Minister findet klare Worte für „seine Soldaten“ (Sprechertext)
Verteidigungsminister Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg:
„Soldatinnen und Soldaten, General Selzer, Herr Generalinspekteur, Herr Botschafter, ich darf auch die Kameradinnen und Kameraden von der Polizei sehr herzlich begrüßen: Guten Abend und ein herzliches Grüß Gott. Es ist für mich ein besonderer Tag, ein besonderer Tag dahingehend, dass es tatsächlich die erste Auslandsreise jetzt in diesem neuem Amt ist und sie mich nach Afghanistan führt und ich Ihnen in dieser Form auch eine besondere Aufwartung machen will.
Kameradinnen und Kameraden, verbunden mit einem Dank, einem großen Dank für ihren Einsatz, verbunden damit, dass ich von Ihnen auch einen besonderen Einsatz erwarte, dass Sie aber auch gleichzeitig von mir, dem Bundesverteidigungsminister, einen besonderen Einsatz für Sie erwarten können. Ich weiß, wie herausfordernd und in vielerlei Hinsicht mit Entbehrungen und Belastungen gerade dieser Einsatz in Afghanistan ist.
Es klingt vielleicht ein wenig anmaßend, wenn ich jetzt sage, ich weiß das, nachdem das tatsächlich mein erster Besuch in Afghanistan ist, und wo man sehr vorsichtig sein sollte, die Dinge vom Schreibtisch aus zu bewerten. Gleichzeitig habe ich heute einen Tag erfahren dürfen, der mit dem Wort "munter", noch müde umschrieben ist. Er war gut geplant, er war straff geplant, und ich habe sehr viele Eindrücke, auch in Gesprächen erfahren dürfen. Eindrücke, die deutlich gemacht haben, Soldatinnen und Soldaten, dass sich das Leben hier ein wenig anders darstellt, als es mancher zuhause gern dargestellt sehen würde, so darf man das auch mal sagen und ich deswegen sehr viel Wert darauf gelegt habe, in den ersten Tagen, die ich jetzt in diesem neuen Amt verbringen darf, auch eine Wortwahl zu suchen, die, wie ich glaube, Ihren Empfindungen sehr nahe kommt, weil ich viele Eindrücke von Ihnen auch erfahren dürfte, zuhause, von solchen, die zurückkehrten und mir geschildert haben, in den letzten Jahren, wie sie Afghanistan empfinden.
Und dass es eben nicht nur damit zusammenhängt, dass man Brunnen baut, oder dass man dieses oder jenes macht, was möglicherweise doch sich sehr unterschiedlich zu den Realitäten vor Ort darstellt, und das war der Grund, weshalb ich gleich in den ersten Tagen davon gesprochen habe, dass ich persönlich auch das Gefühl habe, dass sich in Teilen Afghanistans kriegsähnliche Zustände finden und dass ich ein großes Verständnis dafür habe, wenn die Soldatinnen und Soldaten selbst vom Krieg in Afghanistan sprechen. Und das Ganze hat eine, ja, sagen wir mal, hübsche Debatte in Deutschland ausgelöst. Das ist die mildeste Umschreibung, die ich dafür finden konnte.
Aber ich glaube, eine Debatte, die notwendig und geboten ist, um gleichzeitig einmal deutlich zu machen, was dieser Dienst eben auch bedeutet. Was er für Familien bedeutet, was er für jene bedeutet, die hier den Dienst versehen, aber auch was er für jene bedeutet, die auf sie zuhause warten. Was es bedeutet, dass damit Ängste verbunden sein können, dass damit aber auch diese höchsten Herausforderungen verbunden sind.
Dass es eben nicht nur darum geht, irgendwie kühl, dem Soldatentum als solches nachzugehen, sondern dass Emotionen hier mitspielen. Ich bin sehr dankbar, dass ich heute die Möglichkeit hatte, Herr General, mit Ihnen auch den Ehrenhain hier in Mazar-e Sharif besuchen zu dürfen und dort spüren zu dürfen, was Emotionen auch in diesem Sinn bedeuten können und bedeuten müssen, dass wir auch diese Emotionen zuzulassen haben, um zu wissen, welche Folgen dieser Dienst auch mit sich bringen kann und wir gleichzeitig uns in der politischen Verantwortung immer wieder zu verdeutlichen haben, dass wir alles zu tun haben, um für Ihre Sicherheit und Ihren Schutz zu sorgen, das man eben auch dahingehen auch eine große Verantwortung trägt.
Und diese Verantwortung ist jene, die ich jetzt übertragen bekommen habe, die mir aber gleichzeitig, das darf ich Ihnen zurufen, ein Herzesanliegen ist. Das ist eine Aufgabe, auf die ich mich freue, aber die gleichzeitig all das, was Sie hier, andernorts, mit hoher Professionalität aber entsprechend auch mit Herz leisten. Soldatinnen und Soldaten, dass man das auch den Menschen, auch den Menschen in unseren Lande, vermittelt und dass man deutlich macht, dass eine Gesellschaft entsprechend auch hinter Ihnen steht.
Darf ich vielleicht eine ganz kurze Fußnote nur berichten: Ich hatte gerade von hier, eine Liveschaltung zum – keine Liveschaltung, sondern es war aufgezeichnet – eine Schaltung zum „Heute-Journal“ nach Deutschland, und ich darf von Marietta Slomka ausrichten – ja jetzt lachen einige – darf Ihnen ausrichten, dass Sie und Sie meinte Deutschland, an Sie denkt.
Meine Damen und Herren, das ist nicht die schlechteste Nachricht, wenn man geschaltet wird aus Afghanistan, dass so etwas gleichzeitig so auch vermittelt wird, auch gegenüber jenen, die in Deutschland das zu beurteilen haben, was Sie hier machen und was wir gemeinsam hier auch als Zielsetzung haben. Afghanistan wird uns noch mit Sicherheit eine Weile fordern.
Aber ich glaube auch, wir müssen mit klaren Zielsetzungen arbeiten und mit dem arbeiten, was man heute neudeutsch „Benchmarks“ nennt. Wir werden mit jedem arbeiten müssen, dass wir eine afghanische Regierung auch daraufhin weisen, dass uns nicht allein Lippenbekenntnisse genügen, sondern dass diese „Benchmarks“ auch erfüllt werden müssen.
Und darüber habe ich heute mit Präsident Karsai gesprochen, darüber habe ich heute mit einigen gesprochen, auf die es ankommen wird, weil das kann nicht alleine die internationale Gemeinschaft sein, die diese Stabilität hier so herstellt, dass der Einsatz hier auch in absehbarer Zeit einmal wieder verzichtbar wird. Das geht nur, wenn die Sicherheit und die Stabilität als solches gewährleistet werden kann.
Sie leisten hier großartiges. Sie sind gleichzeitig auch in diesem Sinne, Herr Botschafter, Sie sehen mir das bitte nach, hier eben auch Botschafter unseres Landes und zwar ganz besondere Botschafter, und ich glaube, dass unser gemeinsames Vaterland auf Sie stolz sein kann. Ich bin es zumindest, und das sogar sehr und will das auch mit nach Hause tragen und zuhause diese Vermittlungsarbeit für Sie mit übernehmen.
Ihnen alles Gute! Wir wollen heute Abend, diesen Abend, auch nutzen, um ins Gespräch zu kommen, und ich freue mich, nach diesem langen Tag endlich einmal auch ein anständiges Bier in die Hand zu bekommen. Ich freue mich über einen Abend, wo ich mal nicht über Automobile und die Firma Opel reden muss, meine Damen und Herren, und ich freue mich darauf, dass wir gemeinsam die Möglichkeit haben, in den nächsten Jahren für diese Bundeswehr vieles auch gestalten zu können. Alles Gute, herzlichen Dank, und uns allen einen guten Abend. Vielen Dank!“

