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Bei jedem Wetter, zu jeder Zeit: Neue Tarnung für die Truppe

Erding, Bayern, 09.02.2016.
Multitarndruck und Schneetarndruck – so heißen die neuen Tarnmuster der Bundeswehr. Die Entscheidung zur Einführung fiel Mitte und Ende des vergangenen Jahres. Nun werden sie sukzessive an die Truppe ausgeliefert – zunächst jedoch nur an bestimmte Truppengattungen.

Soldat mit neuer Uniform wird von einer Schneiderin vermessen

Irgendwie unscharf?: Genau das ist der gewünschte Effekt. (Quelle: Bundeswehr/Twardy)Größere Abbildung anzeigen

Flecken in Dunkelgrün, Hellgrün und Braun. Dazu Beige und Grau auf größeren Flächen und ein paar helle Tupfer: So sieht er aus, der neue Multitarndruck. Entwickelt hat ihn Alexander Dietel. Der Beamte ist Textilchemiker am Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding. Zur Seite standen ihm dabei eine Hand voll Kollegen des WIWeB. „Drei Jahre lang haben wir hier in Erding an verschiedenen Entwürfen gearbeitet und Prototypen hergestellt“, sagt der 47-Jährige. Über die Praxistauglichkeit entschieden Feldversuche am „Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen“ im brandenburgischen Storkow und in Afghanistan.

Durchgesetzt hat sich am Ende die Komposition aus sechs Farben. „In Sachen Helligkeit liegt der Multitarndruck zwischen den derzeit genutzten Dreifarbentarndruck für die Wüste und Fünffarbentarndruck“, sagt Dietel. Ausschlaggebend für das Design ist die Einsatzorientierung der Bundeswehr. „Mit dem Muster erhält man eine sehr gute Tarnwirkung in Regionen mit geringem bis mäßigem Grünanteil“, so Dietel.

Subjektiv wirke der Tarndruck in dunkler Umgebung dunkler und in heller Umgebung heller. „Das erreichen wir durch die großflächigen Beige- und Grauanteile“, erklärt der Textilchemiker. Er weist jedoch darauf hin, dass sich das Tarnmuster nicht für vorrangig grünes Gelände wie in Mitteleuropa oder tropische Gebiete eigne. „Es gibt nicht den Allround-Tarndruck. Man muss immer Kompromisse eingehen“, sagt Dietel.

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Wirkt auch gegen Nachtsichtgeräte

Neben der höheren Tarnwirksamkeit in den allermeisten Einsatzgebieten wartet der Multitarndruck auch mit sehr guten Tarnwerten im sogenannten nahen Infrarotbereich auf. Diesen Wellenlängenbereich, der zwischen dem sichtbaren Licht und der Wärmestrahlung liegt, nutzen Nachtsichtgeräte und Restlichtverstärker. Soldaten sind auch mit dem neuen Tarnmuster gegen diese Technologien hervorragend geschützt. Weiterhin keine Tarnung gibt es jedoch für Körperwärme, die von Wärmebildkameras eingefangen wird. „Dafür gibt es derzeit weltweit kein praktikables Konzept“, weiß Dietel.

Er weist zudem darauf hin, dass der Multitarndruck auf alle Stoffe und Gewebe, die die Bundeswehr nutzt, übertragbar sei. So bestünde die Möglichkeit, den neuen Kampfbekleidungssatz Streitkräfte damit auszustatten, der seit 2015 an die Truppe ausgeliefert wird. Auch Ausrüstungsgegenstände wie Rucksäcke oder Taschen könnten den neuen Tarndruck erhalten. Zunächst soll er jedoch nur an Spezialkräfte ausgeliefert werden.

Neuer und alter Schneetarndruck nebeneinander

Flecken statt Tupfer: Die neue (rechts) und die alte Wintertarnung im Vergleich. (Quelle: BUndeswehr/Twardy)Größere Abbildung anzeigen

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Neuer Schneeanzug für die Gebirgsjäger

Optisch auffälliger sind die Veränderungen beim neuen Schneetarnmuster. Auch hier nutzen die Entwickler nun die für die Bundeswehr charakteristischen „runden Flecken“. Die bisherige Version enthält noch einige größere ausgefranste grüne Flecken auf weißem Grund. „Das Weiß des neuen Schneetarns ist deutlich heller als zuvor und nimmt weiterhin die größte Fläche ein“, erklärt Dietel. „Hinzu kommen dunkelgrüne und graue Flecken, die die Kleidung an vereinzelte Felsen und grüne Vegetation anpassen.“

Das Muster leitet sich vom bewährten Dreifarbentarndruck für Wüstengebiete ab. Die Tarnwirkung bei Tageslicht sei laut Dietel nicht viel höher als bei der Vorgängerversion. „Doch wir haben hier große Verbesserungen im nahen Infrarotbereich erreicht“, bilanziert der Experte.

Das neue Muster ging einher mit der Entwicklung des neuen „Schneetarnanzugs beweglicher Einsatz“. „Im Gegensatz zur Vorgängerkleidung, die aus Baumwolle besteht, nutzen wir hier ein Funktionslaminat. Das saugt sich nicht mit Wasser voll, wird dadurch nicht schwerer und gefriert auch nicht über Nacht“, beschreibt Dietel die Vorteile. Im Prinzip handele es sich um eine für militärische Zwecke ausgelegte moderne Snowboardbekleidung. Der neue Tarndruck unterstreiche die zeitgemäße Optik des Anzugs.

Der „Schneetarnanzug beweglicher Einsatz“ wird derzeit an die Gebirgsjäger in Bad Reichenhall ausgeliefert. Nach und nach soll die gesamte Gebirgstruppe der Bundeswehr damit ausgestattet werden.

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Stand vom: 09.02.16 | Autor: Stefan Rentzsch


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