Heer
Zwei bewaffnete Infanteristen: Ein Zugführer gibt einem Soldaten Anweisungen.
Bundeswehr/Jane Schmidt

Infanterie

Die Vielfalt des Heeres spiegelt sich in den Truppengattungen wider. Jede besitzt besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten - aber nur gemeinsam sind sie stark und erfolgreich. Die unterschiedlichsten Anforderungen werden mit spezieller Ausrüstung erfüllt. Erfahren Sie mehr über die Infanterie des Heeres.

Das ist unser Auftrag

Die Infanterie ist eine Truppengattung des Heeres und Teil der Kampftruppe. Ihre Soldaten werden Infanteristen genannt. Zur Infanterie gehören Fallschirmjäger, Gebirgsjäger und Jäger.

Die Jägertruppe ist mit ihrer Ausbildung und ihrer Ausrüstung befähigt zum Kampf im urbanen oder stark bewaldeten Gelände.

Die Gebirgsjäger sind für den Kampf in schwierigem Gelände, im Gebirge, in großer Höhe, und unter extremen Klima- und Wetterbedingungen ausgebildet und ausgerüstet. Von persönlicher Kälteschutz-, Kletter- und Skiausrüstung bis zu Überschneefahrzeugen des Typs Hägglunds reicht ihre moderne Ausrüstung und Ausstattung. Erst durch die Kombination aus gebirgstechnischer Ausbildung und Gefechtsausbildung im Gebirgsgelände wird der Gebirgskampf möglich. Die Versorgung erfolgt abhängig von Gelände, Witterung und Feindlage durch Kraftfahrzeuge, Hubschrauber oder auch Tragtiere, besonders Maultiere.

Die Fallschirmjägertruppe kann Luftlandeoperationen mit Transportflugzeugen- und hubschraubern oder im Fallschirmsprung umsetzen. Deshalb sind Fallschirmjäger größtenteils mit leichten Waffen und leichten Spezialfahrzeugen ausgerüstet. Sie sind in der Lage, für kurze Zeit den infanteristischen Kampf ohne Unterstützung durch andere Truppen zu führen. 

Infanteristen werden durch einen Mehrzweckhubschrauber NH-90, der knapp über dem Boden schwebt, aufgenommen.

Beim Kampf können Infanteristen durch Hubschrauber wie den NHNATO-Helicopter-90 unterstützt werden.

Bundeswehr/Christian Ney

Mit ihren speziellen Fähigkeiten können Luftlandeaufklärer und die Luftlandepioniere die Einsatzverbände bei der Auftragserfüllung unterstützen. Die Luftlandeaufklärer beschaffen Informationen durch Gesprächsaufklärung, Luftlandepioniere stellen verschiedene Transportmittel bereit und machen den Infanteristen den Weg frei.

Infanteristen gelangen mit Fahrzeugen, Transportflugzeugen oder Schlauchbooten in alle bekannten Einsatzgebiete. Dort kämpfen sie vorrangig zu Fuß. Dabei werden sie wenn möglich durch die Bordwaffen ihrer Gefechtsfahrzeuge, zum Beispiel die Jägertruppe mit ihrem GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, unterstützt.


Die Infanterietruppe des Herres

Zur Infanterie gehören Fallschirmjäger, Gebirgsjäger und Jäger. Sie bewegen sich in bewaldetem, gebirgigem und schwierigem Gelände, in der Luft und im Wasser, auch unter extremen Wetterbedingungen.

So kämpfen Infanteristen

Bild des Barettabzeichens der Jägertruppe
Schlachtruf der Jägertruppe
Horrido – Joho!
Bild des Abzeichens der Gebirgsjägertruppe
Schlachtruf der Gebirgsjägertruppe
Horrido – Joho!
Bild des Barettabzeichens der Fallschirmjägertruppe
Schlachtruf der Fallschirmjägertruppe
Glück – Ab!

Das ist unsere Ausrüstung

Infanteristen kämpfen im urbanen oder stark bewaldeten Gelände, im Gebirge, in großer Höhe, unter extremen Klima- und Witterungsbedingungen. Dafür benötigen sie eine leichte, modulare und robuste Ausrüstung. Die Waffen der Infanterie müssen präzise, modern und wirkungsvoll sein. Sie können durch verschiedene Modulelemente individuell auf die jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Ziele im Nahbereich sowie auf mittleren und weiten Distanzen werden damit bekämpft. Neueste Technologien tragen zur permanenten Verbesserung der genutzten Waffen bei.

Das System „Infanterist der Zukunft“

Das System Infanterist der Zukunft, kurz IdZ, ist der Begriff für die moderne persönliche Ausstattung der Infanteristen. Es befähigt den Soldaten, seine Aufgaben im Einsatz zu Fuß oder eingesetzt in einem Fahrzeug, mit wesentlich verbesserten Erfolgsaussichten und verringertem Risiko zu erledigen. Die komplexe persönliche Ausrüstung soll die Wirksamkeit des Soldaten im Einsatz, seine Führungsfähigkeit, die persönliche Mobilität und dessen Überlebensfähigkeit und Durchhaltefähigkeit verbessern.

Ein Soldat trägt die Ausstattung eines sogenannten Infanteristen der Zukunft.

Die persönliche Ausrüstung des Systems Infanterist der Zukunft soll die Wirksamkeit des Soldaten im Einsatz verbessern.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Das Programm Infanterist der Zukunft wurde in zwei Schritten mit den eigenständigen Projekten Infanterist der Zukunft – Basissystem (IdZ-BS) und Infanterist der Zukunft – Erweitertes System (IdZ-ES) realisiert.

Um den Bedarf der Truppe im Einsatz schnellstmöglich zu decken, wurde in einem ersten Schritt, durch den Rückgriff auf marktverfügbare Komponenten, die Ausstattung IdZ-BS beschafft. Dabei wurde bewusst auf die Erfüllung einzelner Fähigkeiten verzichtet.

IdZ-ES - Ein hochmodulares System

In einem zweiten Schritt wurde das System IdZ-ES von Grund auf neu entwickelt, da nur in einem geschlossenen und abgestimmten Systemansatz alle wesentlichen geforderten Fähigkeiten, die der Infanterist für seine Arbeit benötigt, erfüllt werden können. Alle enthaltenen Komponenten wurden vom Gewicht her optimiert. Das Gesamtsystem umfasst die Teilsysteme:

Das Teilsystem BST ist ergonomisch angepasst und bietet Flammschutz, Vektorenschutz, ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutz und ergänzenden Schutz gegenüber Geschossen und Splittern. Der mehrschichtige Aufbau der Bekleidungskomponenten ist optimiert hinsichtlich der Klimaregulierung und des Schweißtransports. Damit verbessert sich die Leistungsfähigkeit des Soldaten.

Waffen, Optik, Optronik (WOO)

Unter anderem wird ein deutlich leichterer Gefechtshelm mit besserem Schutz und mit integrierter Aufnahme für die Nachtsichtbrille, zusammen mit einem Helmet Mounted Display und digitalem elektronischen Kompass eingeführt. Der Gefechtshelm ist kompatibel zum In-Ohr-Sprechsatz/Gehörschutz und bietet zusätzliche Integrationsmöglichkeit eines Kapselgehörschutzes für schwere Waffen.

Das Teilsystem WOO ist abgestimmt auf das Schießkonzept der Bundeswehr und gewährleistet durch die ergonomische Abstimmung mit dem Teilsystem BST eine schnellere Reaktionsfähigkeit, besseren Schutz und höhere Wirkung. Die gesteigerte Fähigkeit zum Wirken wird durch leistungsfähigere Bewaffnung zum Beispiel durch das verbesserte Sturmgewehr G36 erzielt und insbesondere durch verbesserte Nachtkampf- und Nachtsichtfähigkeit mithilfe von hochauflösenden Zieloptiken mit größerem Sichtfeld und Nachtsichtvorsätzen und -aufsätzen wirksam unterstützt.

Command, Control, Computers, Communications and Information (C4I) 

Command, Control, Computers, Communications and Information, kurz C4I, ist der Systemanteil von IdZ, der sich mit dem Thema Verbindung und Kommunikation auseinandersetzt.

Die Ausstattung besteht aus dem Elektronischen Rücken (ER), der auf der Rückseite der SK4-Schutzweste befestigt wird. Der ER beinhaltet einen Kernrechner, ein Gruppenfunkgerät, einen GPSGlobal Positioning System-Empfänger und Batterien. Gesteuert wird der ER über das Bedien- und Anzeigegerät (BAG), in dessen Display der Soldat Lageinformationen und Meldungen sehen kann. Alternativ können die Informationen über ein am Helm befestigtes Display abgerufen werden. Eine weitere Komponente ist der Sprechsatz mit Mikrofon, der an das Gruppenfunkgerät angeschlossen ist und gleichzeitig als Gehörschutz dient. Dem Gruppenführer stehen darüber hinaus noch tragbare Führungsrechner (TFR) zur Verfügung. 

Was leistet die C4I-Ausstattung?

Die Fähigkeiten der Soldaten werden durch die Vernetzung untereinander und zu höheren Führungsebenen zusätzlich deutlich gefördert. Mit dem Systemanteil C4I werden die Soldaten Teil einer vernetzten Operationsführung. Das Gefechtsfeld wird mit der entfernten Operationszentrale verbunden. Die dazu notwendige Anbindung erfolgt über das Führungsinformationssystem des Heeres, dem digitalen Führungssystem der Landstreitkräfte. So wissen die Soldaten in der Operationszentrale binnen kürzester Zeit, wie die aktuelle Lage der Truppe im Gefecht ist. Entscheidungen können schneller und besser getroffen werden. Über Schnittstellen können auch alle Soldaten auf Gruppenebene im Kampf miteinander vernetzt werden und C4I für taktische Zwecke nutzen.

Die Bedienung der C4I-Komponenten ist strikt auf die Erfordernisse im Einsatz ausgelegt. Durch bessere Ergonomie wird die Bedienung stark vereinfacht und die Anforderungen an die Hand-Auge-Koordination minimiert. Die Steuerung der wesentlichen taktischen Funktionen kann beispielsweise vollständig über Bedienelemente direkt an der Waffe erfolgen. Der IdZ-ES ist auch für die Integration in den Schützenpanzer Puma und den GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer ausgelegt und für die Nutzung zusammen mit diesen Fahrzeugen optimiert.

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Das Gewehr G82

Das Gewehr G82 vereint Reichweite und Präzision mit Durchschlagskraft.

Gerätetyp:
Gewehre
Streitkräfte:
Heer
Marine
Freigestelltes Gewehr

Die Panzerfaust 3

Die Panzerfaust 3 durchschlägt massiven Stahl – aber auch Bunker.

Gerätetyp:
Panzerabwehrwaffen
Streitkräfte:
Heer
Luftwaffe
Marine
Panzerfaust 3

Die Pistole P8

Die Pistole P8 ist die Nahkampf- und Zweitwaffe vieler Soldaten.

Gerätetyp:
Pistolen
Streitkräfte:
Heer
Luftwaffe
Marine
Freigestellte Pistole

Das ESK Mungo

Das ESK Mungo macht Spezialkräfte und Fallschirmjäger zu Lande mobil.

Gerätetyp:
Geschützte Fahrzeuge
Streitkräfte:
Heer
Sanitätsdienst
Streitkräftebasis
ESK Mungo in Seitenansicht

Das BVBeschaffung und Vertragsangelegenheiten 206 S Hägglunds

Kein Gelände kann das Transportfahrzeug BV 206 S Hägglunds aufhalten.

Gerätetyp:
Gepanzerte Fahrzeuge
Streitkräfte:
Sanitätsdienst
Heer
Freigestelltes Fahrzeug

Die Drohne MIKADOMikro-Aufklärungsdrohne im Ortsbereich

MIKADO liefert der Truppe Luftbilder aus dem Nahbereich.

Gerätetyp:
Aufklärungssysteme
Streitkräfte:
Heer
Freigestellte Drohne

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Aktuelle Beiträge

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Das sind unsere Standorte

Das ist unsere Geschichte

Der Infanterist steht wohl für das klassische Bild, das man von einem Soldaten oder einer Soldatin hat: ein Fußsoldat mit einem Gewehr. Doch zwischen Jägern, Gebirgsjägern und Fallschirmjägern gibt es einige Unterschiede. Hier erfahren Sie, wie und warum sich diese Unterschiede entwickelt haben.

Tradition zurück bis in das 17. Jahrhundert

Die Jägertruppe wurde im 17. Jahrhundert als eine spezialisierte Truppe innerhalb der Infanterie geschaffen (zum Beispiel in Hessen 1631, Bayern 1645, Brandenburg-Preußen 1674). Besonderes Kennzeichen waren die Gewehre mit gezogenem Lauf, die im Gegensatz zu den gebräuchlichen glatten Rohren ein weiteres und genaueres Schießen beziehungsweise Treffen ermöglichten. Die Soldaten wurden als Kundschafter, Kuriere und Scharfschützen eingesetzt. Sie rekrutierten sich besonders aus Forstleuten, die nach der Militärzeit in diesen Beruf zurückkehrten. Die Uniform war im Gegensatz zur einfachen Infanterie, damals auch Linieninfanterie genannt, meist grün. Ihr Signalinstrument, das Jagdhorn, spiegelt sich bis heute vielfach in Bataillons- und Kompaniewappen wider. Jäger führten im Gegensatz zur Linieninfanterie mit deren Bajonett ein jagdähnliches Messer, auch Hirschfänger genannt, als Seitengewehr.

Die Reformierung – ein neues Jahrhundert beginnt

Im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde die preußische Jägertruppe modernisiert. Erfahrungen der französischen Tirailleurtaktik – eine Taktik, in der Tirailleure (französisch für Schützen oder Infanteristen) in zerstreuter Ordnung kämpfen – und der Kriege in den europäischen Kolonien sowie des USUnited States-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges flossen dabei in die Ausbildung der leichten Infanterie ein. Die Jägertruppe hatte jetzt den Auftrag, der eigenen Armee Informationen über den Feind, seine Lage, seine Ausstattung und das Gelände zu beschaffen und ausgewählte Ziele mit gezieltem Schuss zu bekämpfen. Die Jäger sollten weitgehend selbstständig, in lockerer Aufstellung und kleineren Einheiten operieren, dafür aber insbesondere bewachsenes und durchschnittenes Gelände sowie Deckungen besser ausnutzen.

Innovationsquelle Jägertruppe

Von der im Vergleich zur herkömmlichen Infanterie abweichenden Kampfweise der Jägerverbände gingen wiederholt Innovationsschübe für die Infanterietaktik der Heere aus. Sowohl das Maschinengewehr als auch das Fahrrad wurden bei den Jägertruppen erprobt und eingeführt. Dies lag auch daran, dass die Jägertruppe immer als eine besonders professionelle Truppe innerhalb der Infanterie galt. Auch im 20. Jahrhundert brachte die Jägertruppe, einhergehend mit der rasanten technischen und taktischen Entwicklung in den deutschen Streitkräften, immer weitere Spezialisierungen innerhalb der Infanterie hervor. So ging bereits im Ersten Weltkrieg aus der Jägertruppe die Gebirgsjägertruppe hervor und im Jahr 1936 entstand nach italienischen und sowjetischen Vorbildern die deutsche Fallschirmjägertruppe.

Die Jägertruppe in der Bundeswehr

In der Bundeswehr sollte nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges das Gefecht beweglich mit mechanisierten, also gepanzerten, Verbänden geführt werden. Die Aufgaben der panzerbegleitenden Infanterie haben die Panzergrenadiere als mechanisierte Infanterie übernommen. Die Panzergrenadiere wurden damit herausgelöst aus der Truppengattung der Infanterie. Die Jägertruppe wurde dagegen als motorisierte Infanterie weiterkonzipiert. Die Jägertruppe des Kalten Krieges war in den Siebzigerjahren mit ihren Großverbänden (Heimatschutzkommandos) und den ihnen unterstellten Verbänden (jeweils zwei Jägerregimenter mit je zwei Jägerbataillonen) die meistvertretene Truppengattung.

Ab 1992 verlor die Jägertruppe die meisten ihrer 20 aktiven Bataillone und damit erneut traditionsreiche Verbände. Damit war die Jägertruppe bis auf einige wenige Verbände fast vollständig aufgelöst. In der jüngsten Vergangenheit gewann die Jägertruppe innerhalb der Bundeswehr wieder an Bedeutung. Gab es in der Zwischenzeit nur noch zwei Bataillone (Jägerbataillon 292 als deutscher Anteil der Deutsch-Französischen Brigade sowie das Jägerbataillon 1 als Bestandteil der Panzerbrigade 21), existieren mittlerweile wieder sechs deutsche Jägerbataillone.

Das Gebirge wird zum Kriegsschauplatz

Bis zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts war die Führung eines Krieges im Gebirge undenkbar. Das schroffe Gelände, schnell wechselnde Witterung, Kälte, Lawinen aus Stein und Schnee, aber auch die Kargheit des Bodens und das Fehlen von Nahrungsmitteln verhinderten den Krieg im Gebirge. Das Deutsche Reich verfügte mit Beginn des Ersten Weltkrieges noch über keine Gebirgstruppen. Die Erfahrungen im ersten Kriegswinter und vor allem die Unterstützung, welche die österreichisch-ungarischen Armee 1915 im Krieg gegen Italien leistete, zeigte, dass die planmäßige Vorbereitung des Einsatzes von Infanterie im Gebirge als weitere Spezialisierung jedoch notwendig wurde. Als sich abzeichnete, dass der Krieg gegen Frankreich den Winter überdauern würde, waren bereits im November 1914 Skiläufer im Deutschen Reich als Freiwillige aufgerufen worden.

Das Alpenkorps entsteht

Die ersten zwei Schneeschuhbataillone wurden aufgestellt und konnten nach einer verkürzten militärischen Grundausbildung in den französischen Vogesen und an der Ostfront eingesetzt werden. Doch abseits von geräumten und befestigten Straßen waren ihnen die erfahrenen französischen Kräfte überlegen. Als Reaktion wurde das Deutsche Alpenkorps geschaffen. Es wurde im Süden Bayerns im Frühjahr 1915 aus Schneeschuhbataillonen und anderen Verbänden zusammengestellt. Für das Alpenkorps folgten in den weiteren Kriegsjahren Einsätze an allen Frontabschnitten. Der Erste Weltkrieg wurde mit großen Opfern verloren. Nach dem Krieg wurde unter den Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles 1919 und den daraus folgenden Rüstungsbeschränkungen bei jeder der sieben Infanteriedivisionen zumindest ein Bataillon als spezialisiertes Jägerbataillon aufgestellt.

Aus dem Alpenkorps wird die Gebirgstruppe

Ab Mitte der Zwanzigerjahre wurden Teile der Gebirgstruppen mit Hochgebirgsausrüstung ausgestattet und im Hochgebirge ausgebildet. Ab 1934 begann der anfänglich geheim gehaltene weitere Ausbau der Reichswehr hin zur Wehrmacht. Während des Zweiten Weltkrieges kämpften die Soldaten der Gebirgsdivisionen wie im Ersten Weltkrieg an allen Frontabschnitten. Neben den entbehrungsreichen Kämpfen im Gebirge und an den Brennpunkten der Feldzüge wie der Einsatz im norwegischen Narvik war die Beteiligung an den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands in den besetzten Gebieten jedoch auch ein Kennzeichen des Kampfes der Gebirgsverbände der Wehrmacht. Die Gebirgstruppe und ihre Tradition mussten beim Aufbau der Bundeswehr neu gedacht werden.

Die moderne Gebirgsjägertruppe entsteht

Die neue Gebirgsjägertruppe der Bundeswehr sollte sich über Jahrzehnte mit einem besonderen und guten Verhältnis zum Bundesland Bayern und dem alpinen Wintersport entwickeln. Als im April 1958 die neue 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr dem II. Korps unterstellt wurde, bestand sie aus zwei Gebirgsjägerbrigaden und einer mechanisierten Brigade. Damit verfügte eine deutsche Gebirgsdivision erstmals über Panzer- und Panzergrenadierverbände. Daraus ergab sich eine erhebliche Erhöhung der Einsatzmöglichkeiten.

Diese Veränderung spiegelte auch die damalige Lage Bayerns an der militärischen Nahtstelle von NATONorth Atlantic Treaty Organization und Warschauer Pakt wider. Mit der Gebirgsjägerbrigade 23 war die Division zum Kampf im unwegsamen Gelände sowie unter extremen Witterungsbedingungen befähigt. An den NATONorth Atlantic Treaty Organization-Flanken in Nordnorwegen und in der Türkei hatten sich die Soldaten der Gebirgsjägertruppe unterschiedlichsten klimatischen Anforderungen an Mensch und Material zu stellen. Mit der Umstrukturierung der Bundeswehr im Zuge der Wiedervereinigung wurde jedoch auch die Gebirgsjägertruppe reduziert.

Bewährung in den Einsätzen

Verbände und Einheiten der Gebirgsjägertruppe nahmen bisher an nahezu allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr teil. Ob 1993 in Somalia, ab 1995 auf dem Balkan oder seit 2002 in Afghanistan – die Gebirgsjäger der Bundeswehr erfüllten den an sie gestellten Auftrag.

Auch in den Einsätzen zeigte sich die Notwendigkeit von Gebirgstruppen. Die asymmetrischen Bedrohungen in den Gebirgsregionen des Hindukusch in Afghanistan, denen die Einsatzkräfte der International Security Assistance Force (ISAFInternational Security Assistance Force) ausgesetzt waren, aber auch die Gebirgsregionen des Kosovo erforderten Soldaten, die um die Besonderheit dieses Geländes wissen und diese zum eigenen Vorteil nutzen können.

Eine neue Truppengattung entsteht

Die Fallschirmjägertruppe ist die jüngste Teiltruppengattung der Infanterie. In den Dreißigerjahren zunächst als Teil der Luftwaffe entwickelt, haben die ersten Fallschirmjäger ihre Vorbilder und sogar Ausbildungsunterstützung in den vergleichbaren Verbänden in der Sowjetunion gefunden. Als äußeres Zeichen einer erfolgreichen Ausbildung zum Fallschirmspringer trugen die Soldaten der Fallschirmjägerkompanien später das im November 1936 gestiftete Fallschirmschützenabzeichen der Luftwaffe. Ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkrieges schritt der Aufbau der Fallschirmtruppe weiter voran. Zunächst waren die Einheiten der Fliegergruppe unterstellt. 1943 hatte die Fallschirmtruppe eine Gefechtsstärke von etwa 35.000 Mann, am Ende des Krieges sogar rund 100.000 Fallschirmjäger, von denen aber nur etwa 15.000 im Sprung ausgebildet waren.

Die ersten Erfahrungen mit Luftlandeoperationen

Fallschirmjäger wurden im Zweiten Weltkrieg auf allen Kriegsschauplätzen eingesetzt, meist im Erdkampf. Die Eroberung der Insel Kreta 1941 gehört zu den weltweit bekanntesten Einsätzen der deutschen Fallschirmjäger. Erstmals wurde eine im großen Maßstab angelegte Operation ausschließlich durch Luftlandungen militärisch erfolgreich bewältigt. Allerdings führten Planungs- und Führungsmängel, unter anderem die Fehlbeurteilung der tatsächlichen Kräfte auf Kreta, zu schwersten Verlusten bei den Fallschirmjägern und den beteiligten Gebirgsjägern. Daher sollte auch Kreta zugleich das faktische Ende dieser Art von Luftlandeoperationen sein.

Spezialinfanterie für die Bundeswehr

Als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges galten Luftlandetruppen weltweit als Elite-Infanterie. Insofern wollte auch die neue Bundeswehr nicht auf diese Spezialinfanterie verzichten, auch wenn die militärische Bedeutung von reinen Sprungeinsätzen eher als gering eingeschätzt wurde. Der hochmobile Einsatz im drohenden Szenario eines Krieges gegen die Sowjetunion versprach jedoch Möglichkeiten als eine Art militärische Feuerwehr an den Brennpunkten künftiger Auseinandersetzungen in Mitteleuropa und an den Flanken der NATONorth Atlantic Treaty Organization. 1956 wurden daher die ersten Fallschirmjägerverbände als Teil der Infanterie und damit des Heeres in Ellwangen und Kempten aufgestellt.

Seit der Deutschen Einheit

In der Folge der Deutschen Einheit und der Reduzierung der Bundeswehr wurde 1991 die Auflösung der 1. Luftlandedivision für das Jahr 1994 bekanntgegeben. Anfang der Neunzigerjahre wurde auch mit dem Aufbau der Kommandokompanien, den damaligen Fallschirmjägerkompanien B 1, begonnen. Deren Aufgabe war es, auf sich gestellt, Kommandoeinsätze gegen Ziele von besonders hoher Bedeutung zu führen. 1994 entschied das Bundesministerium der Verteidigung, die Luftlandebrigaden dem Kommando Luftbewegliche Kräfte (KLK) zu unterstellen. Dieses wurde daher als zukünftige Heimat der Fallschirmjäger betrachtet. Aus dem KLK wurde 2001 die Division Spezielle Operationen (DSO). Mit der DSO entstand ein Verband der nationalen Krisenreaktion, der durch besondere Ausbildung, Ausrüstung und Präsenz über die höchstmögliche Einsatzbereitschaft und schnellste Reaktionsfähigkeit verfügte. Die DSO wurde 2014 zur Division Schnelle Kräfte umgegliedert. Bis heute bilden die Fallschirmjäger den Kern der multinationalen DSKDivision Schnelle Kräfte.

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