Sie sind hier: Startseite > Einsätze > Neue Kampfbekleidung > Interview 

Interview: Die Bekleidung hat überzeugt

Berlin, 15.10.2012.
Die neue Kampfbekleidung Einsatz/Übung wurde in den Labors des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) und von zahlreichen Soldaten im In- und Ausland auf Herz und Nieren getestet.

Zwei Soldaten im Porträt
Christian Stahl (links) und Markus Schönwald testeten in Dschungel, Eis und Wüste (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Mit der Durchführung des taktischen Teils der Einsatzprüfung unter extremen Klimabedingungen wurde der Bereich Weiterentwicklung der Infanterieschule in Hammelburg beauftragt. Den Kern dieser Erprobung bildete ein Team, das sich aus 14 Soldaten der 3. Kompanie des Luftlandeunterstützungsbataillons 262 und zwei Mitarbeitern des WIWeB bildete. Hauptmann Christian Stahl und Oberfeldwebel Markus Schönwald gehörten dazu.

Herr Hauptmann Stahl, Herr Oberfeldwebel Schönwald, unter welchen Bedingungen haben Sie die neue Bekleidung getestet? Wo fanden die Tests statt und wie lange waren sie vor Ort?

Stahl: Wir haben die Bekleidung in strenger Kälte erprobt bis hin zu Tests in tropischen Regionen. Im Einzelnen waren wir dazu im Winter in Österreich und in Nordschweden, waren in der Wüste in Texas/USA und im tropischen Französisch-Guayana.

Schönwald: Wir waren jeweils für etwa zehn bis zwölf Tage vor Ort. Die Kernerprobung lief dann immer eine gute Woche. Während der Kernerprobung liefen dann verschiedene Übungen, um Einsatzszenarien zu simulieren.

Sie wurden dabei von Mitarbeitern des WIWeB begleitet. Wie ist das abgelaufen?

Stahl: Die Mitarbeiter vom WiWeB waren von Anfang an mit dabei. Sie haben uns in die Fragebögen eingewiesen, die für die Auswertung der Erprobung erstellt worden sind. Während der Erprobung trugen sie die gleiche Bekleidung und die gleiche Ausrüstung, wie ich sie für meine Soldaten festgelegt hatte. Natürlich musste man sich erst einmal finden. Das war schließlich das erste Mal für uns, dass wir in so einer Form mit Angehörigen eines Instituts zusammengearbeitet haben.

Schönwald: Die Findungsphase lief eigentlich ganz gut ab. Ziemlich schnell war klar, dass wir auf Augenhöhe als Team zusammenarbeiteten. Wenn den Kameraden vor Ort irgendetwas an der Bekleidung auffiel, was sich als ungeeignet herausstellte, wurde das von den WiWeB-Leuten gleich aufgenommen. Dieses direkte Miteinander gab uns ziemlich schnell ein gutes Gefühl bei der Sache.

Mann und Wetterstation
Keine Schreibtischtäter: Mitarbeiter des WIWeB waren bei der Erprobung vor Ort (Quelle: Bundeswehr/Rott)Größere Abbildung anzeigen

Welche Details sind Ihnen aufgefallen? Wie sind Sie mit diesen Erkenntnissen umgegangen?

Stahl: Beispielsweise waren anfangs einige Reißverschlüsse zu klein. Wenn Schmutz in die Teile kam, funktionierten sie nicht mehr richtig. Das Problem kenne ich auch aus dem zivilen Outdoorbereich. Die Verbesserung der Lüftungsmöglichkeiten war auch so ein Thema, das ganz schnell auffiel, sobald man ins Schwitzen kam. Aber eigentlich waren das immer nur Kleinigkeiten, die uns aufgefallen sind.

Was war für Sie absolut neu oder ungewöhnlich beim neuen Bekleidungskonzept?

Stahl: Absolut ungewöhnlich und neu war für uns, dass wir den Nässeschutz unter den Kampfanzug ziehen mussten. Anfangs waren wir da skeptisch. Tatsächlich hat sich herausgestellt, dass man ihn sehr schnell anziehen kann und dass der Schutzeffekt so sehr gut ist. Außerdem hat auch der Kampfanzug einen Nässeschutzeffekt und man kommt weiterhin an alle Taschen des Kampfanzug heran.

Schönwald: Das Material ist aus einer Art Stretch, ist sehr leicht und passt zusammengelegt in eine kleine Tasche. Kein Vergleich zum bisherigen Nässeschutz. Mit diesem Bekleidungsstück sind wir wohl up to date, was den zivilen Profi-Outdoorbereich angeht. Außerdem braucht man keinen Rucksack, um den Nässeschutz dabei zu haben. Man packt ihn einfach in eine Tasche des Kampfanzugs – fertig.

Stahl: Das neue Unterwäschekonzept hat sich aus unserer Sicht auch bestens bewährt. Bis auf eine Ausnahme: In Französisch-Guayana herrscht eine Luftfeuchtigkeit von beinahe hundert Prozent. Da ist es natürlich kein Wunder, dass man immer klatschnass ist. Durch die hohen Temperaturen bedingt, ist das aber kein Beinbruch.

Schönwald: Wenn man aber mal aus der Feuchtigkeit herauskam, ist die Unterwäsche ziemlich schnell trocken geworden.

Zwei Soldaten überwinden ein Hindernis der Gruppengefechtsbahn
Mehr Anforderung geht nicht: Erprobung in Französisch-Guayana (Quelle: Bundeswehr/Eve)Größere Abbildung anzeigen

Mit welchen Extremen waren Sie während der Erprobungen konfrontiert?

Stahl:
In Schweden kam zur Kälte noch der Wind dazu, der das Kälteempfinden noch weiter strapazierte. Natürlich hatten wir noch eine Sicherheitsausstattung an weiteren wärmenden Bekleidungsstücken dabei. Das gesamte Spektrum mussten wir aber nicht ausnutzen. Die neue Bekleidung hat den meisten der Soldaten gereicht.

Schönwald: Ganz anders sah es im feucht-heißen Französisch-Guayana aus. Die Kameraden der Fremdenlegion, bei denen wir für die Erprobung Gäste waren, haben nur eine Art „Schlafanzug“ an, um mit der Hitze und der Feuchtigkeit besser fertigzuwerden. Aber wir waren eben da, um ein Bekleidungssystem auch auf Robustheit im Gelände zu testen. Schließlich soll die Bekleidung nicht nur vor extremen Temperaturen schützen, sondern muss auch einiges aushalten können, damit man beispielsweise Schürfwunden vermeidet.

Gab es für Sie neben der eigentlichen Erprobung auch ganz persönliche Highlights, die Ihnen in Erinnerung bleiben werden?

Stahl:
Aber ja. Eine der verschiedenen Übungsaufgaben in Französisch-Guayana beinhaltete eine Flussüberquerung. Dabei müssen Soldaten zunächst ans andere Ufer, um ein Seil für die nachfolgenden Kameraden herüberzuziehen und um das Gelände zu sichern. Dann folgen die anderen Soldaten am Seil über den Fluss. Als ich an der Reihe war und schließlich auf der anderen Seite ankam, wies einer der Männer auf meinen Hut und sagte mir, dass da eine Vogelspinne säße. Und tatsächlich hatte mich die Spinne als Taxi für ihre eigene Flussüberquerung benutzt.

Schönwald: Da hatte ich auch so ein Erlebnis. Als ich an einem Baum eine Hängematte befestigen wollte, saß genau an der Stelle, wo ich das Seil anlegen wollte, eine Vogelspinne. Ich habe mir nur gesagt: „Okay, das ist dein Baum“, und habe mir einen anderen gesucht. Neben allen Belastungen war das auch eine tolle Zeit für mich mit unvergesslichen Erlebnissen.

Stahl: Der Dschungel hat eben so seine Tücken. Man muss genau hinschauen, bevor man irgendwo hinlangt. Außerdem haben dort wohl alle Fische Zähne. Für den Fall der Fälle hatten wir in Französisch-Guayana aber einen Tropenmediziner dabei.

Drei Soldaten sitzen im Gras und ziehen die Kampfstiefel an
Marschpause: Was verschwitzt ist, muss trocknen (Quelle: Bundeswehr/Rott)Größere Abbildung anzeigen

Was ist Ihr persönliches Fazit? Was halten Sie von der neuen Kampfbekleidung Einsatz/Übung?

Stahl: Ganz wichtig ist, das Bekleidungssystem nicht mit privaten Ausstattungsstücken zu mischen. Sonst funktioniert das einfach nicht. Das muss den Soldaten anfangs schlicht befohlen werden – auch, was genau getragen wird. Später kann man das sicherlich dem Soldaten überlassen, welche Unterwäsche-Variante er beispielsweise anzieht. Jeder Mensch hat ja auch ein unterschiedliches Kälteempfinden. Aus meiner Sicht gibt es zurzeit nichts Besseres auf dem Markt.

Schönwald: Das System ist eine gute und universelle Lösung. Nach den harten Tests hat mich das Konzept wirklich überzeugt.

Stahl: Ich bin von Natur aus eher skeptisch und auch privat viel draußen unterwegs – bei Wind und Wetter, beschäftige ich mich also schon von Hause aus mit Outdoor-Bekleidung. Da gibt es normalerweise kaum noch Überraschungen. Aber ich muss wirklich sagen: Das neue System hat mich positiv überrascht.

Am 16. Oktober veröffentlichen wir eine Bildergalerie mit Fotos aus der Einsatzprüfung.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 04.02.13 | Autor: Steffen Maluche


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.einsaetze.kampfbekleidung_uebung_einsatz.interview