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Einsatz-Lexikon

Die Bundeswehr befindet sich auf mehreren Kontingenten und in verschiedenen Seegebieten im Einsatz. Die Missionen unter Führung von EU, NATO und UNO sind abwechslungsreich und herausfordernd. Deshalb werden die Soldaten individuell auf die Anforderungen vorbereitet, die sie vor Ort erwarten.

Das Einsatz-Lexikon nimmt die unterschiedlichen Facetten der komplexen Materie in den Blick und erläutert sie.

AVZ
Jeder Soldat eines Einsatzkontingents hat Anspruch auf den Auslandsverwendungszuschlag. Die Höhe des AVZ wird in Tagessätzen berechnet und orientiert sich an den Gegebenheiten im Einsatzland wie beispielsweise den klimatischen Bedingungen und der Gefahrensituation. Er ist damit Ausgleich für die Belastungen des Einsatzes.
BAT
Der Bewegliche Arzttrupp, kurz BAT, ist gewissermaßen die geschützte Version eines Krankenwagens im Einsatz. Zu einem BAT gehören ein Arzt, ein Rettungssanitäter und ein Fahrer. Er ist ein wesentlicher Bestandteil der Rettungskette.
Betreuung
Im Einsatzland steht Bundeswehrsoldaten in der Regel ein vielfältiges Betreuungsangebot zur Verfügung. So bieten die beiden großen christlichen Kirchen mit ihrer gemeinsamen OASE-Einsatzbetreuung vielfältige Maßnahmen als Abwechslung zum Dienst. Daneben garantieren Radio Andernach und BwTV hochwertige Programme – rund um die Uhr. Die Angehörigen der Soldaten wiederum können bei allen Fragen und Problem die Familienbetreuung der Bundeswehr in Anspruch nehmen. Die Ansprechpartner finden Sie hier.
Blauhelm
Soldaten mit einem blauen Helm leisten Dienst in einem Einsatz unter Führung der Vereinten Nationen – einer sogenannten Blauhelmmission. Oft tragen die Blauhelme aber gar keinen Helm, sondern eine Mütze oder ein Barett. Hellblau ist die Grundfarbe der Flagge der UNO.
Bundestag
Alle bewaffneten Einsätze der Bundeswehr, einer Parlamentsarmee, müssen vom Deutschen Bundestag mit einem Mandat, also einem offiziellen Auftrag, legitimiert werden.
CIMIC
Die Zivil-militärische Zusammenarbeit, kurz CIMIC, steht für die Kooperation und Koordination zwischen einer internationalen Militärmission und zivilen Akteuren. Zu Letztgenannten gehören die Bevölkerung, lokale Behörden sowie nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Agenturen. Die Projekte können zum Beispiel den Ausbau von Infrastruktur oder den Bau von Schulen und Krankenhäusern umfassen.
Ehrenhain
Mit der Errichtung eines Ehrenhains gedenken die Soldaten in ihrem Feldlager oder Außenposten im Einsatzland den vor Ort gefallenen und verstorbenen Kameraden. Verlässt die Bundeswehr einen dieser Stützpunkte, werden die Ehrenhaine ab- und im Wald der Erinnerung in Deutschland wieder aufgebaut.
Einsatz
Ein bewaffneter Auslandseinsatz kommt durch die Entsendung deutscher Soldaten im Rahmen eines Bundestagsmandats zustande. Die Stärke der entsendeten Kräfte, ihr Auftrag und Fähigkeitenspektrum sowie das Einsatzgebiet werden zuvor verbindlich festgelegt. Diese Modalitäten werden in regelmäßigen Abständen im Zuge der Verlängerung des Mandats überprüft und gegebenenfalls modifiziert. Die Bundeswehr befindet sich nur gemeinsam mit Bündnispartnern aus EU, NATO oder UNO im Einsatz.
Einsatzführungskommando
Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam ist für die Planung und Führung aller multinationalen Einsätze der deutschen Streitkräfte verantwortlich. So wird eine Fregatte der Marine im Einsatz nicht mehr vom Flottenkommando, sondern vom Einsatzführungskommando geführt.
Einsatzgebiet
Das Mandat zu einem Auslandseinsatz beschreibt zugleich das Einsatzgebiet, in dem die deutschen Soldaten ihrem Auftrag nachgehen dürfen. Ihr Handeln ist nur für das klar abgegrenzte Gebiet legitimiert.
Einsatzgleiche Verpflichtung
Eine einsatzgleiche Verpflichtung umschreibt eine dienstliche Tätigkeit, die zwar einem Einsatz gleicht, rechtlich aber nicht gleichgestellt ist, da ihr die Mandatierung durch den Bundestag fehlt. Als Beispiel kann das Air Policing Baltikum genannt werden.
Einsatzmedaille
Die Einsatzmedaille ist eine Auszeichnung für Angehörige der Bundeswehr. Sie wird für die Teilnahme an humanitären, friedenserhaltenden und friedensstiftenden Auslandseinsätzen verliehen. Es gibt sie – abhängig von der Anzahl der Tage „vor Ort“ – in bronzener, silberner und goldener Ausführung. Daneben werden auch von der EU, NATO und UNO entsprechende Medaillen verliehen.
Einsatznachbereitung
Hat ein Soldat seinen Einsatz abgeschlossen, hat er ein Anrecht auf die Teilnahme an einem Einsatznachbereitungsseminar und unter gewissen Bedingungen auf eine Kur. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Erfahrungen des Einsatzes zu rekapitulieren und eine Phase der Erholung zu ermöglichen, bevor der reguläre Tagesdienst wieder aufgenommen wird.
Einsatzregeln/Rules of Engagement
Die sogenannten Rules of Engagement (RoE) sind im militärischen Bereich die Richtlinien für den Einsatz von Gewalt und Zwangsnahmen bei militärischen Operationen. Die RoE werden vom Verteidigungsministerium in Abstimmung mit den internationalen Partnern, dem Einsatzland sowie dem Mandat festgelegt.
Einsatzversorgung
Das Einsatzversorgungs-Verbesserungsgesetz (2011) regelt die Versorgung von Einsatzgeschädigten und Hinterbliebenen. Außerdem legt es die erhöhte Berücksichtigung der Einsatzzeiten bei der Berechnung der Versorgung oder der Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung fest. Es schließt ferner eine Lücke beim Schadensausgleich für ausgefallene Lebensversicherungen der Soldaten und Zivilbediensteten infolge der Anwendung der sogenannten „Kriegsklausel“ in den Versicherungsbedingungen.
Einsatzvorbereitung
Die Vorbereitung auf einen Einsatz ist modular aufgebaut und für jede Mission maßgeschneidert. Sie umfasst die theoretische und praktische Vermittlung von einsatzrelevanten Inhalten, wie etwa eine Einweisung in die regionale Kultur und Gefahrenpotenziale oder das Verhalten bei einer Geiselnahme. Daneben durchläuft der Soldat medizinische Untersuchungen, die seine Tauglichkeit für die besonderen Anforderungen im Einsatzgebiet sicherstellen müssen. Dazu gehört ein entsprechender Impfschutz. Ziel der Einsatzvorbereitung ist es, den Soldaten bestmöglich für seinen Einsatz zu wappnen.
Europäische Union
Die Bundeswehr beteiligt sich neben den Missionen von NATO und UNO auch an EU-Operationen. Die europäische Staatengemeinschaft ist beispielweise für die EUTM, die europäische Trainingsmission, in Mali verantwortlich.
EU NAVFOR
Die Bezeichnung beschreibt einen zumeist multinationalen Marineverband, der unter dem Kommando der Europäischen Union steht.
EUTM
Die europäische Trainingsmission ist ein Einsatz unter EU-Führung, bei dem die Soldaten der Mission die militärische Ausbildung „fremder“ Streitkräfte übernehmen
Feldlager
Im Einsatzland bietet ein Feldlager Soldaten eine sichere Unterkunft. Es ist Stützpunkt von Teilen oder des gesamten Einsatzkontingents und dessen Ausrüstung. Charakteristisch für Feldlager sind Container und kleinere Gebäude, in denen gewohnt und gearbeitet wird, sowie der Schutzzaun, der das Gelände umschließt.
Feldpost
Seit 1982 steht der Bundeswehr die Feldpost zur Verfügung. Sie ermöglicht den Soldaten, mit Postkarten, Briefchen, Päckchen und Paketen in Verbindung mit der Heimat zu bleiben.
Gedenken
Mit der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 haben zahlreiche Angehörige ihr Leben bei der Pflichterfüllung gelassen. Die Bundeswehr gedenkt dieser Menschen mit dem Ehrenmal und dem Wald der Erinnerung.
Gefallene/Getötete
Bei Soldaten, die im Dienst ihr Leben gelassen haben, wird zwischen „gefallen“ und „getötet“ unterschieden. Der Umstand, durch den ein Soldat sein Leben verliert, entscheidet über die Bezeichnung: „Gefallene“ sind Soldaten, die durch gegnerische Fremdeinwirkung zu Tode gekommen sind; „Getötete“ hingegen bezeichnet durch sonstige Umstände verstorbene Soldaten.
IED/Sprengfalle
Ein Improvised Explosive Device ist eine behelfsmäßig hergestellte Sprengfalle oder Brandvorrichtung. Sie besteht in der Regel aus einer Umhüllung, einer Wirkladung, einem Wirkkraftverstärker und einer Zündeinrichtung. Es gibt selbstauslösende und ferngezündete Sprengfallen.
Impfung
Für jeden Auslandeinsatz wird entsprechend regionaler Gegebenheiten ein individuelles Impfschema erstellt. Es soll verhindern, dass sich die Soldaten im Einsatzgebiet mit dort auftretenden Krankheiten infizieren.
Kontingent
Die Bezeichnung „Einsatzkontingent“ meint den deutschen Einsatzverband, der im Ausland dient. Er ist ihr fester Bestandteil der jeweiligen Mission – und ihr unterstellt. Auftrag und maximaler Umfang eines Kontingents regelt das Mandat des Bundestages.
Kontingentführer
Der Kontingentführer ist der militärisch verantwortliche Vorgesetzte des gesamten Kontingents und zugleich dessen höchster Disziplinarvorgesetzter im Einsatz.
Kontingentwechsel
Nach einem festgelegten Turnus von zumeist vier bis sechs Monaten wechselt ein Kontingent. Dabei werden die Angehörigen des laufenden Kontingents von denen des kommenden ersetzt. Zuvor findet eine mehrtätige Übergabe der „Dienstgeschäfte“ statt.
Mandat
Das Mandat ist die rechtliche Grundlage eines bewaffneten Auslandseinsatzes der Bundeswehr. Damit erteilt der Bundestag den Streitkräften den Auftrag, an einer Mission der EU, NATO oder UNO teilzunehmen. Das Mandat regelt explizit die Modalitäten des Einsatzes.
MedEvac
Medizinische Evakuierung (Medical Evacuation) meint den Abtransport von Verletzten oder Verwundeten aus unsicheren Gebieten mit dem Ziel der weiteren medizinischen Versorgung. Für den schnellen Abtransport stehen speziell ausgerüstete MedEvac-Helikopter und –Flugzeuge zur Verfügung. Sie sind die Kernelemente der Rettungskette.
Militärbeobachter
Militärbeobachter sind als Rüstungskontroll-Inspektoren oder Friedensstifter für die Vereinten Nationen, die OSZE und die Europäische Union im Einsatz. Deutsche Soldaten beteiligen sich immer wieder an Militärbeobachtermissionen. Darüber hinaus verfügt die Bundeswehr über spezielle Einrichtungen für die Ausbildung von Militärbeobachtern. Sie werden auch international genutzt.
Mission
Als Mission wird eine militärische Operation im Ausland mit klar umrissenen Auftrag, Umfang und Zeitansatz bezeichnet. An einem solchen Einsatz nehmen Bundeswehrsoldaten nur im Rahmen internationaler Organisationen wie der EU, NATO oder UNO teil. Es gibt unter anderem Ausbildungs-, Blauhelm- und Stabilisierungsmissionen. Ein bewaffneter Einsatz bedarf grundsätzlich der Zustimmung des Bundestages.
NATO
Der Nordatlantikpakt (North Atlantic Treaty Organisation) gilt als das bedeutendste sicherheitspolitische Bündnis der Welt. Als Verteidigungsallianz gegründet, versteht sich die NATO heute als Wertegemeinschaft freier demokratischer Staaten. Sie kann Einsätze beschließen, an denen sich auch die Bundeswehr beteiligt.
Patrouille
Bei Patrouillen handelt es sich um eine Form des Gefechtsdiensts. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen von Patrouillen, zum Beispiel Aufklärungs-, Erkundungs-, Sicherungs- oder Kampfpatrouillen. Sie können zu Fuß oder aufgesessen in (Luft-)Fahrzeugen realisiert werden.
PTBS
Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung handelt es sich um eine psychische Erkrankung. Sie ist eine verzögerte Reaktion auf ein oder mehrere traumatische Ereignisse. Die Diagnose kann in drei Hauptbereiche unterteilt werden: erstens das Wiedererleben (Flashbacks, Alpträume), zweitens die Übererregung (Schlafstörungen) und drittens die Vermeidung (durch sozialen Rückzug). Die Folgen der Krankheit können im Zuge einer Behandlung gelindert werden. Der Heilungsprozess ist langwierig und in etwa 80 Prozent der Fälle möglich.
QRF
Die Schnelle Eingreiftruppe (Quick Reaction Force) steht als ungebundene Reserve der militärischen Führung vor Ort zur Verfügung. Sie kann in kritischen Situationen eingreifen und dadurch zur Stabilisierung der Lage beitragen.
Rettungskette
Die Rettungskette stellt im Einsatz die medizinische Versorgung von verletzten und verwundeten Soldaten sicher. Je nach Problematik wird der Soldat zunächst vom BAT bei der sogenannten Role 1 vor Ort oder in einer Rettungsstation behandelt (allgemein- und notfallmedizinische Versorgung). Die Role 2 umfasst die (notfall-)chirurgische oder internistische Behandlung in Rettungszentren. Das Einsatzlazarett wiederum garantiert die akute klinische Versorgung der Role 3. Die abschließende klinische Versorgung bzw. Rehabilitation, die Role 4, findet in Deutschland statt – in einem Bundeswehrkrankenhaus oder zivilen Einrichtungen.
RPG
Die Rocket Propelled Grenade ist eine Panzerabwehrhandwaffe, besser bekannt als Panzerfaust.
Stärke
Die maximale Größe eines deutschen Einsatzkontingents regelt das Mandat des Bundestages. Die tatsächliche Stärke variiert jedoch infolge von Kontingentwechseln, reduzierter Truppenstellung und weiterer Faktoren.
Taschenkarte (für den Einsatz)
Taschenkarten vermitteln im Einsatz die Einsatzregeln. Sie beinhalten zudem bestehende nationale, rechtliche und politische Vorgaben. In der Regel sind die zulässigen Maßnahmen zur Anwendung militärischer Gewalt für die Durchsetzung des Auftrages sowie zur Selbstverteidigung/Nothilfe aufgeführt. Soldaten werden über den Inhalt der Taschenkarte, die sie im Einsatz in ihrer Hosentasche führen, belehrt. Hierdurch wird der Inhalt der Taschenkarte – soweit er ein bestimmtes Verhalten anweist – für sie zum verbindlichen Befehl.
Unterrichtung der Öffentlichkeit
Das Dokument informiert die Öffentlichkeit über die aktuelle Lage in den jeweiligen Einsatzgebieten der Bundeswehr. Es wird wöchentlich aktualisiert und veröffentlicht.
Verwundete/Verletzte
Ob ein Soldat verwundet oder verletzt ist, entscheidet die Ursache der körperlichen oder seelischen Schädigung: Als „verwundet“ gilt, wer seine Verletzung durch gegnerische Fremdeinwirkung erleidet; als „Verletzten“ bezeichnet man dagegen denjenigen, der sich seine Verletzung anderweitig zugezogen hat, zum Beispiel durch einen Unfall.
UNO
Die Vereinten Nationen können als globale Organisation Auslandseinsätze völkerrechtlich legitimieren. Ihre Anliegen sind die Wahrung des Weltfriedens und des Völkerrechts, der Schutz der Menschenrechte und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit. UN-Resolutionen (Beschlüsse) dienen meist als rechtliche Grundlage für die Entscheidung des Bundestages, der Bundeswehr für einen Einsatz das Mandat zu erteilen.
Wald der Erinnerung
Der Wald der Erinnerung befindet sich auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Er vereint nicht nur die abgebauten Ehrenhaine aus den Einsatzgebieten an einer Stelle, sondern schafft daneben einen Ort für die persönliche Trauer. Er ist allen Toten der Streitkräfte gewidmet und ergänzt das Ehrenmal am Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums.

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Stand vom: 08.06.17 | Autor: Redaktion der Bundeswehr


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