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Der Schützenpanzer Puma: Treffsicher, duellfähig, beweglich

Munster, 07.03.2016.
Der neue Schützenpanzer Puma trifft auf Anhieb sicher. Das hat er beim ersten Schießen des Lehrganges für Kommandanten bewiesen. Im hochbeweglichen Gefecht wird sich der Puma also zum ebenbürtigen Partner des Kampfpanzers Leopard 2 entwickeln.

Puma im Gelände

Kein Hindernis: Der Puma wird mit jedem Gelände fertig. (Quelle: Bundeswehr/Dinnebier)Größere Abbildung anzeigen

„Charlie: erster Schuss minus 0,10, plus 0,08.“ Auf der Schießbahn 8B des Truppenübungsplatzes Bergen misst Oberstabsfeldwebel Michael Lang die Ablage vom Zentrum der Justierscheibe. Es sind zehn Zentimeter nach links und acht in der Höhe. „Charlie“ ist ein nagelneuer Schützenpanzer Puma. Vor dem ersten Schulschießen muss er ein so genanntes „Systemfehlerschießen“ absolvieren, um alle Werte und Einstellungen zu überprüfen.

Fünf Schuss Übungsmunition hat „Charlie“ aus seiner 30-Millimeter-Kanone auf die 500 Meter entfernte Scheibe abgegeben. Nun werden sie einzeln ausgewertet, der mittlere Treffpunkt wird errechnet und – mit umgekehrten Vorzeichen - als Systemfehler in den Feuerleitrechner eingegeben. Dieser verlegt dann systemintern den Haltepunkt entsprechend. Der Richtschütze kann also unabhängig davon weiter den Zielmittelpunkt anvisieren. Zur Überprüfung feuert der Puma weitere drei Schüsse Einzelfeuer ab. Dicht an dicht liegen sie sauber in der Zielmitte.

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Es geht auf die Schießbahn

Oberstabsfeldwebel Lang ist einer der erfahrensten Ausbilder des Ausbildungszentrums Munster. Seit zwei Jahren leitet er den Hörsaal 22 der II. Inspektion des Ausbildungsbereiches Panzertruppen. Es ist einer von zwei Hörsälen, in denen seit Anfang Januar der erste Umschulungsehrgang für Kommandanten des Schützenpanzers Puma stattfindet. Der Lehrgang dauert insgesamt zehn Wochen. Im Modul 1 stehen die technische Einweisung und das Schießen vom Richtschützenplatz im Vordergrund. Im Modul 2 liegt der Schwerpunkt beim Gefechtsdienst und bei den Aufgaben des Kommandanten als Ausbilder.

Das Gros der 15 Lehrgangsteilnehmer kommt vom Panzergrenadierbataillon 33 aus Luttmersen. In der Halle 62 der Panzertruppenschule stehen ihre vier Schützenpanzer. Unmittelbar neben den Fahrzeugen ist ein Unterrichtsraum eingerichtet, so dass theoretische Erläuterungen gleich in der Praxis nebenan ohne Zeitverlust geübt werden können.

Zu Beginn der Schiesswoche ging es von der Kaserne der Panzertruppenschule in Munster auf die Schiessbahn 8B des Truppenübungsplatzes Bergen. 90 Minuten dauerte der Marsch über die Ringstraßen der Übungsplätze Munster und Bergen bis zur Schießbahn am Südrand von Bergen, nahe der Ortschaft Ostenholz.

Feuer frei: Der Puma beweist, dass er beißen kann. (Quelle: Bundeswehr/Dinnebier)Größere Abbildung anzeigen

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Erstes gemeinsames Training der Besatzung

Grundsätzlich bekämpft der Puma Ziele mit Einzelfeuer. Bereits mit dem ersten Schuss soll also ein Treffer erzielt werden. Nur wenn notwendig, wird das Ziel anschließend mit weiteren Schüssen vernichtet. Mit dem ersten Schuss zu treffen, ist also überlebenswichtig in Duellsituationen und spart auch wertvolle Munition.

Die „SPz – Üb – 3“ ist die erste Schießübung, in der der Kommandant, der Richtschütze und der Militärkraftfahrer in einer Gefechtssituation zusammen wirken. Bis dahin sind sie alle einzeln ausgebildet worden. „Aufklärung von Zielen bei Tag und Nacht. Selbständiges Bekämpfen von stehenden und sich bewegenden Zielen mit Zeitbegrenzung im Stand und aus der Fahrt im Zusammenwirken von Kommandant, Richtschütze und Kraftfahrer“ – so lautet der Übungszweck.

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Jeder Situation gewachsen

Oberstabsfeldwebel Lang stellt mit Hilfe kurzer Lagedarstellungen nacheinander sechs Aufgaben. Innerhalb von 20 Sekunden ist ein Einzelziel, in höchstens 40 Sekunden ein Doppelziel zu bekämpfen. Die Besatzung muss die Beobachtungsbereiche untereinander aufteilen. Der Kommandant nutzt sein Rundblick-Periskop mit stabilisierter Rundumbeobachtung, ausgerüstet mit neuester Optronic wie Wärmebildgerät, Laserentfernungsmesser und verschiedenen Kameras, der Richtschütze die Waffenoptik (WAO), ebenfalls mit Wärmebildgerät, Laserentfernungsmesser und Kamera.

Um Ziele zu identifizieren und anzuvisieren, kann das Sehfeld bis zu 16fach vergrößert werden. Der Laserentfernungsmesser misst auf fünf Meter genau. Die Waffenanlage mit der 30-Millimeter-Kanone und dem Bord-Maschinengewehr wird der stabilisierten Optik nachgeführt. Dadurch können – anders als beim Schützenpanzer Marder – auch während der Fahrt stehende und bewegliche Ziele auf bis zu 3.000 Metern Entfernung bekämpft werden.

„Zwölf Uhr. Kampfhubschrauber“, schildert Lang über Funk und lässt eine Scheibe mit der Silhouette eines Panzerabwehrhubschraubers in 2.300 Metern Entfernung aufklappen. „Fünf ABM frei“, ergänzt er. Sekunden später feuert „Charlie“ ab. Die Air Burst Munition, die der Puma zusätzlich zu den Wuchtgeschossen verschießen kann, stößt vor, an und direkt hinter dem Ziel je 162 je 1,24 Gramm schwere Subprojektile aus. In einem Durchmesser von neun Metern schlagen die Splitter im Ziel ein und vernichten es.

Der Puma ist in jeder Situation duellfähig. „Nicht nur vom Faktor Schutz her ist der Puma Weltklasse“, freut sich Lang und lobt die Präzision: „Auf 1.500 Meter Entfernung bringt er alle Schuss einer 10er-Salve in ein Fenster von 70 mal 70 Zentimeter. Wer kann das sonst?“

Oberstabsfeldwebel Lang justiert mit einem Maßband das Ziel

Maßarbeit: Oberstabsfeldwebel Lang zeigt, wie das Trefferbild ermittelt wird. (Quelle: Bundeswehr/Dinnebier)Größere Abbildung anzeigen

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„Vernetzt“ mit der Infanterie

„Die Ausbildung ist sehr zielführend“, erklärt der Chef der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 33, Hauptmann Konrad Fuchs. Nach der Übernahme der Schützenpanzer finden noch vier Wochen angeleitete Ausbildung beim Panzergrenadierlehrbataillon 92 statt. Hier werden die Kernbesatzungen aus Kommandant, Richtschütze und Kraftfahrer zusammen mit den sechsköpfigen Schützentrupps der Lehrkompanie üben. So sollen sie das Gesamtbild mit dem erweiterten System „Infanterist der Zukunft“ (IdZ-ES) für die spätere Truppenausbildung mit den eigenen Schützentrupps erhalten. Grundlage dafür ist eine neue Vorschrift. Sie verbindet die Ausbildung und Nutzung des IdZ-ES mit dem SPz Puma.

Beide Elemente sind nicht voneinander trennbar“, unterstreicht Fuchs. „Diese Verknüpfung ist alternativlos!“ In wenigen Wochen wird er die ersten 16 Puma seines Verbandes von Munster aus nach Luttmersen überführen. „Ich bin überzeugt von dem System! Wir sind stolz, das als Erste zu machen!“

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Stand vom: 08.03.16 | Autor: Burghard Lindhorst


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