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Studie: Die Bundeswehr – eine Armee von Pendlern?

Berlin, 23.03.2016.
Die Bundeswehr wird als Spiegel der Gesellschaft bezeichnet. Deutschland gilt als Pendlerrepublik. Ist die Bundeswehr also eine Pendlerarmee? Die Studie „Berufliche Mobilität in der Bundeswehr“ beschäftigt sich mit dem Thema, das viele Angehörige der Bundeswehr wortwörtlich bewegt.

Soldatin am Bahnhof

Unterwegs: Ob mit der Bahn... (Quelle: Bundeswehr/Dinnebier)Größere Abbildung anzeigen

Mehr als 150 Millionen Menschen in Europa pendeln. Auch in Deutschland gibt es heute mehr Pendler als noch vor einigen Jahren. Immer mehr Menschen sind Tages- oder Wochenendpendler. Sie bewegen sich also regelmäßig zwischen einem Wohn- und einem Arbeitsort. In Deutschland sind das im Schnitt 39,62 Minuten pro Strecke.

Die berufliche Mobilität, zu der auch das sogenannte Pendeln gehört, kann negative Auswirkungen mit sich bringen. Auch die Bundeswehr hat das erkannt und Maßnahmen zur Entlastung in der Agenda Attraktivität umgesetzt.

Fast zwei Drittel der Angehörigen der Bundeswehr sind nach der Studie „Mobilität in der Bundeswehr“ beruflich mobil. Rund die Hälfte sind Fern-, Wochenend- und Tagespendler. Zum Vergleich: Nach den strengen Kriterien gelten nur ein Fünftel aller erwerbstätigen Deutschen beruflich mobil.

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Gefühlt: höhere Anforderungen

Mit der Studie hat die Gruppe „Angewandte Militärpsychologie und Forschung“ des Streitkräfteamtes aktuelle empirische Erkenntnisse über die Mobilität innerhalb der Bundeswehr gewonnen. Danach schätzen etwa 79 Prozent der Bundeswehr-Beschäftigten die Anforderungen an die eigene Mobilität höher ein als bei anderen Arbeitgebern.

Als Hauptursache für die Mobilität nennt die Studie zum einen berufliche Gründe wie Lehrgänge oder Karrieremöglichkeiten und zum anderen die Berufstätigkeit beider Partner. Das deckt sich mit den Beobachtungen des Wehrbeauftragten: Ein Drittel der Eingaben zur Vereinbarkeit von Familie und Dienst beschäftigen sich mit dem Thema „Wunsch nach einer heimatnahen Versetzung beziehungsweise einem heimatnahen Verbleib“. Denn häufig entscheiden sich Soldaten und Angestellte der Bundeswehr, ihr Privatleben an einem Lebensmittelpunkt zu konzentrieren – auch wenn dieser vom Dienstort aufgrund von Versetzungen zum Teil Hunderte von Kilometern entfernt sein kann.

Rund 60 bis 92 Prozent – je nach Mobilitätsform – der Befragten empfinden das Pendeln als belastend. Dabei ist das Wochenendpendeln die größere Belastung. Für die Älteren ist vor allem die mentale, für Jüngere die finanzielle Belastung entscheidend. Viele Pendler sind besonders unzufrieden, wenn das Zusammenspiel zwischen Familie und Beruf belastet wird. Aber nicht nur die Pendler, auch die Partner leiden unter den Trennungen. Dennoch sehen laut der neuen Bundeswehr-Studie gut drei Viertel der Befragten die „Pendelei“ als Notwendigkeit an.

Soldat im Auto

... oder mit dem Auto: Viele Soldaten pendeln. (Quelle: Bundeswehr/Dinnebier)Größere Abbildung anzeigen

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Bereits auf der richtigen Spur

Als die wichtigsten Handlungsempfehlungen zur Reduzierung der Belastungen sehen die Befragten die Verlängerung der Stehzeiten auf einem Dienstposten, die Berücksichtigung der familiären Situation bei Versetzungen, flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie bessere finanzielle Unterstützung für die Pendler.

Die unabhängig von der Mobilitätsstudie bereits Anfang Juni 2014 erstmals vorgestellte Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders“ hat die meisten Handlungsempfehlungen bereits aufgegriffen. Bei 22 Maßnahmen in sechs Themenfeldern lassen sich wesentliche Übereinstimmungen zu den Studienergebnissen feststellen. Das ist rund die Hälfte der untergesetzlichen Agenda-Maßnahmen. Diese konnten sich jedoch zum Zeitpunkt der Feldphase der Studie vom November 2014 bis Januar 2015 noch nicht auswirken.

Mittlerweile sind viele der Maßnahmen bereits umgesetzt. So konnte im vergangenen Jahr die Anzahl der Wochenendpendler um rund 5.000 Personen vermindert werden. Die Mehrheit der Soldaten, Beamten und Angestellten ist beruflich mobil. Die Bundeswehr hat einen hohen Pendleranteil. Auch wenn viele Soldaten die Belastungen des Dienstes gern in Kauf nehmen, spielen auch die Partner eine entscheidende Rolle. Gerade deshalb steht neben den Maßnahmen der Agenda Attraktivität besonders die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Dienst im Fokus.

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Stand vom: 24.03.16 | Autor: Philipp Ahlers


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