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Fragen und Antworten zur Operation Inherent Resolve

Berlin, 30.03.2016, Presse- und Informationsstab BMVg.
Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) ist – weit über die derzeit von ihr kontrollierten Gebiete in Syrien und im Irak hinaus – eine globale Bedrohung für Frieden und Sicherheit. Sie zu bekämpfen ist Ziel der Operation Inherent Resolve. Hier werden die wichtigsten Fragen zum Einsatz der Bundeswehr bei Inherent Resolve beantwortet.

Tornado beim Start

Das Einsatzgebiet der Aufklärungsflüge hat ein Bundestagsmandat festgelegt. Es erstreckt sich über Syrien sowie den Irak. (Quelle: Bundeswehr/Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Deutschland unterstützt die Operation mit Aufklärungsmitteln, insbesondere mit Aufklärungsflugzeugen vom Typ Recce-Tornado. Darüber hinaus wird ein Tankflugzeug für die Luft-zu-Luft-Betankung von Kampfflugzeugen der internationalen Allianz bereitgestellt.

Wie viele Tornados sind bei der Operation Inherent Resolve eingesetzt, und mit welchen Aufklärungsfähigkeiten sind die Maschinen ausgestattet?

Die Tornado-Jets der Bundeswehr werden seit dem 8. Januar 2016 im Rahmen der Operation Inherent Resolve (OIR) eingesetzt. Hierfür standen zunächst vier Maschinen zur Verfügung. Seit dem 12. Januar 2016 sind es insgesamt sechs Luftfahrzeuge.

Die Tornados werden mit den Aufklärungsbehältern der Typen Aerial Reconnaissance Pod I und II, kurz ARP, eingesetzt. Diese verfügen sowohl über einen optischen als auch über einen Infrarot-Sensor und sind in der Lage, abbildende Aufklärung bei Tag und Nacht zu ermöglichen.

Über welchen Territorien klären die Tornados auf?

Die Tornados führen Aufklärungseinsätze ausschließlich über dem Hoheitsgebiet von Syrien und dem Irak durch. Der Luftraum der Türkei wird nur zum An- und Abflug genutzt. Bisher lagen etwa 40 Prozent der beauftragten Aufklärungsziele in Syrien und etwa 60 Prozent im Irak.

Wie viele Einsatzflüge der Tornados wurden seit dem Einsatzbeginn durchgeführt?

Mit Stand vom 29. März wurden durch die Tornado-Luftfahrzeuge der Bundeswehr 208 Flüge absolviert und dabei 652 Flugstunden erbracht. Die jeweilige Flugdauer der Einsatzflüge ist unterschiedlich. Durchschnittlich dauerte ein Einsatzflug bislang etwa drei Stunden. Hinzu kommen 87 Luftbetankungsflüge.

Von wo aus werden die Tornados befehligt?

Im Rahmen der internationalen Operation Inherent Resolve werden die Lufteinsätze durch das Combined Air Operations Centre – kurz CAOC – Al Udeid in Katar geplant, durchgeführt und ausgewertet. Die Bundeswehr hat Offiziere vom Hauptmann bis zum Oberst dorthin entsandt.

Soldaten am Flugplatz

Ein Einsatzaufklärungsflug wird immer mit zwei Tornados durchgeführt. Die Besatzungen bestehen aus jeweils zwei Soldaten. (Quelle: Bundeswehr/Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Was ist die Aufgabe der deutschen Soldaten im CAOC?

Die Aufgaben der eingesetzten Offiziere stellen sich wie folgt dar: Der sogenannte „Red Card Holder“ ist dafür verantwortlich, dass sich der Einsatz des deutschen Personals und des Materials in dem vom Bundestag gegebenen Handlungsrahmen, wie im Mandat festgelegt, bewegt – und der Einsatz daher mit dem Mandat konform ist. Hierzu prüft er zunächst die Beauftragung des CAOC und überwacht anschließend die Durchführung der einzelnen Aufklärungs- und Tanker-Missionen. Ihm untersteht der Deutsche Anteil an CAOC Al Udeid.

Sein Stellvertreter ist verantwortlich für die Überwachung und Koordinierung aller Maßnahmen der eigenen Operationsführung. Er berät zudem den Red Card Holder bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben.

Weitere Verbindungsoffiziere mit entsprechender Waffensystemexpertise sind verantwortlich für die Überwachung und Koordinierung aller Maßnahmen der Operationsführung der deutschen Recce-Tornados und des deutschen Airbus A-310 MRTT in der Operation Inherent Resolve. Sie sind in den Planungsprozess direkt eingebunden und treffen nach den Vorgaben des Red Card Holders jeweils eine Vorauswahl aufzuklärender Ziele für die kommende Planungswoche.

Ein Offizier mit Expertise im Militärischen Nachrichtenwesen ist verantwortlich für die Erstellung des wöchentlichen Katalogs von Aufklärungsaufträgen.

Wie erfolgt die Beauftragung eines Recce-Tornados?

Der Ablauf orientiert sich an der Gesamtoperationsführung des CAOC, die einem wöchentlichen Planungsrhythmus unterliegt. Die Luftoperationen erfolgen abgestimmt und sind vorgeplant.

Die deutschen Offiziere des Verbindungselements im CAOC treffen nach den Vorgaben des Red Card Holders jeweils eine Auswahl aus den Aufklärungsforderungen für die kommende Planungswoche. Die Vorgaben richten sich nach dem Mandat des Deutschen Bundestages. Der daraus resultierende Katalog von Aufklärungsforderungen wird durch den Red Card Holder abschließend gebilligt und an das Einsatzgeschwader im türkischen Incirlik zur konkreten Missionsplanung übermittelt.

Welche Kenntnisse liegen zu den Lufteinsätzen der Koalition vor?

Lufteinsätze im Rahmen von Inherent Resolve werden jeden Tag in unterschiedlicher Intensität durchgeführt. Dabei kommen sowohl unbemannte wie bemannte Luftfahrzeuge zum Einsatz, die ein breites Spektrum unterschiedlichster Fähigkeiten bereitstellen. Dazu zählen in erster Linie optische und signalerfassende Aufklärung, Luftraumüberwachung, Luftbetankung, Luftverteidigung und Luftangriff.

Die Luftangriffe werden sowohl dynamisch durchgeführt, das heißt Ziele werden kurzfristig und situationsbedingt Luftfahrzeugen zugewiesen, die sich in der Luft in Warteräumen befinden, oder sie erfolgen vorgeplant, das heißt die Ziele werden bereits in einem vorgeschalteten Planungsprozess ausgewählt.

Das im CAOC eingesetzte Personal erhält Einblick in die Operationsführung, um den Einsatz der eigenen deutschen Kräfte im Rahmen des Mandates des Deutschen Bundestages auszuführen.

Wie viele Nationen beteiligen sich derzeit an den Lufteinsätzen?

Am Informationsraum der Operation Inherent Resolve beteiligen sich derzeit 20 Nationen. Aktuell sind dies neben Deutschland auch Australien, Bahrain, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Jordanien, Kanada, Katar, Marokko, Neuseeland, die Niederlande, Saudi-Arabien, Schweden, Singapur, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie die Vereinigten Staaten von Amerika. Von diesen 20 Nationen beteiligt sich wiederum nur ein Teil an Lufteinsätzen mit Waffenwirkung gegen Bodenziele.

Soldaten vor Computerbildschirmen

Die Luftbilder der Tornados werden von speziell ausgebildeten Experten ausgewertet. (Quelle: Bundeswehr/Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Was geschieht mit den Aufklärungsdaten der Tornados?

Die gewonnenen Bilddaten werden durch die nationale deutsche Auswertezelle im deutschen Einsatzkontingent in Incirlik in der Türkei ausgewertet und bearbeitet. Der freigebende Offizier im deutschen Einsatzkontingent in Incirlik, der sogenannte „Releasing Officer“ stellt sicher, dass sich die weiterzugebenden Aufklärungsergebnisse innerhalb des Mandatsgebietes befinden und sich auf den jeweiligen spezifischen und vorher durch den Red Card Holder geprüften Aufklärungsauftrag beziehen.

Der Releasing Officer versieht die weiterzugebenden Aufklärungsergebnisse mit dem entsprechenden Freigabevermerk und stellt sicher, dass diese dann im IT-System für den Informationsraum der Operation Inherent Resolve zur Verfügung gestellt werden.

Auf diesen Informationsraum haben die zuvor erwähnten 20 Staaten Zugriff. Die Aufklärungsergebnisse tragen somit zum Gesamtlagebild im CAOC in Al Udeid/Katar bei und fließen dort in die multinationale Operationsplanung für die Lufteinsätze mit ein.

Dienen die deutschen Aufklärungsergebnisse ausschließlich der Operation Inherent Resolve?

Bei der Beauftragung stellt der Red Card Holder und bei der Freigabe der Releasing Officer sicher, dass sich die weiterzugebenden deutschen Aufklärungsergebnisse mandatskonform sind und sich auf den jeweiligen spezifischen und vorher geprüften Aufklärungsauftrag beziehen. Die Freigabe erfolgt mit dem Vermerk „For Counter-Daesh Operation only“. Sämtliche Aufklärungsergebnisse werden also vor der Weitergabe gesichtet, auf Mandatskonformität geprüft und vor der Einstellung in den Informationsraum OIR mit dem Vermerk „For Counter-Daesh Operation only“ versehen.

Grundsätzlich wird im vertrauensvollen Miteinander mit den Partnernationen davon ausgegangen, dass diese sich an diese zweckgebundene Verwendung der Aufklärungsergebnisse halten. Darüber hinaus wird bereits im Vorfeld und im Rahmen der Planung eines Einsatzfluges der Tornados die Mandatskonformität beachtet, indem nur Aufklärungsaufträge angenommen werden, bei denen ein Zusammenhang mit dem Kampf gegen den IS erkennbar ist.

So wird gewährleistet, dass die Weitergabe von Erkenntnissen ausschließlich der Bekämpfung des IS sowie dem Schutz von nicht zu bekämpfenden Zivilpersonen und -einrichtungen dient.

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Stand vom: 30.03.16 | Autor: Redaktion der Bundeswehr


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