Der KFOR-Blog von Anica K.

Pristina, 08.02.2013.
Hauptfeldwebel Anica K. leistet Dienst in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Hauptquartier der Kosovo Force (KFOR) in Pristina. Entsprechend ist sie viel „auf Achse“. Hier berichtet die Soldatin über ihre Erlebnisse.
- 3. Februar: Wer Frieden will, muss mithelfen!
- 10. November: Halloween im Mutter-und-Kind-Haus
- 19. Oktober: Übung macht den Meister
- 17. Oktober: Die Flugplatzgruppe sorgt für Bewegung
- 7. Oktober: Familie ist Familie. Überall.
- 5. Oktober: Ein Kommen und Gehen
- 30. September: Stories, so weit das Auge reicht
- 28. September: Als wäre ich nie weggewesen
3. Februar: Wer Frieden will, muss mithelfen!

Heute ist Sonntag. Es regnet und auf den Straßen des Camps ist es ruhig. Jim, Marco und ich setzen uns ins Auto und fahren Richtung Norden. Mitrovica ist unser Ziel. Wir wollen uns ein aktuelles Bild vor Ort verschaffen. Auf dem Weg sprechen wir über die vergangenen Wochen und stellen fest, dass es im Kosovo zwar überwiegend ruhig ist, wir aber die Situation auf keinen Fall unterschätzen dürfen. Demonstrationen und anhaltende Proteste der Bevölkerung, vor allem im Norden, sind klare Signale der Unzufriedenheit.
Immer wieder höre ich von blockierten Straßen im Norden des Kosovo. Das sind für mich deutliche Zeichen des Protestes der Bevölkerung. In Mitrovica, der „geteilten Stadt“, wurde die Brücke über den Fluss Ibar mit Schutt, Geröll und anderen Hindernissen vollständig blockiert. Diese Blockade zieht sich durch die gesamte Stadt. Auch nördlich von Mitrovica, in der Nähe von Rudare, versperren Hindernisse den Weg. Mir ist mulmig bei dem Anblick, der die Schwierigkeiten im Zusammenleben der Menschen hier verdeutlicht.
Auf der Fahrt sehe ich nicht viele Kosovo-Flaggen auf den Straßen, ganz im Gegenteil: Es ist klar zu erkennen, in welchen Gebieten Kosovo-Albaner oder Kosovo-Serben leben. Sie machen es mit ihren jeweiligen Nationalflaggen deutlich: „Hier sind wir zu Hause und hier bleiben wir!“
Seit vielen Jahren helfen verschiedenste Institutionen und Soldaten aus vielen Nationen beim Wiederaufbau des Kosovo. Mehr und mehr soll die Regierung des Kosovo allein für ihr Land, aber vor allem auch für die Menschen dieses Landes verantwortlich sein. Kein leichter Weg, aber wer Frieden will, muss mithelfen.
In Mitrovica hat die Kosovo Force hinter dem örtlichen Gerichtsgebäude eine stabile Fluchttreppe aus Steinen errichtet. Sie führt über einen steilen Hang hin zu einer freien Fläche, die sich zur Landung von Hubschraubern eignet. Im Notfall könnten hier Mitarbeiter des Gerichtes evakuiert und aufgenommen werden. Das ist konkrete Hilfe, aber auch eines von vielen Zeichen, die verdeutlichen, wie zerbrechlich der „Frieden“ im Kosovo ist.
10. November: Halloween im Mutter-und-Kind-Haus

Strahlende Kinderaugen lassen das Herz eines jeden Menschen höher schlagen. Diese Inspiration erleben auch Soldatinnen und Soldaten verschiedener Nationen, die freiwillig neben ihrem Auslandseinsatz etwas Gutes vor Ort tun.
Es ist Dienstag, 19 Uhr und das Wetter ist eher mild. Optimale Voraussetzung für unser kommendes Vorhaben im Mutter-und-Kind-Rehabilitationszentrum in Pristina. Zusammen mit Amerikanern, Kanadiern, Schweden und uns Deutschen besprechen wir den Tagesablauf für nächsten Montag. Hauptfeldwebel Ina, eine der deutschen Köche bei KFOR, erklärt sich bereit, eine Kürbissuppe für die Kinder zu kochen. Die Amerikaner organisieren Kürbisse und Süßigkeiten. Auch ich möchte einen Teil dazu beitragen und fertige einige Informationsmappen an. Darin befinden sich neben einer kurzen Entstehungsgeschichte zu Halloween auch ein paar Bastelanleitungen und Schminkvorlagen. Die Kinder werden sich bestimmt freuen.
Das Mutter-und-Kind-Haus wird seit 2006 von KFOR-Soldatinnen und -Soldaten unterstützt. Von Kontingent zu Kontingent finden sich Freiwillige, die sich neben ihren alltäglichen Aufgaben im Camp auch einem sozialen Projekt widmen. Dies ist nur eines von vielen derartigen Projekten im gesamten Kosovo. Insgesamt 45 Kinder im Alter von 6 bis 21 haben in diesem Mutter-und-Kind-Haus die Möglichkeit, nach der Schule eine warme Mahlzeit zu bekommen und ein paar Stunden in Gemeinsamkeit zu verbringen. Die einheimischen Betreuerinnen arbeiten seit mehr als fünf Jahren unentgeltlich für diese Kinder. Das zuständige kosovarische Ministerium hat dieses Projekt bisher nicht unterstützt, was sich jedoch in Zukunft ändern könnte.
Nina ist unsere Ansprechpartnerin im Haus. Sie spricht sehr gut Englisch und sucht den engen Kontakt zu den Angehörigen der internationalen Schutztruppe. Von Reparaturen am Gebäude, über Besorgung von Materialien, bis zur Betreuung von Kindern reicht das Projekt und gibt uns allen die Möglichkeit, einen Einblick in ihr Leben und ihre Traditionen zu erhalten. Dankbarkeit zeigen sie uns bei jedem Besuch. Sie umarmen uns, malen Bilder und manchmal führen sie auch Tänze vor, in ihren prachtvollen Kostümen zu traditioneller, albanischer Musik.
Auf geht’s zu den Kiddies. Mit selbstgebackenen Kuchen, Bastelsachen und Kürbissen stürzen wir uns ins Getümmel. Erwartungsvoll und herzlich empfangen uns die bereits kostümierten Kinder und Betreuerinnen. Ein schöner Tag der vom Alltag ablenkt. Die jungen Soldaten finden schnell Gefallen am Basteln. In ihnen erwacht das „Kind im Manne“.
Durch Knicklichter leuchten die fertiggeschnitzten Kürbisgesichter und schmücken den Raum mit herbstlicher Stimmung. Die Kürbissuppe von Ina ist gut geworden und den Kindern schmeckt es prima. Mit Musik und Tanz klingt der gelungene Tag aus und entlässt uns am späten Nachmittag wieder in unsere Arbeit in die einzelnen Abteilungen des KFOR-Hauptquartiers im Camp Film City.
19. Oktober: Übung macht den Meister

Knall, Rauch, Sirenen, Hubschrauber, Schlagstöcke, schwere Fahrzeuge und ein ausgereifter Plan. Das alles sind Teile einer groß angelegten Übung. Ziel ist es, die Wirkungskraft und Möglichkeiten des Zusammenwirkens der einzelnen KFOR-Elemente im Kosovo darzustellen. Insgesamt geben über 500 Soldaten, Sprachmittler und Polizisten einen Einblick in die Verfahrensweisen im Umgang mit gewalttätigen Menschenmengen.
Vor gut einer Woche hat mein irischer Chef Dan seinen Heimweg angetreten. Der Abschied fiel allen sehr schwer. Auch mir, obwohl ich ihn kaum kannte. Nun ist Major James Murphy (55), für den „Chronicle“, unser monatliches KFOR-Magazin, verantwortlich.
Unsere erste größere Veranstaltung findet in einem Camp nahe des Flughafens von Pristina statt. Ich bin gespannt, wie die Übung „Silver Saber“ diesmal verlaufen wird. Ich hatte schon im Jahre 2010 die Möglichkeit, als Zuschauer dabei zu sein.
Das primäre Ziel der Übung bestand und besteht darin, neue KFOR-Führer in die Abläufe einzuweisen und in Abstimmung mit der kosovarischen Polizei und mit EULEX-Standardverfahren in bestimmten Ausnahmesituationen einzuüben. Im Falle eines echten Einsatzes soll das Zusammenwirken von Kosovo Police, EULEX und KFOR reibungslos funktionieren. EULEX ist eine Mission der Europäischen Union, die eng mit dem Militär zusammenarbeitet. Zwischen 1.800 und 2.000 Polizisten, Richter, Gefängnisaufseher und Zollbeamte werden in den Kosovo entsandt, um dem Land beim Aufbau von Polizei, Justiz und Verwaltung zu unterstützen.
KFOR hat in den vergangenen Jahren die Sicherheitsverantwortung Schritt für Schritt an kosovarische Kräfte übergeben. Sie sind heute häufig in der Lage, gewalttätige Menschenmengen in eigener Zuständigkeit aufzulösen. Dennoch kann es die Lage erfordern, dass die kosovarischen Sicherheitskräfte unsere Unterstützung brauchen. Deshalb wird dies regelmäßig geübt.
Afrim und ich machen uns auf den Weg, geeignete Plätze für unsere Fotos zu finden. Schnell haben wir unsere Positionen gefunden und einen Plan erstellt, wer, wann und wo von welcher Seite Fotos knipst.
Es geht los. Der erste Mob, dargestellt durch kosovarische Polizisten und Soldaten verschiedener Nationen, demonstriert lautstark und versperrt eine Hauptverkehrsstraße. Die kosovarische Polizei schreitet ein und bildet eine Postenkette, um die Menschenmenge zu stoppen. Die Gewaltbereitschaft erhöht sich, es muss Unterstützung angefordert werden. Mit Flaschen, Autoreifen und anderen Gegenständen werfen die Rollenspieler auf die Schutzschilder der Polizisten. Wenige Minuten später rücken die militärische Kräfte an, um die Polizisten zu unterstützen. Mit schwerem Gerät wie Wasserwerfern und Räumfahrzeugen drängen sie die Massen von der Straße ab.
Optisches Highlight der Übung sind drei Blackhawks, amerikanische Hubschrauber, die dicht über das Geschehen hinwegfliegen und weitere Unterstützungskräfte absetzen. Während der Übung gibt es gespielte Verletzungen, von leicht bis sehr schwer. Ein Rettungshubschrauber wird angefordert und bringt die Schwerverletzten in Sicherheit. Die dreitägige Übung ist eine runde Sache, die mir auch dieses Mal wieder zeigt, dass wir große Fortschritte in unserem KFOR-Einsatz machen.
17. Oktober: Die Flugplatzgruppe sorgt für Bewegung

Der Sinkflug hat begonnen. Hinsetzen, Anschnallen und alle elektronischen Geräte ausschalten, bis die endgültige Parkposition erreicht ist. Mit 2.500 mal 45 Metern Start- und Landebahn auf einer Höhe von 545 Metern über dem Meeresspiegel ist der Flughafen von Pristina der größte im Kosovo. Und die Flugplatzgruppe sorgt für den reibungslosen Ablauf des Ein- und Ausfliegens der KFOR-Kontingentangehörigen.
Soeben knipse ich noch die letzten Bilder der letzten Soldaten und Soldatinnen des 32. deutschen Kontingentes bei KFOR. Jetzt sind alle raus und nach diesem Flug der beiden C-160 Transall auf dem Weg nach Hause. Der stetige Wechsel ist für die Truppe hier reine Routine. Im vier- bis sechsmonatigen Rhytmus wechseln Soldatinnen und Soldaten ihre Dienstposten im Einsatzland. „Eine große Verantwortung lastet auf unseren Schultern. Fehler dürfen wir uns nicht erlauben. Alles muss strikt nach Plan abgearbeitet werden, da muss das Team einfach harmonieren“
, erzählt mir Major E., der Leiter der Flugplatzgruppe. Neben dem normalen Flugverkehr von Personal und Material ist seine Crew unter anderem zusätzlich 24 Stunden im Bereitschaftsdienst, um im Notfall das Ausfliegen von Verwundeten zu unterstützen.
Der Flughafen Pristina liegt rund 15 Kilometer in südwestlicher Richtung von der gleichnamigen Hauptstadt des Kosovo entfernt und ist sowohl Zivil- als auch Militärflughafen. Die internationale Schutztruppe übernimmt Kontrollen und koordiniert die Nutzung des Luftraums über dem Kosovo, da die kosovarische Regierung noch nicht in der Lage ist, dieses selbst zu bewältigen.
Einen Abend zuvor sitze ich mit ein paar Kameradinnen und Kameraden bei einem Getränk in der deutschen Betreuungseinrichtung. Zufrieden blicken die Abflieger auf ihre Einsatzzeit zurück und schwelgen in Erinnerungen. Steffi kommt hinzu, mit einem langen Gesicht: „Die Maschine fällt aus. Na super, dann verpass ich meinen Anschlussflug nach Hause.“
Nicht gerade begeistert versucht sie ihre Familie zu benachrichtigen. Für die Flugplatzgruppe ist dies aber auch eine Umstellung. Schließlich wollen sie, dass ihre Kameraden und Kameradinnen so schnell wie möglich wieder nach Hause gebracht werden. „Mich bewegen vor allem die verschiedenen Schicksale, wie zum Beispiel bei einem Kameraden erst vor kurzem. Seine Frau hat abrupt die Beziehung beendet. Sie kam mit der Situation, dass er noch vier Monate im Einsatz ist, nicht mehr klar. Er wollte alles versuchen, um seine Frau in ihrer Entscheidung umzustimmen. Mit dem nächsten Flieger sollte es nach Hause gehen. Dann fiel das Flugzeug aus und er konnte erst am nächsten Tag fliegen. Leider weiß ich nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist.”
Nur eines der Beispiele, von denen Major E. berichten kann. Zusammen mit den Feldjägern arbeitet seine Gruppe Flug für Flug ab und leistet, nicht nur in meinen Augen, einen guten Job.
7. Oktober: Familie ist Familie. Überall.

Samstag, 20.00 Uhr: Essen bei Familie Hajrullahu. Zusammen mit Daniel, dem für den KFOR-Chronicle zuständigen irischen Major, und Ismail, unserem marokkanischen Offizier, folgte ich der Einladung unseres Kollegen Afrim. Wir erlebten einen wunderschönen und sehr informationsreichen Abend.
Vor der Haustür erwartet uns schon der Hausherr und zeigt auf einen schmalen Fußgängerweg, auf dem wir parken sollen. In Pristina gibt es zu wenige Stellflächen. Aber auch wenn genug da wären, würden trotzdem alle überall parken. Autofahren im Kosovo will gelernt sein und erfordert höchste Konzentration. Ja, Regeln gibt es und einen Führerschein erwerben die Straßenflitzer auch, aber es nicht annähernd vergleichbar mit dem deutschen Verkehrssystem.
Wein, frisch gebackenes Brot, Oliven und eingelegte Paprika eröffnen den schönen Abend im Kreise der gesamten Familie. Afrims Ehefrau Vjola reicht uns die Gläser, die Kinder Lumi (6) und Rjina (9) tollen um uns herum. Es dauert nicht lange und wir sind mitten drin im Familienleben. Daniel und Ismail toben mit den Kindern, während Vjola den Hauptgang zubereitet. Es gibt gebackene Rinderfilethäppchen, eingelegt in eine traditionelle Gewürzmischung. Die Kinder werden zu später Stunde müde und verabschieden sich liebevoll mit einem Küsschen.
Afrim wechselt in sein berufliches Schaffen über. Über den Innenhof gehen wir in sein Atelier, wo er uns eine Privatvorstellung seiner Fotogeschichte aus der Kriegszeit präsentiert. Beeindruckend und ganz still lauschen wir seinen Erzählungen und bleiben mit den Augen an seinen Bildern kleben. Bei seiner Flucht nach Albanien knipste der damals 29-jährige heimlich Fotos, um die Geschichte später einmal, so wie am heutigen Abend, wiedergeben zu können.
Ich bin sofort mittendrin in seiner Geschichte. Menschenmassen in völlig überfüllten Zügen auf der Flucht nach Albanien. Über mehrere Wochen lebten sie in einer kriegsfreien Zone. Albanien wollte sie nicht ins Land lassen und die Kosovaren ließen sie nicht in ihre Häuser zurück. Unter erbärmlichen Bedingungen hielten sie zusammen und gaben nicht auf. Diese Bilder sprechen für sich und damit wurde Afrim berühmt. Weltweit lichteten Zeitschriften seine Fotos ab, um die Geschichte für sich selbst sprechen zu lassen. Afrim ist ein exzellenter Fotograf, ein toller Familienvater und mittlerweile nicht nur ein Arbeitskollege, sondern auch ein guter Freund.
5. Oktober: Ein Kommen und Gehen

„Auf Wiedersehen“, „Tschüss“ und „Bis bald“: Am Freitag, den 5. Oktober, haben sich unsere Schweizer Kameraden nicht nur die Hände gereicht. Es flossen auch mächtig Tränen.
„Los, lass uns zum Flughafen fahren, ich will ein paar Kameraden verabschieden, und du kannst ein paar Fotos machen
.“ Marco ist mittlerweile seit sieben Monaten in Pristina und arbeitet bei uns in der Abteilung Medienanalyse. Eigentlich ist er Italiener, leicht an seiner Uniform zu erkennen. Doch er beschreibt sich so: „Es gibt Italiener, es gibt spezielle Italiener und es gibt – Marco
!“ Da hat er recht, spezieller geht es kaum. Singend, immer gut gelaunt und stets zu einem Scherz aufgelegt hält er unser Team bei Laune und lässt nie Langeweile aufkommen. Also ab zum Flughafen. Ich hab keine Ahnung, was mich da erwartet.
Ein Helikopter mit Schweizer Hoheitsabzeichen kreist über dem Flughafen. Mit einer feierlichen Zeremonie wird das 26. Kontingent der Schweizer Armee verabschiedet und zugleich werden die kommenden Soldaten herzlich begrüßt.
Das 27. Kontingent der Eidgenossen übernimmt seine Rolle an neuen Standorten der KFOR-Mission. Ihr bisheriges Camp Casablanca wurde am 17. August feierlich an die Gemeinde Suva Reka übergeben. Nun liegt der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit im Feldlager Prizren und im Camp Film City, dem Hauptquartier der Kosovo Forces (KFOR). Das neue Kontingent umfasst rund 230 Soldaten, darunter finden sich 17 Frauen.
Am Freitag flossen dann viele Tränen bei den zu verabschiedenden Kontingentangehörigen. Stolz und ein bisschen nachtrauernd steigen sie in ihr Flugzeug und blicken mit einem weinenden und einem lächelnden Auge zurück. „Schön war´s, die Zeit verging wie im Fluge
“, so eine der Schweizer Soldatinnen.
30. September: Stories, so weit das Auge reicht

Kommandowechsel im Camp Novo Selo und Kunstgeschichte im Kosovo haben das Wochenende mit tollen Erlebnissen geprägt. Der Chronicle, die internationale Zeitschrift der Kosovo Force, wird mit spannenden Stories rund um das Land und die Mission KFOR gefüllt.
„Heute Nachmittag fahren wir ins Camp Novo Selo zur Kommandoübergabe des ORF-Bataillons. Da können Sie sich schon mal etwas an der Fotokamera üben und eine kleine Story für die NATO-KFOR-Website erstellen
“, so mein stellvertretender Chef Oberstleutnant W. am Samstagmorgen. Gedanken kreisen durch meinen Kopf: Was wird mich erwarten, wo stelle ich mich am besten hin, um das perfekte Foto der Übergabe zu knipsen?
Es geht los. Die Moderatorin, eine italienische Soldatin, kündigt die Zeremonie an und die Soldatinnen und Soldaten marschieren ein. An der Spitze das deutsche Heeresmusikkorps. Viele internationale Gäste folgten den Einladungen. Nun spricht der deutsche Kommandeur der Kosovo Force, Generalmajor Volker Halbauer. Mit einer kurzen und anschaulichen Rede bedankt er sich bei dem italienischen Bataillon, welches seit Ende März 2012 den Einsatz KFOR in schwierigen Situationen unterstützt.
Nun übernimmt das deutsch-österreichische Verstärkungsbataillon für die nächsten Monate die Verantwortung. Das Foto ist gemacht und es geht in der Dunkelheit wieder heim ins eigene Camp. Schnell werte ich meine Fotos aus und schreibe ein paar Zeilen zur Übergabe.

Gestern war ich in den Bergen. Herrlich, diese Landschaft. Afrim, unser ziviler Fotograf, hat eine großartige Idee und die nötigen Kontakte, um eine kleine Story für den Chronicle zu gestalten. Ungefähr zwei Stunden Autofahrt von Pristina entfernt sind wir hoch in den Bergen, um seinen alten Schulfreund Luan zu treffen. Seit zwei Wochen sitzt er zusammen mit seinem zehnköpfigen Team in Artana (Novo Brdo) und forscht für das Archäologische Institut von Kosovo. Eine zerstörte Burg aus dem 14. Jahrhundert ist sein Auftrag für die kommenden Wochen. Das Wetter spielt gut mit, es sind immer noch sommerliche 32 Grad Celsius.
„Hallo Anica, freut mich, dich kennenzulernen. Ich hoffe, ihr hattet eine gute Fahrt.“
Luan spricht perfektes Deutsch, bis auf den kleinen schwäbischen(!) Dialekt. Es erleichtert mir meine Arbeit und das Interview ist schnell gemacht. Zum Abschluss krabbele ich die letzten 400 Meter rauf zur Burg, um noch einige Fotos zu schießen. Mit Luan werde ich in Kontakt bleiben. Er wird mir noch einige schöne Geschichten liefern können.
28. September: Als wäre ich nie weggewesen

In zwei Tagen nach Pristina über Berlin-Köln-Stuttgart. Zusammen mit weiteren 181 Kameradinnen und Kameraden trete ich meinen mittlerweile zweiten Auslandseinsatz an. „Forward Together“ ist das Motto unserer Mission.
Mittags angekommen in Pristina wehen uns warme 30 Grad Celsius entgegen. Mit dem Airbus 310 bin ich von Köln nach Pristina geflogen, mit einem zweistündigen Halt in Stuttgart. Weitere 80 Soldatinnen und Soldaten stiegen zu und wurden von Pristina in das französische Camp Novo Selo weitergefahren. Dort sind sie im deutsch-österreichischen Verstärkungsbataillon eingesetzt.
Auf dem Weg vom Flughafen in das Camp stelle ich fest, dass das Kosovo sich in den letzten eineinhalb Jahren entwickelt hat. Kleine Tierherden auf den Wiesen, Ackerfelder mit hochgewachsenen Paprikapflanzen, Mais und anderen Erzeugnissen sind neu. Und trotzdem will ich den Müll auf den Straßen und die bestehende Armut nicht ausblenden. Alles braucht eben seine Zeit.
Angekommen im Camp strahlen mir viele Gesichter entgegen. Zivile Mitarbeiter und auch Soldatinnen und Soldaten verschiedenster Nationen erkenne ich wieder. Es ist ein Gefühl der Verbundenheit, zusammen dienen wir für ein Ziel.
Vom Ausweisbüro über den Rechnungsführer bis zum internationalen Führerschein ist mein Samstag gut mit Unternehmungen ausgefüllt. Mein PC-Account funktioniert zwar noch nicht, aber ansonsten ist die Arbeitsbereitschaft bestens hergestellt.
Meine kleine bescheidene Unterkunft im Frauencontainer „Washington“ teile ich mir mit Silvia. Sie ist eingesetzt als Rettungsassistentin im Medical Center unseres Camps.
Nun werde ich die kommenden sechs Monate von meinen Einsatzerlebnissen berichten und Einblicke in die internationale Zusammenarbeit mit 30 verschiedenen Nationen und den kosovarischen Einwohnern geben.

