestaunen. Außerdem bestand die Möglichkeit, sich in dem See zu „erfrischen“, sofern man den vermeintlich heißesten Punkt Afrikas als Erfrischung ansehen kann.
3. und 4. Januar 2012
Nun haben wir einen recht langen Seetörn erfolgreich beenden können und ein anspruchsvoller Hafenaufenthalt liegt vor uns, der unter anderem die notwendige Nachversorgungen vorsieht. Doch trotz der anstehenden Vielzahl von Arbeiten bleibt für jeden Soldaten auch etwas Zeit, ein wenig Abstand zum eingefahrenen Seealltag zu gewinnen.
So nutzen einige Kameraden die Chance ihre Liebsten in der Heimat zu besuchen. Andere wiederum greifen gerne auf die Möglichkeiten zurück, die hier vor Ort von der Deutschen Verbindungs- und Unterstützungsgruppe geboten werden. Bevor es nun aber mit der wohlverdienten Entspannung losgeht, heißt es „Zum Alle-Manns-Manöver auf Station“, bei dem vom Gefreiten bis zum „Schiffs-Chef“ alle mit anpacken um unsere Versorgungslieferungen an Bord zu bringen.
1. und 2. Januar 2012

Neues Jahr, neues Glück, frische Motivationen, gute Vorsätze. Mit solchen Gedanken startet irgendwie jede Person, ob nun an Bord oder in der Heimat, immer wieder in ein neues Jahr. So auch 2012, was dazu führte, dass mancherorts im Schiff Neujahrsphrasen ala „Dieses Jahr weniger Süßes“ oder „Dieses Jahr mehr Sport“ zu hören waren, die aber auch durch Worte wie „Ja heute vielleicht noch nicht, dann eher morgen“ relativiert wurden.
Ansonsten sind wir gut ins neue Jahr gekommen, die Lage ist seeverkehrstechnisch gesehen interessanter als im Osten Somalias, da hier einfach mehr Kontakte unterwegs sind, aber insgesamt recht ruhig. Das ermöglicht uns auch im neuen Jahr neben einer gewissenhaften Auftragserfüllung, die bordinterne Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Demnach konnten schon etliche Erfordernisse der Helikopter und der zu Landungen notwendigen Flugdecksoffiziere erfüllt werden.
Sehr interessant in den letzten Tagen war ohne Zweifel das Treffen internationaler Einheiten, die einzelnen west- beziehungsweise ostgehenden Konvois im Golf von Aden Geleit bieten. In diesem Zusammenhang sind auch wieder viele schöne Bilder entstanden.
30. und 31. Dezember 2011
Am 30. Dezember war es nun endlich soweit, dass wir unsere erste Eskorte in diesem Einsatz antreten konnten. Pünktlich um 9 Uhr standen wir an vorab abgesprochener Position vor der Hafeneinfahrt, wo wir, eigentlich Afrika-untypisch, kurze Zeit darauf unser zu eskortierendes Schiff in Empfang nehmen konnten.
Per Helikopter und Speedboot verbrachten wir unser Vessel Protection Detachment-Team samt Material an Bord des anderen Schiffes, so dass die Eskorte personell sowie materiell bestens ausgerüstet beginnen konnte. Nun ging es ohne Zwischenfälle entlang der somalischen Hoheitsgewässer gen Abgabehafen, bis zu dem das Schiff begleitet werden sollte.
Die Abgabe selbst erfolgte am Mittag des 31. Dezember und wir konnten kurze Zeit darauf wieder in den Norden für unseren Auftrag im IRTC verlegen. Zeitgleich schlossen wir den Flugbetrieb für den Tag ab und begannen mit den Vorbereitungen für das Grillen anlässlich des Jahreswechsels auf dem Flugdeck.
Zahlreiche helfende Hände trugen dazu bei, dass die Besatzung einen schönen Abend mit etlichen Aktionen auf dem Flugdeck verleben konnte. Der Abend schloss um 00:00 Uhr mit einem „Feuerwerk“ und jeder beendete so auf seine eigene Art und Weise das ereignisreiche Jahr 2011.
28. und 29. Dezember

Aufgrund unseres Auftrages für die nächsten Tage, ein Schiff entlang der somalischen Nordküste zu eskortieren, verlegten wir gestern und heute von der Ostküste Somalias in den Golf von Aden. Auf unserem gestrigen Transit konnten wir die Küste und den Seeraum mal mehr, mal weniger gut observieren, was am Wetter lag.
Bei zugigen 30 Knoten Wind aus Nordost und daraus resultierenden rund 2,5 m Seegang sind die Möglichkeiten unser Boardingteam zu verbringen schon etwas eingeschränkt. Nichtsdestotrotz konnten wir wieder wertvolle Informationen sammeln und auswerten. Außerdem konnte eine Vielzahl schiffsinterner Ausbildung betrieben werden, die einem die sich teilweise in die Länge ziehende Zeit in See merklich verkürzt.
Schwerpunkte hierzu wurden in den letzten zwei Tagen auf Handwaffenschießen und Übungen mit unseren Helikoptern gelegt. Nachdem wir ja nun mittlerweile schon zehn Tage in See sind, war es auch an der Zeit unsere Kraftstoffvorräte aufzufüllen, was wir heute mit einem amerikanischen Versorgungsschiff per Replenishment at Sea (RAS) vollziehen konnten.
Die Freude beider Einheiten gemeinsam in See solch ein Manöver fahren zu können, bezeugten nicht nur via Sprechfunk nachträglich ausgetauschte Weihnachtsgrüße und Glückwünsche fürs anstehende Jahr 2012. Nach Abschluss des RAS beendete die Rolle „Annäherung an ein Fahrzeug“ in Verbindung mit einem durchgeführten Boarding, welches bei heutigem Wetter ohne Probleme durchführbar war, einen weiteren Tag in See.
27. Dezember 2011

Einmal durchschütteln bitte! Und die Wochenendmentalität loswerden. Der heutige Dienstag fühlte sich nach den Feiertagen wie ein Montag an und trotz der ab heute geltenden 11-Uhr-Routine für Seewächter fällt einem der Wochenstart irgendwie schwer.
Nichtsdestotrotz hatten wir heute ein strammes Programm vor uns, das vornehmlich durch Flugbetrieb geprägt war. Neben der Hauptaufgabe, die Küste Somalias und den Seeraum aus der Luft zu überwachen, gab es heute eine unbestritten tolle Abwechslung. Nämlich die Mitfluggelegenheit für die wachhabenden Offiziere (WO) der Brücke, bei der es vor allem um interne Abläufe des Helikopters bei verschiedenen Anflügen auf das Schiff ging.
Ausgerüstet mit einem Fliegerhelm konnten die Mitfliegenden jeden einzelnen Schritt per Headset nachvollziehen, was sehr gut das Verständnis für Verfahren während des Flugbetriebes sensibilisierte, den die WO sonst „nur“ von der Brücke aus durchführen. Natürlich konnte man auch die eine oder andere Kamera als zusätzliche Ausrüstung entdecken, denn wann sonst hat man so eine faszinierende Sicht auf unsere Lübeck.
26. Dezember 2011
Mit dem 2. Weihnachtsfeiertag gehen auch unsere diesjährigen Festtage nun ihrem Ende zu. Jeder hatte in dieser Zeit an der einen oder anderen Stelle die Möglichkeit, sich etwas zu entspannen oder die Seele baumeln zu lassen, wenn auch nicht ganz so, wie man es von zu Hause gewohnt ist. Aber trotz Feiertagsroutine kann jedes Besatzungsmitglied auf eine interessante, sicherlich unvergessliche Weihnachtszeit mit „Flugbetrieb“ und „Annäherungen an Kontakte“ zurückblicken.
25. Dezember 2011
Getreu dem Motto „Neuer Tag, neues Tasking“ begann der 1. Weihnachtsfeiertag damit, dass wir an eine vorbestimmte Position verlegten und den Auftrag erhielten, schon länger bekannte Kontakte erneut aufzuklären, um so etwaige Veränderungen in Ausrüstung und Besatzung derer feststellen zu können.
Dazu brachten wir zuerst unsere Helikopter in die Luft, die wieder einmal als große Unterstützung in der Voraufklärung dienten. Anschließend staffelten wir selbst an die Kontakte heran, was uns weitere zahlreiche Erkenntnisse und sehr gute Fotos einbrachte. Daran kann man erkennen, dass besonders auch zu den Feiertagen die Lage entlang der somalischen Küste keinesfalls ruhiger wird und wir hier unserem Einsatz nachkommen müssen, besonders wenn man an die sich noch in Piratenhand befindlichen Menschen denkt.
24. Dezember 2011
Keine Wolke am Himmel, mäßige Winde, knapp 30 Grad Celsius im Schatten, ganz zu Schweigen von den Temperaturen in der Sonne. So kann Heiligabend auch einmal sein, obwohl heute lediglich das Mittagessen – Entenbrust, Rotkohl, Klöße und Soße – sowie der überall im Schiff umhergeisternde Glückwunsch „Frohe Weihnacht“ bewusst macht, dass sich das Jahr dem Ende zuneigt.
Zeit zum Innehalten und Zurückblicken ist aber kostbar und rar, denn gerade im Einsatz dreht sich das Rad beständig weiter. Dementsprechend haben heute viele Soldaten an Bord die Möglichkeit genutzt ihre Familien anzurufen und Glückwünsche per Telefon auszutauschen. Das ermöglicht einem dann doch einige Momente der Besinnlichkeit und der inneren Ruhe.
Der Tag selber heute war recht ruhig und auch die durchgeführte Aufklärung der Küste und des Seeraums per Helikopter konnte das nicht grundlegend ändern. Um 15 Uhr hatten wir eine Besatzungsmusterung, bei der unser Kommandant auf das Jahr zurück blickte, „Geschenke“ in Form von Beförderungen aussprach und dann jedem persönlich ein Geschenk des Generalinspekteurs der Bundeswehr überreichte. Die Christmette um 22 Uhr auf dem Flugdeck, welche vom Militärpfarrer gehalten wurde, beschloss den heiligen Abend und jeder ging sicher mit den Gedanken bei seinen Liebsten zu Hause in die Nachtruhe.
23. Dezember 2011

Noch ein Tag bis Heiligabend. So richtig weihnachtlich wollen sich die rund 30 Grad Celsius Außentemperatur nicht anfühlen und so manchem an Bord plagen zum ersten Mal zu dieser Jahreszeit die Folgen eines Sonnenbrandes. Schon komisch irgendwie und vielleicht auch gerade deswegen so besonders.
Genau wie gestern konnten wir heute wieder Kontakte in See aufklären, die als Fischer identifiziert werden konnten. Eine Besonderheit hierbei war der erste Einsatz unserer Boardingkomponente bei Atalanta, die ohne Anbordgehen längsseits der Kontakte ihre Befragungen durchführen konnten.
22. Dezember 2011
Der Tag begann sehr früh damit, dass drei Kontakte mittels Radar aufgeklärt wurden, an die wir uns ab Sonnenaufgang annäherten. Nach optischer Aufklärung sowie Ansprache via Funkverkehr stellten sich diese als Händler heraus.
So konnten wir wieder unseren Auftrag im Seegebiet gerecht werden. Dazu haben heute viele erfolgreiche Flüge der Helikopter den Tag geprägt und weitere Erkenntnisse über die Bedrohungsentwicklung geliefert, die dem Einsatzstab helfen, Lagen zu bewerten und das weitere Vorgehen der Einheiten im Einsatzgebiet anzuweisen.
21. Dezember 2011
Sich an den Seealltag zu gewöhnen, ist nach jedem Hafenaufenthalt erstmal wieder schwer, ob nun vorgegebene Essenszeiten oder der Seewachrhythmus, jede Person muss erstmal wieder „reinkommen“. Aber meistens braucht man dafür nur rund 24 Stunden, bis man seinen Rhythmus wiedergefunden hat.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Flugbetriebes, bei dem neben der Hauptaufgabe der Aufklärung in Küstennähe verschiedenste Anflugarten auf das Schiff trainiert wurden, was Wachhabenden Offizieren an Bord sowie der Hubschrauberbesatzung weitere Handlungssicherheiten verschafft.
Leider musste heute mit situationsbedingter Ernüchterung hingenommen werden, dass das zum Eskort vorgesehene Schiff erst am 25. fertig zur Abreise ist und aufgrund von Hafenregelungen Mombasas erst am 28. die Fahrt antreten kann. Deshalb hat sich unser weiteres Vorgehen dahingehend geändert, nicht mehr auf das sehr spät auslaufende Fahrzeug zu warten, sondern direkt unseren Transit Richtung der somalischen Küste anzutreten.
20. Dezember 2011
Nach einem reibungslosen Ablegemanöver mit nur einem, statt der üblichen zwei Schlepper, traten wir heute unseren nächsten Seetörn an, der uns 16 Tage entlang der somalischen Küste wieder in den Golf von Aden bringt. Unsere Aufgabe für die nächsten Tage wird sein, im Seegebiet vor Mombasa Seeraumüberwachung durchzuführen, bis wir in fünf Tagen ein zu eskortierendes Schiff auf seinem Weg in den Norden Somalias geleiten.
Für solche Fälle sind wir an Bord durch ein speziell geschultes Team von Soldaten des Vessel Protection Detachments ausgestattet, welches den vorangegangenen Hafenaufenthalt dafür nutzte das zu begleitende Schiff zu inspizieren und Gegebenheiten dort an Bord festzustellen.
19. Dezember 2011

Neun Tage lang waren wir bis zum Einlaufen in Mombasa unterwegs in See. Neun Tage Einsatz und Seealltag, die einen an Bord zusammenschweißen. Neun Tage in Gefilden, die Schiff und Besatzung alles abverlangen und nach denen es nicht nur gut tut seine eigenen Batterien aufzuladen, sondern auch das Schiff für weitere Seefahrtsvorhaben auszurüsten. So liefen wir planmäßig in erster Absicht das Schiff mit Proviant, Kraftstoff und erforderlichen Ersatzteilen nachzurüsten am 16. Dezember in Mombasa ein.
Nach der Nachversorgungen ist es wirklich schön, jetzt hier in einem von Schiffsangehörigen gut frequentierten Hotel bei 30 Grad Celsius im Schatten und herrlicher Aussicht übers Meer zu sitzen. Dabei muss ich mir erstmal wieder in Erinnerung rufen, dass gestern schon der 4. Advent war.
Nachdem es am Einlauftag das heiß ersehnte Dienstausscheiden gab, begann jeder, der eine Tour geplant hatte, mit seinen persönlichen Vorbereitungen. Ob nun die richtige Bekleidung oder Ausrüstung einpacken oder noch die letzten Akkus der Digitalkameras aufladen, an jeder Stelle im Schiff war eine rege Betriebsamkeit und gewisse Vorfreude zu verzeichnen.
Früh morgens ging es dann für die meisten auch schon los. Ich selber startete mit zwei weiteren Kameraden und unserem Fahrer in einem Minibus. Nach rund zwei Stunden Fahrzeit trafen wir im „Tsavo East National Park“ ein. Mit großen Augen bestaunten wir die unvorstellbare Größe und Vielfalt der Flora und Fauna in diesem Parks.
Zu Beginn hielten wir für jede noch so kleine Antilope, um beste Fotos machen zu können, doch schon wenige Stunden später fuhren wir ohne Halt an den majestätisch anmutenden Elefantenherden vorbei, welche sich meist an Wasserlöchern aufhielten, um sich abzukühlen. Auf der samstäglichen Abendsafari konnten wir noch den einen oder anderen Blick auf Giraffen, Zebras, Wasserbüffel, Antilopen, Gazellen, Affen und unzählige farbenprächtige Vogelarten erhaschen.
Den Abend verbrachten wir wie auch unsere Mittagszeit bei traditionellem afrikanischen Essen in der „VOI Wildlife Lodge“, wo wir uns recht früh in unserem „Buschhaus“ schlafen legten. Gemäß dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ gingen wir Sonntag 6 Uhr auf unsere letzte Ausfahrt der Safari, welche uns weitere erstaunliche Einblicke in die Natur Afrikas ermöglichte. Ein Highlight war die Sichtung zweier jagenden Geparden, die letztendlich aber ohne Beute ausgingen.
Geschafft von den ganzen Erlebnissen und Eindrücken dieser Safari erreichten wir nachmittags nach einem kurzen Aufenthalt in einem Maasai-Camp das Schiff. Den restlichen Tag konnten wir uns etwas in dem Hotel ausruhen und den Aufenthalt am Pool oder am Strand genießen. In solchen Momenten fällt es mir schwer zu glauben, dass gestern das vierte Licht des Adventskranzes angezündet wurde. Nicht nur wegen des sehr warme Wetters. Auch die typischen vorweihnachtlichen Vorbereitungen fehlen.

Doch auch trotz dieser fehlenden Kleinigkeiten der Adventszeit gehen wir hier mit großen Schritten einem hoffentlich ruhigen Weihnachtsfest in See entgegen, was für viele sicher eine vollkommen neue Erfahrung sein wird. Voller neuer Erwartungen und neuer Frische stechen wir am 20. Dezember wieder in See, um unserem Auftrag, dem Schutz des World Food Programs und der Überwachung des Seeraums östlich Somalias, geplante 16 Tage lang nachzukommen.
16. Dezember 2011
Am Freitag sind wir nun nach einem neuntägigen Seetörn in Mombasa, Kenia angekommen und ohne besondere Vorkommnisse eingelaufen. Nun freut sich die ganze Besatzung auf einen wohltuenden Hafenaufenthalt, der uns bis zum 20. Dezember die Möglichkeit gibt, Land und Leute kennenzulernen. Sicher werden Gesehenes und Erlebtes bleibende Eindrücke hinterlassen, die keiner von uns so schnell vergessen wird und will.
Jetzt werde auch ich mich zum Landgang verabschieden und mich aufmachen, das Land zu erkunden. Darüber werde ich ab dem Auslauftag selbstverständlich hier berichten.
15. Dezember 2011

Der Donnerstag verlief ruhig auf südlichen Transitkursen, die lediglich für Testläufe eines Bordhubschraubers und zur Speedbootausbildung verlassen wurden. Während des Transits kann der Ernstfall, also ein eventueller Speedbootangriff, sehr gut geübt werden. Daher hieß es heute gleich vier Mal „Zur Übung: Speedbootabwehr, Speedbootabwehr!“
.
Ein weiteres Highlight des Tages war die Begegnung mit einem spanischen Marineschiff. Mit dessen Bordhubschrauber tauschten beide Schiffe Material aus.
14. Dezember 2011

Willkommen auf der Südhalbkugel! Am Mittwoch haben wir erfolgreich die Äquatorpassage hinter uns gebracht. Nun steht uns in naher Zukunft bevor, die „Nase“ unserer Lübeck rot anzustreichen, um so jedem Schiff zeigen zu können, dass wir während dieses Einsatzes die südliche Hemisphäre befahren haben.
12. Dezember 2011

Moin! Eine neue Woche beginnt. Manchmal kommt mir Zeit, die sich wie ein Kaugummi zieht, richtig unerträglich vor. Doch jeden Montag weiß man, dass man wieder eine Woche voller mehr oder weniger interessanter Ereignisse verbrachte. Und eine weitere vor sich hat.
Heute zum Beispiel konnten wir entlang der somalischen Küste wichtige Informationen sammeln und eine Reihe Fotos schießen. Das wurde hauptsächlich von den Feldjägern (Anmerkung: Militärpolizisten) übernommen, die derzeit an Bord der Lübeck sind. Derzeit ist eine Aufklärung nämlich nur vom Schiff aus möglich, da die Helikopter bis zum nächsten Hafenaufenthalt „unklar“ sind.
Mit ihrer sehr guten technischen Ausrüstung konnten die Feldjäger unter Beweis stellen, dass eine Observation auch aus einiger Entfernung durchgeführt werden kann. Sie nahmen heute gut auswertbare Bilder der Küstenlinie auf. Sicher ist es ein beklemmendes Gefühl die schwierige Lage in Somalia so vor Augen geführt zu bekommen. Doch deswegen sind wir ja hier. Bestens ausgerüstet und trainiert, um der Piraterie begegnen zu können.
Am späten Nachmittag trafen wir noch auf ein amerikanisches Kriegsschiff, das ebenfalls hier seinen Dienst versieht. Es ist immer wieder schön, Schiffe fremder Nationen in See zu treffen, deren Besatzungen mit Sicherheit dieses Gefühl teilen. Bei einem schönen Sonnenuntergang mit 27 Grad Celsius endete schließlich der Start in eine neue Woche.










