Wärme aus der Tiefe – Bundeswehr startet Geothermieprojekt
München/Pfullendorf, 17.09.2012.
In Pfullendorf will die Bundeswehr ihre Kaserne künftig mit Wärme aus Geothermie versorgen und so jährlich 1.500 Tonnen CO2 einsparen. Es ist das bislang erste tiefe Geothermieprojekt der Bundeswehr. Wie es funktionieren soll, erklärten die Projektleiter.

Markus Bublat, der Projektleiter von Seiten der Bundeswehr, gab im Rathaus eine Einführung zu dem geplanten Verfahren und erklärte: „Wir fördern das Wasser aus 1.500 Meter Tiefe, entnehmen Wärme und leiten das etwas abgekühlte Wasser wieder in das gleiche Reservoir zurück
.“
Ziel ist eine kohlendioxidfreie Wärmeversorgung der Kaserne. Die Bundeswehr leistet damit erneut einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Geschlossener Kreislauf
Die technischen Details erklärte Friedrich Cammerer, Projektplaner der Firma Hydro-Data: „Wir schaffen eine sogenannte hydrothermale Dublette.“
Dabei erschließt eine Tiefbohrung das in rund 1.500 Metern Tiefe liegende Warmwasserreservoir. Das 65 Grad Celsius warme Wasser wird nach oben gefördert.
Über einen Wärmetauscher wird die Wärme des Wassers entnommen und in das Versorgungsnetz der Kaserne eingespeist. Das abgekühlte Wasser wird über eine zweite Tiefbohrung zurück in das Reservoir gegeben. Dort sucht sich das Wasser durch ein natürliches Gefälle im klüftigen Gestein unterirdisch seinen Weg zurück in Richtung Bohrloch eins. Dabei erwärmt es sich wieder und kann erneut nach oben gefördert werden. „Wir haben also einen geschlossenen Kreislauf“,
so Cammerer.
Kritische Fragen zu Risiken
„Wir nutzen bei der Bohrung ein Verfahren, das aus der Thermalwasserförderung rund um Pfullendorf bekannt und sehr bewährt ist“,
erläuterte Cammerer, der mit solchen Projekten sehr viel Erfahrung hat. „Der Bohrkanal wird sofort zementiert, sodass eine rundum geschlossene Röhre in die Tiefe entsteht.“
Das Wasser kann auf dem Weg nach oben oder unten also gar nicht in andere Gesteinsschichten gelangen.
Jürgen Vahldiek, der Gesamtprojektleiter von Seiten der Betriebsleitung Bundesbau, machte deutlich: „Ein Problem mit einer Anhydrit-Schicht, die aufquellen und dazu führen kann, dass sich oben die Häuser heben, werden wir hier nicht haben.“
Nutzen für alle
Die Experten sind davon überzeugt, dass dieses Projekt sicher und wichtig ist. Oberst Peter Seidenspinner, der Kommandeur des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen und Standortälteste in Pfullendorf freut sich, dass dieses Leuchtturmprojekt in der Generaloberst von Fritsch-Kaserne verwirklicht wird: „Das ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für uns und gibt unserem Standort Sicherheit.“
Das sieht Bürgermeister Thomas Kugler, Rathauschef in Pfullendorf, ähnlich. Er nimmt die rund 8,3 Millionen Euro Investitionen in die Geothermieanlage als Zeichen dafür, dass die Bundeswehr für die nächsten Jahre in Pfullendorf bleiben wird. „Es ist gut für die Wirtschaft in der Region und den Ruf der Geothermie insgesamt.“

