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Schlimmer vorgestellt – Die erste Woche freiwilliger Wehrdienst

Erfurt, 13.07.2011.
Beim Führungsunterstützungsbataillon 383 in Erfurt sind am 4. Juli 137 freiwillig Wehrdienstleistende angetreten; darunter sechs Frauen. Fünf von ihnen sind eine Woche später noch da – und mit Ernst bei der Sache.

Soldatin liegt im Gras und zerlegt eine Waffe

Gewehr zerlegen: Üben bis jeder Griff sitzt (Quelle: Bundeswehr/Arnold)Größere Abbildung anzeigen

„Ich hatte erwartet, dass da mehr Teile dran sind“, sagt Anne-Marie Schwenkhoff und schaut auf die Einzelteile ihres G 36. Sie hat gerade die erste Ausbildungsstunde an der Waffe absolviert und gelernt, wie man ein Gewehr vom Typ G 36 zerlegt und zusammensetzt. Acht Mann, oder besser: vier Frauen und vier Männer liegen dazu in einer Reihe, im Feldanzug mit Stiefeln und Kopfbedeckung, auf Sisalmatten im Gras und hören auf das Kommando des Ausbilders. Immer wieder werden die Gewehre zerlegt und zusammengesetzt; geladen und gesichert; entsichert und zum Zielen angelegt. Routine muss trainiert sein. Der Umgang mit dem Gewehr muss in jeder Situation einwandfrei klappen. Das ist lebenswichtig.

„Das Gewehr mehr in die Schulter legen, Kameradin Schwenkhoff“, mahnt Oberfeldwebel Christian Wabra. Der Ausbilder hat jeden Einzelnen genau im Blick und prüft kritisch Haltung und Handhabung der Gewehre. Ruhig und gelassen erklärt er, worauf es ankommt. Am Ende ist er zufrieden. „Das war gut. Wir haben heute viel erreicht“, lobt er. Aber es ist erst der Anfang der AGA, der allgemeinen Grundausbildung. Übungen wie diese wird es noch viele geben, bis es dann im September das erste Mal auf die Schießbahn geht.

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Das Kasernenleben ist ok

Anne-Marie Schwenkhoff hat nach einer Woche einen ersten Eindruck vom Soldatenleben und sie ist positiv überrascht: „Ich hatte mir das härter vorgestellt. Der Umgangston hier ist sehr freundlich und auch auf der Stube klappt das Miteinander sehr gut.“ Die viel gepriesene Kameradschaft in der Truppe habe sie bereits kennengelernt. Man helfe und unterstütze sich gegenseitig. „Auch mit den Männern klappt das gut.“

Sie erzählt aber auch von dem „Kulturschock“, den sie in den ersten Tagen erlebt hat. „Die Kleidung und das frühe Aufstehen sind schon gewöhnungsbedürftig“, sagt sie und schaut an sich herunter, als könne sie immer noch nicht so recht glauben, was sie da anhat. Ihre Kameradin Michelle Thiele stimmt ihr zu. Sie, ebenfalls im Flecktarn-Feldanzug, trägt die Haare streng zurückgekämmt und zum Zopf gebunden. Nur an ihren geschminkten Augen kann man ihren bisherigen Style erahnen. Lidstrich und Wimperntusche sind im Dienst erlaubt – immerhin.

Schwenkhoff und Thiele neben dem Wappen des Führungsunterstützungsbataillon 383

Schützen Schwenkhoff und Thiele in der Ausbildungskompanie (Quelle: Bundeswehr/Arnold)Größere Abbildung anzeigen

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Unter den Ersten sein

Die beiden Schützen – so der militärische Dienstgrad der Rekruten in der Grundausbildung – teilen sich die Stube mit den drei anderen Kameradinnen, die zum 4. Juli den Dienst angetreten haben. Während sich die anderen als Soldaten auf Zeit (SaZ) verpflichtet haben, sind Anne-Marie und Michelle als erste freiwillig Wehrdienstleistende angetreten. Sie haben sich zunächst für 23 Monate verpflichtet. Sie absolvieren nun eine dreimonatige Grundausbildung und gehen anschließend in die Fachausbildung für die für sie vorgesehene Verwendung. Auch ein Dienst im Auslandseinsatz ist nicht ausgeschlossen. Beide sind sich dessen bewusst und dazu bereit.

Anne-Marie ist 19 Jahre alt, kommt aus Oranienburg in Brandenburg und hat dort gerade Abitur gemacht. Sie hat sich sofort für den freiwilligen Wehrdienst entschieden. „Das hat mich von Anfang an interessiert“, sagt sie. Der Nachbarssohn daheim hatte ihr oft von der Bundeswehr erzählt. Daraufhin ist sie zum Wehrdienstberater gegangen, hat sich für den Stabsdienst in der Truppe beworben und wurde genommen. Sie sieht darin eine echte Chance, räumt aber ein: „Einige meiner Freunde waren schon ziemlich überrascht.“

Michelle, ebenfalls 19, kommt aus Erfurt. Sie hat ihre Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin abgebrochen, um zur Bundeswehr zu gehen. Sie hat sich schon länger dafür interessiert, sagt sie. Als der freiwillige Dienst eingeführt wurde, war ihr klar: „Das ist meine Chance. Nicht nur reden; sondern machen.“ Ihr Ziel hat sie klar im Visier: Sie will zu den Feldjägern. Die Aufgaben der Militärpolizei seien interessant und abwechslungsreich. „Ich habe auch kein Problem damit, in den Auslandseinsatz zu gehen.“ Das gehöre eben dazu. Nach den 23 Monaten freiwilligem Dienst will sie sich als Soldatin auf Zeit verpflichten.

Ausbilder erklärt der Soldatin die Waffe

Ausbilder Wabra: „Rumbrüllen bringt nichts“ (Quelle: Bundeswehr/Arnold)Größere Abbildung anzeigen

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Hoch motiviert und fest entschlossen

„Wir freuen uns, dass wir so hoch motivierte und qualifizierte Rekruten hier bei uns haben“, sagt Oberstleutnant Jürgen Götz. Er ist der Bataillonskommandeur des Führungsunterstützungsbataillons 383 in der Erfurter Henne-Kaserne. „Bei der Begrüßung habe ich in aufgeschlossene und erwartungsvolle Gesichter geblickt.“

Dass die freiwillig Grundwehrdienstleistenden allgemein hoch motiviert bei der Sache sind, bestätigt auch der Kompaniechef. Hauptmann Stefan Siegelmann ist voll zufrieden. Die Frauen seien bereits bestens integriert. „In der Ausbildung werden da sowieso keine Unterschiede gemacht“, betont er. Auch der Ausbilder, Oberfeldwebel Wabra stellt fest: „Man merkt, dass die Freiwilligen wirklich alle wollen.“ Das gelte besonders für die Frauen. „Sie wollen oft stärker sein als die Männer. Das treibt den ganzen Zug an.“

Anne-Marie und Michelle geben sich jedenfalls fest entschlossen und kämpferisch. Sie wollen sich auf jeden Fall „durchbeißen“. „Wir sind nur fünf Mädchen. Gerade deshalb wollen wir es den Jungs zeigen“, sagt Anne-Marie. Michelle lacht und nickt.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Susanne Lopez


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